Die 10 berühmt-berüchtigsten Computerviren der Welt

Viren verbreiten sich schnell und richten Milliardenschäden an. Viren verbreiten sich schnell und richten Milliardenschäden an. (© 2015 thinkstock.com/weerapatkiatdumrong)

Wie eine Krankheit: Computerviren verbreiten sich unkontrolliert und schädigen den PC. Hacker gehen mithilfe der fiesen Programme auf Daten-Raubzüge und erbeuten über geklaute Passwörtern Millionenbeträge. Wir zeigen zehn der schlimmsten Viren, die jemals auf Computer losgelassen wurden.

Während sich die ersten Computerviren damit begnügten, Rechnersysteme lahmzulegen, will heutiger Schadcode vor allem Infiltrieren und Kontrollieren. Dadurch kommen Hacker über gestohlene Login-Daten, Kreditkartennummern oder gekaperte Rechner an das schnelle Geld. Eine regelrechte Computerviren-Mafia verstreut wöchentlich Tausende neuer Abkömmlinge. Weil sich die Entwickler meist über das Internet organisieren und auf der ganzen Welt verstreut sind, können ganze Banden leider nur selten gefasst werden.

Virenschutz ist Pflicht

Es ist heutzutage ratsam, sowohl PC als auch Android-Smartphones mit einem Antiviren-Programm abzusichern. Das muss nicht teuer sein: Im Internet gibt es einige kostenlose Antiviren-Programme wie Avast oder Avira. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs handelt ein Nutzer sogar fahrlässig, wenn er keinen Virenschutz installiert. Sollten Hacker dann mit erbeuteten Daten das Bankkonto leer räumen, haftet die Bank nicht zwangsweise.

Bei den hier aufgezählten Viren handelt es sich um die schlimmsten Vertreter ihrer Art. Hacker bremsten sogar mit einigen besonders üblen Vertretern das gesamte Internet zeitweise aus. Und ein paar der Viren treiben sogar noch heute ihr Unwesen.

1. "Lamer Exterminator" (1989)

Einer der ersten Schädlinge, die ihren Code nur verschlüsselt hinterlegten und beim Kopieren mutierten. Weil sich dieses Programm ständig veränderte, konnten Virenscanner den Übeltäter zunächst nur schwer identifizieren. Der Lamer Exterminator trieb auf Amiga-Computern sein Unwesen und schrieb sich beim Einlegen eines neuen Mediums auf den sogenannten "Bootblock". Dieser enthielt Informationen über Art und Größe des Datenträgers. Deshalb wurde der dort hinterlegte Code normalerweise automatisch ausgeführt – allerdings auch dort gespeicherter Schadcode. Nach der Infektion machte sich der Virus an sein zerstörerisches Werk: Er beschrieb wahllos einzelne Blöcke auf der Festplatte oder anderen Datenträgern mit dem Wort "LAMER!". Es dauerte einige Zeit, bis das System die fehlerhaften Dateien bemerkte – doch dann war es meist schon zu spät für eine Reparatur.

2. "Melissa" (1999)

Als einer der ersten Schädlinge fragte Melissa Outlook-Adresslisten ab und versendete sich dann selbst an alle Kontakte. Die Mail, in der sich der Virus verbarg, enthielt nur folgenden Text: "Here is that Document You asked for, don't show anyone! :-)". Das Word-Dokument im Anhang wirkte harmlos, enthielt jedoch ein Makrocode-Programm. Einmal ausgeführt, war es für den Nutzer zu spät. Experten schätzen, dass Melissa letztlich einen wirtschaftlichen Schaden von knapp 1,1 Milliarden US-Dollar verursachte. Pikantes Detail: Der verantwortliche US-Programmierer David Smith benannte den Virus nach einer Stripperin.

3. "ILOVEYOU" (2000)

Ebenfalls als Lovebug bekannt, tarnte sich dieser E-Mail-Wurm als Liebesbrief mit Schadcode im Anhang. Weil dieser nur eine vermeintliche Textdatei enthielt, klickten die meisten User bedenkenlos und öffneten die üble Fracht. Heute würde wohl niemand mehr so leichtsinnig Mail-Anhänge öffnen. Danach versuchte sich der Wurm per Outlook und den damals recht beliebten Chat-Client ICQ weiter zu verbreiten. In den ersten Stunden sorgte "ILOVEYOU" für einen so hohen Datenverkehr, dass viele Mail-Server wegen Überlastung den Dienst verweigerten. Erst einmal auf dem Rechner installiert, fing der Lovebug munter an alle möglichen Dateien auf der Festplatte zu löschen. Fies: Weil Nutzer der Mac-Konkurrenz von dem Virus verschont blieben, schaltete Apple eine etwas gehässige Werbung mit dem Slogan "Liebe Windows-Nutzer: We love You!".

Computervirus
Der Virus "Loveletter" tarnte sich fies als Liebesbrief. (© 2015 picture alliance / dpa)

4. "Nimda" (2001)

Dieser Wurm verbreitete sich weltweit rasend schnell: Innerhalb von 22 Minuten war er bereits auf Rechnern auf der ganzen Welt zu finden. Nach Stunden infizierten sich bereits Hunderttausende Computer mit dem Wurm. Besonders Outlook-Nutzer waren anfällig: Der Nimda-Virus versendete sich selbst an alle Mail-Adressen, die er aus der Outlook-Kontaktliste gewinnen konnte. Weil der Schädling exakt eine Woche nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York in Umlauf gebracht wurde, vermuteten Experten zunächst Al-Kaida als möglichen Urheber. Heute wird allerdings sein Ursprung in China vermutet. Der Wurm verursachte einen wirtschaftlichen Schaden von umgerechnet knapp 590 Millionen US-Dollar.

5. "Code Red" (2001)

Bei diesem Virus handelte es sich um einen der Ersten, der Computer kaperte und für Attacken missbrauchte. Mit Hilfe von gekidnappten Rechnern konnte die Software Netzwerke durch Massen-Anfragen überlasten. Code Red beschränkte sich nicht nur auf PCs, sondern infizierte auch Webserver. Zeitweise macht es sich der Wurm sogar auf Microsofts Windows-Update-Server und den Computern des Weißen Hauses gemütlich, um sich von dort aus weiter zu verbreiten. Nachdem die Gefahr eingedämmt werden konnte, bezifferten Experten den angerichteten Schaden auf 2,6 Milliarden US-Dollar.

6. "SQL_Slammer" (2003)

Innerhalb von zehn Minuten verseuchte Slammer mehr als 70.000 Rechner auf der ganzen Welt. Durch seine rasend schnelle Verbreitung konnten sämtliche Sicherheitssysteme nicht mehr schnell genug vor diesem Virus warnen. Er verursachte so viel Traffic, dass die Datendurchsatzrate des gesamten Internets merklich sank. Der Trick lag in der Größe: Der Virus belegte nur etwa 376 Bytes Speicher, die schnell übertragen waren. Dabei hätte eine größere Infektionswelle vermieden werden können – wenn betroffene Computerbesitzer regelmäßig Updates eingespielt hätten. Das Virus nutzte eine Sicherheitslücke des SQL-Servers von Microsoft. Der passende Patch hierfür war zu diesem Zeitpunkt schon über ein halbes Jahr erhältlich.

7.  "MyDoom" (2004)

Dieser Virus spähte Mail-Postfächer aus, verteilte sich über Kontaktlisten und raffte an Daten zusammen, was er konnte. Gleichzeitig überschwemmte er Mail-Server mit Datenmüll und Spam. Selbst leistungsstarke Netzwerke zwang der fiese Schädling in die Knie. Zeitweise litten ganze Firmen unter dem Virus. Eine spätere Variante Namens MyDoom.bb nutzte sogar Suchmaschinen, um an weitere Adresslisten mit potenziellen Opfern zu gelangen. Mit den erbeuteten Daten gingen die MyDoom-Programmierer auf virtuelle Raubzüge, räumten Bankkonten leer und ergaunerten sich Waren und Dienstleistungen. Insgesamt 39 Milliarden Dollar Schaden hatten Betroffene zu beklagen.  Wer letztlich den Virus erstellt hat, ist bis heute unklar.

Virus
Der Programmierer des Virus MyDoom ist bis heute unbekannt. (© 2015 thinkstock.com/rvlsoft)

8. "Sasser" (2004)

Dieser miese Schadcode schien unbesiegbar, umging mühelos Sicherheitsbarrieren und konnte so beispielsweise die Systeme von Delta Airlines und französischen Presseagentur AFP infizieren. Er nutzte eine Sicherheitslücke in Windows XP aus, um über das Internet von einem Rechner zum nächsten zu springen. Befallene Rechner schalteten sich in unregelmäßigen Abständen selbsttätig aus. Hinter dem raffinierten Code steckten allerdings weder gut organisierte Terrorzellen noch ein großes Hacker-Team. Sasser wurde von einem damals gerade mal 17-jährigen Jungen aus Niedersachsen programmiert. Obwohl der Wurm beträchtliche Schäden anrichtete und mehr als 9,5 Millionen Rechner infizierte, kam der Täter mit einer Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung sowie 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit davon.

9. "Storm" (2007)

Mit der scheinbar harmlosen News-Mail über einen Sturm, der über Europa fegte, kam dieser Virus auf den Rechner. Eigentlich sollte der Mail-Anhang einen Film enthalten, stattdessen übernahm Storm die Kontrolle. Rechner, die auf diese Art kontrolliert werden, nennt man auch "Bots". Mit Millionen infizierten Computern formten die Verantwortlichen eine ganze Botnet-Armee. Die Zombie-Computer wurden hauptsächlich als Spam-Schleuder missbraucht. Die Besitzer merkten davon oft wenig – lediglich die Rechenleistung ging nach und nach in die Knie.

10. "Duqu/Stuxnet" (2010)

Als einer der intelligentesten Schädlinge der neueren Zeit erweisen sich Stuxnet und sein späterer Abkömmling Duqu. Beide sind so komplex, dass ihr genauer Zweck bis heute im Dunkeln liegt. Weil beide lediglich Industrie-Computer eines bestimmten Typs infizieren, geht man mittlerweile davon aus, dass es sich um hochentwickelte Spionage-Tools handelt. Weil vornehmlich iranische Industrieanlagen betroffen waren, hatte man zunächst den israelischen Geheimdienst als Urheber im Verdacht. Mittlerweile geht man zumindest von einer Beteiligung des US-Militärs aus.