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Echt paradox: 6 fiese Filmcharaktere mit riesiger Fanbase

Trotz großer Fangemeinde nicht gerade ein Vorbild: Tony Montana (Al Pacino) in "Scarface".
Trotz großer Fangemeinde nicht gerade ein Vorbild: Tony Montana (Al Pacino) in "Scarface". (©Youtube/Movieclips 2016)

Es ist ein seltsames Dilemma: Die bösesten Charaktere im Film sind irgendwie auch immer die coolsten. Wenn man sich aber einmal vor Augen führt, dass diese sechs Film- und Seriencharaktere Horden von Fans haben, kann man es schon mit der Angst zu tun bekommen.

1. Walter White ("Breaking Bad")

Ein Grund, warum "Breaking Bad" eine derart gute Serie ist, ist die Art und Weise, wie die Autoren mit den Sympathien des Publikums spielen. In den ersten Folgen ist der vom Schicksal gebeutelte Walter White derart bemitleidenswert, dass man ihm als Zuschauer eigentlich alles gönnt – selbst seine ersten Erfolge als Drogenproduzent und -dealer. Als er sich vom schluffigen Lehrer zum knallharten Gangsterboss Heisenberg hochgearbeitet hat, ist White endgültig die Coolness in Person – doch um welchen Preis? Zahlreiche eiskalt verübte Morde gehen auf sein Konto und die Erklärung, alles nur für seine Familie getan zu haben, nehmen ihm selbst hartgesottene Fans (und davon gibt es viele) irgendwann nicht mehr ab: Hier ist nur noch pure Gier und Geltungssucht der Antrieb.

2. Tony Montana ("Scarface")

Als Tony Montana in "Scarface" wurde Al Pacino zum Kult-Star. Vom illegalen Einwanderer arbeitet sich der Charakter zum Drogenbaron hoch, der sich von niemandem etwas gefallen lässt. Das ist zumindest das Bild, das in die Popkultur eingegangen ist, in der Montana eine Ikone ist. Dass er am Ende als völlig gebrochener Mann vor den Scherben seines Lebens steht, kann nur übersehen, wer von der Action der berühmten Shootout-Szene geblendet ist. Da kann schon mal in Vergessenheit geraten, dass derjenige, der hier mit einem Maschinengewehr alles niedermäht, keine coole Sau, sondern ein völlig Wahnsinniger ist.

3. Draco Malfoy ("Harry Potter")

Vielleicht liegt es an Mädchenschwarm Tom Felton, der Draco Malfoy in den Filmen verkörpert. Jedenfalls hat der blasse Schnösel eine riesige Fangemeinde, die ihm unter anderem in unzähligen Fan-Fictions huldigt. Schaut man sich an, was er vor allem in den späteren Büchern und Filmen so anrichtet, ist er aber alles andere als ein missverstandenes und eigentlich harmloses Bürschchen: So versucht er im sechsten Film quasi im Alleingang, Voldemort und seinen Anhängern Zugang zur Zaubererschule Hogwarts zu verschaffen, was der Startschuss für eine blutige Schlacht und womöglich die Errichtung einer magischen Schreckensherrschaft gewesen wäre. Dazu gehört mehr als nur ein bisschen kriminelle Energie – und vor allem einiges an echter Faszination für die quasi-faschistische Ideologie des bösartigen Zauberers, die sich auch nicht vollständig als Sorge um Malfoys Familie erklären lässt.

4. Joker ("The Dark Knight")

Heath Ledgers geniale Darstellung des Jokers zog das Publikum so sehr in den Bann, dass "The Dark Knight" vor allem seinetwegen (und nicht etwa wegen Christian Bales Batman, dem eigentlichen Hauptcharakter) in Erinnerung blieb. Das ist die einzig plausible Erklärung für die Bewunderung, die einem der bösesten und nihilistischsten Schurken der jüngeren Filmgeschichte nach wie vor entgegenschlägt. Zur Erinnerung: Der Joker hat keine wirklich nachvollziehbaren Motive und schon gar keine versteckten guten Absichten. Er ist einfach nur auf maximales Chaos aus. Das Urböse, sozusagen – oder mit den Worten von Batmans Butler Alfred: "Einige Menschen wollen die Welt einfach nur brennen sehen."

5. Tyler Durden ("Fight Club")

In der ersten Hälfte von David Finchers "Fight Club" ist Tyler Durden (Brad Pitt) all das, was der namenlose Erzähler (Edward Norton) gern wäre: Durchtrainiert, selbstsicher, witzig, gerissen der perfekte Liebhaber und insgesamt der Inbegriff dessen, was im Englischen unter dem Begriff "badass" läuft. Kein Wunder, dass sich zahllose (vor allem männliche) Fans mit Durden identifizieren. Die zweite Hälfte des Films müssen sie aber wohl verdrängt haben: Aus den privat organisierten Boxkämpfen im "fight club" werden Terroranschläge, die das "Project Mayhem" unter Durdens Führung verübt. Die coole Sau vom Anfang erscheint nach und nach als durchgeknallter Irrer, der seine Ziele ohne Rücksicht auf Verluste verfolgt.

6. Hannibal Lecter

Vor allem seit Mads Mikkelsen den berühmtesten Kannibalen der Filmgeschichte in der Serie "Hannibal" verkörperte, hat der Serienkiller eine riesige Fanbase. Dabei wird meist geflissentlich ausgeblendet, dass auch hinreißend ästhetisierte Morde und pittoresk zusammengestellte Leichenteil-Stillleben am Ende doch nur die Gräueltaten eines wahnsinnigen – wenn auch gut gekleideten – Kriminellen sind, der seine Neigung anspielungsreich hinter Sätzen wie "Ich habe ein Festessen mit einem alten Freund" verbirgt.

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