Handy-Recycling: Wohin mit dem alten Smartphone?

Alte Handys stecken voller Materialien, die wiederverwendet werden können. Alte Handys stecken voller Materialien, die wiederverwendet werden können. (© 2015 picture alliance/empics)

Die Freude über das neue Smartphone währt im Schnitt gerade einmal 18 bis 24 Monate – denn dann gönnen sich die meisten bereits ein frischeres Modell. Doch wohin mit dem Altgerät: verkaufen, verschenken oder am besten gleich in den Müll? Wir verraten, was für den Geldbeutel und was für die Umwelt am besten ist.

Handy-Boom

Einer aktuellen Erhebung des Branchenverbandes BITKOM zufolge lagern rund 100 Millionen alte Handys ungenutzt in deutschen Haushalten. Und dank Vertragslaufzeiten und jährlichen Innovationszyklen wandern 2015 voraussichtlich 25 Millionen neue Smartphones über die Ladentheken der Republik – der Berg der Altgeräte wächst also beständig. Doch auch wenn es durchaus sinnvoll sein kann, für den Notfall ein Ersatzgerät griffbereit liegen zu haben, aus ökologischen Gesichtspunkten ist der Trend zum Horten von Smartphones mindestens bedenklich. Denn unsere Begleiter in allen Lebenslagen sind nicht nur ein Wunderwerk der modernen Technik, sondern stecken auch voller seltener und wertvoller Stoffe. Aus der Nachhaltigkeitsperspektive betrachtet sollten die Geräte also möglichst lang im Einsatz bleiben. Doch wohin mit den ausrangierten Altgeräten, wenn die brandneuen Smartphones von Apple, Samsung & Co. auf den Markt kommen?

Smartphone verkaufen

iPhone 5
Ein gut erhaltenes iPhone 5 lässt sich oftmals noch gut verkaufen. (© 2015 CC: Flickr/Nico Kaiser)

Wer sich regelmäßig ein neues Smartphone leistet und einigermaßen achtsam mit seinem aktuellen Gerät umgeht, hat gute Chancen, auf dem Gebrauchtmarkt noch den einen oder anderen Euro einzustreichen. Besonders lukrativ ist das für Besitzer gefragter Modelle. Laut dem Preisentwicklungs-Portal Bidvoy.net winken für ein gebrauchtes Samsung Galaxy S4 auf eBay noch rund 170 Euro, für ein iPhone 5 sind sogar 200 Euro und mehr drin. Zieht man den Erlös von den Anschaffungskosten für das neue Modell ab, rechnet sich das schnell.

Wo alte Handys loswerden?

Wer den Aufwand nicht scheut, der erreicht auf eBay wohl den größten Kreis an Interessenten. Allerdings kosten das Erstellen und Betreuen einer Auktion Zeit und Mühe, ohne dass man sich sicher sein kann, dass das alte Smartphone überhaupt einen zahlungswilligen Abnehmer findet. Etwas unförmlicher und direkter verläuft die Abwicklung hingegen auf eBay Kleinanzeigen. Anders als beim großen Bruder fallen beim regionalen Anzeigenportal für Privatpersonen keine Gebühren an. Wohnst du allerdings nicht gerade in einer Großstadt oder einem Ballungsgebiet, bleibt der Kreis der potenziellen Käufer relativ überschaubar.

Einfacher und schneller gestaltet sich der direkte Verkauf an sogenannte Online-Ankaufservices wie Flip4New, wirkaufens, reBuy oder verkaufsuns. Einfach Handy-Modell angeben, Fragen zum Zustand des Gerätes beantworten und schon verrät der Anbieter, was zu zahlen er maximal bereit ist. Den tatsächlichen Verkaufspreis erfährt man allerdings erst, nachdem das Smartphone eingeschickt wurde. Fällt der Erlös doch niedriger aus als erwartet, kann man sich das Gerät wieder zurückschicken lassen. Wer sein ausrangiertes Smartphone an Amazon schickt, der wird mit Gutscheinen des Online-Riesen bezahlt. Gleiches gilt für Media Markt, Saturn oder die Telekom. In jedem Fall sollte man die Angebote verschiedener Anbieter im Vorfeld prüfen und anhand abgeschlossener ebay-Auktionen den ungefähren Marktwert des zum Verkauf stehenden Objektes ermitteln.

Handy spenden

Handy-Recycling
Handys, die zu alt sind zum Verkaufen, können auch gespendet werden. (© 2015 CC: Flickr/Bernard Goldbach)

Ist das Mobiltelefon zu alt oder lohnt der Verkauf aus anderen Gründen nicht, gibt es noch die Möglichkeit, Gutes zu tun. Zahlreiche gemeinnützige Organisationen sammeln mittlerweile Geld, indem sie alte Handys im großen Stil an Recyclingfirmen oder ins Ausland verkaufen. Der Naturschutzbund Deutschland beispielsweise hat das Projekt "Alte Handys für die Havel" ins Leben gerufen. Mittlerweile hat der NABU so 152.541 Handys eingesammelt und eine halbe Million Euro für das Naturschutzprojekt "Untere Havel" gewonnen. Vergleichbare Projekte findet man bei der Deutschen Umwelthilfe, dem WWF, Pro Wildlife oder der Caritas.

Schnell entsorgen: Aber richtig!

Wer sich nicht die Mühe machen möchte, das passende Projekt und die entsprechende Sammelstelle ausfindig zu machen, darf sein Handy aber nicht einfach im Hausmüll entsorgen. Wegen der teils giftigen und wertvollen Rohstoffe hat das Mobiltelefon in der einfachen Mülltonne nichts verloren. In Anbetracht der Tatsache, dass sich rund 80 Prozent der Materialien eines Mobiltelefons wiederverwenden lassen, ist das Handy-Recycling ein nicht zu unterschätzender Beitrag für den Umweltschutz und zur Ressourcenschonung. Ein geeigneter Abnehmer ist beispielsweise der örtliche Recyclinghof. Wo sich deine nächste Sammelstelle befindet, erfährst du mithilfe der App eSchrott oder direkt beim kommunalen Abfallwirtschaftsbetrieb. Aber auch die meisten Netzbetreiber und Handy-Shops nehmen Altgeräte kostenlos zurück und kümmern sich um Entsorgung und Wiederaufbereitung.

Wichtig: Daten vorher löschen

Auf Werkseinstellungen zurücksetzen
Bevor das Smartphone weg kommt, sollte es auf Werkseinstellungen zurückgesetzt werden. (© 2015 TURN ON)

Egal ob das alte Smartphone einen neuen Besitzer findet oder verschrottet werden soll, zuvor sollten alle privaten Daten vom Telefon gelöscht werden. Um sicherzugehen, dass sich nicht doch noch irgendwo Bilder, Kontakt- oder Zugangsdaten auf dem Gerät befinden, empfiehlt es sich, das Smartphone in den Werks- beziehungsweise Auslieferungszustand zurückzusetzen (Factory Reset). Dabei löscht das Gerät sämtliche persönlichen Daten im Gerätespeicher. Ist noch eine externe Speicherkarte vorhanden, dann sollte diese vor dem Recycling unbedingt entnommen werden.

Zusammenfassung

  1. Auf dem Gebrauchtmarkt erzielen ausrangierte Smartphones mitunter noch gute Preise, sodass ein Verkauf der alten Geräte lohnenswert sein kann
  2. Die höchsten Gewinne locken auf eBay, der Verkauf über die Auktionsplattform erfordert jedoch einigen Aufwand
  3. Einfacher und schneller geht es über die diversen Ankaufservices, allerdings bekommt man hier in der Regel nicht ganz so viel raus
  4. Alternativ lässt sich das alte Mobiltelefon auch bei vielen Hilfsorganisationen abgeben, die darüber Gelder für ihre Projekte sammeln
  5. Aber auch der örtliche Recyclinghof nimmt das Altgerät kostenlos entgegen und kümmert sich um eine umweltgerechte Entsorgung
  6. Gut 80 Prozent der Bauteile eines Smartphones lassen sich bei korrekter Aufarbeitung wiederverwenden, gerade mit Blick auf die wertvollen Rohstoffe ist die Schublade als Aufbewahrungsort eine ziemliche Verschwendung
  7. Bevor man das Handy endgültig aus der Hand gibt, sollten alle persönlichen Daten gelöscht werden