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Mit diesen 8 Tricks treiben Filmemacher Deinen Puls in die Höhe

"A Quiet Place" ist auch deshalb so spannend, weil der Film extrem effektiv mit Stille arbeitet.
"A Quiet Place" ist auch deshalb so spannend, weil der Film extrem effektiv mit Stille arbeitet.

Wenn Dich ein Film so richtig mitreißt und Dich vor Spannung an den Rand Deines Sitzes rutschen lässt, ist das kein Zufall, sondern hohe Kunst. Welche ausgefeilten Methoden Regisseure, Kameraleute, Sound- und Effektdesigner nutzen, um an Deinen Nerven zu zerren, verraten wir Dir hier.

1. Jumpscares

Fangen wir mit einem Klassiker an, der zum Repertoire jedes Horror-Regisseurs gehört:  Wenn plötzlich aus einem dunklen Tunnel ein fieses Monster auf die Kamera zuspringt und Dich heillos erschreckt, bist Du zum Opfer eines klassischen Jumpscares geworden.

Mittlerweile ist dieser Szenentyp zwar so bekannt, dass das Publikum ihn gewissermaßen erwartet. Das Tolle ist aber: Selbst wenn Du weißt, dass Du gleich furchtbar erschreckt werden könntest, funktioniert der Jumpscare noch – denn Du kennst den genauen Moment nicht. Die Regie kann außerdem wunderbar mit Deinen Erwartungen spielen, Dich dadurch noch besser aus dem Sitz holen oder in einem Zustand permanenter Unsicherheit halten. Gemein!

2. Soundeffekte

Teil eines guten Jumpscares ist natürlich auch immer der Ton: Ohne fieses Fauchen oder einen durchdringenden, lauten Schrei ist auch der unerwartetste Monster-Angriff nicht so effektiv. Aber auch abseits vom bloßen Erschrecken können Soundeffekte an Deinen Nerven zerren – etwa, wenn jedes kleine Geräusch in einer ohnehin schon spannenden Szene unnatürlich laut ist.

Ein Beispiel gefällig? Das Gespräch beim Essen zwischen dem Nazi Hans Landa und der Jüdin Shosanna in "Inglourious Basterds". Vom Einrühren des Zuckers in den Kaffee bis zum Zerteilen des Kuchens hörst Du hier jedes noch so kleine klangliche Detail klar und deutlich – und begreifst die Gefahr, in der sich Shosanna hier befindet, instinktiv.

3. Musik

Filmmusik ist eines der ältesten Mittel überhaupt, um Spannung aufzubauen. Sie war schon da, bevor es überhaupt Sprache und Klangeffekte in Filmen gab und leistet einen unschätzbar wertvollen Beitrag zur Grundstimmung einer Szene. Ein guter Soundtrack zeichnet sich dabei oft dadurch aus, dass man ihn gerade nicht bewusst bemerkt: Er manipuliert im Hintergrund Deine Gefühle, damit die Bilder richtig wirken können.

Wie mächtig Filmmusik zum Aufbauen von Spannung ist, zeigt sich immer dann, wenn man sie weglässt oder durch gänzlich andere Klänge ersetzt. Glaubst Du nicht? Dann schau Dir mal diese weihnachtliche Werbung an, unter die jemand den "Inception"-Soundtrack gelegt hat. Na, ist der Weihnachtsmann hier wirklich der Gute?

4. Stille

Was ist noch heftiger als spannende Musik? Richtig: Stille. Totale, alles durchdringende, nervenzerfetzende Stille. Teil der Vorbereitung auf fast jeden guten Jumpscare ist eine kurze Phase, in der Du so gut wie gar nichts hörst – damit Dich der Schockeffekt im Vergleich umso mehr umhaut.

Eine spannende Filmszene in absoluter Stille verfolgen zu müssen, im festen Wissen, dass gleich etwas Dramatisches passieren wird, ist daher eine der aufreibendsten Situationen, in die Filmemacher ihr Publikum bringen können. Ein gutes Beispiel für diese Technik findest Du etwa in "No Coutnry for Old Men".

5. Nahaufnahmen

Ganz nah an das Gesicht eines Schauspielers heranzufahren und seine Mimik in Nahaufnahme zu zeigen, ist ein wirkungsvolles Mittel, um Schrecken aus dem Film aufs Publikum zu übertragen – aus zweierlei Gründen: Zum einen erlebst Du die schockierten Reaktionen der Figuren viel intensiver, wenn Du jede Feinheit ihres Gesichts beobachten musst. Zum anderen blendet eine Nahaufnahme auch alles, was sonst passiert, aus: Du verlierst den Überblick über die Situation und bekommst das beklemmende Gefühl, jederzeit böse überrascht werden zu können.

Im Zusammenspiel mit Musik und Sound können Nahaufnahmen übrigens auch fantastisch Spannung aufbauen, wenn sie keine Gesichter, sondern vermeintlich alltägliche Gegenstände zeigen. Regisseur David Fincher ("Fight Club", "The Social Network") bedient sich dieser Technik sehr gerne.

6. Urängste ansprechen

Wir alle haben Ängste, die tief in uns sitzen – vor dem Tod, vor Krankheit, vor Verletzungen, vor dem Verlust von geliebten Menschen. Es ist daher ganz logisch, dass sich Filme dieser Ängste bedienen, um uns zu verstören, emotional anfällig zu machen und zu erschrecken. Folter-Szenen oder Psychospielchen zwischen den Charakteren (beides im Überfluss vorhanden in der "Saw"-Reihe), oder Situationen, bei denen zum Beispiel das Wohl von Kindern auf dem Spiel steht, sind deshalb so aufreibend.

Auch Szenen, in denen körperliche Verletzungen und Verstümmelungen drastisch deutlich gezeigt werden, lassen uns unwillkürlich zusammenzucken – das ganze Genre des "Body Horrors" zieht seinen gruseligen Reiz aus dem Spiel mit Blut, Ekel und albtraumhaften Missbildungen.

7. Okkultismus und Unerklärliches

Wenn am Ende eines Krimis der Mörder gefasst wird, seine Motive geklärt sind und sich alles wieder der Normalität zuwendet, sind wir erleichtert: Wir verstehen, was passiert ist, selbst wenn es grausig war, und entspannen uns. Wenn aber unerklärliche Faktoren ins Spiel kommen, wenn Zauberei und düstere Rituale im Spiel sind, kann uns das schockieren – denn mit übernatürlichen Phänomenen können wir nicht umgehen.

Allerdings ist das Hantieren mit Magie und Okkultismus im Film ein zweischneidiges Schwert: Wenn es zu übernatürlich wird, sehen wir vielleicht keinen Bezug mehr zu unserer Realität mehr. Dann sind wir mehr Beobachter als Mitbetroffene und lassen das Geschehen nicht mehr so nah an uns heran.

Guter okkulter Schrecken zeigt daher immer Unerklärliches, das wir uns so gerade noch für unser eigenes Leben vorstellen können– zum Beispiel in "Paranormal Activity", wo unerklärliche Phänomene ausgerechnet dann auftreten, wenn die Hauptfiguren am verwundbarsten sind: beim Schlafen.

8. Andeuten und Weglassen

Manchmal ist das, was nicht gezeigt wird, am allerschlimmsten. Die menschliche Fantasie ist das mächtigste Filmwerkzeug überhaupt und ein guter Regisseur kann sie so stimulieren, dass sie sich die größten Schocker einfach selber ausmalt. Dazu gehört auch, Spannung über lange Zeit aufrecht zu erhalten – die sogenannte "suspense", als deren Meister Alfred Hitchcock gilt.

Der Regisseur erklärte das Konzept einmal anhand einer Beispiel-Szene: Zwei Personen sitzen an einem Tisch und unterhalten sich. Das Publikum weiß, dass unter dem Tisch eine Bombe liegt, die in fünf Minuten explodiert. Die Spannung entsteht nun nicht aus der Explosion, sondern aus dem Wissen, dass sie passieren wird – und das ist laut Hitchcock noch viel effektiver, als den Sprengsatz hochgehen zu lassen.

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