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"Triple Frontier"-Kritik: Good Guys Gone Bad

Ben Affleck als gealterter Ex-Soldat in "Triple Frontier".
Ben Affleck als gealterter Ex-Soldat in "Triple Frontier".

In seiner neuen Eigenproduktion "Triple Frontier" fährt Netflix mit Ben Affleck, Oscar Isaac und Charlie Hunnam reichlich Star-Power auf. Unsere Kritik klärt, ob der Action-Thriller überzeugen kann.

"Triple Frontier" ist vermutlich das Paradebeispiel für die Entstehungsgeschichte eines Netflix-Films. Der war schon seit 2010 in der Entwicklung und wurde in dieser Zeit immer wieder mit einem wechselnden Cast in Verbindung gebracht: So waren Tom Hanks, Johnny Depp, Tom Hardy, Channing Tatum und Mahershala Ali zwischendurch alle für Rollen im Gespräch.

Im April 2017 ließ Paramount Pictures den Film schließlich ganz fallen – und öffnete so die Tür für Netflix. Wer aufgrund dieser nicht ganz stolperfreien Entstehungsgeschichte nun allerdings bei "Triple Frontier" ein ähnliches Debakel wie beim Netflix-Film "The Cloverfield Paradox" erwartet, darf sofort beruhigt werden: Der Streifen von J. C. Chandor ("Der große Crash – Margin Call", "All is Lost") bietet nämlich grundsolides Action-Kino. Doch der Reihe nach ...

Die Story: Heist-Movie im Dschungel

In "Triple Frontier" geht es um fünf ehemalige Mitglieder einer nicht näher genannten US-Spezialeinheit, die Jahre nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst einen Drogenboss im Grenzgebiet zwischen Brasilien, Peru und Kolumbien ("Tres Fronteras", Namensgeber für den Film) überfallen und ausrauben wollen.

Die Hauptrolle des erfolglosen Immobilienmaklers Tom "Redfly" Davis übernimmt ein sichtlich gealterter und etwas füllig gewordener Ben Affleck, in weiteren Rollen sind Oscar Isaac ("Star Wars: Die letzten Jedi"), Charlie Hunnam ("Sons of Anarchy"), Garrett Hedlund ("Tron: Legacy") und Pedro Pascal ("Narcos") zu sehen.

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Der Plan der Ex-Special-Forces-Mitglieder scheint perfekt zu sein ...

"Triple Frontier" gelingt es sehr gut, die Motivation der Ex-Special-Forces-Mitglieder darzustellen. Alle sind nach dem Ende ihrer Militärkarriere mehr oder weniger desillusioniert und stehen mit einem Bein im Knast oder kurz vor dem Bankrott. Warum also nicht wirklich einmal die Fähigkeiten für das eigene Wohl einsetzen, wie es Santiago "Pope" Garcia (Oscar Isaac) seinen alten Kumpels vorschlägt.

Ohne zu viel über die Handlung verraten zu wollen: Der Überfall auf den Drogenboss Gabriel Martin Lorea (Reynaldo Gallegos) läuft natürlich aus dem Ruder und alsbald kämpfen die Ex-Soldaten vor allem um das eigene Überleben.

Die Action: Substance over Style

"Triple Frontier" baut seine Handlung angenehm zurückhaltend auf. Bis auf eine mit dem Metallica-Song "For Whom the Bell Tolls" unterlegte Action-Sequenz am Anfang des Films, geht es in den ersten 45 Minuten vor allem um die Anwerbung der einzelnen Crew-Mitglieder und die Vorbereitung des Überfalls. An dieser Stelle merkt man eindeutig den Einfluss von Drehbuchautor Mark Boal, dessen Filme "The Hurt Locker" oder "Zero Dark Thirty" einen ähnlichen Vibe versprühten.

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Dschungeltour mit Maultier: Tom "Redfly" Davis will das geraubte Drogengeld in Sicherheit bringen.

Apropos Metallica-Song: Den Soundtrack von "Triple Frontier" muss man an dieser Stelle positiv hervorheben. Immer wieder liefern Lieder von Creedence Clearwater Revival oder Bob Dylan die perfekte melancholische Stimmung für die ruhigeren Momente des Films.

Wer bei "Triple Frontier" hingegen auf Explosionen im Sekundentakt und einen Bodycount im vierstelligen Bereich hofft, dürfte enttäuscht sein. Und auch wenn die Kugeln später zwangsläufig fliegen, bleibt der Film in seinen Actionsequenzen merklich um Realismus bemüht.

"Triple Frontier" ist zudem weniger daran interessiert, die Ex-Soldaten als heroische Räuber in eigener Sache darzustellen, sondern als eigentlich "gute Jungs", die das Geld sicher verdient hätten – die aber im Laufe des Überfalls immer mehr Fehler begehen und schließlich (fast) selbst zu Bösewichten werden. Hier erinnert der Film nicht zum ersten Mal an eine andere Netflix-Produktion: die Serie "Narcos", in der "gute" DEA-Fahnder auch immer wieder zu eher zweifelhaften Methoden im Kampf gegen die Drogenkriminalität greifen.

Fazit: Geht doch, Netflix!

Bei von Netflix selbst produzierten Filmen bin ich mittlerweile vor dem Anschauen immer etwas skeptisch: Schließlich waren viele Streifen des Streamingdienstes wie "War Machine", "The Cloverfield Paradox" oder "The "Babysitter" zuletzt nicht gerade eine Offenbarung.

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Padro Pascal, Garrett Hedlund, Charlie Hunnam und Ben Affleck (von links nach rechts) in "Triple Frontier".

"Triple Frontier" hat mich dann aber doch positiv überrascht. Der Film ist nicht nur handwerklich gut gemacht und ziemlich spannend, zwischen den Zeilen findet sich sogar leichte Sozialkritik am Umgang der USA mit ausgedienten Kriegsveteranen. Verpackt ist das ganze als Heist-Movie im "Narcos"-Setting – eine klare Empfehlung also für alle, die Filme wie "The Town – Stadt ohne Gnade" (auch mit Ben Affleck!) oder "Sicario" mögen.

Sendehinweis

"Triple Frontier" steht ab dem 13. März auf Netflix zum Abruf bereit.

Triple Frontier
Triple Frontier
  • Datenblatt
  • Genre
    Action-Thriller
  • Laufzeit
    2 Stunden 5 Minuten
  • Release
    13. März 2019
  • FSK
    16
Turn-On Score:
4,0
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