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Dogma 95 bis "Dogville": 13 Lars-von-Trier-Filme, die Du kennen musst

In "Dogville" brachte Lars von Trier das Theater ins Kino.
In "Dogville" brachte Lars von Trier das Theater ins Kino.

Die Werke kaum eines anderen Filmemachers werden so kontrovers diskutiert wie die von Lars von Trier. Das Enfant terrible der Filmszene und der Dogma-95-Mitbegründer liebt es anzuecken, wirft Zuschauererwartungen über den Haufen und scheut sich auch nicht davor, pornografische Szenen und explizite Gewaltdarstellungen in seine Filme einfließen zu lassen.

Wir haben die wichtigsten Filme des dänischen Regisseurs für Dich zusammengestellt. Und in ihnen liegt genauso wie bei ihrem Schöpfer Genie und Wahnsinn nahe beieinander.

"Europa-Trilogie" (1984 - 1991)

Titel: "The Element of Crime" (1984), "Epidemic" (1987), "Europa" (1991)

Gleich mit seinem ersten Langfilm "The Element of Crime" gelang Lars von Trier, damals noch Lars Trier, der internationale Durchbruch – das "von" legte er sich erst später zu. Der avantgardistische Kriminalfilm bildete den Auftakt seiner "Europa"-Trilogie und wurde auf den Filmfestspielen von Cannes ausgezeichnet. 1987 folgte der Horrorfilm "Epidemic". Das Melodram "Europa" bildete 1991 den Abschluss.

Die drei surrealen Filme setzen sich mit der Geschichte und dem gesellschaftlichen Verfall Europas im 20. Jahrhundert auseinander. Die Werke sind keinem eindeutigen Genre zuzuordnen und vereinen eine ungewöhnliche Bildsprache mit Satire bis Drama. In "Europa" ist von Trier zudem auch als Darsteller zu sehen.

"Breaking the Waves" (1996)

1. Teil der "Golden Heart"-Trilogie

Mit "Breaking the Waves" startete von Trier 1996 die "Golden Heart"-Trilogie. Der Film spielt in einer streng religiösen calvinistischen Gemeinde in Schottland. Hier lebt die naive Bess (Emily Watson), die entgegen der Traditionen des Dorfes den Auswärtigen Jan Nyman (Stellan Skarsgård) heiratet. Als dieser bei einem Unfall auf der Bohrinsel verletzt wird, ist er vom Hals abwärts gelähmt. Damit seine Frau auch in sexueller Hinsicht ein erfülltes Leben führen kann, bittet er sie darum, mit anderen Männern zu schlafen. Bess gibt nach, ruiniert dabei jedoch ihren Ruf.

Für die damals 29-jährige Emily Watson war Bess ihre erste Filmrolle und bescherte ihr 1997 gleich eine Oscarnominierung. Auch markierte der Film den Beginn der Zusammenarbeit von Stellan Skarsgård mit von Trier, die bis heute andauert.

"Die Idioten" (1998)

2. Teil der "Golden Heart"-Trilogie

1995 sorgten Lars von Trier und sein Kollege Thomas Vinterberg ("Das Fest") für Aufsehen in der Filmwelt, als sie das "Dogma 95"-Manifest unterzeichneten. Es sollte eine Erneuerung des Filmes einleiten und legte den Filmemachern selbst gewählte Beschränkungen auf. Dazu gehören unter anderem der Verzicht auf künstliche Beleuchtung sowie das Verbot von Requisiten und Spezialeffekten.

In "Die Idioten", dem zweiten Dogma-Film überhaupt, setzte von Trier das Konzept um. Eine Gruppe von Menschen gibt sich hier als geistig behindert aus, um sich in der Öffentlichkeit verrückt aufführen zu können. Damit wollen sie das Bildungsbürgertum herausfordern. Doch nicht alle Teilnehmer halten durch. "Die Idioten" ist von Triers erster und einziger "Dogma 95"-Film.

"Dancer in the Dark" (2000)

3. Teil der "Golden Heart"-Trilogie

Nach "Breaking the Waves" und "Die Idioten" bildete "Dancer in the Dark" den Abschluss der "Golden Heart"-Trilogie. In allen drei Filmen stehen naive Heldinnen mit einem Herz aus Gold im Mittelpunkt, die unterschiedliche Schicksalsschläge bewältigen müssen. In "Dancer in the Dark" ist das die Fabrikarbeiterin Selma (Björk), die nach und nach erblindet und für eine Operation spart, die ihrem Sohn das gleiche Schicksal ersparen soll. Um der harten Realität zu entkommen, flüchtet sich Selma in ihrer Fantasie in Musicalwelten.

Für den Original-Song "I've Seen It All" wurde die isländische Sängerin und Hauptdarstellerin Björk gemeinsam mit Lars von Trier 2001 für den Oscar nominiert.

"Dogville" (2003)

1. Teil der "Amerika"-Trilogie

2003 meldete sich von Trier mit dem reduziert inszenierten "Dogville", das seine kritische Auseinandersetzung mit Amerika einläutete, zurück. In dem Rachedrama verzichtete er auf aufwendige Sets und Requisiten und drehte in minimalistischer Theaterdekoration. Die Handlung spielt in einem abgelegenen Dorf in den Rocky Mountains. Als die junge Grace (Nicole Kidman) auftaucht, die hier Schutz vor einer Gangsterbande sucht, wird ihr Obdach gewährt. Doch die kleinen Hilfsdienste, die die junge Frau für die Gemeinschaft zunächst freiwillig leistet, sind den Bewohnern bald nicht mehr genug. Grace wird immer mehr erniedrigt.

Von Trier wurde von Brechts epischem Theater zu "Dogville" inspiriert und definierte laut dem Lexikon des internationalen Films "durch eine faszinierende Kameraarbeit sowie die exzellente Montage die Grenzen des Kinos neu". 

"Manderlay" (2005)

2. Teil der "Amerika"-Trilogie

2005 wurde die Geschichte von Grace aus "Dogville" mit "Manderlay" fortgesetzt. Nachdem von Trier im Vorgänger eine verrottete Gesellschaft entlarvte, widmet er sich in der Fortsetzung der Sklavenpolitik Amerikas. Bryce Dallas Howard übernimmt die Rolle der Grace, die es nach der Zerstörung von Dogville 1933 auf die US-Baumwollplantage Manderlay verschlägt. Hier existiert die Sklaverei auch noch 70 Jahre nach ihrem offiziellen Ende. Doch die Befreiung der Sklaven zeigt nicht den gewünschten Effekt.

Die Amerika-Trilogie sollte ursprünglich 2009 mit "Washington" beendet werden, diesmal wieder mit Nicole Kidman in der Hauptrolle. Ob der Film derzeit noch in Planung ist, ist unklar.

"Antichrist" (2009)

1. Teil der Depression-Trilogie

Einen waschechten Skandalfilm schuf von Trier mit dem Horrorthriller "Antichrist". Vordergründig geht es um ein Paar, das den Tod seines gemeinsamen Sohnes aufarbeitet. Zu diesem Zwecke ziehen sich der Vater (Willem Dafoe), der Therapeut ist, und die Mutter (Charlotte Gainsbourg) in eine abgelegene Hütte namens "Eden" in den Wald zurück. Das mag noch harmlos klingen, doch die Trauerarbeit mündet in einem Horrortrip. Durch die explizite Darstellung von Sex und Gewalt ist "Antichrist" laut FSK ab 18 Jahren freigegeben.

Vom Minimalismus der "Amerika"-Filme wendete sich von Trier in "Antichrist" ab und setzt auf symbolträchtige und bildgewaltige Einstellungen. Es ist der erste Film von Triers nach einer schweren Depression.

"Melancholia" (2011)

2. Teil der Depression-Trilogie

Geradezu zahm kommt im Gegensatz zu "Antichrist" von Triers nächstes Werk daher. In "Melancholia" verarbeitet der Filmemacher weiterhin seine Depression. Im Mittelpunkt steht die depressive Justine (Kirsten Dunst), die ihre eigene Hochzeit auf dem Landsitz ihrer Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) sabotiert. Als bekannt wird, dass der Planet Melancholia mit der Erde zusammenstoßen wird, wird Claire panisch, während die Gewissheit des Todes Justine aus ihrer Lethargie reißt.

Die opernhafte Inszenierung in zwei Akten feierte bei den Filmfestspielen von Cannes Premiere, wo von Trier durch seine Sympathiebekundung mit den Nazis einen Eklat auslöste.

"Nymphomaniac: Teil 1 & 2" (2013)

3. Teil der Depression-Trilogie

Der Letzte Teil der von-trierschen Trilogie der Depression bildet der Film "Nymphomaniac", der aufgrund seiner Länge in zwei Teile geteilt wurde. In acht Kapiteln erzählt die Nymphomanin Joe (Charlotte Gainsbourg) ihrem Retter Seligman (Stellan Skarsgård) ihre sexuelle Historie. Wie nicht anders bei dem Titel und von von Trier zu erwarten, gibt es in "Nymphomaniac" sehr explizite, aber auch um Authentizität bemühte Sexszenen.

"The House That Jack Built" (2018)

Ein neuer Film von Lars von Trier ließ einige Jahre auf sich warten. Doch 2018 meldete sich der Skandalregisseur mit "The House That Jack Built" zurück. Der Horrorthriller erzählt in fünf Episoden die Geschichte des Psychopathen Jack (Matt Dillon), eines hochintelligenten Serienkillers, der über die Jahre 60 Morde verübt. Er gibt sich selbst den Namen Mr. Sophisticated und sieht seine Morde als Teil eines Kunstwerks. Und dieses will er unbedingt beenden, bevor er von der Polizei geschnappt wird.

Die schonungslosen und blutigen Gewaltszenen im Film trieben viele Zuschauer bei der Premiere in Cannes aus dem Kinosaal.

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