Google Photos: Das kann der kostenlose Foto-Dienst

Seit Ende Mai ist Google Photos verfügbar. Seit Ende Mai ist Google Photos verfügbar. (© 2015 YouTube/Google)

Mit seinem Fotodienst Google Photos verspricht der Suchmaschinenriese, die Bilderflut des Alltags zu zähmen. Dazu fährt das Unternehmen unbegrenzten Cloud-Speicher, neue Apps für Android und iOS sowie eine Menge künstlicher Intelligenz auf. Doch was steckt hinter den Versprechungen?

Google Photos: Was ist das?

Bei Google Photos handelt es sich um einen Online-Dienst für Fotos und Videos, den der Suchmaschinenriese im Mai 2015 auf der Google I/O vorgestellt hat. Statt Aufnahmen verteilt über Smartphones, Festplatten oder PCs zu speichern, lassen sich mithilfe des Bildspeicherdienstes alle Erinnerungen zentral an einem Ort sammeln, verwalten und mit Freunden und Bekannten teilen.

Wie funktioniert das?

Da es sich bei dem Fotodienst von Google in erster Linie um einen klassischen Cloud-Dienst handelt, ist dessen zentrale Anlaufstelle im Netz zu finden. Ein kostenloses Google-Konto vorausgesetzt, sind die Bilder und Videos unter www.photos.google.com abrufbar. Um die einzelnen Dateien nicht mühsam über das Webinterface hochladen zu müssen, stellt der Konzern Apps für Android und iOS bereit.

Einmal installiert und mit dem Google-Konto verbunden, landen die Aufnahmen fortan auf Wunsch automatisch auf den Google-Servern. Neben der Synchronisationsfunktion dienen die Apps auch zur bequemen Verwaltung aller Aufnahmen via Smartphone oder Tablet. Um auch die Aufnahmen von der heimischen Festlatte zur Cloud-Sammlung hinzuzufügen, stellt der Hersteller mit Google Photos Backup entsprechende Software für PC und Mac bereit.

Google Photos: Nur ein weiterer Bildspeicherdienst?

Dass es sich bei Google Photos um mehr handelt, als nur um einen einfachen Ablageort für Bilder und Videos, zeigt der Dienst, wenn er erst mal seine Arbeit aufgenommen hat. So präsentiert die Anwendung Schnappschüsse nicht nur nach Datum sortiert, sondern erstellt aus verschiedenen Bildern und Videos thematisch passende Collagen, Filme oder Geschichten. Das funktioniert, solange die Option „Neue Kreationen vorschlagen“ aktiviert ist, ganz automatisch.

Mit Google Photos lassen sich natürlich auch Bilder bearbeiten.
Mit Google Photos lassen sich natürlich auch Bilder bearbeiten. (© 2015 TURN ON)

Selbstverständlich ist Google Photos auch mit einer eigenen Bearbeitungsfunktion ausgestattet. Das besondere hier: Neben den üblichen Bildeinstellungen und Filtermöglichkeiten hat Google eine automatische-Bildkorrektur integriert. Ist die Aufnahme zu dunkel oder will nicht so richtig überzeugen? In den meisten Fällen holt Verbesserungsfunktion durch Anpassung von Farbe, Belichtung & Co. ganz von selbst mehr aus euren Bildern heraus.

Verantwortlich für die in den meisten Fällen beeindruckenden Ergebnisse bei der Bildkorrektur und Komposition neuer Inhalte sind die im Hintergrund agierenden Algorithmen. Was die zu leisten imstande sind, zeigt die dritte Funktion von Google Photos: die Möglichkeit, Bilder nach Schlagworten zu suchen. Dazu scannt der Dienst alle Bilder und versieht sie mit Schlagworten.

Gibst Du nun „Hund“, „Schnee“ oder „Himmel“ in die Suche ein, zeigt das Programm in aller Regel Bilder mit entsprechenden Motiven. Aber auch Personen erkennt das System automatisch und ist in der Lage, Aufnahmen die ein und dieselbe Person zeigen gesondert hervorzuheben. Aktuell (Stand: Juni 2015) hat Google die Personensuche in Deutschland noch nicht freigeschaltet. Auch die obligatorische Funktion zum Teilen der Inhalte mit Freunden und Bekannten beispielsweise via Facebook, Google Twitter oder WhatsApp ist vorhanden.

Was kostet die Nutzung von Google Photos?

Wie bei den meisten anderen Google-Diensten lässt sich auch die Foto-Ablage kostenfrei nutzen. Dafür gestattet Google seinen Nutzern, unbegrenzt Foto- und Videomaterial hochzuladen – allerdings nur, solange die Option „Hohe Qualität bei verringerter Dateigröße“ gewählt ist. In diesem Modus werden die Bilder automatisch verkleinert, allerdings ohne sichtbare Einbußen bei der Bildqualität in Kauf nehmen zu müssen, wie Google verspricht. Bei Videos setzt der Konzern die Grenze bei der Full-HD-Auflösung. Filme mit mehr Pixeln werden automatisch angepasst.

Bilder können in zwei Qualitätsstufen hochgeladen werden.
Bilder können in zwei Qualitätsstufen hochgeladen werden. (© 2015 TURN ON)

Wer keine Kompromisse eingehen will, wählt die Option „Originalgröße“. Dann landen Bilder und Videos unkomprimiert in Googles Cloud, allerdings auf Kosten des Speicherplatzes eures Google-Kontos. Standardmäßig gibt es hier 15 Gigabyte für lau. Wer mehr braucht, muss ins Portemonnaie greifen und kostenpflichtigen Speicher hinzubuchen. Derzeit (Stand: Juni 2015) verlangt Google für 100 Gigabyte 1,99 Dollar im Monat, was selbst für umfangreiche Sammlungen reichen sollte. Wer mehr braucht, muss entsprechend mehr einplanen.

Was ist das Besondere?

Foto-Speicherdienste im Netz gibt es wie Sand am Meer. Seine Vorteile spielt das Angebot von Google aus, wenn die der Internetriese sein Know-How bei der Bildanalyse auf eure Aufnahmen loslässt. Dank der intelligenten Suche und intuitiver Gestensteuerung lassen sich selbst auf dem Smartphone umfassende Sammlungen einfach verwalten. Googles Versprechen, nie wieder ewig nach Fotos suchen zu müssen, klappt zwar noch nicht in allen Fällen hundertprozentig – doch ein vergleichbares Angebot sucht man derzeit vergeblich. Und sicher ist, desto mehr Bilder Googles Algorithmen zu sehen bekommen, desto exakter werden sie.

Ist das sicher?

Google verspricht, dass alle hochgeladenen Daten ausschließlich über den zugehörigen Google-Account einsehbar sind. Solange man seine Bilder also nicht mit dem Internet teilt, sollte kein Problem bestehen, oder? Für Google spielt das Thema Sicherheit an der Stelle eine große Rolle. Sollte sich herausstellen, dass der Konzern mit den Daten Schindluder treibt oder diese ungenügend absichert, dürfte das Vertrauen der Nutzer in Windeseile zerstört und der Dienst gestorben sein. Allerdings hat die Vergangenheit oft genug gezeigt, dass es absolute Sicherheit (im Netz) nicht gibt.

Trotz aller Maßnahmen, auch die Profis bei Google sind nicht vor Fehlern gefeilt. Die Gefahr eines Daten-Leaks besteht also immer. Hinzu kommt, dass Google zwar verhindert, dass Dritte eure Aufnahmen zu sehen bekommen, der Konzern beziehungsweise dessen Analyse-Tools schauen sich die Bilder sehr genau an. Bis die daraus gewonnen Informationen zum Schalten von zielgerichteter Werbung genutzt werden, ist nur eine Frage der Zeit. Wer den Dienst also nutzen will, sollte sich darüber im Klaren sein.

Was muss ich bei der Nutzung beachten?

Um das Datenvolumen zu schonen, sollten Bilder im WLAN hochgleaden werden.
Um das Datenvolumen zu schonen, sollten Bilder im WLAN hochgleaden werden. (© 2015 Markus Schmidt/TURN ON)

Wer kein Problem damit hat, seine Schnappschüsse auf Google-Server zu laden, sollte darauf achten, den automatischen Upload nur bei aktiver WLAN-Verbindung zu aktivieren. Andernfalls laufen insbesondere Vielknipser Gefahr, dass ihr monatliches Datenvolumen ausschließlich für den Bilder-Upload draufgeht. Welche Einstellung aktiviert ist, lässt sich einfach in den Sicherungseinstellungen des Dienstes unter dem Menü-Punkt „Sichern und synchronisieren“ überprüfen.

Kann ich Google Photos auch vom iPhone, iPad oder Mac aus nutzen?

Google Photos kann von verschiedenen Geräten aus genutzt werden.
Google Photos kann von verschiedenen Geräten aus genutzt werden. (© 2015 Screenshot: Google/Markus Schmidt/TURN ON)

Ja, auch Besitzer von Apple-Hardware sind von dem Dienst nicht ausgeschlossen. Neben der Web-Anwendung stellt Google auch eine iOS-App für iPad und iPhone und den Upload-Client für Mac-Rechner bereit.

Wird für Google Photos ein Google+-Konto benötigt?

Nein, mit der Vorstellung von Google Photos Ende Mai 2015 hat Google den Bilderdienst von seinem sozialen Netzwerk getrennt. Für die Nutzung ist lediglich ein Google-Konto erforderlich. Als Ablageort für Fotos und Videos dient Googles Online-Festplatte Google Drive.

Kein Internet, keine Bilder?

Seine Vorteile spielt der Dienst erst aus, wenn er mit einem Google-Konto verknüpft und die Synchronisationsfunktion aktiviert ist. Allerdings ist das kein Muss. Die Apps für iOS und Android lassen sich grundsätzlich auch offline verwenden. Dann beschränkt sich deren Funktionsumfang jedoch auf die Möglichkeiten, aufgenommene Fotos und Videos anzusehen, Fotos zu bearbeiten sowie Fotos und Videos zu teilen.

Google-Bilderdienst: Ist das neu?

Nein, über die Picasa-Webalben bietet Google seit 2006 die Möglichkeit, Fotos im Netz zu speichern. Nachdem das Unternehmen den Dienst lange Zeit vernachlässigte, integrierte der Konzern 2013 die Webalben in sein soziales Netzwerk Google+. In den folgenden Jahren verstärkte Google seine Bemühungen, indem er den Dienst um zahlreiche automatische Effekte und Filter erweiterte. Als zentrale Anlaufstelle für private Bilder konnte sich das Angebot aufgrund der engen Verzahnung mit dem wenig erfolgreichen Google+ nicht durchsetzen. Daraus zog Google letztlich die Konsequenz und hat am 28. Mai 2015 Google Photos als eigenständigen Dienst für private Aufnahmen vorgestellt.