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Diese 7 Musikvideos haben 2016 provoziert und bewegt

Ein kurzer Einblick in das Musikvideo zu "Famous" von Kanye West zeigt: Es ist Provokation pur!
Ein kurzer Einblick in das Musikvideo zu "Famous" von Kanye West zeigt: Es ist Provokation pur! (©Vevo / Kanye West 2016)

Der nackte Donald Trump und die Flüchtlingskrise haben eins gemeinsam: Beide spielten 2016 eine Rolle in Musikvideos, die uns eindrücklich vor Augen führen, dass Musik sowohl berühren als auch begeistern und provozieren kann.

Welche sieben Musikvideos im vergangenen Jahr ganz besonders für Furore gesorgt haben, zeigt ein Rückblick auf 2016.

1. Sia - "Cheap Thrills"

Nicht ohne Maddie Ziegler! Das Teenage-Tanztalent taucht regelmäßig in den Musikvideos von Sängerin Sia auf und war auch 2016 im Clip zu "Cheap Thrills" wieder mit am Start. Die Musikvideos zu "Elastic Heart", "Chandelier" und "Big Girls Don't Cry", in denen das Mädchen ebenfalls mitspielte, wurden insgesamt mehr als zwei-Milliarden-mal angeklickt. Da lag es für Sia sicher nahe, für "Cheap Thrills" erneut mit Maddie zusammenzuarbeiten. Auf einem anderen Blatt steht allerdings die Kritik, die Sia deswegen immer wieder einstecken muss. Von einer angeblich pädophilen Ästhetik ihrer Musikvideos ist die Rede – ein Vorwurf, den die Sängerin selbst immer entschieden von sich weist. Im Video zu "Cheap Thrills" hält Sia sich stets im Hintergrund, ist aber durchaus zu erkennen. Auch zwei männliche Tänzer sind mit dabei und sorgen zusammen mit der jungen Maddie für eine außergewöhnliche Tanzperformance, die wie gewohnt ein wenig gruselig, aber trotzdem künstlerisch und ästhetisch daherkommt. Die rund dreieinhalb Minuten vergehen beim Zuschauen wie im Flug.

2. Kanye West - "Famous"

Kaum ein Musikvideo sorgte 2016 für so viele Schlagzeilen wie der Clip zu "Famous" von Kanye West. Mit diesem Video trat er einigen bekannten Persönlichkeiten kräftig auf die Füße. Der Produzent und Rapper provoziert in gewohnter Manier und zeigt in dem Musikvideo diverse Promis schlafend nebeneinander in einem überdimensionalen Bett. Darunter finden sich Donald Trump, Ex-Präsident George W. Bush, Kanyes Ex-Freundin Amber Rose, seine Frau Kim Kardashian, Sängerin Taylor Swift, Superstar Rihanna und ihr Ex-Freund Chris Brown. Der wirkliche Skandal daran: Alle sind nackt. Aber Kanye West wäre nicht Kanye West, wenn er selbst nicht auch irgendwo zwischen den Laken liegen würde.

Es ist ein seltsames Bild, aber wegzuschauen ist fast unmöglich. Dargestellt wurden die Prominenten von Silikonpuppen, die den Promis zum Verwechseln ähnlich sehen. Besonders turbulent ging es im Anschluss an die Veröffentlichung des Musikvideos zwischen Popsternchen Taylor Swift ("Bad Blood") und Kanye West zu, deren ohnehin schon schwelender Dauerstreit dank dieses Musikvideos auf ein völlig neues Level gehoben wurde. Worum es dabei ursprünglich ging, weiß keiner mehr so genau. Der Clip zu "Famous" aber bleibt in Erinnerung.

3. Beginner - "Ahnma"

Hip-Hop fand in den letzten Jahren überall statt, nur nicht in Hamburg. Die einst für ihre Rap-Szene bekannte Stadt verkam zu einer Hip-Hop-Ruine, in der die Worte "Digga" und "derbe" nur noch auf den Kapuzenpullis der Touristen zu lesen waren. Bis die legendäre Hip-Hop-Crew der Beginner im Jahr 2016 ihren ersten Song seit 13 Jahren veröffentlichte. Mit "Ahnma" brachten sie den Hip-Hop zurück in die Hansestadt und das Internet überschlug sich fast vor lauter Lob. Jan Delay heißt seitdem wieder Eizi Eiz und posiert für das Musikvideo des Tracks vor den Kränen des Hamburger Hafens in Trainingshose und Polohemd. Mit im Gepäck: Gzuz von der 187-Straßenbande und Reggae-Musiker Gentleman. Die Rap-Welt ist wieder in Ordnung und Hamburg zurück im Hip-Hop-Universum. In dem Musikvideo zu "Ahnma" spielt die Hansestadt dann auch direkt die Hauptrolle. Zu sehen sind die Hafenskyline, Containerschiffe – und ein Kameraschwenk über die Hamburger Schanze darf natürlich auch nicht fehlen. Das Ende des Videos zeigt die gesamte Old-School-Crew inklusive Samy Deluxe, Ferris MC und Deichkind vereint auf dem Dach des Bunkers an der Feldstraße. Schöner kann ein Musikvideo kaum enden.

4. M.I.A. - "Borders"

Musik goes Politik. Das Video zu "Borders" beginnt in einer Wüstenlandschaft, in der unzählige dunkelhäutige Menschen über einen bizarr hohen Zaun klettern. Diese Szenen sollen zeigen, was M.I.A., Rapperin und Produzentin des Clips, vom Umgang mit der Flüchtlingskrise 2016 hält. Selbst stammt Maya Arulpragasam alias M.I.A. aus Sri Lanka, lebt aber inzwischen in Großbritannien. Betont einfach gekleidet und brav wie selten wiederholt sie in ihrem Video immer wieder die Frage "Borders, what's up with that?" ("Was soll das mit den Grenzen?") Das Musikvideo ist aufwühlend – vielleicht sogar ein bisschen gespenstisch – und steht beispielhaft für ein politisches Engagement von Pop-Musikern, das weit über Benefizkonzerte hinausgeht. Es beschönigt nichts. Am Ende des Clips waten Flüchtlinge in den Ozean hinein. Dabei wirkt es fast, als hätten sie nicht vor zurückzukommen.

5. Fifth Harmony feat. Ty Dolla $ign - "Work From Home"

Die Mädels von Fifth Harmony präsentieren sich in ihren Musikvideos regelmäßig spärlich bekleidet und garnieren ihren Auftritt zusätzlich mit sexy Dance Moves. Das Konzept geht auf: Die in der US-amerikanischen TV-Show "X-Factor" gecastete Girlgroup konnte bei den diesjährigen MTV Video Music Awards kräftig absahnen. Auch die Internetplattform YouTube kürte den Clip zum Song "Work From Home" kürzlich zum beliebtesten Musikvideo 2016 (mit bisher knapp über 1,2 Milliarden Klicks). In dem Musikvideo treffen mit Sixpacks und Presslufthammern bewaffnete Bauarbeiter auf einer Baustelle auf die tanzende Girlband und ihre knappen Hot Pants.

6. Coldplay - "Hymn for the Weekend"

In dem Musikvideo zu "Hymn for the Weekend" wirkt es ein bisschen so, als würden vier Studenten in Indien umherreisen. Der Clip, in dem Beyoncé ("Daddy Lessons") die Bollywood-Schönheit gibt, sorgte 2016 für sehr gespaltene Meinungen. Denn es handelt sich bei den unbekümmert auf bunten Wolken durch ein Armenviertel in Mumbai wandelnden Männern eben nicht um Studenten, sondern um die Band Coldplay. Kein Wunder also, dass in den sozialen Medien eine Diskussion nach der anderen losgetreten wird. Der Vorwurf: Das Video präsentiere ein kolonial-rassistisches Überlegenheitsgefühl. Die Plattenfirma Warner Music beschreibt das Musikvideo hingegen "als Fest voller überbordender Farben und faszinierender Figuren". Frontmann Chris Martin selbst erklärt: "Der Song dreht sich darum, wie Dich das Leben und die Liebe dazu bringen können, dass Du Dich high und benommen fühlst." Ob das Musikvideo zu "Hymn for the Weekend" zu Recht kritisiert wird oder lediglich eine sehr große Portion bunten Charme versprüht, muss am Ende jeder für sich selbst entscheiden.

7. David Bowie - "Lazarus"

"Look up here, I'm in heaven" sind die ersten Zeilen aus David Bowies Song "Lazarus", bei denen man wirklich Gänsehaut bekommt. Es wirkt, als hätte sich der nur drei Tage nach der Veröffentlichung seines Musikvideos verstorbene Musiker schon länger mit seinem Tod beschäftigt. Im Alter von 69 Jahren verstarb David Bowie im Januar 2016 an den Folgen einer Krebserkrankung. Sein Tod berührt, das Musikvideo zum Song "Lazarus" tut dies ebenfalls. In dem Clip liegt der Musiker auf seinem Totenbett in einem Krankenhaus. Die Augen sind bandagiert, während er sich – die Arme ausgestreckt – in seinem Bett herumwälzt. Eine andere Szene zeigt ihn starr tanzend in einem seiner alten Kostüme. Bowies letztes Musikvideo strahlt eine melancholische Verzweiflung aus, die auf ihre eigene Art und Weise schön ist, und spiegelt intensiv die letzten Monate seines Lebens wider.

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