Handystrahlung: Was sagt der SAR-Wert eigentlich aus?

Handystrahlung Handystrahlung (© 2015 picture alliance / dpa)

Handystrahlung gilt häufig als gefährlich und gesundheitsschädlich – weswegen Smartphones mit dem sogenannten SAR-Wert klassifiziert werden. Die unsichtbaren Strahlen stehen im Verdacht, zum Beispiel das Körpergewebe erhitzen und dadurch schädigen. Zweifelsfrei erwiesen ist das nicht. Dennoch lohnt ein Blick auf die Spezifische Absorptionsrate.

Zur mobilen Datenübertragung werden elektromagnetischer Felder verwendet, deren Energie auch in den menschlichen Körper, zum Beispiel in den Kopf, gelangen kann. Als Kennziffer dafür dient der SAR-Wert. Die Abkürzung bedeutet "Spezifische Absorptionsrate". Mithilfe dieser Daten können Wissenschaftler nach einheitlichen Prüfstandards feststellen, wie hoch die Handystrahlung bei einem bestimmten Modell ausfällt.

Mögliche Langzeitfolgen von Handystrahlung konnten bislang zwar nicht nachgewiesen werden. Doch Vorsicht ist geboten. Deshalb gelten europaweit Grenzwerte, die nicht überschritten werden dürfen. Die ICNIRP, die Internationale Kommission zum Schutz vor nichtionisierenden Strahlen, hat zwei Watt pro Kilogramm Körpergewebe als maximalen SAR-Wert festgelegt. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt diesen SAR-Wert als Maximum.

Mehr Power, weniger Handystrahlung

Die Angst vor den nicht spürbaren Strahlen ist groß. Deshalb veröffentlicht das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bereits seit 2002 regelmäßig Messwerte marktüblicher Handys. Dessen Untersuchungen zeigen: Smartphones, die vor Technik nur so strotzen, haben keinen signifikant höheren SAR-Wert als ältere Modelle. Gegenüber Auslaufmodellen schneiden sie zumeist sogar deutlich besser ab.

Das BfS hat die SAR-Werte in verschiedenen klassischen Anwendungsfällen durchgeführt. Das sind das "Telefonieren mit dem Handy am Ohr" und der "Betrieb beim Tragen des Handys am Körper". Die gute Nachricht: Keines der untersuchten Mobilgeräte überschreitet den gesetzlichen Höchstwert. Das Informationszentrum Mobilfunk weist aber darauf hin, dass die im Test angegebenen Zahlen Maximalwerte sind. Die tatsächlichen Werte im täglichen Betrieb sind in der Regel sogar noch deutlich niedriger.

Vor allem in den neuesten High-End-Produkten ist viel Leistung verbaut. Müssen Nutzer der Oberklasse-Smartphones mit besonders intensiver Strahlung rechnen? Die Messdaten des Bundesamtes für Strahlenschutz geben Entwarnung. Sonys Premium-Modell Xperia Z3 beispielsweise erreicht mit 0,69 W/Kg am Ohr nur ein Drittel des erlaubten SAR-Werts. Samsungs vorletztes Flaggschiff Galaxy S5 landet mit 0,56 W/Kg noch weiter vorn. Auch Konkurrent Apple bleibt mit seinem aktuellen Vorzeige-Smartphone iPhone 6 Plus bei 0,91 W/Kg weit unter dem Mindeststandard.

Auch ältere Verkaufsschlager wie das Samsung Galaxy S3 mini liegen mit gerade einmal 0,52 Watt pro Kilogramm beim Telefonieren am Ohr klar unter der Obergrenze. Grenzwertig wird es lediglich bei Auslaufmodellen wie dem Blackberry 9105 Pearl, dem HTC Gratia oder dem Sony T 650i. Besonders klassische Handys weisen einen hohen SAR-Wert auf. Ganz knapp unter der Höchstgrenze liegen die beiden LG-Modelle LG 510W und LG-G512, bei denen immerhin 1,94 W/Kg am Ohr gemessen wurden. Nutzer dieser und anderer älterer Mobiltelefone sollten deshalb ihren SAR-Wert nachschauen und über einen Wechsel nachdenken.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte auf das Umweltzeichen "Blauer Engel" achten. Das deklariert Mobiltelefone, die besonders strahlungsarm sind. Der maximale SAR-Wert am Kopf darf dafür 0,6 Watt pro Kilogramm nicht überschreiten. Das schaffen zum Beispiel das Alcatel Hero und das Samsung S4 Zoom mit einem SAR-Wert von 0,14 W/Kg am Ohr. Spitzenreiter unter den Smartphones ist allerdings das Samsung Galaxy Note II mit dem Rekordwert von nur 0,12 W/Kg.

Zusammenfassung

  1. Handystrahlung könnte langfristig gesundheitsschädlich sein, Risiken konnten bislang aber nicht nachgewiesen werden
  2. Mit dem SAR-Wert kann die Strahlung verlässlich angegeben werden
  3. Der gesetzliche Höchstwert liegt bei zwei Watt pro Kilogramm Körpergewebe
  4. Positiv: Kein Handy überschreitet diese Grenze
  5. Selbst neue und leistungsstarke Smartphone-Technik erzielt gute SAR-Werte
  6. Auch etwas ältere Kassenschlager bleiben unter der Obergrenze
  7. Lediglich ältere Auslaufmodelle haben eine höhere Handystrahlung