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Uncut: 8 legendäre Filmszenen, die in einem Stück gedreht wurden

Ganze zwölf Minuten verfolgt der Zuschauer die beiden Astronauten zu Beginn von "Gravity".
Ganze zwölf Minuten verfolgt der Zuschauer die beiden Astronauten zu Beginn von "Gravity". (©picture alliance/Everett Collection 2018)

Die Kamera läuft und läuft und läuft: Es gibt Filme, in denen haben Cutter vergleichsweise wenig zu tun, da die Regisseure und Kameramänner bei einigen Szenen auf sogenannte Plansequenzen (oder Long-Shots) zurückgreifen. Sprich: Sie drehen einen Teil des Films am Stück und verwenden keine Schnitte. Das Filmerlebnis soll auf diese Weise noch intensiver werden. Acht unvergessliche Beispiele haben wir hier für Dich zusammengestellt.

1. "Children of Men" (2006)

Regisseur Alfonso Cuarón verlieh seinem Film mithilfe der Plansequenzen einen dokumentarischen Charakter. Er hat gleich mehrere in "Children of Men" verbaut – doch vor allem der Long-Shot zu Beginn kann sich sehen lassen. Mehrere Minuten begleitet er Julianne Moore, Clive Owen und Co. im Inneren des Autos und bleibt selbst während des Angriffs und danach am Ball.

  • Akrobatisch: Um die Plansequenz drehen zu können, musste Alfonso Cuarón ein aufwendiges Gerüst im Wageninneren bauen, durch das sich die Kamera in alle Richtungen drehen kann. Das Auto wurde dahin gehend modifiziert, dass die Sitze individuell abgesenkt werden können, um der Kamera mehr Platz zu geben.
  • Dauer: knapp 4 Minuten

2. "Abbitte"

Manchmal kann eine Plansequenz auch aus der Not heraus entstehen: Regisseur Joe Wright hatte für seine Szene am Strand von Dünkirchen gerade einmal zwei Tage Zeit. Wetterprobleme und nur eine verfügbare Kamera führten zu einem der wohl imposantesten Long-Shots der Filmgeschichte. Insgesamt wurde die Szene nur fünfmal durchgespielt, bereits der dritte Take schaffte es in den finalen Film

  • Ausdauernd: Um die Szene drehen zu können, wurde Steadicam-Profi Peter Robertson ziemlich aktiv: Erst fuhr er auf einem kleinen Strandbuggy, bewältigte dann ein bisschen Fußmarsch, lief über eine Rampe, nahm in einer Rikscha platz und ging am Ende vom Pier in die Bar.
  • Dauer: 5 Minuten, 30 Sekunden

3. "Hard Boiled" (1992)

Sicherlich mit am schwersten sind Plansequenzen in Actionfilmen. Dass jedoch auch diese Aufgabe gemeistert werden kann, stellte 1992 Regisseur John Woo im Actionthriller "Hard Boiled" unter Beweis. Der Schusswechsel im Krankenhaus scheint mit etwas unter drei Minuten kurz geraten, in Anbetracht der Choreografie hinter den Bewegungen dennoch eine Glanzleistung.

  • Clever: Während sich die Darsteller im angeblichen Fahrstuhl befinden, ist der nicht mehr als eine Kabine mit gesteuerten Türen. In Wirklichkeit bewegt sich der Kasten keinen Zentimeter voran. Viel mehr hat die Crew die Zeit genutzt, um das Set umzubauen und so die Illusion zu wahren, dass die Stars die Stockwerke gewechselt haben.
  • Dauer: 2 Minuten, 40 Sekunden

4. "GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia" (1990)

Natürlich ließ es sich auch Regiemeister Martin Scorsese nicht nehmen, einen Long-Shot in seinen Mafia-Klassiker "GoodFellas" einzubauen. Das Besondere an der Szene: Erstmals wurde eine so lange Plansequenz mit einer Steadicam gefilmt, einer Filmkamera, die mithilfe eines Halterungssystems am Körper befestigt wird.

  • Verboten: Dass Scorsese die Plansequenz einbaute, war nicht von Anfang an geplant. Ursprünglich wollte der die Copacabana Bar ganz normal betreten, bekam dafür aber keine Erlaubnis. Also musste er einen Umweg gehen, was den Take umso länger machte.
  • Dauer: etwas über 3 Minuten

5. "Spiel auf Zeit" (1998)

Die Eröffnungssequenz aus "Spiel auf Zeit" mit Nicolas Cage wird gerne als Beispiel für Plansequenzen erwähnt. 20 Minuten am Stück soll Regisseur Brian De Palma gefilmt haben. So zumindest der verbreitete Glaube ...

  • Ausgebufft: Tatsächlich hat De Palma nur zwölf Minuten fortlaufend gedreht, wie IMDb schreibt. Doch selbst innerhalb dieser zwölf Minuten haben findige Fehlersucher vermeintliche Schnitte gefunden. So oder so eine beachtliche Leistung.
  • Dauer: knapp 12 Minuten

6. "Gravity" (2013)

Alfonso Cuarón verwendet in seinen Filmen gerne Long-Takes (s. "Children of Men" oder auch "The Revenant"). Das Weltraumdrama mit Sandra Bullock und George Clooney eröffnet er direkt mit einer über zwölf Minuten langen Plansequenz – die mit zu den längsten der Filmgeschichte zählt. Einige Medien schreiben sogar, die Szene dauere 17 Minuten.

  • Gedächtnisfördernd: Da Cuarón viele Szenen als Long-Shot plante, musste sich Sandra Bullock ziemlich viele Bewegungsabläufe merken. Hinzu kamen logistische Schwierigkeiten, da sie die meiste Zeit an Seilen hing und sich zudem nicht mit Requisiten und Kamera verheddern durfte.
  • Dauer: 12 Minuten, 30 Sekunden

7. "Im Zeichen des Bösen" (1958)

Ein absoluter Klassiker darf in dieser Liste mit den eindrucksvollsten Planseuqenzen natürlich nicht fehlen: "Im Zeichen des Bösen" von Orson Welles. Er hat wohl als einer der ersten Filmemacher das stilistische Mittel eingesetzt. Zwar geht die Szene "nur" dreieinhalb Minuten, setzte damit allerdings einen Meilenstein der Filmgeschichte, der heute noch immer als Paradebeispiel zurate gezogen wird.

  • Dringend: Orson Welles drehte die meisten Szenen bei Nacht – so auch die berühmte Eröffnungsszene. Doch mit keinem Take gab er sich zufrieden und wiederholte den Long-Shot mehrfach. Der Sonnenaufgang rückte immer näher! Der verwendete Take war die letzte Chance – wer genau hinsieht, erkennt am Horizont bereits die aufgehende Sonne.
  • Dauer: 3 Minuten, 30 Sekunden

8. "Victoria" (2015)

Plansequenzen zu drehen, erfordert viel Organisation und vor allem Konzentration der Schauspieler. Auf die Spitze trieb es 2015 Sebastian Schipper, der keine Szene, sondern gleich einen kompletten Film am Stück drehte: "Victoria" mit Laia Costa und Frederick Lau.

  • Konzentriert: Zunächst wurden die Szenen mehrfach geprobt, dann gab es drei komplette Durchgänge. Der dritte Take kam dann als Spielfilm auf die Kinoleinwand. Das Drehbuch war übrigens nur zwölf Seiten lang. Ein Großteil des Films wurde von den Schauspielern improvisiert.
  • Dauer: 134 Minuten
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