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Rückblick

Rückblick auf ein Jahr Disney+: Die Maus haut einen raus

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Auf Erfolgskurs: Das House of Mouse mit seinem ein Jahr alten Streamingdienst Disney+. Bild: © Disney 2020

Nach Apple TV+ feiert auch der neue Streamingdienst des House of Mouse, Disney+, im November 2020 sein Einjähriges. Auch hier blicken wir einmal auf die vergangenen zwölf Monate zurück und resümieren, wie sich die Plattform gegen die Konkurrenz geschlagen hat.

Am 12. November 2019 fiel in den USA der Startschuss für Disney+, in Deutschland war es am 24. März 2020 so weit. Inzwischen ist der Streamingdienst ein fester Bestandteil in Millionen von Haushalten auf der ganzen Welt.

Bereits einen Monat nach dem offiziellem Release in den USA, Kanada und den Niederlanden hatte Disney+ zehn Millionen Abonnenten. Bis Ende Dezember stieg diese Zahl auf fast 30 Millionen an! Im März feierte der Streamingdienst auch in den meisten europäischen Ländern Premiere – darunter Großbritannien, Italien, Spanien und Deutschland. In den folgenden Wochen kamen Millionen neuer Abonnenten hinzu, sodass Anfang Mai 2020 laut Statista 54,5 Millionen Menschen im Besitz eines Abos waren. Laut TechCrunch soll die Zahl im August auf 60,5 Millionen Nutzer angestiegen sein.

Ziel für 2024 schon jetzt erreicht

Disney blickt damit auf ein weitaus erfolgreicheres Jahr als Konkurrent Apple zurück. Keine Frage, Disney+ kann noch lange nicht mit den Platzhirschen Netflix oder Amazon Prime Video im Streaminggeschäft mithalten. Netflix beispielsweise hat inzwischen rund 195 Millionen zahlende Kunden (via Statista), und pro Quartal kommen zwischen zehn und 20 Millionen neue Abonnenten hinzu.

Und trotzdem hat Disney+ nach nur acht Monaten sein Fünf-Jahres-Ziel erreicht, wie Deadline im August 2020 berichtet. In dieser Hinsicht ist Disney dem neuen Streamingdienst von Apple davongerannt. Der kommt auf gerade einmal fünf Millionen Abonnenten.

Content is King!

Disney+ hat eines direkt in die Karten gespielt: das Angebot. Denn das ist exklusiv. Nahezu alle Filme und Serien, die zum Walt-Disney-Konzern gehören, laufen auf dem Streamingdienst. Das Unternehmen hat noch vor Release damit begonnen, die meisten Disney-Titel von anderen Plattformen abzuziehen.

Nur auf Disney+ gibt es alle "Star Wars"-Filme, das gesamte Marvel Cinematic Universe, die Zeichentrickklassiker sowie Pixar-Filme und vieles mehr an ein und demselben Ort. Ein klares Alleinstellungsmerkmal! Und dafür ist der Preis absolut angemessen: Für monatlich rund sieben Euro gibt's Zugriff auf den gesamten Content. Alternativ beträgt der Jahrespreis 70 Euro. Da kann man nichts gegen sagen. Natürlich ist Apple TV+ mit monatlich 4,99 Euro günstiger, bietet allerdings auch nur einen Bruchteil an Filmen und Serien (aktuell um die 30 Eigenproduktionen).

Exklusivtitel als Entscheidungshilfe?

Eines der Aushängeschilder für Disney+ war und ist neben dem Gesamtkatalog natürlich "The Mandalorian". Während viele der "Star Wars"-Filme bei den Zuschauern und Kritikern auf unterschiedliche Meinungen stoßen, sind sich in diesem Fall beide Parteien einig: Die Serie überzeugt auf ganzer Linie. Ein weiterer Pluspunkt für den Konzern, der zeigt, dass er mit der Serie alles richtig macht.

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Während die "Star Wars"-Sequels Fans und Kritiker spalten, sind hinsichtlich "The Mandalorian" beide Parteien glücklich. Bild: © Statista 2020

Selbst die andauernde Corona-Pandemie tut dem Dienst keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil – und das, wo der geplante Kinostart von "Mulan" im März 2020 mehrmals verschoben wurde. Nach langem hin und her hat sich Disney dazu entschlossen, die Realverfilmung nicht ins Kino zu bringen, sondern direkt online zu stellen. Allerdings gegen einen Aufpreis. "Mulan" ist zunächst nicht im regulären Katalog enthalten, das folgt erst später.

Natürlich wird Disney mit "Mulan" große Verluste eingefahren haben. In Deutschland lief der Film zum Beispiel gar nicht in den Kinos, ebenso wenig in den USA. Doch so kann der Konzern zumindest versuchen, diese so gering wie möglich zu halten. Nur in einigen wenigen asiatischen und europäischen Ländern lief "Mulan" kurzzeitig in den Kinos – spielte dort allerdings überschaubare 66 Millionen US-Dollar ein (via Box Office Mojo). Wie viel Disney zusätzlich über den VIP-Zugang erhalten hat, ist nicht bekannt.

Mein Jahr mit Disney+

Es ist kein Geheimnis, dass ich großer Disney-Fan bin. Deshalb war für mich früh klar, dass ich zumindest ein Jahr lang Disney+ testen möchte. Alleine schon wegen "The Mandalorian". Auch wenn genau genommen in Deutschland erst knapp ein Dreivierteljahr rum ist, lässt sich eine eindeutige Tendenz in meinem Nutzerverhalten feststellen. Die lautet: Ich nutze Disney+ viel zu selten.

Allerdings kann ich nicht einmal wirklich sagen, woran es liegt. Die Vorteile liegen eigentlich auf der Hand: Ich kann mir alle Disney-Filme sowie zahlreiche Dokumentationen auf National Geographic ansehen. Dafür muss ich noch nicht einmal umständlich mein Notebook an den Fernseher stöpseln – etwas, das ich bei Apple TV+ kritisiert habe. Über unseren Smart TV kann ich ganz einfach die App aufrufen und loslegen.

Ich könnte vor allem endlich die Realverfilmungen von "Dumbo" oder "Susi und Strolch" nachholen. Doch mein Konsum des Streamingdienstes ist überschaubar. Natürlich habe ich "The Mandalorian" gesehen bzw. gucke es gerade. Und ein weiteres Highlight ist für mich das Broadway-Musical "Hamilton". Ich habe das Bühnenstück von Lin-Manuel Miranda inzwischen zweimal gesehen und höre nach wie vor den Soundtrack rauf und runter.

Dann dünnt sich meine Watchlist allerdings auch schon schlagartig aus. Mein Vorhaben, noch mal alle Zeichentrickklassiker zu gucken, habe ich bisher nicht umgesetzt. Einzig "Der König der Löwen" habe ich in einem Anflug von Nostalgie einmal angeschmissen. Das war's. Darüber hinaus habe ich auf NatGeo "How Dogs Got Their Shapes" gesehen, die Disney-Dokuserie "Hundeleben – vom Welpen zum Blindenhund" (Du erkennst vielleicht gewisse Vorlieben) – und "Die Gummibärenbande". Einige der Disney-Nature-Dokumentarfilme waren auch noch dabei, aber dann hört es eigentlich auch schon auf.

Es ist definitiv nicht auf das Angebot von Disney zurückzuführen, dass ich den Dienst so wenig genutzt habe, sondern eher auf mein eh schon viel zu starken Konsum von Filmen und Serien auf anderen Plattformen. Meine bessere Hälfte und ich können uns primär auf Titel einigen, die es nicht auf Disney+ zu sehen gibt – "The Mandalorian" ausgeschlossen. Viel Zeit bleibt dann nicht mehr, irgendwann allein das Angebot des Streamingdienstes durchzugucken.

Anders wäre es wohl, wenn ich Kinder hätte. Im Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis hat sich gezeigt, dass vor allem Familien den Dienst weitaus intensiver nutzen. Vielleicht liegt es daran, dass Disney+ nicht nur die Jüngsten abholt, sondern auch die Eltern damit etwas anfangen können. Walt Disney hat immerhin auch ihre Kindheit geprägt.

Fazit: Behalten oder kündigen?

Derzeit bin ich noch unentschlossen, ob ich Disney+ nach Ablauf des Jahres weiternutzen werde oder nicht. Am Preis liegt es nicht, der ist mehr als fair. Selbst der Premium-Access, der wie bei "Mulan" für brandneue Titel einen zusätzlichen Beitrag fordert, ist vollkommen in Ordnung. Sofern mich der Film interessiert, würde ich dafür auch bezahlen.

Bis mein erstes Jahr komplett abgeschlossen ist, sind es noch ein paar Monate. Ich werde zunächst weiter beobachten, wie oft ich den Dienst bis dahin noch nutzen werde. Aber eigentlich spricht nichts dafür, zu kündigen. Bis auf mein Nutzerverhalten ...

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