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Echt jetzt? 11 unglaublich schlecht übersetzte Filmtitel

Auch Marvel-Held Thor lief bereits zu einem hemmungslos schlecht übersetzten Filmtitel auf.
Auch Marvel-Held Thor lief bereits zu einem hemmungslos schlecht übersetzten Filmtitel auf. (©Jasin Boland/Marvel Studios 2017 2017)

Wenn internationale Filme auf den deutschen Markt kommen, muss oft auch der jeweilige Titel ins Deutsche übersetzt werden. Dabei entpuppte sich bereits so mancher Titel als riesengroßes Fettnäpfchen für Übersetzer. Von irreführend bis hochnotpeinlich – hier sind zehn eindrucksvoll miserable Beispiele.

1. "Vergiss mein nicht!" ("Eternal Sunshine of the Spotless Mind", 2004)

Michel Gondrys Mix aus romantischer Komödie und Science-Fiction wurde dank seiner kreativen Story und verschachtelten Erzählweise zum Kultfilm. Um ihre Beziehung ohne Liebeskummer hinter sich zu lassen, engagiert ein zerstrittenes Liebespaar eine Firma, die Gedächtnislöschungen anbietet. Später treffen sich beide wieder –scheinbar zum ersten Mal. Der Originaltitel kleidet die Idee der Schmerzvermeidung durch Vergessen in beinahe poetische Worte. Die deutsche Übersetzung macht daraus einen kitschigen Hilfeschrei samt Ausrufezeichen, der alles verspricht, nur keine erfrischende Abwechslung zum Rom-Com-Standard.

2. "Hi-Hi-Hilfe!" ("Help!", 1965)

Als die Beatles 1965 ihren surrealen Musikfilm "Help!" herausbrachten, waren die Englischkenntnisse im deutschen Sprachraum vielleicht noch nicht so fortgeschritten wie heute. Anders kann man sich die Übersetzung nicht erklären. Aber das englische Wort für "Hilfe" hätte man dem Publikum durchaus zumuten können – erst recht, wenn die Alternative klingt wie ein Poltergeist mit Schnupfen.

3. "Hot Tub – Der Whirlpool … ist ’ne verdammte Zeitmaschine!" ("Hot Tub Time Machine", 2010)

Im Originaltitel ist man über die alberne Grundidee dieser Komödie mit vier kurzen, knackigen Worten im Bilde: Es geht um Zeitreisen in einem verwunschenen Whirlpool. Warum dafür in der deutschen Übersetzung unbedingt Auslassungspunkte, ein Abkürzungs-Apostroph, ein Kraftausdruck und ein Ausrufezeichen nötig sind? Wir wissen es auch nicht...

4. "Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt" ("Alien", 1979)

Manchmal macht ein Titel gerade deshalb Lust auf seinen Film, weil er gezielt Spannung aufbaut. Der wunderbar schlichte Titel "Alien" erreicht dieses Ziel mustergültig und verrät nur ansatzweise, womit man es in Ridley Scotts Meisterwerk zu tun bekommt. Die deutsche Übersetzung trampelt diese Eleganz mit einem Ungetüm von Untertitel nieder. Hier wird dem Publikum im Vorhinein netterweise sogar erklärt, dass man die von HR Giger entworfene Horrorkreatur auch bitte ordentlich unheimlich finden soll.

5. "Hydrotoxin – Die Bombe tickt in dir" ("Live Wire", 1992)

Wenn frustrierte Chemielehrer Drogen kochen, kommt dabei "Breaking Bad" heraus. Wenn sie Filmtitel übersetzen, lautet das Ergebnis möglicherweise "Hydrotoxin – Die Bombe tickt in dir". Der griffige Originaltitel "Live Wire" musste einem Fremdwort aus Schulbuch und einem Untertitel aus dem Phrasen-Baukasten weichen. Spitzfindige Kenner des Films werden zudem anmerken, dass die fragliche Bombe gerade nicht tickt: Der Sprengstoff ist nämlich eine Flüssigkeit, die beim Kontakt mit Magensäure explodiert. Ein anderer deutscher Titel des Films lautet übrigens "Hydrotoxin – Die lebenden Bomben", was auch nicht viel besser ist.

6. "Hot Fuzz: Zwei abgewichste Profis" ("Hot Fuzz", 2007)

Wer auch immer hier mit der Übersetzung betraut war, war entweder von allen guten Geistern (und Geschmäckern) verlassen oder noch nicht in der Pubertät. Das fand wohl auch das ZDF: Als der Sender die Polizeikomödie mit Simon Pegg und Nick Frost 2009 erstmals im deutschen Free-TV ausstrahlte, lief der Film unter dem nur marginal weniger dämlichen Titel "Hot Fuzz: Verbrechen verboten".

7. "Zwei glorreiche Halunken" ("The Good, the Bad and the Ugly", 1966)

Schon Julius Caesar wusste: Dreiteilige Slogans bringen's richtig! Sein "Ich kam, ich sah, ich siegte" ist kurz, catchy und die rhetorische Blaupause für zahlreiche Nachahmer. "The Good, the Bad and the Ugly" funktioniert ähnlich gut und verpasst Sergio Leones klassischem Italo-Western einen angemessen epischen Titel. "Zwei glorreiche Halunken" lässt dafür eher eine Western-Parodie mit Bud Spencer und Terence Hill erwarten. Wer zählen kann, merkt außerdem: Im Vergleich zum Original ist hier wohl ein Halunke auf dem Übersetzungsweg abhanden gekommen...

8. "Ein Zombie hing am Glockenseil" ("Paura nella città dei morti viventi", 1980)

Zugegeben: Der italienische Originaltitel dieses Gore-Horrorfilms aus den Achtzigern ist auch ein ganz schönes Ungetüm. Übersetzt bedeutet es "Stadt der lebenden Toten", was im Vergleich zum tatsächlichen deutschen Titel die wesentlich elegantere Variante gewesen wäre. Die Übersetzer hinderte das aber nicht daran, die aus Jugendschutzgründen entstandenen Alternativversionen des Films mit "Ein Kadaver hing am Glockenseil", "Eine Leiche hing am Glockenseil" und "Ein Toter hing am Glockenseil" zu betiteln. Tot oder untot: Hauptsache hängend am Glockenseil.

9. "Meh' Geld" ("Mo' Money", 1992)

Diese Liste zeigt: Zahlreichen deutschen Filmtiteln hätte es gut getan, wenn man die Originale einfach wörtlich übersetzt hätte. Die Gaunerklamotte "Mo' Money" aus dem Jahr 1992 ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass das nicht immer gilt. Der jämmerliche Versuch, den US-Straßenslang des Originaltitels eins zu eins ins Deutsche zu übertragen kann jedenfalls getrost als Schnapsidee angesehen werden.

10. "... Jahr 2022 ... die überleben wollen" ("Soylent Green", 1973)

Bei dieser Vollkatastrophe von Übersetzung stimmt wirklich gar nichts. Was soll die kontextlose Jahresangabe? Wer hat diesen unfassbar ungriffigen Halbsatz ohne jeden grammatischen Sinn verbrochen? Warum die Auslassungspunkte am Anfang und in der Mitte? Und was wäre eigentlich so verkehrt am Titel "Soylent Grün" gewesen? In der Synchronisation wird der futuristische Nahrungsersatz Soylent Green schließlich auch so bezeichnet. Woraus das Zeug gemacht wird, ist übrigens der eigentliche Knackpunkt des Films.

11. "Thor – Tag der Entscheidung" ("Thor: Ragnarok", 2017)

In der germanischen Mythologie ist "Ragnarök" die Sage vom Untergang der Götter und der von ihnen beherrschten Welt gleich mit dazu. Seinem englischen Publikum traut Marvel offenbar zu, bei Unklarheiten zum Untertitel von "Thor 3" ein Sagenbuch oder einfach Google zu kontaktieren. Beim deutschen Publikum geht das Studio aber auf Nummer sicher und wählt mit "Tag der Entscheidung" eine Nicht-Übersetzung, die langweiliger und effektheischender nicht sein könnte. Noch dazu hat sie absolut nichts mit der germanischen Mythologie zu tun, der Thor nun einmal entstammt – im Unterschied übrigens zum Wort "Götterdämmerung", mit dem "Ragnarök" oft übersetzt wird. Normalerweise.

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