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George Michael: Das verraten diese 6 Songs über sein Leben

Gut gelaunter Popstar und depressiver Musiker: Die zwei Gesichter des George Michael.
Gut gelaunter Popstar und depressiver Musiker: Die zwei Gesichter des George Michael. (©Facebook / George Michael 2016)

Es gibt keinen schöneren Abschiedssong als "Jesus to a Child", keinen weihnachtlicheren Popsong als "Last Christmas" und keine elegantere Aufforderung zum sofortigen Sex als "Fast Love". All diese Songs haben etwas gemeinsam: Sie stammen von George Michael. 

Er war einer der berühmtesten Popstars seiner Zeit und sorgte zeitlebens für Schlagzeilen: Erst sein Outing, dann seine Drogenprobleme und Depressionen, zuletzt sein früher Tod. An Weihnachten 2016 ist George Michael im Alter von 53 Jahren gestorben. Doch seine Songs bleiben. In ihnen spiegelt sich sein Leben wider.

1. "Last Christmas" (1984)

Wham! hieß das Bandprojekt, das George Kyriacos Panayiotou, wie George Michael mit bürgerlichem Namen heißt, zusammen mit seinem Schulfreund Andrew Ridgeley 1981 ins Leben rief. 1984 ließen die beiden "Last Christmas" auf die Menschheit los. Seitdem ist der Song laut der britischen Verwertungsgesellschaft 'Performing Rights Society' der meistgespielte Weihnachtssong aller Zeiten. Und der bescherte George Michael jedes Jahr etwa acht Millionen Euro an Tantiemen. Der Erfolg bereitete den griechisch-stämmigen Arbeiterjungen schon mal auf seine spätere Karriere als Solo-Künstler vor.

2. "Careless Whisper" (1984)

"Careless Whisper" wurde von George Michael und seinem Bandkollegen zu einem Zeitpunkt geschrieben, an dem die beiden Musiker noch gar nicht als Wham! aktiv waren. George Michael war damals 17 Jahre alt. Als er den Song an einem seiner letzten Arbeitstage als DJ vor Publikum auflegte, konnte er sich über die positiven Reaktionen im Publikum nur wundern. Auch bei der späteren Plattenfirma kam der Schmachtfetzen gut an. Die Verleger waren allerdings der Meinung, dass der Song nicht zum Band-Duo Wham! passt. Deshalb wurde "Careless Whisper" offiziell nur unter dem Namen von George Michael veröffentlicht.

Später zeigte sich George Michael beschämt über den Song und seinen Erfolg. Der Text sei nicht gut und überhaupt sei "Careless Whisper" sehr oberflächlich. Der Vollblutmusiker empfand das als desillusionierend. Trotzdem ist nicht nur der legendäre Saxophon-Part, sondern auch die Zeile "Guilty feet have got no rhythm" (zu Deutsch: "Schuldige Füße haben kein Rhythmusgefühl") heute Teil der Popkultur.

3. "Faith" (1987)

Mit der Veröffentlichung seines ersten Solo-Albums "Faith" im Herbst 1987 nahm die Karriere George Michaels noch einmal kräftig Fahrt auf. Die gleichnamige Singleauskopplung "Faith" schnellte ebenso wie deren Nachfolger "Father Figure", "One More Try" und "Monkey" an die Spitze der US-Billboard-Charts. George Michael wurde anschließend mit einem Grammy ausgezeichnet. Er emanzipierte sich mit "Faith" und ließ das Boygroup-Image weit hinter sich, womit der Song einen großen – wenn nicht sogar den wichtigsten – Schritt in der Entwicklung von George Michaels Solo-Karriere darstellt.

4. "Freedom 90" (1990)

Pünktlich zur Veröffentlichung des Songs "Freedom 90" versuchte George Michael, seine Karriere geradezu abrissbirnenartig zu beenden, um sich seine künstlerische Freiheit zu erstreiten. Zu einer Zeit, in der der Musiksender MTV über Erfolg oder Niederlage einer Single entschied, weigerte sich George Michael, Musikvideos zu drehen. Grund dafür war ein Rechtsstreit mit seiner Plattenfirma, der er damit kräftig eins auswischen wollte.

Nicht nur deswegen hat das in dieser Zeit entstandene Musikvideo zu "Freedom 90" inzwischen epochalen Kultcharakter erreicht. Naomi Campbell, Cindy Crawford und Linda Evangelista rufen in dem Clip nicht nur zum Supermodel-Gipfeltreffen auf, sondern übernehmen im Musikvideo auch den Gesangspart. George Michael hält sich indes vornehm zurück. MTV allerdings auch. Erst, nachdem eine Szene, in der Cindy Crawfords Brüste die Hauptrolle spielen, aus dem Video herausgeschnitten wurde, nahm der Sender das Video ins Programm auf.

5. "Jesus to a Child" (1996)

Auf seinem Album "Older" präsentierte sich George Michael mit der Single "Jesus to a Child" melancholischer und nachdenklicher als je zuvor. Die Schlagzeilen in diversen Klatschblättern bezeichneten den Sänger zu dieser Zeit als "fett gewordenes Drogenwrack" und beschrieben seine Entwicklung "von klug zu dumm". Aber das war nicht der einzige Grund dafür, dass George Michael in dieser Zeit mit sich und der Welt haderte. Nicht nur der gerichtliche Streit mit seiner Plattenfirma dauerte an – auch das Schicksal meinte es wirklich nicht gut mit ihm: Er hatte seinen Lebensgefährten Anselmo Feleppa gerade erst 1991 in Rio de Janeiro kennengelernt – zwei Jahre später war er tot. Feleppa starb an den Folgen einer Aids-Erkrankung. In dem Song "Jesus to a Child" versuchte der Musiker, den schmerzhaften Verlust zu verarbeiten, was dadurch erschwert wurde, dass George Michael seine Homosexualität bis dahin noch nicht offen zugeben hatte.

Grund dafür sei die Sorge um seine Mutter gewesen, erklärte George Michael später. Er sei nicht sicher gewesen, wie sich diese Nachricht auf ihre Gesundheit ausgewirkt hätte. Letztendlich starb sie wie Feleppa im Jahr 1993. Bis zu seinem Tod an Weihnachten 2016 widmete der Sänger "Jesus to a Child" bei jedem öffentlichen Auftritt seinem verstorbenen Partner.

6. "Outside" (1998)

"Outside" ist das beste Beispiel dafür, wie sehr George Michaels musikalische Entwicklung mit seiner persönlichen Geschichte zusammenhängt. Die Story des Titels beginnt am 7. April 1998 in einem Park in Beverly Hills, in dem George Michael von einem verdeckten Ermittler festgenommen wird. Der Vorwurf: "unzüchtiges Verhalten mit einem Mann" auf einer öffentlichen Toilette. Eine unrühmliche Situation, ein schief gelaufenes Outing, 920 Dollar Strafe und ein Superhit sind die Folge. Daran schließt sich aber leider auch eine 10-Millionen-Dollar-Klage an: Der US-Cop aus dem Musikvideo zu "Outside" fühlte sich in ein verkehrtes Licht gerückt.

Die letzten Jahre von George Michael

George Michael engagierte sich zeitlebens für sexuelle Freiheit. Mit Songs wie "Shoot The Dog" protestierte er außerdem gegen Tony Blairs unterwürfige Haltung gegenüber dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush, indem er den britischen Premier wie ein Schoßhündchen der Vereinigten Staaten darstellte. Der Musiker legte eine politische und gesellschaftliche Haltung an den Tag, die heutzutage selten geworden ist.

Ab 2011 wurde es ruhig um den Künstler, der durch die Folgen einer schweren Lungenentzündung eine Weile von der Bildfläche verschwand. 2014 veröffentlichte er sein letztes Album "Symphonica" und kündigte im März 2016 eine Dokumentation über sein Leben an. "Freedom" sollte sie heißen – doch bevor er das Projekt vollenden konnte, starb George Michael an Weihnachten 2016 überraschend an Herzversagen. Trotzdem ist und bleibt er eine der größten Poplegenden des Musikgeschäfts.

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