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Silentium! Diese 8 Stummfilme solltest Du gesehen haben

Charlie Chaplin lässt in "Lichter der Großstadt" Blumen sprechen.
Charlie Chaplin lässt in "Lichter der Großstadt" Blumen sprechen. (©Kinowelt GmbH 2018)

Mit dem Aufkommen von Kinematografen gen Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein neues Medium geboren: der Stummfilm. Da es zu diesem Zeitpunkt noch keine Möglichkeit gab, Bild und Ton synchron aufzunehmen, kam in den Lichtspielhäusern eine sogenannte Kinoorgel zum Einsatz, die für die musikalische Untermalung der bewegten Bilder sorgte. 

Schnell avancierte die neue Kunstform zu einem kulturellen Phänomen. Und Filmgrößen wie Charlie Chaplin und Buster Keaton in den USA und Friedrich Wilhelm Murnau und Fritz Lang in Deutschland drückten ihm ihren ganz eigenen Stempel auf. Acht Klassiker des kurzlebigen Genres, das schon Ende der 1920er-Jahre zunehmend vom Tonfilm verdrängt wurde, haben wir hier für Dich zusammengestellt.

1. "Das Cabinet des Dr. Caligari" (1920)

Ein absoluter Klassiker unter den Stummfilmen stammt aus Deutschland. Mit "Das Cabinet des Dr. Caligari" schuf Regisseur Robert Wiene einen expressionistischen Horrorfilm mit doppeltem Boden. Darin wird die Geschichte des Schaustellers Dr. Caligari erzählt, der in Holstenwall auf dem Jahrmarkt auftritt und den Schlafwandler Cesare präsentiert. Dieser kennt die Vergangenheit und Zukunft jedes Kunden und sagt einem von ihnen den baldigen Tod voraus.

Sprachlos: Terry Gilliams "Das Kabinett des Doktor Parnassus", Heath Ledgers letzter Film, weist viele Parallelen mit dem Horrorfilm aus den 1920er-Jahren auf.

2. "Nosferatu, eine Symphonie des Grauens" (1922)

Und ein weiterer bahnbrechender Stummfilm wurde in Deutschland realisiert. Ohne Autorisierung verfilmte Filmpionier Friedrich Wilhelm Murnau ("Sonnenaufgang – Lied von zwei Menschen") unter dem Titel "Nosferatu, eine Symphonie des Grauens" 1920 Bram Stokers Klassiker "Dracula". Die Namen sind verändert, doch die Geschichte ist dieselbe: Graf Orlok, ein Vampir aus den Karpaten, verliebt sich in die schöne Ellen und bringt Schrecken über ihre Heimatstadt. Murnaus einzigartiger Filmstil sollte das Horrorgenre nachhaltig beeinflussen.

Sprachlos: Bram Stokers Witwe klagte gegen Prana-Film wegen Urheberrechtsverletzung. Als Folge wurde die in England befindliche Kopie des Films vernichtet. Zum Glück blieben weitere Versionen jedoch für die Nachwelt erhalten.

3. "Panzerkreuzer Potemkin" (1925)

Russische Stummfilme wie "Panzerkreuzer Potemkin" wurden von der damals noch jungen Sowjetunion für Propagandazwecke genutzt. Der Film spielt zur Zeit der russischen Revolution 1905 und zeigt die auf echten Ereignissen beruhende Meuterei der Besatzung eines russischen Kriegsschiffes gegen ihre zaristischen Offiziere. Der Propagandafilm wurde über die Grenzen seiner Heimat bekannt und vom Lexikon des internationalen Films als "eindringliches Werk" mit "einer bis dahin unbekannten Rhythmik und Dynamik des Schnitts" beschrieben. 

Sprachlos: Der Film wurde in Deutschland stark zensiert und teilweise sogar ganz verboten. Dem Schnitt zum Opfer fielen zum Beispiel Szenen, in denen Offiziere von Aufständischen über Bord geworfen wurden.

4. "Der General" (1926)

Neben Charlie Chaplin gehörte Buster Keaton zu den ganz großen Stummfilmstars Hollywoods. Charakteristisch für den Komiker, der 1924 mit "Der Navigator" seinen Durchbruch feierte, war sein akrobatisches Talent gepaart mit seinem bewusst unbewegten Mienenspiel. Mit "Der General", bei dem Keaton auch Regie führte, verwirklichte er eine epische Filmkomödie zur Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs. Keaton spielt den Lokführer Johnnie aus den Südstaaten, der seine geliebte Lokomotive aus den Händen der Yankees retten und nebenbei das Herz von Annabelle Lee gewinnen will.

Sprachlos: "Der General" gehört zu den teuersten Filmen der Stummfilmära, war aber sowohl an den Kinokassen als auch bei den Kritikern ein Flop. Erst Ende der 1950er-Jahre wurde er unter anderem für seine gelungene Dramaturgie gewürdigt.

5. "Metropolis" (1927)

Als einer der ersten Science-Fiction-Filme überhaupt erblickte "Metropolis" 1927 in Deutschland das Licht der Welt. Der expressionistische Monumentalfilm von Fritz Lang gilt als einer der Klassiker der Filmgeschichte. Er spielt in Metropolis, einer Stadt der Zukunft, die von einer Zweiklassengesellschaft geprägt ist. Während die Oberschicht in paradiesischen Türmen und Gärten im Luxus lebt, rackert sich die Arbeiterschicht unterirdisch ab. Als sich der Sohn des Stadtvaters in eine Arbeiterin verliebt, soll ein Maschinenwesen den Frieden erhalten.

Sprachlos: Auch "Metropolis" war bei seiner Veröffentlichung kein Erfolg beschieden. Aus diesem Grund wurde der Stummfilm um eine halbe Stunde gekürzt. Erst 2008 konnte die Originalversion durch den Fund eines Exemplars in Buenos Aires rekonstruiert werden.

6. "Lichter der Großstadt" (1931)

Eine Liste mit Stummfilmen wäre nicht komplett, wenn nicht auch Charlie Chaplin vertreten wäre. Der Komiker wurde als Tramp mit seinem charakteristischen Schnurrbart und übergroßen Hosen und Schuhen unvergesslich und nahm Einzug in die Filmgeschichte. In "Lichter der Großstadt" verliebt sich der Landstreicher in ein blindes Blumenmädchen und gibt sich als reicher Mann aus. Da er tatsächlich einem betrunkenen Millionär das Leben rettet, hat er zeitweise die finanzielle Rückendeckung. Doch als dieser nüchtern wird, vergisst er seinen Retter.

Sprachlos: Obwohl sich Anfang der 1930er-Jahre bereits der Tonfilm immer mehr durchsetzte, blieb Chaplin dem Stummfilm treu. Und der Erfolg gab ihm recht: "Lichter der Großstadt" wurde zu einem großen Kinohit.

7. "Moderne Zeiten" (1936)

Auch als der Tonfilm den Siegeszug antrat, mochte Charlie Chaplin nicht vom Stummfilm lassen. Mit "Moderne Zeiten" verabschiedet er sich nicht nur von dieser aussterbenden Filmform, sondern auch von seiner Kultfigur, dem Tramp. In dem Spielfilm, der auch akustische Elemente enthält, wird an der Figur des Tramps die Arbeitswelt sowie die hohe Arbeitslosigkeit nach der Weltwirtschaftskrise humoristisch beleuchtet. So verschlägt es die Hauptfigur von der Fabrik über Arbeiterunruhen in den Knast. Und hier gefällt es dem Tramp besonders gut ...

Sprachlos: "Moderne Zeiten" ist gleichzeitig eine Parodie auf den Tonfilm. Maschinen, Körpergeräusche und selbst Gesang sind im Film zu hören.

8. "The Artist" (2011)

Im neuen Jahrtausend gelang dem Stummfilm in Form von "The Artist" ein kurzes, aber umso erfolgreicheres Revival. Der französische Stummfilm ist eine Liebeserklärung an die Anfänge Hollywoods. In stilechter Schwarz-Weiß-Optik steht Hollywoodstar George Valentin (Jean Dujardin) im Mittelpunkt. Während sein Stern zu sinken beginnt, startet Starlet Peppy Miller (Bérénice Béjo) mit etwas Ermutigung von dem alternden Star im neuen Tonfilm durch. 

Sprachlos: Jean Dujardin gewann für die Rolle 2012 als erster Franzose den Oscar für die beste Hauptrolle.

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