Private Cloud einrichten: 7 Fragen zum eigenen Web-Speicher

Per Smartphone auf die private Cloud zugreifen. Per Smartphone auf die private Cloud zugreifen. (© 2015 picture alliance / dpa Themendie)

Cloud-Anbieter sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Alles wird online gespeichert: Fotos sowieso, aber auch Word-Dateien, Musik und sogar Filme. Wer seine wertvollen Daten nicht einem fremden Anbieter überlassen möchte, kann sich zu Hause eine private Cloud einrichten – und behält die Kontrolle. Aber dabei gilt es einiges zu beachten.

1. Frage: Was ist die wichtigste Voraussetzung für eine private Cloud?

Private Cloud Internet Tempo
Wer sich eine private Cloud einrichten will, braucht einen schnellen Internetzugang. (© 2015 Deutsche Telekom)

Du willst Dir eine private Cloud einrichten, um jederzeit online per Internet von unterwegs auf Deine Daten zuzugreifen und diese auch zu speichern? Dann musst Du vorher das Tempo Deiner Internetverbindung zu Hause kennen. Entscheidend ist nicht so sehr der Downstream, also die Geschwindigkeit, mit der Du Daten aus dem Internet herunterladen kannst. Viel wichtiger ist der Upstream, also das Tempo, mit dem über Deine Leitung Daten ins Internet gelangen. Denn dieses Tempo entscheidet darüber, wie schnell Du etwas unterwegs von einem Computer bei Dir zu Hause empfangen kannst.

Ein Beispiel: Ein üblicher DSL-Anschluss der Telekom mit 16 mbit/s Downstream hat einen Upstream von nur 2,4 mbit/s, was nur 15 Prozent des Download-Tempos sind. Für einfache Textdateien mag das ausreichen, für größere Bilddateien ist dieses Tempo aber schon zu langsam und eine private Cloud lässt sich damit kaum betreiben. Ein moderner Glasfaseranschluss kommt da schon auf 100 mbit/s Upstream, was für eine private Cloud mehr als ausreichend ist. Wer sich also für eine eigene heimische Cloud interessiert, sollte schon etwa 10 bis 20 mbit/s Upstream zur Verfügung haben.

2. Frage: Wer braucht eine private Cloud?

Keine Platten, kein Speicherplatz: Musik-Streaming verspricht Audio-Genuss jederzeit und überall.
Mit einer private Cloud kannst Du Dir Dein eigenes Musik-Streaming einrichten. (© 2015 CC: Flickr/Nickolai Kashirin)

Wenn Du Daten hast, die Du auch von unterwegs abrufen willst, bist Du ein Cloud-Kandidat. Ob nun richtig mobil per Smartphone oder mit dem Laptop bei Freunden. Mit Deiner Cloud kannst Du beispielsweise ein eigenes Spotify einrichten. Du kannst legal heruntergeladene Musik auf Deinem Server speichern und  von unterwegs per Smartphone abrufen. Das ist in der Regel ziemlich einfach und fürs Streaming reicht eine gute "normale" Verbindung meistens schon aus. Und wer sogar G3- oder LTE-Zugang hat, bekommt garantiert keine Probleme. Mit der Music Station von Synology lassen sich etwa Playlisten erstellen und mobil problemlos per App für iOS oder Android abspielen, sodass man seine Musik überall hören kann.

Aber auch für Fotos, Filme und andere Dokumente ist eine private Cloud geeignet. Um unterwegs Filme anzusehen, muss man allerdings erstens einen schnellen Upstream haben und zweitens auch per WLAN oder LTE empfangen können. Aber dann geht es wirklich problemlos – und das sogar weltweit. Wer mobil arbeitet, hat von überall jederzeit Zugriff auf seine Dokumente, die eben garantiert sicher auf dem heimischen Server liegen. Auch in jeder Dateigröße und völlig unabhängig von den Regeln und Vorschriften eines Anbieters. Und wer den Zugang verschlüsselt, kann sicherstellen, dass beim Abrufen niemand neugierige Blicke auf seine Daten werfen kann.

3. Frage: Welche Geräte braucht man?

Private Cloud Synology DS414j
Ein Home Server vom Typ Synology DS414j. Das Gerät hat vier Festplatten-Einschübe. (© 2015 Synology)

Im Grunde reichen ein normaler PC und ein Internet-Router aus, um sich eine private Cloud einrichten zu können. Am Router muss man den Zugang von außen zum PC per Portfreigabe erstellen. Und im Router muss man sich auch eine so genannte dynamische IP-Adresse anlegen können. Die meisten Router beherrschen dieses Verfahren, mit dem man trotz immer wieder neuer IP-Adressen seitens des Providers sicherstellen kann, dass man sein Gerät immer von "draußen" erreicht.

Große Nachteile von normalen PCs als Home Server sind aber der hohe Stromverbrauch, besonders auch dann, wenn es sich um einen leistungsfähigen Spiele-Rechner handelt. Außerdem ist ein PC im Grunde nicht für den Dauerbetrieb ausgelegt. Wer einen Router mit Festplatten-Anschluss hat, kann dort eine externe Platte anstöpseln, die erstens viel weniger Strom verbraucht und zweitens als zentraler Datenspeicher für das gesamte heimische Netzwerk dienen kann. Viele Router haben eingebaute Medien-Server (DLNA), die einen Abruf von Bildern, Musik und Filmen mit geeigneten Endgeräten – etwa alle Smart-TVs – gestatten. Dieser Server ist dann bei entsprechender Konfiguration auch von außen erreichbar. Allerdings kann das Einrichten des Zugangs durchaus anspruchsvoll sein.

FRITZ!Box 7490
Die Fritzbox 7490: Man braucht einen guten Router um eine private Cloud einzurichten. (© 2015 AVM GmbH)

Wer es ganz perfekt haben möchte, legt sich ein richtiges NAS zu. Die Abkürzung steht für Network Attached Storage, was auf Deutsch etwa Netzwerk-Speicher bedeutet. Diese Geräte haben eine oder mehrere Festplatten und sind meistens mit einem speziellen Betriebssystem ausgestattet, welches das Vernetzen und auch den Zugriff von außen sehr erleichtert. Der Stromverbrauch hält sich in engen Grenzen, auch weil die Geräte keine Grafikkarte haben und über eine Weboberfläche gesteuert werden. Anbieter sind etwa Synology, Qnap oder Buffalo.

Aber auch mit Strom sparenden Mini-Computern wie dem Raspberry Pi kann man eine private Cloud einrichten. Dazu gibt's etwa die freie Software OwnCloud – für Anfänger ohne Vorkenntnisse ist das aber sicher nicht geeignet.

4. Frage: Wie sicher sind meine Daten?

Die Sicherheit hängt bei einer privaten Cloud ganz erheblich von Dir selbst ab: Es ist unerlässlich, sichere Passwörter zu verwenden, alle Sicherheitseinstellungen zu beachten und vor allem die Sicherheitsupdates der Hersteller für das jeweilige Betriebssystem des angeschlossenen Gerätes zu machen. Wer sich an diese Regeln strikt hält, hat ein sehr sicheres System, das zudem meist kein besonderes Angriffsziel darstellt, weil es einfach zu uninteressant ist. Große Anbieter werden dagegen täglich attackiert und häufig gelingt es Angreifern auch, sensible Daten wie Kreditkarten-Informationen zu erbeuten. Das Risiko auf einem gut gewarteten Home Server ist deutlich geringer. Einen gut gewarteten Router mit sicheren Passwörtern braucht man ohnehin. Als sicher gilt ein Passwort dann, wenn die Zeichenfolge in keiner Sprache in keinem Wörterbuch der Welt vorkommt, nicht weniger als 8-10 Zeichen hat und Sonderzeichen enthält.

Computer_Sicherheit_Security
Die Datensicherheit bei einer privaten Cloud ist ein wichtiges Thema. (© 2015 CC: Flickr/GotCredit)

Ein anderer Sicherheitsaspekt ist auch interessant: Ein Home Server eignet sich bei entsprechender Bauweise gut für heimische Datensicherungen. Fotos etwa liegen heutzutage oft nur noch als Daten vor. Meistens sind die Bilder von Familie und Urlaub auf einer externen Festplatte gespeichert. Es kommt aber immer wieder vor, dass diese Festplatte den Geist aufgibt, wodurch alle Daten meist unwiederbringlich verloren sind. Ein Home Server mit vier Festplatten kann dieses Risiko bei entsprechender Konfiguration (für Profis: Raid-Array) deutlich verringern. Geht nämlich eine Platte kaputt, meldet sich der Server und man kann die defekte Hardware tauschen. Auch mit nur drei Platten stehen alle Daten zur Verfügung, den Verlust einer weiteren Festplatte verkraftet das System jedoch nicht. Dass aber zwei Platten gleichzeitig ausfallen, ist eher unwahrscheinlich.

5. Was sind die Nachteile einer privaten Cloud?

Private Cloud: Google Rechenzentrum Server in The Dalles, Oregon
Eine Technikerin prüft im Google-Rechenzentrum ein überhitztes Bauteil. (© 2015 Google)

Vor allem die Kosten. Man braucht einen guten und meist teuren Internetzugang. Und Du hast in jedem Fall zusätzliche Stromkosten für eine Festplatte, einen PC oder auch einen Server. Zudem musst Du natürlich vor allem auch die Hardware bedenken. Ein gutes System mit vier Festplatten kostet sicher ab 800 Euro aufwärts. Ein weiterer Nachteil ist die Administration des Servers, um die man sich kümmern muss und für die man durchaus gewisse Computerkenntnisse benötigt. Außerdem bist Du von Deinem Internetzugang, Deiner Technik und Deiner Stromversorgung abhängig. Zu Hause kann mal der Strom ausfallen – dass das bei Google passiert, ist eher unwahrscheinlich. Und wenn Du keinen Strom hast oder auch der Router einfach nur abgestürzt ist, hast Du keine Chance an Deine Daten zu kommen. Wirklich extrem wichtige Daten sollte man daher doppelt absichern: zu Hause und in der Internet-Cloud.

6. Wieviel kostet eine private Cloud?

Private Cloud Stromkosten
Bei einer private Cloud hat man unter Umständen deutlich höhere Stromkosten. (© 2015 dpa)

Mal eine Beispielrechnung, die natürlich je nach Gerät und Nutzungsweise schnell anders aussehen kann: Ein schneller Internetzugang kostet um die 50 Euro im Monat, der Home Server braucht leicht um die 350 Kilowattstunden pro Jahr, was je nach Stromtarif etwa 80  Euro pro Jahr kosten kann, monatlich also knapp sieben Euro. Bei den Geräten selber gibt es natürlich große Unterschiede, vor allem auch in der Größe der Festplatten. Ein kleines Synology-System DiskStation DS 414j mit vier Platten zu je 2 TB wird für 770 Euro angeboten. Bezogen auf eine Nutzungsdauer von drei Jahren sind das weitere 21 Euro pro Monat. Insgesamt kostet der Spaß dann sicher gut 50 Euro jeden Monat – den Internetzugang nutzt man ja auch anderweitig, daher haben wir ihn anteilig berechnet.

7. Ist die Einrichtung einer privaten Cloud kompliziert?

Private Cloud Synology DSM
Ein gutes System ist der Diskstation Manager (DSM) von Synology. (© 2015 TURN ON)

Besonders einfach und für Anfänger geeignet ist eine private Cloud sicherlich nicht. Entweder brauchst Du Vorkenntnisse, oder Du musst Dich schon etwas intensiver mit der Materie beschäftigen. Man muss seinen Router einrichten, Netzwerkfreigaben erstellen, einen dynamischen Zugriff von außen konfigurieren und vieles mehr. Hilfe gibt es zwar in Supportforen im Internet – oft allerdings ausschließlich auf Englisch. Wer nicht so viel Ahnung hat, sollte unbedingt auf die Komplettlösungen großer Anbieter zurückgreifen. Mit einer Fritzbox und einem Synology-NAS beispielsweise kommt man mit ein paar grundlegenden Computerkenntnissen nach einiger Zeit durchaus klar.