Topliste

12 Jahre YouTube, 12 verrückte Videos – wer erinnert sich?

Der südkoreanische Popstar Psy steht mit seinem "Gangnam Style" bis heute an der Spitze der Aufruf-Charts von YouTube.
Der südkoreanische Popstar Psy steht mit seinem "Gangnam Style" bis heute an der Spitze der Aufruf-Charts von YouTube. (©Youtube/OfficialPsy 2017)

Am Valentinstag 2005 erblickte YouTube das Licht der Welt. Heute ist ein Internet ohne das Videoportal kaum mehr vorstellbar – und die Welt ist dank YouTube auch um einige Kuriositäten reicher. Hier sind zwölf virale Video-Hits aus zwölf bewegten Jahren.

2005: Das allererste YouTube-Video

Weltweite Bekanntheit erlangte dieser unscheinbare Clip aus dem Zoo erst nach seinem Auftauchen in den Weiten des World Wide Web im Jahr 2005. Mittlerweile hat das Video mit dem Titel "Me at the zoo" aber einen Platz in den Internet-Geschichtsbüchern sicher, denn es ist das erste Video, das je auf YouTube veröffentlicht wurde. Der junge Mann am Elefantengehege ist Jawed Karim, ein damaliger Mitarbeiter des Online-Bezahldienstes PayPal, der die Videoplattform zusammen mit seinen Arbeitskollegen Chad Hurley und Steve Chen am 14. Februar 2005 ins Leben rief.

2006: OK Go – "Here It Goes Again"

Vier Musiker, acht Laufbänder und ein Indierock-Ohrwurm waren 2006 der Startschuss für eine beispiellose Symbiose, die eine Band mit dem noch jungen YouTube einging. OK Go landeten mit ihrem leichtfüßigen Live-Video zum Song "Here It Goes Again" einen absoluten Internet-Hit, kamen auf den Geschmack und sind heute als Macher von außergewöhnlichen Musikvideos wahrscheinlich bekannter als für ihre eigentliche Musik. Ob spektakuläre Kettenreaktionen, Zeitlupe oder Schwerelosigkeit: In ihren Clips tobt sich die Band so richtig aus.

2007: Charlie Bit My Finger

Eine alte Theaterweisheit besagt: "Wenn nichts mehr geht, gehen Tiere und kleine Kinder." Das nicht einmal einminütige Video "Charlie Bit My Finger", das im Mai 2007 vom Familienvater Howard Davies-Carr auf YouTube hochgeladen wurde, beweist, dass diese Weisheit auch für das Internet gilt. Mehr als 845 Millionen Aufrufe hat die schmerzhafte, aber immerhin niedliche Episode aus dem Leben des damals dreijährigen Harry Davies-Carr und seines einjährigen Bruders Charlie mittlerweile angehäuft. Zeitweise war der Clip das meistaufgerufene Video der ganzen Plattform. Familie Davies-Carr konnte sich von den Werbeeinnahmen ein Haus kaufen.

2008: Rickrolling

"Never gonna give you up..." von Rick Astley gab dem Trend "Rickrolling" seinen Namen. Wer 2008 auf einen lang ersehnten Filmtrailer oder ein besonders reißerisch betiteltes Sensationsvideo klickte, lief Gefahr, stattdessen mit diesem Eighties-Klassiker Bekanntschaft zu machen. Das Ganze wurde zum Web-weiten Leistungssport und sogar YouTube beteiligte sich: Am 1. April 2008 führten die Feature-Videos auf der Startseite nicht zu ihrem eigentlichen Inhalt, sondern zu Rick Astley und seiner Schmalzhymne.

2009: David After Dentist

"Is this real life? Why is this happening to me? Is this gonna be forever?" Die wohl tiefgründigsten philosophischen Betrachtungen des Jahres 2009 kamen aus dem frisch verarzteten Mund eines Siebenjährigen. Nach einem Zahnarztbesuch war David DeVore Jr. noch voll auf Betäubungsmitteln und erlangte dadurch im Gespräch mit seinem Vater, der alles mit der Kamera festhielt, Einsichten in die Geheimnisse des Lebens. Nur drei Tage, nachdem das Video bei YouTube gelandet war, hatte es bereits drei Millionen Aufrufe – und in den Folgemonaten sollten es noch wesentlich mehr werden!

2010: Bed Intruder Song

Auf YouTube blüht und gedeiht die Remix-Kultur. Der "Bed Intruder Song" ist vielleicht eines der prominentesten Beispiele für kreative Weiter- und Wiederverwertung: Aus einem ernsten Nachrichtenbericht über einen Einbruch mit versuchter Vergewaltigung machte die Band The Gregory Brothers mit der Hilfe von Autotune einen fast schon unangemessen eingängigen Song. In der Folge bekamen sie unter anderem den Vorwurf zu hören, dass sie sich doch nur über den unfreiwilligen Hauptdarsteller lustig machen würden. Antoine Dodson, so der Name des aufgebrachten jungen Mannes, nahm's allerdings locker und freute sich über die große Beliebtheit des Videos. Am Ende ermöglichte der Erfolg des "Bed Intruder Songs" seiner Familie sogar den Umzug in eine bessere Wohngegend.

2011: Rebecca Black – "Friday"

Dass wirklich jeder dank des Internets zum Star werden kann, bewies Rebecca Black 2011 mit "Friday". Ihr Musikvideo war in einem Studio in Los Angeles entstanden, das Möchtegern-Popstars die Aufnahme eines Songs inklusive Videodreh anbietet – und zwar zu relativ niedrigen Preisen. Der Song gilt bis heute als vielleicht schlechtestes Lied aller Zeiten. Der Text: völliger Nonsens. Die Musik: mittelmäßig produzierter Trash-Pop. Rebecca Blacks Stimme: nur dank Autotune halbwegs auf dem richtigen Ton. Die Rap-Einlage in der Mitte: Anlass für jede Menge Fremdschämen. Dass die damals gerade einmal 13-jährige Sängerin aber die geballte Häme des Internets zu spüren bekam, war sicherlich nicht nett. Schließlich war sie für die fragwürdige Qualität des Videos nun wirklich nicht allein verantwortlich.

2012: Psy – "Gangnam Style"

"Hoppa Gangnam Style!" 2012 konnte auf einmal jeder Koreanisch – oder plapperte sich beim Mitsingen zu diesem Über-Hit zumindest irgendetwas zusammen, was so ähnlich klang. Der südkoreanische Popstar Psy knackte mit seinem herrlich überdrehten Video zu einem monströs eingängigen Song alle Rekorde: Bis heute ist der Clip das meistaufgerufene YouTube-Video aller Zeiten und kratzt mittlerweile schon an der Drei-Milliarden-Marke. Der Erfolg bei YouTube übertrug sich auch auf die Charts: In Deutschland stand "Gangnam Style" satte 50 Wochen in den Top 100 und drei Wochen auf Platz 1. Eigentlich kein Wunder: Schließlich ist YouTube laut einer aktuellen Grafik die in Deutschland am häufigsten aufgerufene Website überhaupt.

2013: Harlem Shake

Mit den Jahren hat sich YouTube zu einem medialen Mikrokosmos entwickelt, in dem immer wieder Trends auftauchen, die dann mit Nachahmern, Hommagen und Parodien durch das gesamte Internet getragen werden. 2013 war der Harlem-Shake an der Reihe. Plötzlich war YouTube voll von Videos, in denen zunächst ein einzelner Tänzer zu dem Song "Harlem Shake" des Electronic-Musikers Baauer tanzt, doch nach 15 Sekunden setzt der Bass-Drop ein – und aus dem einsamen Tänzer wird eine wilde Party. Das Konzept war so populär, dass YouTube sogar seine eigene Website mittanzen ließ und ein Easter Egg einbaute, das bis heute funktioniert. Einfach mal nach "Do the Harlem Shake" suchen und schauen, was passiert.

2014: Devil Baby Attack

Schadenfreude ist die schönste Freude – auch (oder gerade?) im Internet. YouTuber, die sich ganz dem kunstvollen Hereinlegen ihres Umfelds verschrieben haben, feiern deshalb mit ihren sogenannten "Pranks" (auf Deutsch: "Streiche") große Erfolge auf der Videoplattform. Einer der gruseligsten Pranks ist wohl bis heute das teuflische Roboterbaby, das in der Fußgängerzone in einem fernsteuerbaren Kinderwagen ausgesetzt wurde und Passanten fast zu Tode erschreckte. Im Unterschied zu vielen heutigen Prank-Videos steckte hier aber geschicktes Marketing dahinter: Das Ganze war eine Werbeaktion für den Kinofilm "Devil's Due – Teufelsbrut", der aber bei Weitem nicht die Bekanntheit des viralen Gags erreichte.

2015: Sia – "Elastic Heart"

Das Musikfernsehen ist längst tot, doch YouTube hält das Musikvideo am Leben. Die meistgesehenen 50 Videos auf der Plattform sind fast ausnahmslos Musikclips. Künstler vom Independent-Musiker bis hin zum Weltstar probieren sich hier immer wieder mit kreativen Konzepten aus. Ein unglaublich erfolgreiches Beispiel unter ziemlich vielen: 2015 landete Popsängerin Sia mit ihrem Video zum Song "Elastic Heart" einen Viralhit, für den sie Hollywood-Schauspieler Shia LaBeouf mit der Tänzerin Maddie Ziegler eine moderne Ballett-Performance aufführen ließ.

2016: Pen Pineapple Apple Pen

Im Internet findet sich inzwischen jede Menge Unsinn – auch YouTube ist seit seinen Anfangstagen ein Sammelbecken für Verrückte und kreative Freaks jeglicher Fasson. Dass sich daran auch 2016 nichts geändert hat, bewies der japanische Komiker Pikotaro mit seinem Nonsens-Clip "Pen Pineapple Apple Pen". In etwas mehr als einer Minute brachte er ein solches Pensum an Seltsamkeit unter, dass sein kurioser Leopardenschal, den er zu einem Schlangenleder-Hemd und Bleistift-Schnäuzer trägt, schon gar nicht mehr auffällt. Doch wir sind uns sicher: Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. In diesem Sinne: Alles Gute zum Geburtstag, YouTube, und auf die nächsten zwölf Jahre voller kurioser Videos!

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