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"Grey's Anatomy" & Co: 6 quatschige Klischees in Arztserien

Da muss selbst Dr. Grey lachen: Die Handlung vieler Arztserien ist völlig an den Haaren herbeigezogen.
Da muss selbst Dr. Grey lachen: Die Handlung vieler Arztserien ist völlig an den Haaren herbeigezogen.

Arztserien sollen vor allem eins sein: dramatisch! Wen kümmert es, dass "Grey's Anatomy", "Dr. House" oder "Scrubs" nicht immer medizinisch korrekt sind? Ärzte zum Beispiel. Die können über manche Szenen in den Serien nur den Kopf schütteln.

Herzdruckmassage als sanftes Allheilmittel

Code Blue, der Herzalarm, ist das Butter und Brot jeder Arztserie. Kaum eine Folge kommt ohne Patienten aus, der aus heiterem Himmel reanimiert werden muss. Oft geht die Angelegenheit dank Herzdruckmassage gut aus, und die eben noch im Sterben liegende Person kann wenige Minuten später wieder lachen.

Ärztin Snehalata Topgi aus der Notaufnahme eines New Yorker Krankenhauses stört sich gegenüber Digital Spy an solchen Szenen. Die Herzdruckmassage sei kein Allheilmittel, sagt sie. Meist müssten die Patienten im Nachgang an Maschinen angeschlossen werden, damit das Herz ohne die manuelle Massage weiterschlägt. Außerdem führe selbst eine erfolgreiche Herzdruckmassage zu gebrochenen Rippen und Prellungen., hin und wieder würden Patienten als Folge sogar einen Hirnschaden erleiden.

Dass Patienten direkt nach einer solchen Behandlung wieder fröhlich in die Gesichter der Ärzte blicken, ist reine Fiktion. "Chicago Med" bleibt mit der folgenden Episode beim Code Blue immerhin näher an der Realität als andere Arztserien.

Defibrillatoren besiegen den Tod

Ein weiterer Klassikerin Arztserien ist die Wiederauferstehung von den Toten dank Defibrillator. Der Puls eines Patienten fällt, das EKG zeigt Nulllinie. Zeit für den behandelnden Arzt, die Elektroden zu zücken und den Betroffenen zurück ins Leben zu schocken.

Dem Mediziner Dr. Ehsan Ali zufolge ist auch dies Quatsch. Mit Defibrillatoren lassen sich Herzrhythmusstörungen behandeln, nicht jedoch eine Nulllinie, sagt er ebenfalls gegenüber Digital Spy. Schlägt das Herz nicht mehr, würden nur die Gabe von Epinephrin (Adrenalin) und die erwähnte Herzdruckmassage helfen. In der folgenden Szene von "CSI: New York" machen die Ärzte also so ziemlich alles falsch, was sie falsch machen können. Natürlich schaffen sie es dennoch, den Patienten ins Leben zurückzuholen.

Ärzte haben Techtelmechtel mit Patienten

Ohne Affären, Sex und Liebeskummer sind Arztserien undenkbar. Meistens spielen sich die leidenschaftlichen Begegnungen zwischen den jungen, attraktiven Ärzten selbst ab. Ab und zu ist jedoch auch mal ein Patient das Objekt der Begierde.
Die Ärzte Ali und Topgi betonen, dass solche Beziehungen gegen alle Regeln verstoßen und Mediziner sogar ihre Lizenz verlieren können, wenn sie Patienten zu nahekommen.

Eine Szene wie die folgende aus "Grey's Anatomy" kommt im echten Leben also hoffentlich nicht vor: Die Ärztin Izzie Stevens verliebt sich in ihren herzkranken Patienten Denny Duquette. Sie überredet ihn sogar, seinen Gesundheitszustand mit Absicht zu verschlechtern, damit er schneller das benötigte Spenderorgan erhält. Hochdramatisch – und weit von der Realität in Krankenhäusern entfernt. Zumal Stevens nach Bekanntwerden der Aktion nur vorübergehend suspendiert wird.

Ärzte sind ständig auf Partys unterwegs

Arztserien stellen gern den harten Schichtdienst junger Krankenhausärzte dar, Zeit für Partys und Barbesuche ist aber immer. In der Realität hat der Krankenhausdienst aber massiven Einfluss auf das Privatleben der Ärzte.

Nachtschichten, Wochenenddienst und ständiger Schichtwechsel sorgen oftmals dafür, dass die Pflege von sozialen Kontakten zu kurz kommt. Auf einer Kostümparty wie dieser bei "Dr. House" werden wir also nur selten Ärzte treffen.

Fehler müssen verheimlicht werden

Arztserien zeigen die Protagonisten in der Regel als Genies auf ihrem Gebiet. Ob Spät- oder Frühschicht, ob die eigene Mutter gestorben ist oder Symptome noch so rätselhaft sind: Jede Diagnose und jeder Schnitt im OP sitzt. Passiert einem Serienarzt doch einmal ein Missgeschick, geht es meist darum, den Fehler geheim zu halten. Erfährt der Patient oder dessen Angehörige doch von dem Fehler, ist der Skandal groß.

Dr. Mikhail Varshavski, bekannt durch seinen YouTube-Kanal Dr. Mike, hält Vertuschen für absolut falsch. Ärzte sollten ihre Fehler eingestehen, das würde auch Auseinandersetzungen vor Gericht viel häufiger verhindern als provozieren.

Ärzte sind Genies in jedem Fachgebiet

TV-Ärzte sehen super aus, arbeiten fehlerlos und sind medizinische Tausendsassas. Ob sich ein Patient ein Bein gebrochen oder mit einer seltenen Tropenkrankheit infiziert hat, die Lösung für das Problem ist nur einen Gedankenblitz weit entfernt.

Bestes Beispiel: Der gleichnamige Protagonist der Serie "Dr. House" ist Allgemeinmediziner, kennt sich aber in jedem Fachgebiet bestens aus und spricht darüber hinaus diverse Fremdsprachen. Dass die Realität anders aussieht, ist klar. Allgemeinmediziner müssen sich auf einem sehr breiten Feld auskennen. Sobald es komplizierter wird, ziehen sie Spezialisten hinzu. Das gilt auch für die Notaufnahme, wie Dr. Topgi gegenüber Digital Spy erklärt. Eine umfangreiche medizinische Behandlung erfordere die Fähigkeiten und Kenntnisse eines Teams von Ärzten.

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