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Method Acting: 8 berühmte Schauspieler, die ihre Rollen leben

Nicht nur in "The Shining" ging Jack Nicholson bis an den Rand des Wahnsinns.
Nicht nur in "The Shining" ging Jack Nicholson bis an den Rand des Wahnsinns. (©picture alliance / Everett Collection 2018)

Der Job von Filmstars ist es, unterschiedlichste Charaktere möglichst glaubhaft darzustellen. Um das zu erreichen, verbinden manche Schauspieler ihren Part intensiv mit eigenen Erlebnissen und bleiben oft rund um die Uhr in ihrer Rolle. Im Fachjargon nennt man so ein Verhalten Method Acting und die folgenden Beispiele zeigen, dass die Hollywoodstars dabei oft an ihre eigenen Grenzen gehen – oder darüber hinaus.

1. Leonardo DiCaprio

Eine tiefe Schnittwunde? Kein Problem für Leonardo DiCaprio. Er spielt einfach unbeirrt weiter. (© 2017 dpa)

Leonardo DiCaprio gehört zu jenen Schauspielern, die während der Dreharbeiten voll in ihre Rolle eintauchen. Da ist auch egal, ob während des Drehs etwas besonders Unvorhergesehenes passiert – Leo bleibt in seiner Rolle.

Das bewies Leonardo DiCaprio eindrucksvoll am Set von "Django Unchained". Er schlug während einer Szene mit seiner Hand auf ein Weinglas, das echt und nicht wie gewohnt aus Zucker war. Die Folge: eine völlig blutige Hand. Statt den Dreh jedoch abzubrechen, spielte der Hollywoodstar einfach unbeirrt weiter und verpasste Co-Star Kerry Washington sogar eine Backpfeife. Ihr schockierter Gesichtsausdruck sowie das Blut in ihrem Gesicht – beides war echt!

Krass: Selbst vor tiefen Schnittwunden schreckt Leonardo DiCaprio nicht zurück! Für einen Oscar reichte es damals trotzdem nicht – den gab es erst 2016 für "The Revenant".

2. Marlon Brando

Marlon Brando wurde als erster Meister des Method Acting bekannt. (© 2018 Sony Pictures Home Entertainment)

Wenn wir über Method Acting sprechen, darf vor allem einer nicht fehlen: der "Pate" und zweifache Oscarpreisträger Marlon Brando. Noch bevor der berühmt-berüchtigte Charakterdarsteller Hollywood auf sich aufmerksam machte, begeisterte Brando am Broadway mit seiner extremen Schauspieltechnik. In einer Szene des Stücks "Truckline Cafe" sollte sein Charakter einem vereisten See entsteigen. Um in diesem Moment möglichst keuchend und durchgefroren zu erscheinen, lief Brando vor jedem Auftritt mehrfach die Treppen hinter der Bühne auf und ab. Anschließend ließ er sich laut der New York Film Academy jedes Mal mit einem Eimer Eiswasser übergießen.

Noch mehr Vorbereitung investierte Marlon Brando in seinen Part als gescheiterter Boxer und Dockarbeiter Terry Malloy in "Die Faust im Nacken". Der erste Method-Acting-Großmeister nahm Boxunterricht und blieb während des Drehs ständig in der Rolle des gebrochenen Mannes, der den Blickkontakt zu seinen Mitmenschen meidet und den Kopf gesenkt hält.

Krass: Marlon Brando machte die Schauspieltechnik Method Acting mit "Endstation Sehnsucht" 1951 weltweit bekannt. Seinen ersten Oscar bekam er dennoch erst 1955 für "Die Faust im Nacken".

3. Daniel Day-Lewis

Wenn einer seine Rollen lebt, dann Daniel Day-Lewis.
Wenn einer seine Rollen lebt, dann Daniel Day-Lewis. (© 2017 Splendid Film)

Daniel Day-Lewis nimmt für seine Filmrollen so einiges auf sich. Ein einfaches "Vor-sich-hin-Spielen" gibt es für ihn nicht. War früher Marlon Brando der Inbegriff des Method Acting, ist es heute ganz klar Daniel Day-Lewis. Das zeigte sich schon in seiner ersten Filmrolle ("Mein linker Fuß"), für die er eine gelähmte Person spielte. Um nicht aus der Rolle zu fallen, gab er selbst in den Drehpausen den Gelähmten und musste gefüttert werden. Gerüchten zufolge brach er sich durch seine verdrehte Sitzhaltung sogar zwei Rippen.

Um in seinem späteren Film "Sling Blade" das Humpeln seiner Figur realitätsnah umsetzen zu können, legte er sich sogar einen Glassplitter in seinen Schuh. Und in "Gangs of New York" lebte er regelrecht seine Rolle als Bill the Butcher: Er adaptierte nicht nur dessen Akzent, er verweigerte sogar moderne Medizin, als er sich während der Dreharbeiten eine Lungenentzündung einfing.

Krass: Daniel Day-Lewis ist der Meister im Method Acting. Kein Schauspieler seiner Generation lebt seine Figuren so sehr wie der Brite. Drei Oscargewinne sprechen für ihn.

4. Adrien Brody

Die Dreharbeiten zu "Der Pianist" waren für Adrien Brody nicht einfach. Am Ende wurde er aber mit einem Oscar belohnt. (© 2017 dpa)

Wie spielt man eine Figur, die alles verloren hat, während man selbst ein angenehmes Leben als Starschauspieler führt? Diese Frage stellte sich auch Adrien Brody vor den Dreharbeiten zum Holocaust-Drama "Der Pianist".

Um das brutale Schicksal des polnischen Musikers Wladyslaw Szpilman wenigstens ansatzweise nachvollziehen zu können, verkaufte Adrien Brody nicht nur sein Auto, sondern auch seine Wohnung. So lernte der Oscarpreisträger, wie es sich anfühlt, materiellen Verlust zu erleiden. Zusätzlich hungerte er sich auf unter 60 Kilogramm runter – bei einer Körpergröße von 1,85 Metern alles andere als gesund.

Krass: Seine Rolle in "Der Pianist" hat Adrien Brody offenbar so sehr mitgenommen, dass er später sogar an Depressionen litt, wie er in unterschiedlichen Interviews berichtete.

5. Heath Ledger

Selbst nach fast zehn Jahren unvergessen: Heath Ledger als Joker in "The Dark Knight". (© 2017 picture alliance/dpa)

Noch immer gibt es diverse Gerüchte um die Dreharbeiten zum Blockbuster "The Dark Knight", in dem Heath Ledger den Joker spielte. Angeblich soll er seine Rolle so sehr gelebt haben, dass er sich nach den Dreharbeiten in sein Zimmer zurückzog und sich vollends in seine Rolle hineinversetzte. Zwar gilt als offizielle Todesursache eine versehentliche Überdosis seiner Medikamente, doch in der Berichterstattung wurden immer wieder Verbindungen zu seinem Method Acting für den Joker hergestellt. Seine Rolle soll ihn nicht mehr losgelassen haben.

Krass – und absolut verdient: Das Schauspiel von Heath Ledger war so herausragend, dass er posthum mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.

6. Jared Leto

Während des Drehs zu "Blade Runner 2049" war Jared Leto wirklich blind. (© 2017 Sony Pictures Releasing GmbH)

Apropos Joker: Auch Jared Leto, der in "Suicide Squad" in die Rolle des DC-Fieslings schlüpfte, ging voll und ganz in dieser Rolle auf – und zwar auch, als die Kameras schon längst nicht mehr liefen. Leto hatte sich so sehr in die Rolle vertieft, dass seine Co-Stars ständig mit "Geschenken" von Mr. J beglückt wurden. So bekam Harley-Quinn-Aktrice Margot Robbie laut E!Online eine Schachtel mit einer lebendigen Ratte zugeschickt, während Deadshot-Darsteller Will Smith eine Packung voller Pistolenkugeln erhielt.

Für das späte Sequel "Blade Runner 2049" ging Leto sogar noch einen Schritt weiter: Um nicht mit seinem Part des blinden Schurken Niander Wallace zu brechen, trug der Schauspieler während der gesamten Dreharbeiten spezielle Kontaktlinsen, durch die er nichts sehen konnte. Schon zu den ersten Probe-Drehs sei Leto am Arm eines Assistenten erschienen, der ihn führen musste, verriet Regisseur Denis Villeneuve im Gespräch mit The Wall Street Journal.

Krass: Nebst dieser irren Method-Acting-Beispiele schreckt Jared Leto auch vor extremen körperlichen Veränderungen nicht zurück. Für seine Rolle in "Dallas Buyers Club" nahm er rund 15 Kilo ab – und wurde für seine Performance mit einem Oscar belohnt.

7. Jack Nicholson

"Ich bin der König der Welt ... des Method Acting", könnte das Motto von Jack Nicholson lauten. (© 2018 REUTERS / Mario Anzuoni / stock.adobe.com)

Rückblickend ging die Rolle des Jokers auffallend oft an Method-Acting-Schauspieler. So auch 1989: In "Batman" verkörperte Jack Nicholson den DC-Schurken – derselbe Hollywoodstar, der sich selbst im Interview mit Esquire zum "König des Method Acting" ernannte.

Und ein Blick auf "Einer flog über das Kuckucksnest" legt die Vermutung nahe, dass der Filmstar damit gar nicht so falsch liegt. In dem Drama verkörpert Nicholson äußerst überzeugend einen verurteilten Kriminellen in einer psychiatrischen Anstalt. Kein Wunder, lebte der Schauspieler doch tatsächlich monatelang in einer entsprechenden Einrichtung, nahm an Gruppentherapien teil und sprach mit realen Patienten.

Krass: Der dreifache Oscarpreisträger hätte sein Method-Acting-Können in "Einer flog über das Kuckucksnest" beinahe gar nicht unter Beweis stellen können. Die Rolle wurde zunächst ausgerechnet Marlon Brando angeboten, doch der lehnte ab.

8. Al Pacino

Nach dem letzten Take einfach abschalten und wieder in die Realität wechseln? Nicht mit Al Pacino! (© 2018 REUTERS / Toby Melville / stock.adobe.com)

Ähnlich wie die Rolle des Jokers scheint auch die "Der Pate"-Trilogie Method Actor magisch angezogen zu haben. Al Pacino spielte in den "Der Pate"-Filmen Michael Corleone, den Sohn von Don Vito Corleone (Marlon Brando), – und trat damit nicht nur in der Filmstory in die Fußstapfen des Method-Acting-Meisters: Auch Al Pacino verliert sich Berichten zufolge regelrecht in seinen Rollen.

So soll der Schauspieler derart in der Rolle eines Undercover-Cops in "Serpico" aufgegangen sein, dass er auch privat zum Gesetzeshüter wurde. Während einer Fahrt abseits des Sets sei ihm laut Oddee der leckende Auspuff eines Wagens aufgefallen, den er daraufhin zum Anhalten zwang und aus dem Verkehr ziehen wollte.

Krass: Al Pacino lassen seine Rollen schlicht nicht los. Sein Kollege Alec Baldwin war sogar so begeistert vom Engagement seines Co-Stars, dass er seine Abschlussarbeit an der NYU über Al Pacino und sein exzessives Method Acting schrieb.

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