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The Walking Dead Staffel 8 Episode 6 Review: Alles im Alleingang?

Auch Rick ist in Episode 6 von Staffel 8 im Alleingang unterwegs.
Auch Rick ist in Episode 6 von Staffel 8 im Alleingang unterwegs. (©Jackson Lee Davis/AMC 2017)

"Kenne Deinen Feind", an dieser Weisheit der Kriegsführung scheinen sich die Macher von "The Walking Dead" in Folge 5 von Staffel 8 orientiert zu haben. In Episode 6 geht es dagegen wieder um die vereinten Communities. Was bei denen so los ist und was es mit dem Titel "Der König, die Witwe und Rick" in diesem Zusammenhang auf sich hat, liest Du in unserem Review.

Achtung, Spoiler!
Der folgende Artikel ist voller Spoiler zur sechsten "The Walking Dead"-Folge von Staffel 8. Weiterlesen also auf eigene Gefahr.

Viele Alleingänge

Im Gegensatz zu Folge 4 bekommen wir es in Episode 6 wieder mit mehreren Grüppchen zu tun und erhalten Einblicke ins Hilltop, Alexandria und das Königreich. Dort ist zu Beginn der aktuellen Folge von Staffel 8 vor allem Trauer angesagt. In den gegenseitig in Briefform ausgetauschten Lageberichten bekommen auch die Zuschauer noch mal vor Augen geführt, welch große Verluste "die Guten" in Staffel 8 bisher einstecken mussten.

Der Hauptzweck der fast vier Minuten langen Einführung? Die vielen Alleingänge und teilweise kontroversen Entscheidungen der Figuren in Episode 6 zu rechtfertigen – diese Vermutung drängt sich zumindest mir bereits nach wenigen Minuten Handlung auf.

Aaron bringt Maggie nicht nur schlechte Nachrichten ... fullscreen
Aaron bringt Maggie nicht nur schlechte Nachrichten ... (©Gene Page/AMC 2017)
Rick ist auf einer ziemlich dämlichen Mission unterwegs. fullscreen
Rick ist auf einer ziemlich dämlichen Mission unterwegs. (©Jackson Lee Davis/AMC 2017)
Wen späht Carl denn hier aus? fullscreen
Wen späht Carl denn hier aus? (©Jackson Lee Davis/AMC 2017)

Was treibt Rick da eigentlich?!

Einen ausgewachsenen WHAT THE FUCK?!-Moment bescherte mir Episode 6 gleich zu Beginn: Rick marschiert mal eben zu den Scavengers und bietet Jadis einen neuen Deal an. Nicht nur die ist davon ziemlich verwundert. Und als Rick feststellt, sie habe ihm ja nur einen Streifschuss verpasst, bei einem richtigen Treffer wäre er allerdings sauer gewesen, da zweifle ich kurz an meinem – nein, eigentlich an SEINEM Verstand!

Schon klar, in Zeiten des Krieges kann man jeden Verbündeten brauchen, aber einem Verräter einen neuen Deal anzubieten, damit er NOCHMAL die Seiten wechselt, das geht für mich schon nicht mal mehr als Verzweiflungstat durch. Oh, und war sonst noch jemand überrascht davon, dass Jadis Rick abblitzen ließ? Dass er am Ende halb nackt in einem Container vor sich hinsauert (Daryls "Besuch" im Sanctuary lässt grüßen), hat er sich selbst eingebrockt. Ich bin gespannt, wie die Macher diese Situation auflösen wollen.

Rick bietet Jadis entgegen jeder Vernunft einen neuen Deal an. fullscreen
Rick bietet Jadis entgegen jeder Vernunft einen neuen Deal an. (©Gene Page/AMC 2017)
Ob die Fotos vom Sanctuary sie wohl überzeugen können? fullscreen
Ob die Fotos vom Sanctuary sie wohl überzeugen können? (©Gene Page/AMC 2017)

Von Schafen und Wölfen

Etwas weniger vorhersehbar geht es in "Der König, die Witwe und Rick" dagegen auf dem Hilltop zu. Dort geraten Jesus und Maggie nicht nur in Streit über die gefangenen Saviors, Gregory hängt sich auch ständig rein und versucht, der neuen Anführerin ins Gewissen zu reden. Anstatt FÜR die Saviors zu sprechen, wie es nach Simons Ansprache in Episode 5 zu erwarten gewesen wäre, möchte der Maggie allerdings am liebsten dazu bringen, mit den Gefangenen kurzen Prozess zu machen. "Am Ende des Tages bist du der Schäfer und du darfst auf keinen Fall Wölfe zwischen deinen Schafen dulden", verkündet er – und weiß noch nicht, dass er sich mit diesem Ratschlag die eigene Grube geschaufelt hat.

Ich gönne es ihm redlich, als er am Ende mit in dem Gitterverschlag landet, den Maggie für die Saviors im Hilltop hat errichten lassen. Man sieht direkt, wie dem schleimigen Kerl alles aus dem Gesicht fällt, als ihm klar wird, dass Maggie sich nicht auf seine Einflüsterungen einlässt – oder eigentlich ja doch, denn der Hinweis mit den Wölfen in der eigenen Schafherde kam ja von ihm ...

 Während Maggie und Jesus über die gefangenen Saviors streiten, versucht sich Gregory dauernd reinzuhängen. fullscreen
Während Maggie und Jesus über die gefangenen Saviors streiten, versucht sich Gregory dauernd reinzuhängen. (©Gene Page/AMC 2017)

Wehe, wenn sie losgelassen ...

Während auf dem Hilltop also zumindest vorerst alles im grünen Bereich ist, braut sich in Alexandria Ärger zusammen. Daryl hat nämlich so gar nicht vor, sich an Ricks schönen Plan für Staffel 8 weiterhin zu halten. Er schnappt sich Tara als Verbündete und macht sich auf, um den Saviors endgültig der Garaus zu machen.

Dass sich der Alleingang zumindest teilweise als ein Glücksfall für die vereinten Communities herausstellt, überrascht mich am Ende tatsächlich etwas. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die beiden genau zum richtigen Zeitpunkt an genau demselben Saviors-Versteck vorbei kommen, um Michonne und Rosita (ebenfalls im Alleingang unterwegs ...) mit ihrem kleinen "Fat Lady"-Problem zu helfen?

 Na, wenn das mal kein Zufall ist ...? fullscreen
Na, wenn das mal kein Zufall ist ...? (© 2017)

Ein Neuzugang für Alexandria?

Während also die halbe Welt in Episode 6 auf mehr oder weniger erfolgreichen Alleingängen unterwegs zu sein scheint, streift auch Carl alleine durch den Wald. Was er da macht? Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass er seinem Papi hinterher schleicht. Doch weit gefehlt!

Das, was der Sohnemann da treibt, würde Rick vermutlich noch weniger gefallen. Carl sucht nämlich nach dem Mann von der Tankstelle – wir erinnern uns: Der, den Rick in der Premiere mit Drohgebärde und Schüssen davongejagt hat, gefolgt von einer Standpauke für Carl. Die scheint den überhaupt nicht beeindruckt zu haben. Und es stellt sich tatsächlich heraus, dass Siddiq, wie der Neuzugang zu Staffel 8 heißt, ein ziemlich sympathischer Kerl zu sein scheint.

Mit Siddiq stößt ein neues Mitglied zum Cast von Staffel 8. fullscreen
Mit Siddiq stößt ein neues Mitglied zum Cast von Staffel 8. (©Jackson Lee Davis/AMC 2017)
Carl scheint sich über den Neuzugang jedenfalls zu freuen. fullscreen
Carl scheint sich über den Neuzugang jedenfalls zu freuen. (©Jackson Lee Davis/AMC 2017)
Doch dann geraten die beiden in Probleme. fullscreen
Doch dann geraten die beiden in Probleme. (©Jackson Lee Davis/AMC 2017)
Da ist Carl gerade noch mal davongekommen. fullscreen
Da ist Carl gerade noch mal davongekommen. (©Jackson Lee Davis/AMC 2017)

"Meine Mum dachte – oder hoffte –, dass man ihre Seelen befreit, wenn man sie tötet", erklärt der dem verwunderten Carl auf dessen Frage hin, warum er so viele Beißer in Fallen gefangen und dann getötet hat. Der "man muss seine Eltern ehren"-Vorsatz des Fremden kommt bei Carl gut an, auch wenn er am Ende feststellt, dass Kinder ihren eigenen Weg finden müssten, um ihn den Eltern zeigen zu können. Rieche ich da etwa einen schwelenden Führungswechsel in der Mache?

"Ich muss einfach so tun, als ob es normal wäre, bis es das ist ..."

Für alle, die sich wie ich nach der verlustreichen Episode 4 fragen, was eigentlich aus König Ezekiel geworden ist und ob er sich ein wenig von Shivas Verlust erholt hat, hält "The Walking Dead" in dieser Folge natürlich auch eine Antwort parat. Nachdem Carol während gefühlt der kompletten Episode 6 quasi nicht viel anderes gemacht hat, als um Ezekiels Theater herumzuschleichen, reicht es ihr am Ende endlich. Auf gewohnte Carol-Art will sie die Tür einschießen – nur um festzustellen, dass der sanfte Ansatz vielleicht der bessere ist.

Hier hatte ich das Gefühl, dass eine weitere Fan-Theorie zu "The Walking Dead" und den zugehörigen Comics endlich langsam zur Blüte kommt, denn zwischen all dem tränenunterdrückten Gerede lässt sich deutlich die Andeutung einer Romanze heraushören. Sieht ganz so aus, als müssten Fans von Caryl bald gaaanz stark sein ...

Spätestens jetzt wird auch klar, warum die Folge "Der König, die Witwe und Rick" heißt – abgesehen von Negans früherer Forderung in der Folge, ihm Selbige möglichst lebendig zu bringen. In Episode 6 dreht sich nämlich viel – wenn auch nicht alles – um mögliche Schlüsselmomente von Ezekiel, Maggie und eben Rick.

 König Ezekiel ist nach den schweren Verlusten aus Episode 4 noch immer am Boden zerstört. fullscreen
König Ezekiel ist nach den schweren Verlusten aus Episode 4 noch immer am Boden zerstört. (©Gene Page/AMC 2017)

Mein Fazit zur sechsten "The Walking Dead"-Folge von Staffel 8

In Episode 6 ging es deutlich ruhiger zu, als beispielsweise in Folge 4 oder selbst in der vorangegangenen Episode "Die Beichte". Dafür war die Handlung mal wieder ziemlich aufgesplittet. Den vielen Alleingängen zu folgen, macht es in Staffel 8 teilweise tatsächlich etwas schwer, den Überblick über das große Ganze zu behalten.

Trotzdem hat mir "Der König, die Witwe und Rick" ziemlich gut gefallen. Auf relativ subtile Art erhalten die einzelnen gezeigten Figuren die Möglichkeit, ihre jeweilige Charakterentwicklung zu demonstrieren. Viele Entscheidungen (auch in der Zukunft) werden so besser nachvollziehbar. Gleichzeitig machen die Aktionen von Maggie, Carl und Co. in Episode 6 klar, dass die vereinten Communities (trotz kleinen Killmode-Anfällen von Daryl) immer noch "die Guten" sind.

Auch die Einführung von Siddiq hat mich positiv überrascht. Ehrlich gesagt hatte ich nicht damit gerechnet, den Charakter nach seinem kurzen Intermezzo in der Premiere erneut zu Gesicht zu bekommen. Stattdessen lieferte Darsteller Avi Nash eine (auch emotional) überzeugende Performance und könnte meiner Meinung nach tatsächlich das Zeug zum neuen Sympathieträger von "The Walking Dead" haben.

Gedanken, die mir nach Episode 6 noch im Kopf herumschwirren

  • Was zum Geier hat Rick sich bei dieser absolut hirnverbrannten Aktion bei den Scavengers gedacht?!
  • Wird Siddiq der neue Glenn (für die Zuschauer)?
  • Kommt Ezekiel endlich aus seiner Versenkung oder hat Carols Ansprache am Ende wirklich nichts gebracht?

TURN ON-Score: 3,5/5

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