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9 kultige Filmszenen, die so überhaupt nicht geplant waren

Ein Leonardo DiCaprio kennt keinen Schmerz: Trotz verletzter Hand drehte er die Szene bis zum Schluss.
Ein Leonardo DiCaprio kennt keinen Schmerz: Trotz verletzter Hand drehte er die Szene bis zum Schluss. (©Facebook/Django Unchained 2016)

Da können sich die Drehbuchautoren noch so viel Mühe geben: Manchmal schreibt der Zufall einfach die besten Filmszenen. Diese neun kultigen Momente verdanken wir spontanen Geistesblitzen am Set.

1. Der Joker und die Bombe ("The Dark Knight")

In einer spektakulären Explosion jagt der Joker in Christopher Nolans "The Dark Knight" das Krankenhaus von Gotham in die Luft und flieht dann in einem Bus voller Geiseln. Für die Filmszene mit Massen an Pyrotechnik gab es am Set nur einen Versuch. Geplant war, dass die Explosionen kurz stoppen sollten, der Joker in den Bus steigt und der Rest des Krankenhauses explodiert, während er wegfährt. Heath Ledger improvisierte allerdings und gab der Szene dadurch einen schwarzhumorigen Joker-Touch: In der Sprengungs-Pause zuckt er verwundert mit den Schultern, schüttelt den Auslöser wie ein kaputtes Spielzeug – und macht sich schleunigst aus dem Staub, als die Detonationen weitergehen.

2. Peitsche oder Pistole? ("Indianer Jones: Jäger des verlorenen Schatzes")

In "Jäger des verlorenen Schatzes" bekommt es Indiana Jones auf offener Straße mit einem grimmigen Säbelkrieger zu tun. Ursprünglich sah das Drehbuch vor, dass der Abenteurer seinen Widersacher nach einer ausladenden Schwertkampfsequenz mit seiner Peitsche entwaffnen sollte. Am Drehtag hatte sich Indy-Darsteller Harrison Ford aber eine Lebensmittelvergiftung eingefangen und konnte den kräftezehrenden Kampf nicht durchführen. Stattdessen schlug er die Version der Filmszene vor, die es letztlich auf die Leinwand schaffte: Nachdem er seinem Gegner eine Weile beim Herumfuchteln mit dem Säbel zugesehen hat, zieht Indy genervt seinen Revolver und schießt den Kerl nieder. Im Nachhinein die wesentlich realistischere (und witzigere) Reaktion.

3. Aragorns gebrochener Zeh ("Der Herr der Ringe: Die zwei Türme")

In einer Filmszene im zweiten Teil von Peter Jacksons "Herr der Ringe"-Trilogie finden Aragorn, Gimli und Legolas einen Scheiterhaufen mit Leichen und Waffen, der sie vermuten lässt, dass die Hobbits Pippin und Merry tot sind. Aragorn tritt vor Trauer und Wut gegen einen am Boden liegenden Helm und sinkt mit einem verzweifelten Schrei auf die Knie. Der seelische Schmerz des Waldläufers war für Schauspieler Viggo Mortensen leider unangenehm real: Bei seinem Tritt gegen den Helm brach er sich zwei Zehen. Zum Glück möchte man sagen: Schließlich wirkt die Filmszene dadurch wahrscheinlich authentischer, als sie je hätte gespielt werden können.

4. Alvy Singer und das Koks ("Der Stadtneurotiker")

In Woody Allens Komödie "Der Stadtneurotiker" wird der von Allen gespielten Hauptfigur Alvy Singer auf einer Party Kokain angeboten. Als er den Stoff begutachtet, muss er plötzlich niesen und erzeugt eine hübsche weiße Wolke sowie Lacher bei allen Umsitzenden. Woody Allens Nieser war echt, aber eigentlich nicht vorgesehen. Tatsächlich wurde die unerwartet witzige Filmszene bei einem Probedreh aufgenommen und war deshalb gar nicht für den fertigen Film vorgesehen. Das änderte sich, als Allen sah, dass das Testpublikum die Szene wegen des verschnupften Missgeschicks liebte.

5. Han Solo und der Liebesschwur ("Star Wars: Das Imperium schlägt zurück")

Kurz bevor Han Solo in einer zentralen Filmszene in "Das Imperium schlägt zurück" in Karbonit schockgefroren wird, tauschen er und Prinzessin Leia einen leidenschaftlichen Kuss und einen romantischen Wortwechsel aus. Auf Leias "Ich liebe dich" sollte Han laut Drehbuch eigentlich "Ich liebe dich auch" antworten. Schauspieler Harrison Ford schien das aber eine viel zu kitschige und selbstlose Antwort für den coolen Schmuggler mit dem großen Ego zu sein: Er rang sich stattdessen ein stilecht-überhebliches "Ich weiß" ab, bevor er von Darth Vader in den künstlichen Winterschlaf befördert wurde.

6. Will Hunting und die Flatulenz ("Good Will Hunting")

In "Good Will Hunting" versucht Robin Williams in der Rolle des Psychologen Sean Maguire, dem von Matt Damon gespielten Will Hunting zu helfen. Um zu dem emotional verschlossenen jungen Mann durchzudringen, erzählt Maguire ihm in einer Sitzung von seiner eigenen verstorbenen Frau und ihren Problemen mit Darmwinden. Den Satz "Meine Frau hat immer gefurzt, wenn sie nervös war" und den anschließenden Monolog über Flatulenz im Schlaf improvisierte Robin Williams komplett. Matt Damon konnte sich vor Lachen nicht halten, was die Filmszene absolut perfekt macht. Das leichte Wackeln der Kamera lässt außerdem erahnen, dass auch der Kameramann seinen Spaß hatte.

7. Singing in the Rain ("Clockwork Orange")

In Stanley Kubricks "Uhrwerk Orange" überfallen die Hauptfigur Alex DeLarge (gespielt von Malcolm McDowell) und seine Gang einen Schriftsteller und vergewaltigen seine Frau. Regisseur Kubrick ließ die Filmszene viele Male neu drehen, aber nie schien sie ihm zufriedenstellend. Irgendwann bat er McDowell, zu improvisieren. Der begann, während des Überfalls lauthals den Musicalklassiker "Singing in the Rain" zu trällern und fügte der brutalen Szene ein zutiefst verstörendes Moment hinzu.

8. Don Corleones Katze ("Der Pate")

In einer der ikonischsten Filmszenen überhaupt sitzt Marlon Brando als Mafiapate Don Vito Corleone in seinem Büro, hört sich einen Bittsteller an und krault eine Katze. Die war ursprünglich gar nicht im Drehbuch vorgesehen: Regisseur Francis Ford Coppola fand das streunende Tier auf dem Parkplatz des Filmstudios und drückte es Brando in die Hand. Ein perfektes Symbol für die versteckten Krallen des Paten, aber auch eine Ergänzung, die die Szene beinahe unbrauchbar gemacht hätte. Weil die Katze lautstark schnurrte, war der Dialog fast nicht mehr zu verstehen. Selbst in der nachbearbeiteten Endfassung der Tonspur ist sie stellenweise noch gut zu vernehmen.

9. Leonardo DiCaprios Blut ("Django Unchained")

In Quentin Tarantinos Western "Django Unchained" spielt Leonardo DiCaprio den cholerischen Sklavenbesitzer Calvin Candie. In einer Schlüsselszene des Films hat er einen Wutausbruch, auf dessen Höhepunkt er ein Glas auf seinem Tisch zerschlägt. Dabei schlitzte sich DiCaprio die Hand auf, brach aber nicht ab oder fiel aus der Rolle. Vielmehr nutzte er die Verletzung für eine durchweg bedrohliche Performance: Seiner Schauspielkollegin Kerry Washington, die die Sklavin Broomhilda spielt, drückte er die blutverschmierten Finger ins Gesicht. Ihr Entsetzensschrei im Anschluss wirkt absolut überzeugend. Erst nach Abschluss des Takes ließ DiCaprio die Wunde nähen.

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