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Nevermind: 10 unvergessliche Alben der 90er-Jahre

Von Oasis bis Dr. Dre: Ein Rückblick in die 90er-Jahre lohnt sich vor allem musikalisch.
Von Oasis bis Dr. Dre: Ein Rückblick in die 90er-Jahre lohnt sich vor allem musikalisch. (©pexels 2016)

Beim Stichwort "Musik aus den 90er-Jahren" verdrehen viele erst einmal die Augen. Die ist unfairerweise hauptsächlich bekannt für trashige Eurodance-Platten und kitschigen Kuschelsongs zusammengecasteter Boybands.

Zu Unrecht! Denn neben ein paar musikalischen Fehltritten – die wir damals ja zugegeben auch alle ein bisschen gefeiert haben – bescherten uns die 90er-Jahre einige der besten Hip-Hop-Alben aller Zeiten. Auch der Brit-Pop wurde groß. Musikalisch also ein goldenes Zeitalter. Vorhang auf für die besten Alben der 90er-Jahre!

1. Moby – "Play" (1999)

Anno 1999: Mobys Album "Play" kann in der ersten Woche nach US-Release gerade mal 6000 Einheiten verkaufen. Kein Wunder, dass der Glatzkopf die Frage aufwirft: "Why Does My Heart Feel So Bad?" Es folgen Lizenzierungen mehrerer Songs des Albums für Werbezwecke und zehn Monate nach Veröffentlichung landet es dann – tadaaa! – doch noch an der Spitze der UK-Charts. Viele andere Länder folgen, in Deutschland jedoch schafft er es nur auf Platz 26 der Charts. Macht nichts! Der im Zuge der Technobewegung groß gewordene Musiker besticht auf "Play" mit dicken Beats, atmosphärischen Synthie-Sounds und Melodien, die mehr Weltschmerz nicht versprühen könnten und bis heute zeitlos sind.

2. Air – "Moon Safari" (1998)

Als Mädchenmusik verschrien, kuscheln sämtliche Pärchen Ende der 90er zu der Musik eines Albums, das mit Indie-Kitsch nur so um sich wirft. "All I Need" ist wohl der bekannteste Titel auf "Moon Safari", interpretiert von Beth Hirsch, die die Lyrics zart dahinhaucht. Auch heute noch lässt dieser Song die Gedanken in ein anderes Orbit abdriften. "Sexy Boy" und "Kelly Watch The Stars" versprühen derweil einen Sound, der an funkelndes Sterneglitzern und pastellfarbene Galaxien erinnert. Atmosphärische Indie-Klänge, gepaart mit grenzenloser Fantasie und musikalischem Einfallsreichtum, machen das Album zu einem der besten der 90er-Jahre.

3. Notorious B.I.G. – "Ready to Die" (1994)

Cheesy? Vielleicht. Legendär? Ganz sicher. Notorious B.I.G versprüht auf seinem Album "Ready to Die" gleichzeitig Glitter galore und den Schmutz der Straße. Der Spagat gelingt dank Puff Daddy, der kräftig an der Platte mitproduziert hat. Der auf dem Album vertretene Song "Juicy" gehört inzwischen unzweifelhaft zu den modern classics der Musikgeschichte und hat dazu beigetragen, dass Biggie Smalls als einer der kommerziell erfolgreichsten Rapper aller Zeiten gilt. Seine Ermordung 1997 im Rahmen der East Coast/West Coast-Streitigkeiten in Amerika hat seine Popularität nur noch weiter angekurbelt: "And if you don't know, now you know".

4. Dr. Dre – "2001" (1999)

Ein bisschen Porno, ein bisschen Gefühl und ein bisschen Aggression: Das Dr. Dre Album "2001" hat alles, was ein anständiges Hip-Hop-Album braucht. Und noch mehr: Nach einer siebenjährigen musikalischen Pause meldet sich der Ghetto-Gangster 1999 lautstark zurück und setzt dabei neue Maßstäbe in Sachen Beats und Produktion, die auch noch für das nachfolgende Jahrzehnt wegweisend sein sollten.

5. Daft Punk – "Homework" (1997)

Es gibt Alben, die altern nicht. Dazu gehört "Homework", das Debutalbum von  Daft Punk, das heute immer noch als Meilenstein der House Musik bekannt ist. Die Songs sind gradlinig, überzeugen genreübergreifend und beeindrucken mit geschmackvollen Samples. Dass immer noch niemand weiß, wie die beiden Franzosen unter ihren Helmen eigentlich aussehen, stört dabei niemanden groß.

6. Depeche Mode – "Violator" (1990)

Das siebte Studioalbum der Synthie-Band Depeche Mode hätte es eigentlich gar nicht geben dürfen. Nach einem Erfolg, wie Depeche Mode ihn in den Jahren vor 1990 erlebten, brechen die meisten Bands nämlich einfach zusammen. Nicht so die Band um Frontmann Dave Gahan: Diese trumpfen nach langem Warten der Fans auf ein neues Album mit ihrem Meisterwerk "Violator" auf. Gahan sagt bis heute, dass es unmöglich sei, die Leistung der Musiker zu wiederholen. Das sei so, als würde man Michaelangelo bitten, die Sixtinische Kapelle ein weiteres Mal zu bauen. 15 Millionen verkaufte Einheiten sprechen für sich. Die Titelliste reicht von "Enjoy The Silence" über "Personal Jesus" bis hin zu "Policy of Truth".

7. Red Hot Chili Peppers – "Blood Sugar Sex Magik" (1991)

Vor 25 Jahren nimmt die Karriere der Band mit diesem Album so viel Fahrt auf, dass der drogensüchtige Gitarrist John Frusciante kurzerhand das Handtuch wirft und die Red Hot Chili Peppers noch während der laufenden Welttour verlässt. Bei der Entstehung von "Blood Sugar Sex Magik" waren die Mitglieder der Chili Peppers jedoch noch zusammen über sich hinausgewachsen. Der reduzierte Funk und die vom Schlagzeuger Chad Smith ausgehende Power geben dem Album ein unverwechselbares Rhythmusgerüst, das Hits hin vom unmelodischen "Give It Away" bis zur Ballade "Under The Bridge" hervorbrachte.

8. Michael Jackson – "Dangerous" (1991)

Zu Michael Jackson muss eigentlich nicht mehr viel gesagt werden. Noch heute spalten sich die Meinungen über den King of Pop in zwei Lager auf: Die einen verteufeln ihn, andere verehren ihn und seinen musikalischen Nachlass nahezu als achtes Weltwunder. Verschwörungstheoretiker wiederum glauben fest daran, dass er zusammen mit Elvis Presley in einer McDonalds-Filiale Burger serviert. In Zahlen sieht das Ganze so aus: International verkaufte Jackson mit "Dangerous" über 32 Millionen Alben, davon sieben Millionen in den USA – und das auch noch in weniger als zwei Monaten. In Großbritannien erreichte Jackson mit dem Album sieben Top-Ten-Hits, also mehr als mit allen vorangegangenen. Bei einer Titelliste, die unter anderem "Heal The World", "Black Or White" und "Who Is It" umfasst, nicht weiter verwunderlich.

9. Oasis – "(What's the Story) Morning Glory" (1995)

Was ist eigentlich eine "Champagne Supernova" und wer würde so etwas nicht gerne auf der Stelle haben wollen? Diese verdammt gute Frage stellte schon das Musikmagazin RollingStone. Geantwortet haben Oasis bisher nicht. Die Brüder Liam und Noel Gallagher gründeten einst die vielleicht beste Band der Welt und zerstörten sie durch alberne Streitigkeiten selbst wieder. Eine Oasis-Reunion ist immer mal wieder im Gespräch – bisher jedoch ohne Erfolg. Retten kann uns eine Titelabfolge wie "Roll With It", "Wonderwall" und "Don't Look Back In Anger" wohl nicht, aber schöner in Melancholie zu ertrinken als mit "Morning Glory", liegt im Bereich des Unmöglichen.

10. Nirvana – "Nevermind" (1991)

Frontsänger Kurt Cobain starb im Alter von 27 Jahren 1994 in Washington. Sein Tod machte ihn zum Helden verwirrter Teenager und problembehafteter Heranwachsender, die sich bereitwillig seinen kryptischen Texten, Dave Grohls akkuratem Gepolter an den Drums und den Klängen der elektrischen Gitarren auf "Nevermind" hingaben. Das brachte Songs wie "Smells Like Teen Spirit" oder "Come As You Are" hervor. Doch auch schon vor dem traurigen Höhepunkt der Bandgeschichte begann deren Karriere kometenartig.

Anfang 1992 verdrängten sie den King of Pop, Michael Jackson, vom Thron der US-Billboardcharts und binnen eines Tages waren die Konzerte Nirvanas als Support der Red Hot Chili Peppers und Pearl Jam restlos ausverkauft. Musikalisch vereint "Nevermind" eigentlich poppiges Songwriting mit Lärm und emotionalem Schmerz. Statt protziger Männlichkeit steht die schmerzerfüllte Figur Cobains im Scheinwerferlicht, die eine Unsicherheit verkörpert, mit der sich gerade Teenager hervorragend identifizieren konnten. Cobain wäre nächstes Jahr 50 Jahre alt geworden und hinterlässt mit "Nevermind" ein Album für die Ewigkeit.

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