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5 Weihnachtslieder, in denen es gar nicht um Weihnachten geht

Unter dem Tannenbaum wird zu Weihnachten gerne gesungen – doch nicht alle beliebten Weihnachtslieder handeln vom Fest der Liebe.
Unter dem Tannenbaum wird zu Weihnachten gerne gesungen – doch nicht alle beliebten Weihnachtslieder handeln vom Fest der Liebe. (©Pexels 2016)

"Last Christmas", "All I Want For Christmas Is You", "White Christmas": Aus dem deutschen Radio, der TV-Werbung und den Streaming-Playlisten schallt uns jedes Jahr zum Fest der Liebe vor allem eines entgegen: Weihnachtslieder. Viele dieser Gassenhauer tragen das heilige Fest bereits im Titel – logisch, dass sich hier alles um Weihnachten dreht. Allerdings werden auch immer wieder Songs gespielt, die an sich gar nichts mit Weihnachten zu tun haben, wenn man sich die Texte genauer anschaut. 

1. "Jingle Bells"

Ja, kein Scherz, der (vermeintliche) Weihnachtsklassiker "Jingle Bells" hat mit Jesus Christus' Geburt gar nichts am Hut. Das Lied wurde 1857 von James Lord Pierpont in den USA komponiert – und zwar zu Thanksgiving. Es sollte bei einem Event anlässlich des amerikanischen Erntedankfestes uraufgeführt werden, in Savannah, Georgia. Zwar geht es im Text natürlich darum, in einem offenen Schlitten vom Pferd gezogen durch den Schnee zu flitzen und sich zu amüsieren – aber das ist schließlich kein Freizeitvergnügen, das ausschließlich auf Weihnachten beschränkt ist. Tatsächlich findet sich keine Spur vom Fest der Liebe im Text dieses Klassikers!

Die meisten kennen ohnehin nur die erste Strophe von "Jingle Bells". In den weniger bekannten weiteren Strophen wird munter in den Schnee gepurzelt oder mit "Miss Fannie Bright" eine abenteuerliche Schlittenfahrt unternommen. In der vierten Strophe soll sogar ein schnelleres Pferd für den Schlitten besorgt werden. Santa Claus' Schlitten hingegen, der bekanntlich von Rentieren gezogen wird, kommt kein einziges Mal im Text vor, auch keine religiöse Andeutung ist zu finden. Und doch heißt es jedes Jahr auf der Weihnachtslieder-Playlist: Freie Fahrt für "Jingle Bells"!

2. "Let It Snow"

Um die winterliche Atmosphäre und die kalte Jahreszeit drehen sich viele Songs, die zu Weihnachten in Dauerschleife im Radio laufen. Auch "Let It Snow", 1945 von Sammy Cahn und Jule Styne komponiert, ist kein Weihnachtslied, sondern feiert lediglich die gemeinsame Zeit und Zweisamkeit, wenn es draußen kalt und ungastlich wird. "The weather outside is frightful / But the fire is so delightful / And since we've no place to go / let it snow, let it snow, let it snow": Diese Zeilen hätten im Januar, Februar und März mindestens genauso ihren Platz im Radio verdient wie zu Weihnachten – zumal im Text Popcorn gemampft wird anstatt Keksen und anderen Weihnachtsleckereien. Auch vom Geschenketausch ist keine Rede.

3. "Baby It's Cold Outside"

Bei der Oscarverleihung 1958 schmetterten Mae West und Rock Hudson den damals mit dem Academy Award ausgezeichneten Schmachtfetzen "Baby It's Cold Outside", ursprünglich geschrieben vom New Yorker Frank Henry Loesser (1910–1969). Das Liebeslied wurde von Jazz- und Bluesgrößen wie Ella Fitzgerald und Louis Jordan, Sammy Davis Jr. und Carmen McRae, Cerys Matthews und Tom Jones, Brian Setzer und Ann-Margret interpretiert – 2014 lieferte sogar "Family Guy"-Schöpfer Seth MacFarlane eine Version. Den Aufmerksamen ist nicht entgangen: Geschenke, Santa Claus, Jesu Geburt – von all dem ist in dem Song nie die Rede: Es ist nur ein weiteres Liebeslied, das von Schnulzensängern wie Michael Bublé passend zur Weihnachtszeit immer wieder in die Radio-Charts gehievt und somit als Weihnachtssong missverstanden wird. Tragisch.

4. "O Tannenbaum"

Apropos Liebe, selbst im absoluten Klassiker "O Tannenbaum" ging es ursprünglich nicht um Weihnachten! Das alte Volkslied wurde 1615 erstmals von Melchior Franck erwähnt, verbreitete sich als schlesisches Liedgut und fand erst um 1800 zu seiner heute bekannten Melodie. Und worum ging es damals im Text? Um tragische, unerfüllte Zuneigung. In August Zarnacks (1777–1827) Version gilt der unverwüstliche Tannenbaum mit seinen immergrünen Nadeln als Symbol für ewige Liebe – im Gegensatz zum gelb und letztlich grau werdenden Laub einer untreuen Maid. "O Mägdelein, o Mägdelein, wie falsch ist dein Gemüte", heißt es sogar in einer der Strophen von damals.

Wer an Weihnachten mit solchen Textzeilen um die Ecke kommt, kann schnell für Unmut sorgen, aber den Klugscheißer heraushängen lassen: Zum Weihnachtslied wurde "O Tannenbaum" nämlich erst 1824 durch den Lehrer Ernst Anschütz aus Leipzig. Er strich einfach die enttäuschte Liebe aus den Strophen und konzentrierte sich auf die immergrünen Aspekte des Nadelbaums. Denn erst zu dieser Zeit wurde es Mode, zum Weihnachtsfest Tannenbäume aufzustellen. Der Pauker nutzte also quasi die Gunst der Stunde für einen Ritt auf der neusten Trendwelle.  Aus "Wie treu sind deine Blätter" wurde dann im Laufe des 20. Jahrhunderts "Wie grün sind deine Blätter". Die Melodie wurde zudem mehr als einmal mit neuem Text versehen: Ironische Spottversionen gegen Kaiser Wilhelm II. machten ebenso die Runde wie ein Fangesang für den britischen Fußballclub FC Chelsea.

5. "Winter Wonderland"

Auch auf den Klassiker "Winter Wonderland" trifft man nach dem 26. Dezember im deutschen Radio fast gar nicht mehr. Warum eigentlich? Denn der Song von Felix Bernard und Richard B. Smith aus dem Jahr 1934 ist auch kein Weihnachtslied. Vielmehr wird auch hier der Winter in all seinen Facetten besungen. Das ändert sich auch nicht, wenn Lady Gaga den Song im Duett mit Tony Bennett bei der Erleuchtung des weltbekannten New Yorker Weihnachtsbaums vor dem Rockefeller Center singt. Auch hier ist keine Spur vom christlichen Feiertagsbrauch. So oder so: Schön anzuhören sind die Lieder immer – aber eben nicht nur an Weihnachten.

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