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"The Walking Dead"-Review: Das (fast perfekte) Ende einer Ära

Mit diesem Abgang geht bei "The Walking Dead" eine Ära zu Ende.
Mit diesem Abgang geht bei "The Walking Dead" eine Ära zu Ende. (©Jackson Lee Davis/AMC 2018)

Nachdem er sich in der vergangenen Woche bereits angebahnt hat, steht uns in Episode 5 von "The Walking Dead" der wohl größte Abgang in der Geschichte der Serie bevor. Oder vielleicht doch nicht? Insgesamt ist in der "Wach auf" betitelten Folge von Staffel 9 aber vor allem der Name absolut Programm. Warum, das liest Du in unserem Review.

Achtung, Spoiler!
Der folgende Artikel ist voller Spoiler zur fünften "The Walking Dead"-Folge von Staffel 9. Weiterlesen also auf eigene Gefahr.

Staffel 9 setzt auf einen langsamen Schwanengesang

Die gute Nachricht vorweg: Das, was uns die Macher von "The Walking Dead" in der vierten Folge von Staffel 9 geboten haben, war natürlich noch nicht der große Abgang von Rick Grimes. Das hätte mich auch sehr gewundert, nachdem der Ausstieg von Darsteller Andrew Lincoln vorab derart zelebriert worden war. In der aktuellen Episode dreht sich daher quasi alles um den laaaangen Schwanengesang von Rick. Doch der fällt dabei erfreulich dramatisch aus.

Natürlich darf eine gute Portion Taschentuchalarm nicht fehlen und die Macher rund um Showrunner Angela Kang geben sich die größte Mühe, Rick in jedem sich bietenden Moment betonen zu lassen, dass er seine Familie sucht und sie beschützen muss. Die wohl größte Beißerherde seit gefühlt vier bis fünf Staffeln dürfte da zusätzliche Motivation liefern.

"The Walking Dead"-Szenenbild (© 2018 Jackson Lee Davis/AMC)

Jede Menge alte Bekannte

Aber Frotzelei beiseite: Wie Rick sich selbst mit seinem Gürtel vom Metallpfahl zieht und dann ziemlich gequält hoch zu Ross vor den Beißern flüchtet, hat schon etwas ziemlich Krasses. Und seine zwischenzeitlichen Ohnmachtsanfälle sorgen dafür, dass sich die Zuschauer über ein Wiedersehen mit diversen längst den Serientod gestorbenen Charakteren von "The Walking Dead" freuen dürfen.

Rick trifft auf Shane, Hershel und auch auf Sasha. Die Gespräche, die sie dabei führen, sind nicht nur mehr als gut geeignet, um das Publikum auf die "jetzt stirbt er gleich"-Schiene einzustimmen, sondern auch, um einige Dinge für zukünftige Folgen zu "klären". So wird zum zweiten Mal in der Geschichte der Serie eindeutig klargestellt, dass Judith nicht Ricks, sondern Shanes Tochter ist. Aber auch, dass wir uns um den Rest der Überlebenden keine echten Sorgen zu machen brauchen. Maggie und Co. sind stark, denn die Gruppe gibt sich gegenseitig Kraft.

"The Walking Dead"-Szenenbild fullscreen
"The Walking Dead"-Szenenbild (©Jackson Lee Davis/AMC 2018)
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Selbst die bereits verstorbenen Mitglieder der erweiterten Familie tragen dazu bei. Besser hätten die Macher ein "die Serie besteht auch ohne Rick wunderbar weiter, bewahrt aber sein Andenken" wohl kaum durch die Blume in Episode 5 einbauen können.

Booooom!

Am Ende landet Rick mit letzter Kraft genau da, wo er die Beißerherde eigentlich gerade nicht hinhaben wollte: bei der noch nicht ganz fertiggestellten Brücke Richtung Hilltop! Seine Hoffnung, die Konstruktion werde nachgeben und die Beißer im reißenden Fluss versinken, erfüllt sich aber – natürlich – nicht. Das wäre ja auch zu einfach gewesen.

Während Rick noch darauf wartet, jetzt doch gefressen zu werden, naht die Kavallerie. Leider stellt sich die Ankunft von Daryl, Maggie, Michonne und Co. (alle wieder in schönster Harmonie vereint) als weitere Halluzination heraus. Eines der in Episode 5 inflationär gebrauchten "Wach auf" holt Rick in die Realität zurück.

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"The Walking Dead"-Szenenbild (©Jackson Lee Davis/AMC 2018)
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Und dann sind sie doch alle da. Gerade noch rechtzeitig, um ein letztes bisschen zu spät zu kommen und Zeugen des aufopferungsvollen Todes von Rick Grimes zu werden – der die Brücke mitsamt Beißern per Dynamit in einer riesigen Explosion aufgehen lässt, damit seine Freunde sich nicht unnötig für ihn in Todesgefahr bringen. Der Moment, auf den quasi die gesamte Staffel 9 bisher hingearbeitet hat – und der mich jetzt tatsächlich einen dicken Kloß im Hals spüren lässt. Schluck ...

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"The Walking Dead"-Szenenbild (©Jackson Lee Davis/AMC 2018)
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"The Walking Dead"-Szenenbild (©Jackson Lee Davis/AMC 2018)

Ein perfekter "The Walking Dead"-Abgang – fast

Auch wenn die Lobhudelei auf Rick Grimes in den vergangenen Folgen von Staffel 9 vielleicht mitunter etwas dick aufgetragen war, muss ich zugeben, dass Angela Kang in Episode 5 gefühlt alles richtig gemacht hat. Das Serien-Aus von Rick ist dramatisch, und sorgt fast für noch mehr Taschentuchalarm als Carls in Staffel 8.

Hätten sie es mal dabei belassen! Dass Anne, ehemals Jadis, den halb gegrillten "TWD"-Frontmann am Flussufer aufsammelt und die mysteriöse Hubschrauber-Crew in nicht nur mitnimmt, sondern offensichtlich auch zusammenflickt, nimmt Ricks Abgang gefühlt nicht nur sämtliche zuvor aufgebaute Dramatik. Das Ganze lässt uns auch erneut mit mehr Fragen als Antworten zurück. Klar, irgendwie muss ja eine Möglichkeit für die geplanten Rick-Grimes-Filme offengehalten werden, aber musste das SO sein?!

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"The Walking Dead"-Szenenbild (©Jackson Lee Davis/AMC 2018)
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Und noch ein Zeitsprung für Staffel 9

Mal ganz abgesehen davon, dass wir einmal mehr mit den geheimnisvollen As und Bs konfrontiert werden. "Ich habe ein B, ich hatte nie ein A. Ich habe jetzt etwas für euch, haben wir einen Deal?", erklärt Anne via Funkgerät einem seltsam gut über die Situation informierten Piloten. Und ich will einfach nur endlich wissen, was es mit diesen komischen Code-Buchstaben auf sich hat. Allerdings gebe ich zu, dass die Neugierde mittlerweile in Genervtheit umschlägt. So langsam sollten die Macher hier vielleicht mal für Klarheit sorgen.

Außerdem leitet der ganze Abflug auch noch gleich den nächsten Zeitsprung in der Welt der Zombieapokalypse ein. Geschätzt dürften dieses Mal rund vier bis sechs Jahre vergangen sein, wenn ich nach dem Alter von Judith gehe. Die nimmt am Ende von Episode 5 Magna und ihre Leute nicht nur gekonnt vor einer Gruppe Beißer in Schutz. Sie präsentiert sich auch als echtes Kind ihrer (Zieh-)Eltern: als Cowboy-Verschnitt mit Katana am Gürtel. Die Kleinen werden ja so schnell erwachsen heutzutage ...

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"The Walking Dead"-Szenenbild (©Jackson Lee Davis/AMC 2018)
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"The Walking Dead"-Szenenbild (©Jackson Lee Davis/AMC 2018)

Da war doch noch was

Vor lauter Schwanengesang könnte man eine kleine aber feine Nebenhandlung in Alexandria beinahe vergessen: das erste Aufeinandertreffen von Maggie und Negan. Es bahnt sich alles so schön an. Michonne will die Hilltop-Anführerin erst aufhalten, lässt sie nach einem emotionalen Wortwechsel dann aber (natürlich) doch durch. Sehr zur Freude von Negan, der alles daran setzt, Maggie zu reizen.

Warum? Weil er will, dass sie seinem elenden Gefängnisdasein ein Ende bereitet! Tatsächlich ist das, was sich da aus der Zelle schleppt, nur noch ein müder Abklatsch des früher so übermäßig selbstbewussten Ober-Saviors. Mein erster Gedanke, als ich Negan zum ersten Mal in Staffel 9 voll zu Gesicht bekomme: Der ist ja nur noch ein Häuflein Elend! (Das denkt sich übrigens wohl auch Maggie und lässt ihn ziemlich befriedigt wieder in die Zelle wandern ...)

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"The Walking Dead"-Szenenbild (©Jackson Lee Davis/AMC 2018)

Hoffentlich bessert sich das noch. In diesem Zustand taugt die von Jeffrey Dean Morgan verkörperte Figur jedenfalls weder zum neuen Anti-Helden à la Comicvorlage noch zum Oberbösewicht, den zu hassen wir so sehr geliebt haben. Dann lasst ihn lieber ganz verschwinden ...

Mein Fazit zur fünften "The Walking Dead"-Folge von Staffel 9

Episode 5 von Staffel 9 liefert einen perfekten Abgang für Rick Grimes ab. Fast zumindest. Denn nachdem die gesamte "Wach auf" betitelte Folge den Serien-Tod des bisherigen "The Walking Dead"-Frontmannes so schön dramatisch angebahnt – und scheinbar über die Bühne gebracht – hat, müssen Angela Kang und Co. das Ganze unbedingt durch eine dramaturgisch vollkommen unnötige Rettungsaktion von Anne verderben.

Trotz allem ist die aktuelle Episode insgesamt eine ausgesprochen runde Sache. Wir bekommen einen recht ernüchternden Blick auf Negan gewährt und am Ende löst sich so nicht nur das Racheproblem für Maggie, sondern auch der Kern des schwelenden Konfliktes zwischen Daryl, Maggie, Michonne und Rick auf. Mit der Einführung von Magna und ihrer Gruppe und dem erneuten Zeitsprung setzt sich die Handlung zudem auf einen Schlag inhaltlich von der Rick-Grimes-Ära ab – wobei ich allerdings noch nicht wirklich sehe, in welche Richtung es von hier aus weitergehen soll. Ich bin gespannt.

Gedanken, die mir nach Episode 5 noch im Kopf herumschwirren

  • Wer steckt hinter dem Hubschrauber und wo haben sie Rick hingebracht?
  • Jetzt klärt doch endlich das mit dem A und B auf!
  • Schon wieder ein Zeitsprung?!
  • Judith als Mini-Scharfschützin und Katana-Kämpferin hinzustellen ist vielleicht ein biiiiischen viel des Guten, oder?

TURN ON-Score: 4/5

TV-Ausstrahlung
Die neueste "The Walking Dead"-Episode von Staffel 9 läuft jeden Montag um 21:00 Uhr auf FOX und steht im Anschluss via Sky Ticket zum Abruf bereit.

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