Das Internet der Dinge erklärt

Zahlreiche IT-Größen wie Dell arbeiten am Internet der Dinge Zahlreiche IT-Größen wie Dell arbeiten am Internet der Dinge (© 2015 Dell)

Ob selbstfahrende Autos, smarte Heizungssysteme oder Kaffeemaschinen die per App gesteuert werden – das Internet der Dinge hat viele Gesichter. Grundsätzlich geht es dabei um die Vernetzung von Gegenständen, die wir privat oder im Berufsalltag nutzen und um den Austausch von Daten. Doch was genau ist dieses Internet der Dinge und was soll es können? Wir geben einen Überblick.

Das Internet der Dinge oder Internet of Things beschreibt einfach ausgedrückt die Vernetzung von ganz alltäglichen Gegenständen, Maschinen und Waren untereinander. Diese Objekte können über das Internet miteinander kommunizieren, gemeinsam agieren und vom Menschen auf diesem Weg gesteuert werden. Ganz allgemein geht es also um die umfassende Vernetzung von Allem mit Allem.

Vorbild Unterhaltungselektronik

Ihren Anfang genommen hat diese Entwicklung bereits vor einigen Jahren im Bereich der Unterhaltungselektronik. In vielen Haushalten sind bereits heute mehrere Geräte wie Fernseher, Videorekorder, PC und Smartphone untereinander über das Heimnetzwerk verbunden. So lassen sich beispielsweise auf dem Rechner gespeicherte Filme bereits problemlos über WLAN auf das TV-Gerät streamen und dort anschauen. Der Videorekorder wiederum kann mit dem Smartphone ferngesteuert werden – sogar von unterwegs. Überhaupt spielen Smartphone, Tablet und PC in dieser Welt eine zentrale Rolle, sind sie doch die klassischen Geräte, mit denen wir uns im Internet bewegen und über die wir dort miteinander kommunizieren.

Die Fritzbox 480 ist das bislang schnellste Gerät des Berliner Herstellers AVM.
Vorreiter beim Internet der Dinge ist die Unterhaltungselektronik. (© 2015 AVM)
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Über WLAN lassen sich zum Beispiel Audio-Geräte vernetzen. (© 2015 Facebook/Panasonic Deutschland)

Die Vernetzung erreicht den Alltag

Mittlerweile ist die Vernetzung nicht mehr nur im Bereich der Unterhaltungselektronik relevant, sondern sie weitet sich zunehmend auch auf andere Bereiche des täglichen Lebens aus. Ganz egal ob Waschmaschinen, Microwellen oder Gartenbeleuchtung – nahezu alles kann theoretisch per App ferngesteuert werden. Selbst ganze Heizungssysteme lassen sich auf diesem Wege bereits regulieren.

Vernetzte Waschmaschinen, Küchengeräte und Lampen

Für die Hersteller geht es beim Internet der Dinge schon längst nicht mehr nur um nette Spielereien, sondern um einen handfesten Mehrwert wie das konkrete Sparen von Zeit, Geld und Energie – also Dinge, die sich den Kunden im großen Stil verkaufen lassen. Waschmaschinenhersteller wie Miele bieten beispielsweise bereits die ersten Geräte an, die sich per App von unterwegs aus anschalten lassen. Auf diese Weise könnten Nutzer zum Beispiel sicherstellen, dass der Waschgang pünktlich zum Feierabend abgeschlossen ist. Auf die gleiche Weise ließe sich auch die Kaffemaschine bedienen. Während man noch im Bett liegt, könnte man dieser per App befehlen, schon mal den Morgenkaffee aufzubrühen. Mit der Kaffeemaschine Mr. Coofee von Belkin und der zugehörigen Smartphone-Applikation Wemo ist das so ähnlich sogar schon möglich.

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Erste Miele-Waschmaschinen lassen sich bereit per App steuern. (© 2015 Miele)
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Die Kaffeemaschine von Belkin lässt sich vom Bett aus anschalten. (© 2015 Belkin)
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Philips Hue erlaubt die Lichtsteuerung per Smartphone. (© 2015 Facebook/Philips Hue)

Mit der smarten LED-Leuchte Hue hat Philips beispielsweise ein vernetztes Beleuchtungssystem im Angebot. Einzelne Lampen können dabei in verschiedenen Räumen eines Haushalts verteilt und per App ferngesteuert werden. So lassen sich unterschiedliche Räume in unterschiedlichen Farben erleuchten oder die Beleuchtungsfarbe und Intensität kann je nach Anlass oder Tageszeit angepasst werden. Insgesamt überschneiden sich damit viele der Anwendungsfelder für das Internet der Dinge mit dem Bereich Smart Home.

Intelligente Heizungssteuerung

Während die meisten Anwendungen, die sich durch das Internet der Dinge ergeben, vor allem praktisch sind, gibt es auch Nutzungsszenarien, die dabei helfen bares Geld zu sparen. Als Beispiel können unter anderem intelligente Heizungssysteme des Herstellers Tado dienen. Bei diesem ermittelt ein intelligentes Thermostat per Smartphone-Ortung den Standort der Hausbewohner und fährt die Temperatur im Haushalt beispielsweise automatisch runter, wenn der Letzte das Haus verlässt. Nähert sich hingegen ein Bewohner dem Haus, heizt das Thermostat die Wohnung schon einmal vor. Insgesamt verspricht der Hersteller mit seinem System eine Energieersparnis von bis zu 31 Prozent.

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Das Thermostat von Tado ortet das Smartphone... (© Tado)
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...und passt die Heizungstemperatur automatisch an. (© 2015 Zado/ Alexandre Zveiger)

Selbstfahrende Autos

Das Internet der Dinge beschränkt sich nicht ausschließlich auf Smart Home-Anwendungen, sondern soll in Zukunft auch andere Bereiche des Lebens erfassen. Ein sehr populäres Beispiel dafür sind die selbstfahrenden Autos von Google. Diese Fahrzeuge, die ohne Lenkrad, Pedale oder Fahrer auskommen, werden vollständig vom Computer ferngesteuert und werden seit Kurzem auf den Straßen von Mountain View in Kalifornien erprobt. Mit ihnen testet der Internet-Riese die Mobilität der Zukunft. Die Vision geht dahin, dass irgendwann einmal der komplette Straßenverkehr am Computer gesteuert werden könnte. Der Fahrer müsste dann nur noch sein Reiseziel in den Bordcomputer des Fahrzeugs eintragen und wird dann anschließend vom Rechner automatisch zum Zielort gebracht.

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Noch sind sie nur Prototypen: Die selbstfahrenden Autos von Google. (© 2015 Google)

Staus und fehlgeleitete Fahrzeuge würden in dieser Welt nicht mehr vorkommen, da die leistungsfähigen Computersysteme den Verkehr flächendeckend und in Echtzeit überwachen und entsprechend schnell reagieren könnten. Um Unfälle zu vermeiden, wären die Fahrzeuge auch untereinander vernetzt. Bremst beispielsweise das Fahrzeug am Beginn einer Kolonne, würde der gleiche Bremsvorgang auch von allen nachfolgenden Wagen durchgeführt, sodass kein Auffahrunfall entsteht.

Vernetzte Geräte und Prozesse

Ein wichtiger Aspekt beim Internet der Dinge ist die Vernetzung verschiedener Geräte, die auf den ersten Blick gar keinen direkten Bezug zueinander haben. Durch den gegenseitigen Austausch von Daten sollen beispielsweise Haushaltsgeräte noch besser nach den Bedürfnissen ihres Besitzers handeln können. Das könnte sogar so weit gehen, dass eine Waschmaschine die Kleidung in der Trommel automatisch anhand von Mikrochips erkennt und dann das passende Waschprogramm auswählt. Die Möglichkeiten der Vernetzung scheinen beinahe unbegrenzt.

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Auch Arbeitsprozesse lassen sich vernetzen. (© 2015 picture alliance/Ole Spata)

Theoretisch lassen sich auf diese Weise Verkehrssysteme, Wirtschafts- und Verwaltungsprozesse sowie zahlreiche Dienstleistungen miteinander verbinden. Groben Schätzungen zufolge sollen bis 2020 bereits rund 25 Milliarden Geräte weltweit über das Internet vernetzt sein. Das wirtschaftliche Potenzial wird in den kommenden fünf Jahren auf mehr als 300 Milliarden Euro geschätzt.

Einheitliche Standards

Damit die umfassende Vernetzung aller Geräte funktionieren kann, müssen diese auch die gleiche Sprache sprechen. Kurz gesagt: Sie brauchen ein gemeinsames Kommunikationsprotokoll. Genau hier liegt die Herausforderung für alle Hersteller, denn aktuell ist nicht klar, wie so ein einheitliches System für die umfassende Vernetzung aussehen könnte. Einen Ansatz hat auch hier Google mit seinem auf der Entwicklerkonferenz I/O 2015 vorgestellten Betriebssystem Brillo in petto. Mit diesem soll in Zukunft die Kommunikation zwischen den verschiedensten Gegenständen, Maschinen und Waren möglich werden.

Brillo
Brillo soll ein zentrales Betriebssystem für das Internet der Dinge werden. (© 2015 YouTube/Google Developers)

Allerdings hat Google Konkurrenten. Auch andere Tech-Größen wie Samsung oder Apple arbeiten bereits an eigenen Systemen. Der wirtschaftliche Erfolg des Internets der Dinge dürfte nicht zuletzt davon abhängen, ob es den Herstellern gelingt, ein gemeinsames Ökosystem auf die Beine zu stellen.