HDMI-Verbindung einrichten: Es geht auch kabellos

HDMI kann mittlerweile auch kabellos eingerichtet werden. HDMI kann mittlerweile auch kabellos eingerichtet werden. (© 2015 picture alliance / dpa Themendienst)

Anders als die klobigen Röhren von früher lassen sich aktuelle Fernseher dank ihrer flachen Bauweise wunderbar in das wohnliche Umfeld integrieren. Was sich bei den meisten aber noch nicht geändert hat: der Kabelsalat unter dem Gerät. Wie Du auch ohne Kabel eine HDMI-Verbindung einrichten kannst, verrät der folgende Ratgeber.

HDMI ist der Standard, wenn es darum geht, Bild und Ton von Receiver, Blu-ray-Player, Streaming-Box und Co. an den Fernseher zu übertragen. Doch so flexibel die universelle Schnittstelle auch ist, meist hängt dahinter immer noch ein Kabel, das den Design-Vorteil der immer flacheren Smart-TVs zunichte macht. Statt aufgeräumter Wohlfühlatmosphäre droht Kabelsalat. Noch problematischer gestaltet sich die Wohnzimmer-Gestaltung, wenn Du Deinen Traum vom Heimkino mit einem Beamer verwirklichen oder ein zweites TV-Gerät beispielsweise im Schlafzimmer unterbringen willst. Doch dank verschiedener kabelloser Lösungen muss man nicht gleich zig Meter Kabel quer durch die Wohnung verlegen.

Wireless HDMI: Der Traum vom kabellosen Wohnzimmer?

Mit WHDI (Wireless Home Digital Interface) existiert glücklicherweise ein Übertragungsstandard, der HDMI-fähige Geräte auch kabellos verbindet. So lassen sich beispielsweise mit dem Wireless FHD Kit von BenQ Bild- und Tonsignale bis zu 30 Meter kabellos durch die heimischen vier Wände schicken. Diese Lösung hat jedoch auch einige Nachteile: Denn trotz der Tatsache, dass Branchengrößen wie LG, Motorola, Samsung, Sharp oder Sony das Verfahren unterstützen, fristet das Angebot ein Nischendasein.

Die Folge: Entsprechende Funk-Kits sind rar gesät und nicht ganz günstig. Zudem sinkt die Übertragungsrate bei steigender Reichweite, sprich je weiter Sender und Empfänger auseinander stehen, desto schlechter die Bildqualität. Außerdem ist der aktuelle WHDI-Standard auf die Übertragung von Bildsignalen auf Full HD beschränkt, bei aktuellen Geräten mit UHD-Auflösung hilft die Lösung wenig. Mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit dieser Technik scheint es zudem schlecht bestellt: Die letzte offizielle Verlautbarung stammt von 2012.

Wireless HDMI-Receiver von Philips.
Wireless HDMI-Receiver von Philips. (© 2015 CC. Flickr/Dave Taylor)

Wireless-Display: Auch Intel hat eine eigene Lösung parat

Auch Intel hat mit Wireless Display (WiDi) einen eigenen Standard für kabellose HDMI-Verbindungen im Angebot. Die Lösung des Chip-Herstellers setzt allerdings einen PC, Notebook oder Tablet voraus, auf dem Windows installiert ist und in dem ein aktuellerer Intel-Chip mit WiDi-Unterstützung werkelt. Zudem müssen sich beide Geräte in einem WLAN befinden und auch das Empfangsgerät musste – zumindest früher – ebenso WiDi-fähig sein. Mittlerweile hat Intel seinen Standard aber aufgebohrt und Miracast in sein System integriert.

Miracast: Der Alleskönner?

Nachdem die großen Hersteller von Unterhaltungselektronik lange Zeit an jeweils eigenen miteinander inkompatiblen Lösungen für die kabellose Übertragung von Bild und Ton gearbeitet haben, schien mit Miracast ein Standard gefunden, auf den sich die meisten einigen konnten. Softwareseitig unterstützt Microsofts Windows ab Version 8.1, Googles Android ab Version 4.2 sowie BlackBerry ab Version 10.2.1 das Verfahren. Aber auch Hardware-Hersteller wie Nvidia, Intel, Qualcomm, Sony, LG, HTC, Samsung, Amazon oder Motorola sind dabei. Die Chance, Geräte mit Miracast-Unterstützung zu erwischen stehen also nicht schlecht.

Sollte zumindest das Empfangsgerät nicht Miracast-tauglich sein, dann gibt es im Fachhandel entsprechende HDMI-Sticks, mit denen sich Miracast einfach nachrüsten lässt. Damit die Kommunikation zwischen Sender und Empfänger klappt, müssen sich beide Geräte im gleichen Netzwerk befinden. Ein spezieller WLAN-Router ist hierfür glücklicherweise nicht erforderlich. Wer mit dem von der Wi-Fi Alliance herausgegebenen Standard seinen nagelneuen UHD-Fernseher befeuern will, schaut in die Röhre, auch Miracast unterstützt maximal die Full-HD-Auflösung (1.920 x 1.080 Bildpunkte) und 5.1 Surround-Sound. Zudem definiert Miracast eine ganze Reihe optionaler Anforderungen, deren Umsetzung den Herstellern überlassen bleibt. So ist es nicht ungewöhnlich, dass es trotz Miracast-Unterstützung aller beteiligten Geräte zu Problemen kommen kann.

Fernseher
Miracast unterstützt leider kein Ultra HD. (© 2014 CC: Flickr/Kārlis Dambrāns)

Chromecast und Fire-TV Stick: HDMI-Funk-Stick von Google und Amazon

Geht es nur darum, eine Verbindung zwischen Smartphone beziehungsweise Tablet und Fernseher oder Beamer herzustellen, dann bieten die HDMI-Sticks von Google oder Amazon in den meisten Fällen die einfachste, zuverlässigste und günstigste Lösung. So wandert Google Chromecast für rund 35 Euro über den Ladentisch und versteht sich mit nahezu jedem Smartphone oder Tablet. Einzig ein WLAN-Netz wird benötigt, über das alle beteiligten Geräte miteinander kommunizieren. Mithilfe von Google Cast, eine Erweiterung für Chrome, lassen sich sogar die Inhalte aus dem Google-Browser auf die große Matscheibe bringen.

Ein Nachteil von Chromecast: Der Stick ist eigentlich nicht für die Wiedergabe lokal gespeicherter Medien gedacht, sondern zieht seine Inhalte aus dem Netz. Damit das funktioniert, muss die jeweilige App Chromecast explizit unterstützen und ein breitbandiger Internetanschluss sollte vorhanden sein.

Google Chromecast
Der Streaming-Stick Google Chromecast kostet nur 35 Euro. (© 2014 CC: Flickr/Maurizio Pesce)

Für 39 Euro hat Amazon gerade seinen Fire TV Stick auf den Markt gebracht. Der funktioniert ähnlich wie Google Chromecast: HDMI-Stick in das TV-Gerät stecken, mit dem WLAN verbinden und losstreamen. Als zusätzliches Extra gehört eine Fernbedienung zum Lieferumfang, zudem steckt in dem kabellosen HDMI-Adapter potentere Hardware, mit der sich auch Spiele auf die Mattscheibe bringen lassen. Mit Fire TV und dem Nexus Player haben beide Hersteller zudem noch größere Streaming-Boxen im Angebot, die im Gegensatz zu den HDMI-Sticks aber nicht so einfach hinter dem TV-Gerät verschwinden.

AirPlay: Der Apple-Konkurrent

Mit AirPlay hat auch Apple eine eigene Lösung zum kabellosen Übertragen von Musik, Videos und Fotos parat. Doch statt eines schmalen HDMI-Sticks setzt der Hersteller auf eine etwa handtellergroße und rund 70 Euro teure Streaming-Box namens Apple TV. Die fungiert als Empfangsgerät für Audio- und Videosignale und ist perfekt auf die Kommunikation mit Mac, iPhone, iPad und Co. abgestimmt. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe an Zusatz-Hardware von Dritt-Herstellern wie etwa Sonos, die AirPlay unterstützen. Mit HBO Now startet bald ein Streaming-Angebot des preisgekrönten Pay-TV-Senders exklusiv auf dem Apple TV – vorerst allerdings nur für Kunden in den USA.

Apple TV
Die Streaming-Box Apple TV kostet nur noch 79 Euro. (© 2015 CC: Flickr/bflshadow)

Google, Apple Amazon vs. Miracast

Wie bereits erwähnt, existiert mit Miracast eigentlich ein Standard, den mit Ausnahme von Apple nahezu allen Branchengrößen unterstützten. Die Frage, wieso man Geld in zusätzliche Hardware stecken soll, um Medien-Inhalte kabellos auf den großen Bildschirm zu bringen, drängt sich folglich auf. Der Vorteil von Chromecast, Fire TV und Co. ist, dass sie auf die drahtlose Wiedergabe von Filmen oder Musik getrimmt sind. Ein Klick auf dem Smartphone genügt und der Fernseher spielt das gewünschte Format ab. Bei Miracast hingegen handelt es sich um ein einfaches Screencast-Verfahren. Das bedeutet, dass eins-zu-eins das Bildschirmsignal des Sendegeräts übertragen wird.

Soll also ein Film aus der Netflix-App auf dem Fernseher landen, muss der auch die ganze Zeit auf dem Smartphone oder Tablet laufen. Insofern bietet Miracast wirklich nicht mehr als ein kabelloses HDMI-Kabel. Die Streaming-Lösungen von Apple oder Google gehen dabei etwas smarter zu Werke. Soll der gleiche Film von der Netflix-App gestreamt werden, lassen sich Smartphone, Tablet und Co. wie gewohnt weiternutzen. Der Grund: Die mobilen Geräte übernehmen die Aufgabe einer Fernbedienung und übermitteln einfach Steuerbefehle an den jeweiligen HDMI-Stick. Der übernimmt anschließend die eigentliche Streaming-Arbeit. Das bedeutet: Läuft der Streifen, lässt sich das Telefon sogar ausschalten, ohne das es einen Einfluss auf die Wiedergabe hat. Im Kern ist Miracast daher eine gute Idee, allerdings wird das Protokoll den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht. Dabei sorgen nicht nur die zahllosen Stolperfallen bei der Übertragung für Probleme, auch das damit nur reines Screen-Mirroring möglich ist, ist nicht mehr zeitgemäß.

Zusammenfassung

  1. Um Filme, Musik oder Serien von einem externen Zuspieler auf den Fernseher oder Beamer zu bringen, musst Du nicht gleich ein HDMI-Kabel durch die halbe Wohnung legen
  2. Der ursprüngliche Standard zur kabellosen HDMI-Übertragung –Wireless HDMI – scheint jedoch tot
  3. Mit Miracast steht eine recht verbreitete Alternative bereit, die sogar vom Gros der Branchengrößen unterstützt wird
  4. Allerdings sorgt die unterschiedliche Umsetzung der Hersteller für zahlreiche Probleme in der Praxis und das auf Spiegeln des Displays angelegte Konzept wirkt angesichts der Konkurrenz nicht mehr zeitgemäß
  5. Apple, Google und Amazon haben eigene, geschlossene Systeme im Angebot, die zwar die Anschaffung zusätzlicher Hardware in Form von kleinen HDMI-Sticks erfordern, im alltäglichen Einsatz dann allerdings zuverlässig funktionieren