Meinung

The Walking Dead Staffel 8 Episode 5 Review: Jetzt wird gebeichtet

Für Simon läuft es in Episode 5 von Staffel 8 so gar nicht rund.
Für Simon läuft es in Episode 5 von Staffel 8 so gar nicht rund. (©Gene Page/AMC 2017)

In Episode 4 fand "The Walking Dead" endlich zu alter Stärke zurück. Auch wenn das mit dem bis dahin wohl tragischsten Tod von Staffel 8 einherging. Ob die Serie das Hoch in Episode 5 weiter halten kann, liest Du in unserem Review.

Achtung, Spoiler!
Der folgende Artikel ist voller Spoiler zur fünften "The Walking Dead"-Folge von Staffel 8. Weiterlesen also auf eigene Gefahr.

Zurück zu den Anfängen?

Nach den großen Verlusten aufseiten des Hilltop und dem sehr deprimierenden Finale von Episode 4 haben es sich die Macher von "The Walking Dead" in dieser Folge offensichtlich zur Aufgabe gemacht, auch die andere Seite der Auseinandersetzung näher zu beleuchten. Wie ergeht es den Saviors im von Beißern belagerten Sanctuary? Und was ist eigentlich aus Negan und Vater Gabriel im Wohnwagen geworden?

In der aktuellen Episode "Die Beichte" bekommen Fans darauf eine Antwort. Allerdings erst, nachdem sich "The Walking Dead" auch dieses Mal zunächst einen eher ruhigen Start gegönnt hat. Zuerst dürfen wir Gabriel beim Gebet in seiner Kirche zusehen, dann gibt es ein irgendwie beunruhigendes Wiedersehen mit Gregory und Simon im Sanctuary. Beides findet zeitlich offensichtlich vor beziehungsweise während der Geschehnisse der Premiere von Staffel 8 statt.

An diesem Punkt erhalten wir auch endlich eine Erklärung dafür, warum die Saviors eigentlich "Saviors" heißen. Bin ich die Einzige, die sich darüber bisher keine Gedanken gemacht hat? Negans grandiose Erklärung: Er tötet Menschen, um dadurch mehr Menschen zu retten. Daher der Name "Saviors", der im Deutschen ja "Retter" bedeutet. Alles klar ...

Gregory und Simon hecken was aus. fullscreen
Gregory und Simon hecken was aus. (©Gene Page/AMC 2017)
Das war also das wichtige Meeting, das Negan in der Premiere von Staffel 8 hatte. fullscreen
Das war also das wichtige Meeting, das Negan in der Premiere von Staffel 8 hatte. (©Gene Page/AMC 2017)

Ein Priester und ein Psychopath sitzen zusammen im Wohnwagen fest ...

Nach dieser kurzen Exkursion zurück zur Premiere von Staffel 8 bringt uns Episode 5 im vollen Bogen zurück in den Trailer im Vorhof des Sanctuarys. Dort sitzen Negan und Gabriel noch immer fest und es klingt schon beinahe nach dem Start eines schlechten Witzes: "Ein Priester und ein Psychopath sitzen zusammen im Wohnwagen fest. Sagt der eine: ..."

Anstatt sich Gedanken über eine Fluchtmöglichkeit zu machen, oder auf andere produktive Ideen zu verfallen, entschließt sich Gabriel zum Naheliegenden: Er will Negan die Beichte abnehmen. Überraschenderweise ist der große Bösewicht aktuell aber so gar nicht zum Beichten aufgelegt und auch um sein Seelenheil scheint er sich keine Sorgen zu machen. Stattdessen beginnt er mit Gabriel eine Diskussion darüber, was für ein großer Wohltäter er doch eigentlich ist und wie viele Menschen er durch seine Taten gerettet hat. Ein Moment, bei dem mir ungewollt eine Augenbraue ziemlich skeptisch nach oben wandert ...

Wo er recht hat, hat er recht

Zumindest bei einer von Negans doch irgendwie gewohnt größenwahnsinnigen Aussagen muss ich ihm ausnahmsweise allerdings recht geben: Wenn die Saviors nicht bald wieder unter seiner Fuchtel stehen, wird es im Sanctuary noch mehr Tote geben. Und tatsächlich geht es im Unterschlupf der Saviors just in diesem Moment ums große Krisenmanagement. Oder besser gesagt: Wer ist Schuld an diesem Schlamassel und wen müssen wir dafür möglichst qualvoll umbringen?

In diesem Zusammenhang findet nun auch die Szene statt, über die sich viele Fans seit der Sneak Peek der vergangenen Woche Gedanken gemacht haben. Was hat es mit dem seltsamen Treffen zwischen Eugene und Dwight auf sich? Wie sich herausstellt, scheint der Vokuhilaliebende Überläufer mal wieder die kommenden Geschehnisse ziemlich gut durchschaut zu haben: Er spricht sich im Meeting dagegen aus, die Arbeiter als Beißerfutter zu verpulvern, nur um den Kämpfern eine Ausbruchsmöglichkeit zu verschaffen. Eugene sieht die Revolte der Arbeiter vorher und ich muss zugeben, dass ich trotz der massigen Minuspunkte, die er bei mir gesammelt hat, durchaus etwas beeindruckt bin. Wer hätte gedacht, dass er ohne Negans Rückendeckung den Arsch in der Hose hat, den anderen Widerworte zu geben?

Simon versucht, im Sanctuary die Oberhand zu gewinnen. fullscreen
Simon versucht, im Sanctuary die Oberhand zu gewinnen. (©Gene Page/AMC 2017)
Aber Dwight hält gegen. fullscreen
Aber Dwight hält gegen. (©Gene Page/AMC 2017)
Das gefällt Simon natürlich gar nicht. fullscreen
Das gefällt Simon natürlich gar nicht. (©Gene Page/AMC 2017)
Eugene versucht auf seine unbeholfene Art, eine neue Allianz zu schmieden. fullscreen
Eugene versucht auf seine unbeholfene Art, eine neue Allianz zu schmieden. (©Gene Page/AMC 2017)
Noch hat Dwight seinen letzten Schachzug nicht gemacht. fullscreen
Noch hat Dwight seinen letzten Schachzug nicht gemacht. (©Gene Page/AMC 2017)

Here's Negan!

Während es also im Sanctuary hoch hergeht, wird es auch zwischen Negan und Gabriel immer hitziger. Und der Oberbösewicht kommt zunehmend in Plauderlaune. Jetzt liefern die Macher endlich, was sie den Zuschauern versprochen haben: zumindest ein wenig Hintergrund zum Oberbösewicht von Staffel 7 und Staffel 8.

Nicht nur Gabriel reagiert ziemlich ungläubig, als Negan erklärt, vor dem Ausbruch der Zombieapokalypse "den Schwachen" geholfen zu haben. "Kindern. Wenn du ihnen nicht den Weg zeigst, dann wird aus ihnen Mist. Kleine Arschlöcher werden zu großen Arschlöchern. Also zeigst du ihnen den Weg", stellt der ungerührt fest. Tatsächlich wissen wir aus den "The Walking Dead"-Comics, dass Negan früher Lehrer und Pingpong-Coach war, seine Methoden als Hilfe an den Kindern zu bezeichnen, wäre mir allerdings wohl nie in den Sinn gekommen.

Warum heißt Lucille eigentlich Lucille?

Das reicht Gabriel aber längst nicht als Beichte. Er will wissen, was es mit den Arbeitern im Sanctuary auf sich hat – und mit Negans zahlreichen Ehefrauen. Der vorher so feige Priester glänzt hier einmal mehr durch ungewohnt viel Schneid im Angesicht einer scheinbar ausweglosen Situation. So sehr, dass Negan am Ende tatsächlich seinen einzigen schwachen Moment beichtet. Er erzählt von seiner ersten Ehefrau – Lucille – von seinen Affären und ihrer Krankheit. Sympathischer wird er mir durch diesen kurzen Moment der ansatzweisen Selbstreflexion allerdings trotzdem nicht.

Gabriel dagegen scheint die Beichte auszureichen. Er macht sich mit Negan friedlich daran, die gemeinsame Flucht vor den Beißern vorzubereiten (den Trick mit den Eingeweiden kennen die Saviors also auch ...?!). Doch leider geht die Taktik dieses Mal nur ziemlich kurz auf. Hier wird es noch mal richtig aufregend, denn Gabriel und Negan müssen sich plötzlich durch die gesamte Horde Beißer schlagen, die Dinger fangen sogar an, von oben auf sie herab zu regnen ...

Den Eingeweidetrick kennen also auch die Saviors ... fullscreen
Den Eingeweidetrick kennen also auch die Saviors ... (©Gene Page/AMC 2017)
Doch leider funktioniert er in Episode 5 nicht so gut, wie gewohnt. fullscreen
Doch leider funktioniert er in Episode 5 nicht so gut, wie gewohnt. (©Gene Page 2017)
Das muss man Negan lassen: Er versteht was von coolen Auftritten. fullscreen
Das muss man Negan lassen: Er versteht was von coolen Auftritten. (©Gene Page/AMC 2017)
Da sind die Wogen ganz schnell wieder geglättet. fullscreen
Da sind die Wogen ganz schnell wieder geglättet. (©Gene Page/AMC 2017)

Meine kurze Überlegung, ob es das für die beiden nun endgültig gewesen ist, wird allerdings schnell beendet. Am Ende steht ein überaus großmäuliger Negan mit einem eher kleinlauten Gabriel im Schlepptau wieder mitten im Sanctuary. Gerade rechtzeitig, um den Aufstand der Arbeiter im Keim zu ersticken. Na, wenn das mal kein Timing ist ...? Gabriel landet also in einer der bequemen Dunkelzellen und Negan gönnt sich eine Dusche – es steht ja auch sonst gerade nichts Dringendes an.

Da war doch noch was ...?

Obwohl Episode 5 von Staffel 8 sich tatsächlich in erster Linie um die Geschehnisse im Sanctuary dreht, bekommen die Zuschauer natürlich auch eine Antwort auf eine meiner brennenden Fragen, mit denen mich Episode 4 zurückgelassen hatte: Wie schaffen Rick und Daryl die Waffen nach Hause?

Es stellt sich heraus: gar nicht. Denn der große Krach, der zwischen den beiden nun schon seit einigen Folgen geschwelt hat, bricht in "Die Beichte" endlich offen aus. Die beiden Kumpel gehen sich über die Frage, ob man alle Saviors töten soll oder ob es doch einige Rettenswerte darunter gibt, dermaßen an die Gurgel (sprichwörtlich), dass die ganze schöne Tasche Dynamit und Munition am Ende mit dem kaputten Jeep in die Luft fliegt. BUMM! So schnell heißt es: Wie gewonnen, so zerronnen.

Das scheint die beiden aber überraschend wenig zu kümmern. Auf Ricks gebrummeltes: "Würgegriffe sind nicht erlaubt, Arschloch." Entgegnet Daryl gewohnt cool: "Doch, sind sie." Und ich warte die ganze Zeit regelrecht darauf, dass sie sich wie zwei zerkloppte Kindergartenjungs frech angrinsen und wieder beste Freunde sind. Ganz so eitel Sonnenschein läuft es in "The Walking Dead" unter erwachsenen Männern aber natürlich nicht ab – gute Freunde sind Rick und Daryl nach der Prügelei aber offensichtlich trotzdem noch immer. Auch wenn der Motorradliebhaber seinen Kumpel erst mal nach Hause laufen lässt ...

Rick und Daryl sind sich in Sachen Kriegsführung gar nicht einig. fullscreen
Rick und Daryl sind sich in Sachen Kriegsführung gar nicht einig. (©Gene Page/AMC 2017)
In Episode 5 kommt es daher endlich zum offenen Krach. fullscreen
In Episode 5 kommt es daher endlich zum offenen Krach. (©Gene Page/AMC 2017)
Ein Wort führt zum anderen ... fullscreen
Ein Wort führt zum anderen ... (©Gene Page/AMC 2017)
... Und am Ende gehen sich die beiden Kumpel sogar richtig an die Gurgel. fullscreen
... Und am Ende gehen sich die beiden Kumpel sogar richtig an die Gurgel. (©Gene Page/AMC 2017)

Hab' ich gerade richtig gesehen?!

Kurz vor Schluss haben sich die Macher noch eine ganz besondere Überraschung überlegt: Während Rick einsam vor sich hinstapft, fliegt plötzlich ein Hubschrauber(!) ziemlich tief über die Baumwipfel! Wo der nach so vielen Jahren Zombieapokalypse plötzlich herkommt, entzieht sich absolut meinem Verständnis. Tatsächlich guckt auch Rick ziemlich überrascht drein, scheint sich abgesehen davon aber nicht weiter aus dem Konzept bringen zu lassen.

Im Sanctuary gibt es derweil noch ein letztes Wiedersehen mit Eugene und Gabriel. Doch dem geht es gar nicht gut. Fiebrig und ziemlich fertig kauert der in seiner Zelle und versetzt seinem alten Nachbarn damit einen ziemlichen Schrecken. Also ich hatte an ihm eigentlich keine Beißer-Verletzungen gesehen ...? Doch zumindest scheint der Priester jetzt endlich zu wissen, welchen Sinn Gott seinem Tod vorherbestimmt hat: Doktor Carson zurück zum Hilltop zu bringen, damit der sich wieder um Maggie kümmern kann. Na, ob das was wird?

Eugene möchte seinen alten Nachbarn gebührend Willkommen heißen. fullscreen
Eugene möchte seinen alten Nachbarn gebührend Willkommen heißen. (©Gene Page/AMC 2017)
Was ist nur mit Gabriel los? fullscreen
Was ist nur mit Gabriel los? (©Gene Page/AMC 2017)

Mein Fazit zur fünften "The Walking Dead"-Folge von Staffel 8

Nach der ziemlich dramatischen Folge der vergangenen Woche war ich positiv optimistisch gestimmt und freute mich auf die aktuelle Episode von "The Walking Dead". Und die Macher haben mich nicht enttäuscht. Zugegeben: In Sachen Action konnte "Die Beichte" nicht mit "Nur irgendwer" mithalten. Trotzdem gab es in Episode 5 ziemlich vieles, was mein Interesse geweckt und mich in Spannung versetzt hat.

Nicht nur wissen wir jetzt endlich wenigstens ein kleines bisschen mehr über Negan, auch der zu erwartende Krach zwischen Rick und Daryl wurde endlich abgehandelt. Zur Abwechslung mal die Geschehnisse aufseiten "des Feindes" genauer zu beleuchten, rückt zudem den gesamten All-Out-War in einen Kontext, der mir in den ersten beiden Folgen von Staffel 8 noch gefehlt hat. Hier liefern die Macher langsam aber sicher endlich, was neben mir wohl auch einige andere Zuschauer vermisst hatten.

Gedanken, die mir nach Episode 5 noch im Kopf herumschwirren

  • Wo zum Teufel kam der Hubschrauber her?!
  • Wurde Gabriel etwa doch gebissen, oder warum ist er plötzlich so krank?
  • Schwankt Eugene jetzt doch in seinem "Ich bin Negan"-Bekenntnis?
  • Wie geht es im Sanctuary (und mit dem ganzen Krieg) weiter, jetzt wo Negan wieder da ist?
  • Und wo zum Teufel kam eigentlich der Hubschrauber her?!

TURN ON-Score: 3,5/5

TV-Ausstrahlung
Die neueste "The Walking Dead"-Episode von Staffel 8 läuft jeden Montag um 21:00 Uhr auf Fox und steht im Anschluss via Sky Ticket zum Abruf bereit.

Neueste Artikel zum Thema 'The Walking Dead'

close
Bitte Suchbegriff eingeben