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Zweimal "Krieg der Welten" als Serie: Old school vs. modern

Die Aliens greifen an – "Der Krieg der Welten" bricht in zweifacher Seriengestalt aus.
Die Aliens greifen an – "Der Krieg der Welten" bricht in zweifacher Seriengestalt aus.

Doppelter Weltuntergang: Der Science-Fiction-Klassiker "Der Krieg der Welten" läuft aktuell in gleich zwei Serien-Adaptionen – einmal historisch korrekt, einmal übertragen in die Neuzeit. Ich habe in die sehr unterschiedlichen Serien von Fox und der BBC reingeschaut und bin der Frage nachgegangen, was den Angriff der Marsianer auf die Erdenbewohner so zeitlos macht.

"Der Krieg der Welten": Ein Klassiker mit über 100 Jahren auf dem Buckel

H. G. Wells veröffentlichte seinen berühmten Roman "The War of the Worlds" 1898. Das Buch, in dem Marsianer die Erde angreifen, war bahnbrechend für die noch junge Science-Fiction-Literatur und wurde wiederholt für Radio, Film und Fernsehen adaptiert.

Unvergessen ist die Wirkung des Radiohörspiels, das der spätere Filmemacher Orson Welles ("Citizen Cane") 1938 umsetzte. Welles verlegte die Handlung von "Der Krieg der Welten" von Großbritannien in die USA und inszenierte die fiktive Invasion wie eine Live-Berichterstattung. So überzeugend, dass Zuhörer das Hörspiel für authentisch hielten. Zeitgenössische Medien berichteten sogar von einer Massenpanik. Heute wissen wir, dass dies nur eine urbane Legende ist. Doch sie trug zum großen Erfolg der Erzählung bei. Zu den bekanntesten Verfilmungen gehört Steven Spielbergs Hollywood-Blockbuster von 2005 mit Tom Cruise in der Hauptrolle.

Zurück in die Gegenwart: BBC und Fox verarbeiten den Stoff in ihren Serien auf sehr unterschiedliche Weise. Die BBC setzt auf eine werkgetreue Verfilmung, ihre Serie spielt wie die Buchvorlage zur Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert. Fox versetzt die Serie dagegen in die Jetztzeit, neben England ist auch Frankreich Schauplatz der Handlung. Wer macht es besser?

Zur Info
Ich konnte mir alle drei Folgen der BBC-Serie ansehen, bei Fox beruht meine Bewertung auf den ersten beiden Folgen der achtteiligen Serie.

"The War of the Worlds" der BBC: "Downton Abbey" trifft Science-Fiction

Die BBC-Adaption von "Krieg der Welten" rühmt sich, die erste Verfilmung zu sein, die zu Zeiten der Romanhandlung spielt – auch wenn die Geschehnisse von 1898 ins Jahr 1905 versetzt wurden. Schauplatz ist England und nicht wie in den meisten Verfilmungen die USA.

Als großer Fan von BBC-Kostümserien und "Downton Abbey" war ich sehr gespannt, wie sich das klassische Setting des Großbritanniens zur Jahrhundertwende mit den Science-Fiction-Elementen des Romans vereinbaren lässt. Dabei muss ich spontan an den Sci-Fi-Western-Hybriden mit dem unsagbaren Titel "Cowboy & Aliens" denken, in dem Aliens im Wilden Westen landen. Klingt beknackt, aber ganz ehrlich: Ich finde das Konzept funktionierte erstaunlich gut.

Von der Serienadaption "The War of the Worlds" der BBC kann ich das leider nicht behaupten. Dabei ist der Anfang gar nicht mal schlecht. Die Serie beginnt wie eine klassische historische Miniserie. Im Mittelpunkt: das Liebespaar Amy (Eleanor Tomlinson) und George (Rafe Spall), das sich in ein beschauliches Dorf vor den Toren Londons zurückgezogen hat.

Die Figuren Amy und George gibt es so nicht im Roman, doch die Macher der Serie wünschten sich offenbar eine emotionale Komponente. Damit der Zuschauer mitfühlt, wenn die Marsianer die Hölle auf Erden ausbrechen lassen. Das funktioniert aber nicht. Die Figuren und ihre Probleme sind extrem holzschnittartig gezeichnet, dagegen kommen auch die gestandenen Schauspieler wie Rafe Spall ("Life of Pi"), Eleanor Tomlinson ("Poldark"), Robert Carlyle ("Ganz oder gar nicht") und Rupert Graves ("Sherlock") nicht an. Die Kostüme und Settings wiederum sind nett anzusehen, darin ist die BBC ja auch erprobt.

Die Hoffnung, dass die Handlung mit dem Auftauchen der Aliens an Fahrt aufnimmt, erfüllt sich leider nicht. Die mysteriöse Kugel, die in den Wäldern Surreys landet, sorgt zwar für Spannung – aber nur kurz. Als sie hochschwebt und die Menschen mit Blitzen in Brand steckt, war der Nervenkitzel verflogen: Die Special Effects sind einfach schlecht, ich fühlte mich wie in einem B-Movie.

Als die ersten Tripods – kirchturmhohe, dreibeinige Kampfmaschinen aus Metall – erscheinen, ist das allerdings ein überraschend gelungener Kontrast zum Edwardianischem England. Aber die Macher reizen dieses Potenzial nicht aus, vermutlich auch aus Kostengründen.

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Einer der wenigen Gänsehautmomente: ein erster Blick auf die Tripods der Marsianer.

Positiv finde ich, dass die Serie die Kritik von H. G. Wells am Kolonialismus aufnimmt. Bei einer britischen Produktion hätte das unter den Tisch fallen können. Die kritischen Töne des Buchs gegenüber der Kirche finden sich ebenfalls in der Serie, die sich auch in anderen Bereichen möglichst nah an die Vorlage zu halten versucht.

Wegen des Reportage-artigen Charakter des Buches ist das nicht immer die beste Entscheidung, die Handlung ist dadurch recht arm an Action. Und leider schafft es die Serie nicht, auf andere Weise Spannung aufzubauen. Die Furcht der Menschen vor Verfolgung durch die Marsianer kann sie einfach nicht greifbar machen.

Fox-Weltenkrieg punktet mit Realismus

Die Fox-Produktion bemüht sich nicht um Nähe zur Romanvorlage. Wäre zu Beginn der Serie nicht eine Abwandlung des berühmten Romaneinstiegs zu hören, hätte ich die Serie gar nicht mit dem Buch in Verbindung gebracht. Es wirkt fast so, als sei der Titel "Krieg der Welten" lediglich aus Marketinggründen gewählt.

Dabei hat die Fox-Serie das gar nicht nötig. Ihr gelingt, was ich bei der BBC-Produktion vermisse. Die Fox-Adaption entfacht eine Instant-Sogwirkung und kommt trotz ihrer acht Folgen viel schneller zur Sache. Die Serie beginnt damit, dass die Wissenschaftlerin Catherine Durand in einem Observatorium in den französischen Alpen ein außerirdisches Signal auffängt. Das setzt die NATO in Alarmbereitschaft. Doch da sie das Signal nicht zu deuten vermögen, können Militär und Wissenschaftler nur abwarten.

Die Handlung springt zu unterschiedlichen Protagonisten in Frankreich und Großbritannien. Zu Familie Gresham, deren blinde Tochter Emily die außerirdische Präsenz auf besondere Weise wahrnimmt. Zu Flüchtling Kariem, den es von Calais nach London verschlägt. Und zu dem Neurowissenschaftler Bill Ward. Der entdeckt, dass die Außerirdischen (Marsianer scheinen es nicht zu sein) die Menschen besser kennen als wir uns selbst.

Der Cast setzt sich aus bekannten und weniger bekannten Schauspielern zusammen. Die Stars der Produktion sind Gabriel Byrne ("Die üblichen Verdächtigen") und Elizabeth McGovern ("Downton Abbey"). Sie haben jedoch nicht mehr Screentime als die Newcomer wie Daisy Edgar-Jones ("Silent Witness") und Bayo Gbadamosi ("Doctor Who").

Die erste Angriffswelle, noch ohne Tripods, wird so geschickt vorbereitet, dass ich regelrecht mitgefiebert habe. Können sich alle in Sicherheit bringen? Was wird passieren? Die ersten beiden Folgen kommen ohne große Effekte und martialische Kampfmaschinen aus, dennoch ist die Ungeheuerlichkeit des Angriffs bis ins Mark zu spüren. Wieso das so gut funktioniert? Es hat mit der realistischen Umsetzung der Story zu tun. Da gibt es keine typischen Larger-than-life-Gesten wie etwa in Steven Spielbergs Filmadaption.

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Bill Ward und seine Ex-Frau Helen retten sich in den Fahrstuhl.
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Familie Gresham versteckt sich unterirdisch in der Nähe der Gleise.
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Wissenschaftler und Militär beobachten die Geschehnisse aus dem Observatorium in den französischen Alpen.
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Die Fox-Umsetzung von "Der Krieg der Welten" drückt zudem nicht auf die Tränendrüse wie die BBC-Version. Stattdessen zeigt sie die Menschen, wie sie sind: menschlich. Die gestresste Mutter, die nicht mehr weiterweiß. Der verletzte Flüchtling, der ums Überleben kämpft. Und der Wissenschaftler, der seine Frau zurückgewinnen will. Die verschiedenen Protagonisten treffen in dem Horrorszenario ganz unterschiedliche Entscheidungen.

Leider konnte ich bislang nur die ersten beiden Folgen der Fox-Serie sehen. Ich weiß also nicht, wie sie sich weiterentwickelt. Doch in bin guter Dinge. Wenn jetzt noch die Tripods auf coole Weise dazukommen, bin ich sogar happy!

Fazit: Fox macht den Schrecken auf subtile Weise erlebbar

H. G. Wells schrieb "Krieg der Welten" gleichermaßen aus Faszination und Furcht vor dem technischen Fortschritt und dessen Folgen. Dieser Zwiespalt ist mehr als hundert Jahre nach Erscheinen des Werks aktuell wie nie. Gleichzeitig ist die Invasion durch die Marsianer eine Parabel auf die Unterdrückung von vermeintlich Schwächeren. Ein Thema, das leider zeitlos relevant ist. Vermutlich kommt der Sci-Fi-Klassiker deshalb nicht aus der Mode.

Die BBC hat einen klassischen Ansatz verfolgt, lässt den Plot wie im Roman in Großbritannien und zur Zeit seiner Entstehung spielen. Die Umsetzung ist allerdings eine unausgegorene Mischung aus britischer Soap Opera und Science-Fiction.

Die viel realistischere Fox-Serie entfernt sich stark von der Vorlage, auch wenn sie ebenfalls in Großbritannien angesiedelt ist. Aber zumindest in den ersten beiden Episoden verfolgte sie einen innovativen Ansatz, der den Schrecken der Invasion auf subtile Weise erlebbar macht. So können auch jüngere Generationen dem mehr als hundert Jahre alten Stoff von "Krieg der Welten" etwas abgewinnen.

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