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"The Boys": Staffel 2 ist dunkler, derber, brutaler, und ich liebe es!

The Boys
Sie melden sich zurück: Frenchie, Kimiko, Butcher, Mother's Milk und Hughie (von links nach rechts). Bild: © James Minchin/Amazon Studios 2020

The Boys are back in town – und mit Staffel 2 zurück bei Amazon Prime Video. Zugegeben, ich war skeptisch: Können die neuen Folgen die großartige erste Staffel toppen? Da ich die neue Season bereits gesehen habe, gibt's hier die Antwort.

Achtung, Spoiler!
Im Folgenden werde ich wichtige Story-Details zu Staffel 2 außen vor lassen. Du sollst schließlich die acht neuen Folgen ohne Spoiler genießen. Allerdings komme ich um Details zur ersten "The Boys"-Season nicht herum. Du liest also auf eigene Gefahr weiter.

Die erste "The Boys"-Staffel habe ich sehr gefeiert. Diese ganze Superhelden-Leier von DC und Marvel wurde mir echt zu viel – die Serie von Eric Kripke kam genau zur richtigen Zeit. Umso mehr war ich auf die Fortsetzung gespannt, las in der Zwischenzeit sogar die ersten beiden Comic-Bände der Gnadenlos-Edition. Die Skepsis blieb: Kann Staffel 2 an die erste anknüpfen und das Niveau halten?

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Was macht eigentlich The Deep auf diesem Bild? Bild: © Amazon.com Inc., or its affiliates 2020

Darum geht's in der zweiten "The Boys"-Staffel

Die Antwort lautet: Sie kann! Mehr noch, Staffel 2 ist in meinen Augen sogar noch besser als die erste. Aber erst einmal quick and dirty – wie die Serie eben auch – eine grobe Zusammenfassung, um was es in den neuen Folgen von "The Boys" geht.

Billy Butcher ist verschollen, die übrigen Boys sind auf sich allein gestellt. Hughie, Frenchie, Mother's Milk und Kimiko alias das Weibchen versuchen unterdessen, es in Eigenregie mit den Seven aufzunehmen.

Nach dem Tod von Madelyn Stillwell hat Stan Edgar die Zügel bei Vought International in die Hand genommen und ist für die Vermarktung der Superhelden und allen voran der Seven zuständig. In Staffel 2 darf er sich allerdings zusätzlich mit der Gefahr durch Supe-Terroristen herumschlagen ...

Nachdem The Deep am Ende von Staffel 1 ins Exil geschickt wurde, gibt es in Staffel 2 für die Seven einen Neuzugang: Stormfront unterstützt die beliebten Supes, doch sie eckt schnell bei ihren neuen Kollegen an. Sie hält sich nur ungern an Regeln und ist am liebsten ihre eigene Chefin – zum Unmut von Homelander. Der Anführer der Seven liebt Kontrolle und lässt sich von den anderen nicht über den Mund fahren. Es gibt also genug Aspekte, die in der zweiten "The Boys"-Staffel für Konfliktpotenzial sorgen.

Was bedeutet es, "gut" oder "böse" zu sein?

Betrachten wir die beiden Staffeln im direkten Vergleich, wirkt die erste Season wie eine Einführung. Sie etabliert die Charaktere und zeigt, wovon "The Boys" handelt. Wirklich in die Tiefe geht es aber erst mit Staffel 2. Showrunner Eric Kripke gelingt es, mehrere Handlungsstränge parallel verlaufen zu lassen, ohne den Faden zu verlieren. Zusätzlich entwickelt sich jeder Charakter weiter. Bei einigen Figuren wie Kimiko erfahren wir mehr über ihren Hintergrund, bei anderen halten wir kurz den Atem an, da sie plötzlich Züge zeigen, die wir nicht erwartet hätten – so etwa bei Billy Butcher.

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Sie könnten gegensätzlicher kaum sein: Homelander und Starlight. Bild: © Amazon.com Inc., or its affiliates 2020

Auch in den neuen Folgen ist es schwer, alle Beteiligten in ein klassisches Schwarz-Weiß-Schema stecken. Wer ist schon wirklich gut? Und wer böse? Klar, Du wirst mir zustimmen, dass Homelander der größte Arsch von allen ist. Es gibt nichts Positives über ihn zu berichten. Er ist das Paradebeispiel von "Gute Miene zum bösen Spiel". Die Menschen lieben ihn abgöttisch, kennen allerdings sein wahres Ich nicht.

Das komplette Gegenteil sind Hughie und Starlight. Sie kämpfen der Gerechtigkeit wegen gegen Vought International und nicht aus egoistischen Gründen. Die übrigen Mitglieder der Seven und Boys liegen irgendwo zwischen diesen Extremen. Sie sind im Graubereich, jeder hat etwas Gutes an sich, zeigt jedoch auch seine dunkle Seite. Doch alle Charaktere bleiben in der Regel menschlich, egal, was für Dinge sie tun. Es sind nachvollziehbare Gründe, warum der eine oder die andere teilweise so extrem handelt. Naja, bei fast allen. Homelander klammern wir lieber aus.

Staffel 2 ist immer ein gutes Stück drüber

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Als wenn die Seven nicht schon genug Ärger machen: Jetzt gibt's auch noch Supe-Terroristen! Bild: © Panagiotis Pantazidis/Amazon Studios 2020

Die zweite "The Boys"-Staffel setzt ohne Frage noch einen drauf. Die acht Episoden sind an keiner Stelle subtil – bei Eric Kripke gibt's immer voll auf die Zwölf. Ein Konzept, das bereits in der ersten Season erfolgreich war. Im Vorfeld kündigte der Showrunner an, dass Staffel 2 noch blutiger werde, und er behielt Recht. Kripke hat sich einige groteske Szenen ausgedacht, die garantiert nichts für Zartbesaitete mit nervösem Magen sind. Für Dich war die Delfin-Szene in Staffel 1 schon harter Tobak? Das war gar nichts. Es geht viel krasser! Glaub mir.

Die Macht der sozialen Medien

Zugleich ist Staffel 2 auch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Anhand von Stormfront führt uns die Serie einmal mehr vor Augen, wie mächtig der Gebrauch (oder sollte ich sagen Missbrauch?) von Social Media und die Glorifizierung einzelner Personen sein können. Mit Stormfront und Homelander prallen zwei Welten aufeinander: Während der Neuzugang bewusst die sozialen Medien nutzt, um seine Fans zu erreichen, setzt der Anführer der Seven auf klassische PR-Arbeit. "Du hast Fans, ich habe Soldaten", klärt Stormfront an einer Stelle Homelander auf.

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"Hör mal, Schätzchen! Das ist ein Livestream, also sei nett!" Bild: © Amazon.com Inc., or its affiliates 2020

Bereits der Trailer zu "The Boys" hat Stormfront als direkte Konkurrentin von Homelander präsentiert. Sie schmiert ihren Fans allerdings keinen Honig um den Mund, sondern findet klare Worte – und schürt Angst unter den Anhängern. Die Memes mit ihr kursieren überall im Netz, ihre Beliebtheit übertrifft bald die von Homelander. "Wenn dein Onkel das hier auf Facebook postet, weißt du, dass es funktioniert", erklärt Stormfront und ergänzt: "Du brauchst keine 50 Millionen Fans, du musst nur dafür sorgen, dass fünf Millionen wütend sind".

Ein Blick in die Nachrichten aus der realen Welt genügt, um zu sehen: Dieses Thema der Serie ist alles andere als weit hergeholt ...

Fazit: Die neue "The Boys"-Staffel setzt noch einen drauf

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Ein ganz normaler Abend unter Freunden ... Bild: © Jasper Savage/Amazon Studios 2020

Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, aber Staffel 2 toppt die erste "The Boys"-Season noch einmal deutlich. Eric Kripke scheut sich nicht, mit den Handlungssträngen der mehr als zehn Charaktere zu jonglieren, wobei ihm der Balanceakt meisterhaft gelingt. Nahezu jede Figur entwickelt sich im Laufe der acht Episoden weiter, bekommt mehr Ecken und Kanten, und die einzelnen Handlungen sind stets nachvollziehbar.

Inhaltlich könnte Staffel 2 kaum passender und aktueller sein. Die neuen "The Boys"-Episoden sind ein Kommentar zur aktuellen politischen und gesellschaftlichen Lage, zum Umgang mit Stars, zur Nutzung der sozialen Medien und zu vielem mehr. Wer wie ich daran gezweifelt hat, dass sich Staffel 1 übertreffen lässt, den belehrt Staffel 2 eines Besseren!

Sendehinweis
Die zweite Staffel von "The Boys" läuft ab 4. September bei Amazon Prime Video. Zu Beginn sind direkt drei Episoden verfügbar, anschließend folgt jeden Freitag eine neue Folge. Das Finale gibt's somit ab 9. Oktober zu sehen.
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