10 Cover-Songs, die das Original völlig auf den Kopf stellen

Auch "Toxic" von Britney Spears kam in den Genuss einer Bearbeitung, die dem Song völlig neue Seiten abgewann. Auch "Toxic" von Britney Spears kam in den Genuss einer Bearbeitung, die dem Song völlig neue Seiten abgewann. (© 2015 Youtube/Filtr Germany)

Bekannte Hits covern, ist nur was für Musiker, denen nichts Eigenes einfällt? Von wegen! Die besten Cover schnappen sich das Original und machen daraus etwas völlig Eigenständiges. Hier stellen wir euch zehn herausragende Beispiele vor.

1. Ryan Adams – "Shake It Off" (Original von Taylor Swift)

Mit abwegigen Coverversionen kennt sich Ryan Adams bestens aus: Schließlich nahm sich der Singer-Songwriter 2015 das Album "1989" von Popsternchen Taylor Swift vor und coverte es komplett. Wie viel interpretatorische Freiheit er sich dabei nimmt, wird bei "Shake It Off" vielleicht am deutlichsten: Adams wandelt die Dancefloor-Nummer in eine melancholisch brütende Schmachtballade mit Orgel und ganz viel Hall um. Der Text macht so zwar nur noch halb so viel Sinn, betörend schön ist der Song trotzdem.

2. Chris Cornell – "Billie Jean" (Original von Michael Jackson)

Michael Jacksons "Billie Jean" geht mit seinem einprägsamen Bassriff und unwiderstehlichem Groove direkt in die Beine. Die Idee, bei einem Cover des Songs auf beides komplett zu verzichten, darf also mindestens als mutig bezeichnet werden. Soundgarden-Sänger Chris Cornell traute sich und spielte den Song bei einem Unplugged-Konzert in Schweden allein zur Akustikgitarre. Tanzbar ist hier nichts mehr: Zeilen wie "She says I am the one/But the kid is not my son" erhalten durch den intensiven Gesang aber eine ganz neue Dramatik.

3. A Perfect Circle – "Imagine" (Original von John Lennon)

Mit "Imagine" schrieb Ex-Beatle John Lennon eine der ganz großen Friedenshymnen unserer Zeit. Der Song ruft dazu auf, sich über alles hinwegzusetzen, was Menschen trennt – seien es Grenzen, Religionen oder Reichtümer. Ein optimistischer Gedanke, den die Mitglieder der US-Rockband A Perfect Circle so offenbar nicht teilen konnten: Obwohl sie am Text nichts verändern, klingt ihr 2004 veröffentlichtes Cover dank dissonanter Klavierklänge und harter Schlagzeugrhythmen alles andere als hoffnungsvoll.

4. Johnny Cash – "Hurt" (Original von Nine Inch Nails)

In  den letzten Jahren seines Lebens nahm Countrylegende Johnny Cash eine Reihe von Alben auf, auf denen er vor allem Cover von Songs unterschiedlichster Künstler interpretierte. Als ein definitives Highlight ist darunter auch seine Version des Songs "Hurt" zu finden, der ursprünglich von Trent Reznor und seiner Industrial-Band Nine Inch Nails geschrieben wurde. Das zutiefst beunruhigende Original über einen suizidalen Drogenabhängigen verwandelt Cash mit seinem sonoren Bariton in eine altersweise Ballade, die klingt, als sei sie extra für ihn geschrieben worden.

5. Milow – "Ayo Technology" (Original von 50 Cent)

Rapper 50 Cent kleidet seine Ode an eine Stripperin in passende Klänge: tanzbarer Beat, tiefe Bässe und lasziver Refraingesang von Feature-Gast Justin Timberlake. Der belgische Sänger Milow machte den erotisch aufgeladenen Track mit seinem Cover 2008 schlagartig familientauglich. In seinem verträumten Akustikgitarren-Arrangement schaffte es sein "Ayo Technology" weltweit höher in die Charts als das Original.

6. Tori Amos – "Raining Blood" (Original von Slayer)

Rasende Gitarren, prügelndes Schlagzeug, heiserer Gesang: Slayers "Raining Blood" ist einer der absoluten Klassiker des Thrash Metal. Während zahlreiche Metalheads das einprägsame Riff des Songs im Schlaf mitsingen können, dürften sie sich bei Tori Amos' Cover selbst mit dem Text schwertun. Über schwergewichtige Klavierakkorde haucht die US-Musikerin die Lyrics elfengleich dahin. Selbst wenn man weiß, welcher Song hier gespielt wird, fällt es schwer, Ähnlichkeiten auch nur zu erahnen.

7. Ghost – "Here Comes The Sun" (Original von The Beatles)

"Here Comes The Sun" ist einer der bekanntesten Songs aus der Feder von Beatles-Gitarrist George Harrison und einer dieser Songs, die dem Titel absolut gerecht werden – mit dem Adjektiv "sonnig" lässt sich die Stimmung der flotten Folk-Ballade jedenfalls ziemlich treffend umschreiben. Die schwedische Band Ghost scheint es sich in ihrem Cover zur Aufgabe gemacht zu haben, den Song komplett auf den Kopf zu stellen. Nach Moll transponiert, dramatisch verlangsamt und mit schummrigen Orgelklängen instrumentiert wirkt das Stück wie die perfekte Begleitmusik zu mitternächtlichen Friedhofsszenen in einem Gruselfilm.

8. Patti Smith – "Smells Like Teen Spirit" (Original von Nirvana)

Mit "Smells Like Teen Spirit" schrieben Nirvana ein Riff für die Ewigkeit und einen Song, der Anfang der Neunziger die wütende Hymne für eine ganze Generation werden sollte. Punk-Ikone Patti Smith zeigte 2007 mit ihrem Cover, dass man den Song auch noch ganz anders interpretieren kann: als folkige Akustiknummer mit Banjo und Geige, die das berühmte Riff lediglich andeutet und seine Intensität ganz aus Smiths ausdrucksstarker Stimme zieht.

9. Postmodern Jukebox – "Talk Dirty" (Original von Jason Derulo)

Postmodern Jukebox sind wahre Meister im Neu-Denken bekannter Songs. Die Band um den US-Musiker Scott Bradley nimmt sich regelmäßig Pop-Hits zur Brust und interpretiert sie zum Beispiel in Jazzarrangements. Besonders kreativ ist ihr Cover von Jason Derulos textlich ziemlich explizitem "Talk Dirty" im Stile der jüdischen Klezmer-Folklore. Beeindruckend: Der Rap-Part in der Songmitte wurde von Sängerin Robyn Anderson aufwendig ins Jiddische übersetzt.

10. Yael Naïm – "Toxic" (Original von Britney Spears)

Im Video zu "Toxic" räkelte sich Britney Spears 2003 als leicht bekleidete Stewardess und Geheimagentin; der Song lieferte den passenden lasziven Sound dazu. In der Coverversion der französisch-israelischen Sängerin Yael Naïm ist davon nichts mehr übrig: Mit ausdrucksstarker Stimme singt sie über schwebende Vibraphon-Klänge, später kommen dezentes Schlagzeug und allerlei dissonante Instrumente dazu. Das vorherrschende Gefühl ist hier eher Verzweiflung in einer Tiefe, die man dem Original so gar nicht zugetraut hätte.