Freakshow? 6 Schauspieler, die gerne verrückte Rollen übernehmen

Auch Brad Pitt hat eine Vorliebe für durchgeknallte Charaktere wie hier in "12 Monkeys".
Auch Brad Pitt hat eine Vorliebe für durchgeknallte Charaktere wie hier in "12 Monkeys". (©picture alliance/Everett Collection 2017)
Meliha Dikmen Gruselt sich auch bei FSK-12-Filmen.

Die meisten Filmstars sind in feste Kategorien eingeteilt. So spielen Darsteller wie Chris Hemsworth fast immer den Helden, während beispielsweise Gary Oldman lange Zeit auf den Bösewicht aboniert war. Und dann gibt es da eine feine kleine Klientel, die es immer dazu verleitet, schräge Charaktere, Außenseite und Durchgeknallte zu spielen.

Beim Ergründen der Abgründe durchgeknallter Charaktere sind diese 6 Schauspieler waschechte Wiederholungstäter.

1. Johnny Depp

Grindelwald, der verrückte Hutmacher, Captain Jack Sparrow, Mortdecai: Gäbe es einen Preis für die Darstellung der meisten verrückten Charaktere, Johnny Depp wäre mit Abstand der Sieger. Geschuldet ist dieser Umstand vor allem seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Kultregisseur Tim Burton, der eine Vorliebe für morbide, schräge Geschichten hat. Die Zusammenarbeit begann 1990 mit "Edward mit den Scherenhänden" und endete vorläufig mit "Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln" (2016).

Von seiner Tochter bekam Depp übrigens das größte Lob. Nachdem Lily-Rose ihn in "Charlie und die Schokoladenfabrik" gesehen hatte, sagte sie zu ihm: "Du bist wirklich seltsam". "Es war dieser Moment, in dem ich dachte, dass ich ganz gut war", plauderte Depp im Gespräch mit The Guardian aus. Doch auch abseits von Burton ziehen schräge Rollen Depp offenbar magisch an. Besonders als den Kajal-Liebhaber und immerzu verpeilten Captain Jack Sparrow wollen wir ihn nicht mehr missen. 

Schräge Rollen in: "Dark Shadows", "Mortdecai - Der Teilzeitgauner", "Fluch der Karibik"-Reihe, "Sweeney Todd: Der teuflische Barbier aus der Fleet Street", "Lone Ranger" uvm.

2. Elijah Wood

Für die meisten ist und bleibt Elijah Wood immer nur der tapfere Hobbit Frodo aus "Herr der Ringe". Vielleicht gerade, weil er sich von seinem Image als herzensguter Halbling lösen möchte, griff Wood nach dem Ende der Trilogie beherzt zu eher ungewöhnlichen Rollen. So taucht er in "Hooligans" (2005) in die gefährliche und grausame Unterwelt radikaler Fußballfans ein. Das ist aber noch gar nichts gegen seine Rolle in "Maniac" (2012), in dem er als Schaufensterpuppenrestaurator Frank seine weiblichen Opfer ermordet und skalpiert. Im Gespräch mit Indiewire verriet Wood, dass er immer nach Rollen sucht, die anders sind: "Meine liebsten Schauspieler sind bis zu einem gewissen Grad wahre Chamäleons."

Und auch bei der Serienkost darf es offenbar gerne etwas durchgeknallter sein. Woods Charakter Ryan in "Wilfred" hat sie offenbar nicht alle beisammen, denn er sieht in Nachbarhund Wilfred als Einziger kein Tier, sondern einen Mann im Hundekostüm. In "Dirk Gentlys holistische Detektei" wiederum wird es übersinnlich. Woods Charakter unterstützt dabei den Titeldetektiv als Assistent wider Willen, der an einer mysteriösen Nervenkrankheit leidet.

Schräge Rollen in: "Hooligans", "Alexandre Ajas Maniac", "Dirk Gentlys holistische Detektei", "Wilfred"

3. Helena Bonham Carter

Verkörperte Helena Bonham Carters zu Beginn ihrer Karriere vor allem die viktorianische Lady, neigte sich ihr Geschmack mit der Zeit immer ausgefalleneren Charakteren zu. Zu einem krassen Imagewechsel kam es in "Fight Club" (1999), in dem Bonham Carter die desorientierte, suizidgefährdete Marla spielt, die ihr Leben nicht auf die Reihe bekommt, und süchtig nach Selbsthilfegruppen ist.

Nachdem Bonham Carter mit Burton zusammenkam, spielt sie als seine Muse wiederholt schräge Charaktere. Zu den denkwürdigsten gehören sicher Mrs. Lovett aus "Sweeney Todd" (2007), die aus Not Leichenteile zu Pasteten verarbeitet, und Bellatrix Lestrange, ihres Zeichens Hexe und glühende Anhängerin von Lord Voldemort in "Harry Potter". Der Grund für Carters Rollenwahl: "Verrücktheit zieht mich an", verriet die Darstellerin im Gespräch mit Tele 5.

Schräge Rollen in: "Fight Club", "Sweeney Todd", "Harr Potter", "Große Erwartungen", "Dark Shadows", "Corpse Bride"

4. Brad Pitt

Zugegeben, Brad Pitt ist kein Wiederholungstäter vom Format eines Johnny Depp, doch ab und an zieht es den Hollywoodstar zu wirklich schrägen bis lächerlichen Rollen. Den Anfang machte der damals noch weitestgehend unbekannte Schauspieler 1993 mit "Kalifornia", in dem er den brutalen Serienmörder Early gab. Nach seinem Durchbruch als romantischer Filmheld in "Interview mit einem Vampir" und "Legenden der Leidenschaft" war mit "12 Monkeys" (1995) ein Tapetenwechsel angesagt. Als vermeintlich irrer Insasse einer Nervenheilanstalt erspielte er sich eine Oscarnominierung. Offenbar war Regisseur Terry Gilliam laut IMDb zunächst jedoch nicht davon überzeugt, dass Pitt die nervöse und rasche Sprechweise von Jeffrey Goines umsetzen könnte. Als er ihn jedoch auf Nikotinentzug setzte, klappte es ganz wunderbar.

Schräg war ohne Frage auch "Der seltsame Fall des Benjamin Button", in dem Depp die sich stetig verjüngende Titelfigur spielt. Erwähnenswert ist außerdem sein Auftritt in "Burn After Reading", in dem er einen selten dämlichen, aber umso amüsanteren Mitarbeiter eines Fitness-Studios spielt, der sich erfolglos in Erpressung versucht.

Schräge Rollen in: "Kalifornia", "12 Monkeys",  "Burn After Reading",  "Der seltsame Fall des Benjamin Button"

5. Daniel Radcliffe

Schon mit zarten zwölf Jahren erspielte sich Daniela Radcliffe als Harry Potter einen Platz in unseren Herzen. Genauso wie Elijah Wood – beide werden übrigens häufig verwechselt – bemüht er sich seitdem darum, sich mit Mut bei der Film- und Serienwahl von dem ikonischen Charakter zu lösen. Dabei entfesselt der Publikumsliebling beispielsweise 2013 in "Horns" seine düsterste Seite. Darin wachsen Radcliffes Figur nach dem Verlust seiner Freundin echte Hörner. Damit einher geht die Gabe, die Sünden seiner Mitmenschen zu offenbaren, was ihm bei der Lösung des Mordfalls zugutekommt.

"Die Finsternis war es, die mich zur Rolle hinzog", gab Radcliffe im Gespräch mit dem Independent zu. Wem sich da schon die Nackenhaare sträuben, sollte sich vielleicht "Swiss Army Man" (2016) verkneifen. Darin verkörpert Radcliffe eine Leiche, die einzige Gesellschaft des schiffbrüchigen Hank. Mit der Zeit fängt der tote Körper auch noch an zu sprechen – doch ob nur in Hanks Fantasie oder in echt, muss jeder selbst entscheiden.

Schräge Rollen in: "Horns", "Swiss Army Man"

6. Joaquin Phoenix

Ein wahres Chamäleon unter den Hollywood-Schauspielern ist Joaquin Phoenix. Vom Countrysänger über einen grausamen Kaiser bis zum Sonderling spielt er jede Rolle gleichermaßen überzeugend. Eine gewisse Vorliebe für schräge Figuren kann man dem mehrfach Oscar-nominierten Darsteller jedoch nicht absprechen. Dass er dafür sogar bis an die Grenzen des Erträglichen geht, bewies er in der Fake-Doku "I'm still here". Nicht nur, dass sich Phoenix dafür von 2008 bis 2010 komplett aus der Filmfabrik verabschiedete, er spielt seinen vermeintlichen Absturz als Möchtegernrapper so konsequent und überzeugend, dass erst bei der Veröffentlichung Filmes klar wurde, dass alles nur fake war.

Direkt danach gab Phoenix in "The Master" (2012) den Eigenbrötler und Herumtreiber Freddie, der in die Fänge einer Sekte rund um ihren Master, gespielt von Philip Seymour Hoffman, gerät. Gewalttätigkeit, Alkoholismus und seltsame Sexpraktiken zeichneten die Figur aus. Eine mögliche Erklärung für seine extreme Rollenwahl bot Phoenix im Gespräch mit der New York Times. "Für manche Menschen ist die Schauspielerei ein Sonnenuntergang und ein Strandspaziergang. Und für andere ist es wie das Erklimmen einer Klippe oder der Sprung aus einem Flugzeug", sagt Phoenix. "Wenn ich spiele, mag ich die Vorstellung, aus einem Flugzeug zu springen."

Schräge Rollen in: "I'm still here", "The Master", "The Immigrant", "Her"

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