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The Walking Dead Staffel 8 Episode 3 Review: Gesprächstherapie?

Die Ereignisse von Staffel 8 nehmen den "The Walking Dead"-Helden ziemlich mit.
Die Ereignisse von Staffel 8 nehmen den "The Walking Dead"-Helden ziemlich mit. (©Gene Page/AMC 2017)

Aller guten Dinge sind drei, oder? Nach dem eher durchwachsenen Start, den "The Walking Dead" in Staffel 8 bisher hingelegt hat, kann es eigentlich nur steil bergauf gehen. Ob dem wirklich so ist, liest Du in unserem Review zur aktuellen Folge 3.

Achtung, Spoiler!
Der folgende Artikel ist voller Spoiler zur dritten "The Walking Dead"-Folge von Staffel 8. Weiterlesen also auf eigene Gefahr.

Auch Review-Schreiber brauchen mal Urlaub. Und weil Kollegin Christin eben diesen gerade genießt, führe ich Dich heute durch die Zombie-Apokalypse.

Es wird geredet ...

Zugegeben, Folge 2 von Staffel 8 war in der vergangenen Woche deutlich actionlastiger, als die Premiere der neuen "The Walking Dead"-Staffel. Doch in Episode 3 scheinen die Macher direkt wieder zum Anfang zurückzukehren. Zumindest was das Verhältnis von Gerede zu Action angeht ...

Die Zuschauer werden wieder mit den vier Hauptgruppen der vereinten Communities durch die Zombie-Apokalypse geschickt. Doch egal, ob man sich Morgan, Tara und Jesus, Aaron und Eric, Rick und Daryl oder Carol und König Ezekiel anschließt, an allen Fronten wird überproportional viel gequasselt. Ok, vielleicht nicht ganz so sehr bei Carol und Ezekiel, doch selbst der König kann sich seine berühmten Mutpredigten natürlich nicht verkneifen. Und auch bei dem kurzen Abstecher aufs Hilltop wird wieder vor allem Konversation betrieben.

Geschlagene 15 Minuten dauert es, bevor die neue Folge endlich ein bisschen Fahrt aufnimmt. Und das auch nur dank einer den Hang herunter gepurzelt kommenden Herde Beißer. Doch selbst diese Actioneinlage ist fast schon zu schnell wieder vorbei und dann wird wieder – Überraschung! Geredet.

 Der kleine Beißer-Angriff war das Spannendste, was in den ersten 15 Minuten von Episode 3 in "The Walking Dead" passiert ist. fullscreen
Der kleine Beißer-Angriff war das Spannendste, was in den ersten 15 Minuten von Episode 3 in "The Walking Dead" passiert ist. (©Gene Page/AMC 2017)

... und geredet

Während in der Folge "Die Verdammten" vor allem Tara, Jesus und Morgan im Fokus standen, verteilt sich die Aufmerksamkeit in der aktuellen Episode "Wir oder die" gleichmäßiger auf alle Beteiligten. So wird zunächst eine von Christins brennenden Fragen von letzter Woche (fast) beantwortet: Überlebt Eric den Bauchschuss? Diese Sequenz liefert den wohl emotionalsten Moment der ganzen Folge. Aaron versucht Eric notdürftig zu "verarzten" und will ihn zum Doktor bringen, der macht (natürlich) einen auf tapfer und fordert seine bessere Hälfte auf, weiterzukämpfen.

Aaron bringt Eric in Sicherheit ... fullscreen
Aaron bringt Eric in Sicherheit ... (©Gene Page/AMC 2017)
... und teilt mit ihm dann die wohl emotionalste Szene der ganzen Folge. fullscreen
... und teilt mit ihm dann die wohl emotionalste Szene der ganzen Folge. (©Gene Page/AMC 2017)

So weit, so dramatisch. Auch die ausgetauschten Liebesbekundungen gingen durchaus ans Herz. Aber kommt schon ... selbst wenn Eric nach dieser Arie noch lebte, war doch eigentlich klar, auf was diese Szene hinauslaufen würde. Und tatsächlich. Auch wenn die Macher sich damit bis fast ganz zum Schluss von Episode 3 Zeit ließen: Am Ende sieht man Eric als Beißer gen Herde wanken, den verzweifelten Aaron bemerkt er nicht mal mehr. Damit hat in der aktuellen Folge (endlich) die erste wichtigere Figur in Staffel 8 die "The Walking Dead"-Bühne verlassen.

Jesus und Morgan werden zu Sozialphilosophen

Ein Punkt, der an Episode 3 von Staffel 8 für mich persönlich am störendsten war, waren die hochphilosophischen Reden von Jesus. "Es ist Krieg und danach ist Frieden. Wir müssen dann mit diesen Menschen leben. Wir müssen einen Weg zum Frieden finden", erklärt er dem immer noch auf Killmodus gebürsteten Morgan unter anderem. Und bekommt dafür einen mit dem Stab auf die Mütze.

Auch wenn ich mich in diesem Moment tatsächlich dabei ertappt habe, Morgan ein bisschen für die Tracht Prügel zu gratulieren, wendete sich das Blatt leider schon wieder viel zu schnell. Jesus blockt – ganz Kung-Fu-Kämpfer – gekonnt ab und macht das, was er am zweitbesten kann: reden. Doch Morgan ist in dieser Folge von "The Walking Dead" kaum besser: "Ich bin im Unrecht: Ich weiß, dass ich nicht recht habe. Aber ich liege auch nicht falsch." Alles klar ...

Obwohl Jesus sich vornehm zurück hält, hat Morgan nicht allzu viele Chancen gegen ihn. fullscreen
Obwohl Jesus sich vornehm zurück hält, hat Morgan nicht allzu viele Chancen gegen ihn. (©Gene Page/AMC 2017)
Am Ende lässt sich der scheinbar zum Moralapostel mutierte Kämpfer freiwillig stellen. fullscreen
Am Ende lässt sich der scheinbar zum Moralapostel mutierte Kämpfer freiwillig stellen. (©Gene Page/AMC 2017)

Gregory kommt angekrochen

Um ein bisschen Abwechslung in die Sache zu bringen (und auch in Episode 3 mal wieder das Hilltop zu zeigen?), durften sich die Zuschauer in dieser Folge von Staffel 8 auch wieder über einen Abstecher aufs Hilltop freuen. Dort durfte Maggie ganz unverhofft Gregory zurückbegrüßen. Davon war die neue Anführerin verständlicherweise nicht besonders begeistert. Ich fand es ziemlich gut, dass sie den überheblichen Schleimer erst einmal vor dem Tor stehen ließ und ihm eine Abreibung erteilte. Immerhin ist er seinen alten Verbündeten in den Rücken gefallen und zu den Saviors gekrochen.

Ein riesen WHOAT?!-Moment war dann allerdings für mich, dass sich Maggie von Gregory tatsächlich bei ihrer Gutmensch-Seite packen ließ. War ich denn die einzige, der der berechnende Ausdruck in seinen Augen aufgefallen ist?! Der Kommentar, "Er ist seinen Tod nicht wert, jetzt noch nicht", war für Comicleser zwar ein netter Verweis auf Gregorys weiteres Schicksal, machte die Sache aber nicht wirklich besser.

Ein Baby für jede Community?

Und noch eine Frage von Christin beantwortet Episode 3 von "The Walking Dead": Natürlich lässt Officer Freundlich die kleine Gracie nicht als Waise im Saviors-Außenposten zurück. Vielmehr lässt er sich von dem noch immer stark mitgenommenen Aaron dazu überreden, das Baby mit diesem zusammen zum Hilltop zu schicken. Da kann Maggie vielleicht schon mal Mama-sein üben?

Den Verlust muss Aaron erst mal verkraften. fullscreen
Den Verlust muss Aaron erst mal verkraften. (©Gene Page/AMC 2017)
Kein Wunder, dass Rick eher skeptisch ist, als sich Aaron als Babsitter anbietet. fullscreen
Kein Wunder, dass Rick eher skeptisch ist, als sich Aaron als Babsitter anbietet. (©Gene Page/AMC 2017)
Zwar gibt es in der Zombieapokalypse auch Babies - doch die rasante Zunahme der Zombiezahlen können auch diese Hoffnungsbringer nicht verhindern. fullscreen
Zwar gibt es in der Zombieapokalypse auch Babies - doch die rasante Zunahme der Zombiezahlen können auch diese Hoffnungsbringer nicht verhindern. (©Gene Page/AMC 2017)

Was mir allerdings aufgefallen ist, war, dass von dem großen Stoffhasen jede Spur gefehlt hat. Dass irgendwer später noch daran denkt, den extra zu holen und mitzunehmen, kommt mir eher unwahrscheinlich vor. War der Hase in der Premiere also doch ein anderer? Oder was bedeutet diese Ungereimtheit sonst für die Fantheorie zu Judith und Gracie? Dieser Punkt interessiert mich jetzt tatsächlich fast am meisten an der ganzen Folge.

Es brodelt zwischen Rick und Daryl

Auch zwischen den Best-Buddies Rick und Daryl wuchs in dieser Folge die Spannung merklich ... beziehungsweise wurden die unterschiedlichen Einstellungen der beiden Hauptfiguren besonders deutlich. Zu Anfang der neuen "The Walking Dead"-Episode erschoss Daryl nicht nur Morales, nachdem dieser Rick bedroht und mit einem wütenden Monolog bedacht hatte (hat dem noch keiner gesagt, dass sowas im Film/TV dem Bösen IMMER das Genick bricht?). Er rückte dem Anführer von Alexandria auch den Kopf in Sachen Kriegsfronten zurecht. Ricks Versuche, so wenige Saviors wie möglich zu töten, und eine friedliche Zukunft zu bauen, sind zwar löblich, aber eben nicht unbedingt immer realistisch.

Morales ist aus irgendeinem Grund gar nicht gut auf Rick zu sprechen. fullscreen
Morales ist aus irgendeinem Grund gar nicht gut auf Rick zu sprechen. (©Gene Page/AMC 2017)
Der ist von den Ereignissen in Episode 3 am Ende ziemlich mitgenommen, obwohl Staffel 8 bisher eher einen gemächlichen Ton anschlägt. fullscreen
Der ist von den Ereignissen in Episode 3 am Ende ziemlich mitgenommen, obwohl Staffel 8 bisher eher einen gemächlichen Ton anschlägt. (©Gene Page/AMC 2017)

Der zweite Alleingang des Motorradliebhabers untergräbt Ricks Autorität dann aber gänzlich. Erst verspricht er einem Savior freies Geleit im Tausch für Informationen, schwafelt davon, dass das Wort eines Mannes etwas bedeuten muss – und dann verpasst Daryl dem armen Kerl einfach einen Kopfschuss. Dass Rick das einfach so zähneknirschend stehen gelassen hat, kann eigentlich nur bedeuten, dass der große Knall zwischen den beiden noch kommt.

Das war's wohl mit "Wir schaffen das"

Zum Ende wurde es dann in Episode 3 tatsächlich doch noch einmal dramatisch. Und zwar ausgerechnet bei König Ezekiel und Carol. Die haben die gesamte Folge eher im Hintergrund gestanden und sich erfolgreich von einem Scharmützel zum Nächsten gekämpft. Doch dann war es mit Ezekiels "Wir schaffen das"-Einstellung plötzlich ganz schnell vorbei. Ein Angriff aus dem Hinterhalt sorgte nicht nur dafür, dass der 0-Verluste-Vorsatz des Königs Geschichte war, auch er selbst entging dem Kugelhagel nur, weil sich gleich mehrere seiner Leute auf ihn warfen. Irgendwann musste die Glückssträhne ja enden ...

 Der 0-Verluste-Vorsatz von König Ezekiel geht in Episode 3 am Ende ziemlich baden ... fullscreen
Der 0-Verluste-Vorsatz von König Ezekiel geht in Episode 3 am Ende ziemlich baden ... (©Gene Page/AMC 2017)

Mein Fazit zur dritten "The Walking Dead"-Folge von Staffel 8

In "Wir oder die" tauscht "The Walking Dead" in Staffel 8 einmal mehr die harte Action gegen Gerede ein. Als ob das alleine nicht schon schlimm genug wäre, scheint Episode 3 aus irgendeinem Grund als Bühne für hochphilosophische Monologe und Diskussionen herhalten zu müssen. Ob die Macher damit wohl zeigen wollten, dass es auch in Zeiten des All-out-Wars noch immer um das große Grundproblem "Wie behalte ich meine Menschlichkeit in Zeiten der Zombieapokalypse" geht? Ich habe allerdings auch ein wenig die Befürchtung, dass die Handlung auf diese Weise einfach ein bisschen gestreckt werden soll, um den Krieg möglichst lange auszuspielen.

Mit dem Verschwinden von Carol und dem schwelenden Zoff zwischen Rick und Daryl liefert "Wir oder die" einen kleinen Mini-Cliffhanger, der in der kommenden Folge von Staffel 8 zumindest teilweise aufgelöst werden wird. Das lässt zumindest die Vorschau auf Episode 4 erhoffen.

Gedanken, die mir nach Episode 3 noch im Kopf herumschwirren

  • Wo zum Teufel versteckt sich Negan immer noch?
  • Jesus wird mit seinem philosophischen Moralpredigten langsam anstrengend
  • Was zum Kuckuck führt Gregory im Schilde?
  • Kracht es jetzt zwischen Rick und Daryl, oder nicht?
  • Was ist mit König Ezekiel und Carol?

TURN ON-Score: 2,5/5

TV-Ausstrahlung
Die neueste "The Walking Dead"-Episode von Staffel 8 läuft jeden Montag um 21:00 Uhr auf FOX und steht im Anschluss via Sky Ticket zum Abruf bereit.

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