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Filmkritik

"The Mortuary"-Kritik: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte

The Mortuary
Willkommen auf Bly Manor! Ach nee, das war was anderes, oder? Bild: © Capelight Pictures 2020

Der Herbst ist prädestiniert für ein paar Gruselgeschichten, oder? Pünktlich zu Halloween startet "The Mortuary" in den Kinos und hat einige Schauermärchen im Gepäck. Ob die allerdings ordentlich Saures bieten oder viel mehr zuckersüß sind, erfährst Du in unserer Kritik.

Traumberuf Leichenbestatter? Die Story

Sam (Caitlin Custer) heuert bei Montgomery Dark (Clancy Brown) an: Sie will die Assistentin des Leichenbestatters werden. Dass die dabei die ganze Zeit mit Toten zu tun hat, stört sie herzlich wenig. "Ich bin nicht wie die anderen", stellt sie gegenüber ihrem potenziellen Arbeitgeber klar.

Um ein bisschen mehr über das Haus, Dark und die Arbeit zu erfahren, will Sam ein paar Schauergeschichten hören. Immerhin hat "jeder Tod eine Geschichte", wie Montgomery Dark erklärt. Also plaudert der alte Mann aus dem Nähkästchen ...

Einen Kurzfilm weitergedacht

Regisseur Ryan Spindell liefert mit "The Mortuary" sein Spielfilmdebüt. Da er vorher in erster Linie Kurzfilme gedreht hat, überrascht es nicht, dass er nun einen Anthologiefilm erschaffen hat. Heißt: Innerhalb der eigentlichen Geschichte werden vier weitere erzählt. Eine davon, "The Babysitter Murders", nimmt explizit Bezug auf den gleichnamigen Kurzfilm von ihm aus dem Jahr 2015 bzw. verwendet sogar Szenen daraus. Dieser Teil ist ein bisschen "Inception"-mäßig aufgebaut: Ein Film im Film im Film im ... naja, Du weißt schon.

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Ein gewisses Interesse am Morbiden braucht man für den Job des Leichenbestatters. Bild: © Capelight Pictures 2020
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"Sind Sie sicher, dass Sie den Job durchhalten?" Bild: © Capelight Pictures 2020
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"Been there, done that"

Spindell hat das Horrorgenre mit "The Mortuary" nicht umgekrempelt oder gar revolutioniert. Es ist ein Film, wie es viele von ihnen gibt. Doch Spindell schafft es, seine Geschichten von Mal zu Mal zu verbessern und mit den Genrekonventionen und der Erwartungshaltung zu spielen – durch Sam.

Sie ist in gewisser Weise das Sprachrohr des Zuschauers. Die junge Frau durchschaut die Geschichten, die ihr Dark auftischt. Ja, die Storys sind zwar ganz nett, aber der große Wow-Effekt bleibt aus. "Da habe ich jetzt etwas Gehaltvolleres erwartet. Es war nett, aber ich hätte jetzt einen Twist erwartet oder so ...", haut sie Dark um die Ohren.

Nach kurzer Verwunderung legt Montgomery Dark mit der nächsten Geschichte nach ...

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Ein nackter Oberkörper ist noch lange kein Garant für eine gute Story. Bild: © Capelight Pictures 2020

Taten haben immer Konsequenzen

Zwar setzt die zweite Story noch eine Schippe drauf, im Vergleich ist sie für mich jedoch die schwächste Geschichte. Ich will keine Details verraten, aber in der Summe hat es Spindell zu gut gemeint mit den Elementen. Und dass gewisse Taten immer Konsequenzen haben, war schon nach der ersten Geschichte klar. Spindell serviert es uns aber in jeder neuen Geschichte wieder und wieder ... Vielleicht war es auch bewusst gewählt, doch dass er es besser kann, zeigt die dritte Geschichte. In meinen Augen die Stärkste.

Darin werden moralische Fragen aufgeworfen, es gibt ein, zwei überraschende Momente – und ein wunderschönes, aber zugleich völlig abstoßendes Ende.

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"Eeeevery night in my dreams, I see you, I feeeeeeeel yoooou, ... " Bild: © Capelight Pictures 2020

Handgemachter Horror

Darin liegt die Stärke des Films: Der Look ist fantastisch. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es hat teilweise ein bisschen was von Guillermo del Toro – nur weniger düster. Das gesamte Setting, sowohl innerhalb der Kurzgeschichten als auch im Haus von Montgomery Dark, ist äußerst detailreich und durchdacht. Trotz aller Morbidität hat es teilweise etwas absolut Ästhetisches. Er bringt typische Slasher-Momente in seinem Film unter, aber auch Suspense. Zeigt Wesen, die von H. P. Lovecraft persönlich stammen könnten, setzt aber genauso Gore-Elemente ein.

Auch setzt Spindell verstärkt auf Selfmade-Horror und spart an unnötigen CGI-Szenen. Die Szene am Ende der vierten Geschichte bekommt durch das verwendete Stop-Motion-Verfahren viel mehr Charme, als wenn die "Objekte" im Computer entstanden wären.

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Im Medizinschrank wurde offenbar schon länger nicht mehr sauber gemacht. Bild: © Capelight Pictures 2020

Fazit: Schaurig schön, aber wenig gruselig

"The Mortuary" ist kein Film für hart gesottene Horrorfans. Der Grusel geht nie wirklich unter die Haut und ist zum Teil so over the top, dass man eher zum Schmunzeln neigt. Das ist auch völlig okay, denn der Film will auch gar nicht gnadenlos schockieren. Viel mehr reiht er sich in die Liste von Filmen ein wie "Krampus", "Die Geistervilla" oder "Geschichten aus der Gruft". Ein unterhaltsamer Film, der vor allem auf junge Erwachsene abzielt, allerdings auch ältere Semester abholt.

Wo "The Mortuary" inhaltlich seine Schwächen hat, punktet er umso mehr mit der Optik. Das hat Ryan Spindell echt drauf. Und was das Schreiben des nächsten Drehbuchs betrifft, kann er sich ja immer noch Unterstützung suchen ...

TURN ON-Score: 3,5/5

Fakten zum Film

Originaltitel: "The Mortuary Collection" 
Regie:
Ryan Spindell
Mit:
Clancy Brown, Caitlin Custer, Christine Kilmer
Laufzeit:
1 Stunde 48 Minuten
FSK:
ab 16

Kinostart
"The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte" startet am 29. Oktober 2020 in den deutschen Kinos.

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