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Nichts für schwache Nerven: 8 verstörend gute Psychothriller

Sehr verstörend und zugleich so sehenswert: "One Hour Photo" mit Robin Williams.
Sehr verstörend und zugleich so sehenswert: "One Hour Photo" mit Robin Williams. (©20th Century Fox Home Entertainment 2018)

Manchmal müssen es gar nicht große Explosionen oder krachige Effekte sein, die bei einem Film maximale Spannung erzeugen. Ein guter Psychothriller kann ganz subtil Fahrt aufnehmen, ohne Showeffekte funktionieren – und trotzdem nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Beispiele wie "Sieben", "The Shining" oder "Das Schweigen der Lämmer" schießen da sofort in den Kopf. Die folgenden acht Filme erzeugen eine ähnlich dichte Atmosphäre.

1. "Funny Games" (1997)

Zwei junge Männer lauern einer gewöhnlichen Familie in deren Ferienhaus auf – und quälen sie scheinbar ohne Grund bis zum Äußersten. Der österreichische Regisseur Michael Haneke ist ein Experte darin, seinem Publikum mit drastischen Themen und schonungslos minimalistischer Inszenierung alles abzuverlangen. Seinen internationalen Durchbruch hatte er 1997 mit "Funny Games", den er 2007 selbst Bild für Bild sogar noch einmal für den US-Markt verfilmte. Das Original bleibt aber ungeschlagen und ist abgrundtief zynische Filmkost.

2. "Sleep Tight" (2011)

Es ist der ultimative Albtraum: Jemand versteckt sich unter Deinem Bett. Während es in der Kindheit oder in unzähligen Jumpscare-Horrorfilmen Monster und Dämonen sind, ist es in "Sleep Tight" der Hausmeister. In dem spanischen Psychothriller verliebt sich dieser, ein seltsamer Kauz um die 50 namens César, in die junge Mieterin Clara. Immer wieder versteckt er sich unter ihrem Bett, setzt Kakerlaken in ihrer Wohnung aus und schreckt letztlich sogar nicht vor dem Einsatz von Chloroform zurück, um ans Ziel seiner perversen Wünsche zu kommen.

3. "Elephant" (2003)

"Good Will Hunting"-Regisseur Gus Van Sant inszenierte 2003 eine sehr eigene und verstörende Dramatisierung des realen Amoklaufs an der Columbine High School. Damals töteten zwei Jugendliche zwölf ihrer Mitschüler, einen Lehrer und zuletzt sich selbst. Der reale Hintergrund macht "Elephant" umso verstörender, auch wenn er sich sehr frei auf die Bluttat bezieht. Hier verfolgt die Kamera die beiden Amokläufer in ruhigen, langsamen Einstellungen die beiden Attentäter an einem scheinbar gewöhnlichen Tag – bis zum grausamen Finale.

4. "We Need to Talk About Kevin" (2011)

Ein ähnliches Thema wie "Elephant" verfolgt auch "We Need to Talk About Kevin" von 2011 mit Tilda Swinton, Ezra Miller und John C. Reilly – aber aus einer ganz anderen Perspektive. Hier spielt Swinton die Mutter eines jugendlichen Amokläufers, der nicht nur Mitschüler, sondern auch den eigenen Vater und die eigene Schwester umbringt. Diese Ereignisse werden in Rückblenden erzählt, während sich die hinterbliebene Mutter mit den Konsequenzen für ihr Leben auseinandersetzen muss. Spoiler-Alarm: Mütter von Amokläufern sind in US-Kleinstädten nicht sonderlich beliebt.

5. "One Hour Photo" (2002)

Mark Romanek wurde vor allem mit bildgewaltigen Videoclips für Musiker wie Red Hot Chili Peppers, Nine Inch Nails, Jay Z oder Johnny Cash bekannt. Seinen sehr eindringlichen Stil demonstrierte er auch in dem Psychothriller "One Hour Photo" von 2002. Hier spielt Robin Williams einen einsamen Supermarktangestellten, der in der Fotoabteilung die Schnappschüsse der Kunden entwickelt. Eine Familie findet dabei seine besondere Aufmerksamkeit und er steigert sich immer mehr in deren Leben hinein – bis er anfängt, sich mit manipulierten Fotos in ihr Leben einzumischen.

In Nachhall des Todes Robin Williams 2014 wurde seine Darstellung in dem Film immer wieder als eine seiner besten Leistungen erwähnt.

6. "Antichrist" (2009)

Der dänische Dogma-Regisseur Lard von Trier litt während der Entstehung von "Antichrist" an Depressionen, was dem visuell beeindruckenden Werk deutlich anzumerken ist. Willem Dafoe und Charlotte Gainsbourg spielen hier ein namenloses Ehepaar, dessen Beziehung nach dem Unfalltod ihres Sohnes vor dem Aus steht.

Während sie sich immer weiter zurückzieht, sucht er die Konfrontation. Die beiden fahren in eine abgelegene Waldhütte, um sich in Ruhe ihren Ängsten zu stellen, doch am Ende kommt es zur Eskalation. Die mal extrem expliziten, dann wieder schönen Bilder brennen sich hier besonders ein – allerdings fand der Film wegen seines provokanten Umgangs mit Sex und sexueller Gewalt auch viele Kritiker.

7. "Misery" (1990)

Viele gute Psychothriller haben Obsession zum Thema, was nicht zuletzt an Rob Reiners Verfilmung des Stephen-King-Romans "Misery" von 1990 liegt. In dem Klassiker entführt die schrullige Annie (Kathy Bates in einer ihrer stärksten Rollen) den Romanautor Paul (James Caan). Sie will ihn zwingen, ihre Lieblingsromanreihe genau so fortzusetzen, wie sie sich das wünscht. Fluchtversuche des Mannes werden von ihr grausam bestraft.

Kathy Bates bekam für ihre verstörend gute darstellerische Leistung unter anderem den Golden Globe und den Oscar als beste weibliche Hauptdarstellerin. Heute ist sie hauptsächlich aus der auch nicht gerade zimperlichen TV-Serie "American Horror Story" bekannt.

8. "Der Maschinist" (2004)

In "Der Maschinist" von 2004 lieferte Christian Bale ("The Dark Knight", "American Hustle") nach "American Psycho" (2000) eine weitere Glanzleistung ab, die ihm viel Aufmerksamkeit einbrachte. Bale spielt den Industriearbeiter Trevor, der unter Schlaflosigkeit leidet und mit jedem Tag immer verschrobener wird. Auf der Arbeit freundet er sich mit Ivan an – den komischerweise anscheinend nur er selbst sehen kann. Nach einigen Unfällen attestieren die Kollegen Trevor Wahnsinn und er wird entlassen. Dabei ist er fest davon überzeugt, dass Ivan existiert. Aber wie soll er es beweisen?

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