Reaktionszeit bei Fernsehern: Was sagen die Werte aus?

Die Reaktionszeit gibt an, wie lange ein Bildpunkt braucht, um die Farbe zu wechseln. Die Reaktionszeit gibt an, wie lange ein Bildpunkt braucht, um die Farbe zu wechseln. (© 2015 CC: Flickr/John Karakatsanis)

Nicht nur Bildschirmdiagonale, Anzahl der Bildpunkte oder Kontrastverhältnis sind wichtig für einen überzeugenden Bildeindruck bei Fernsehern und Monitoren. Kommt Bewegung ins Spiel, wird die Reaktionszeit des Displays wichtig. Was es damit auf sich hat, erklärt unser Ratgeber.

Reaktionszeit: Was ist das?

Fernseher und Monitore gibt es wie Sand am Meer. Das richtige Modell zu finden, mutiert dabei schnell zur Mammutaufgabe. Ein Faktor, auf den Fans von schnellen Actionspielen und –Filmen achten sollten, ist die Reaktionszeit (Response Time). Sie wird in Millisekunden angeben und besagt, wie lange ein Bildpunkt des Displays braucht, um die Farbe zu wechseln, also beispielsweise von schwarz auf weiß umzuschalten. Dauert der Wechsel zu lange, wirkt das Bild matschig, flau und verschwommen, was aktuelle Monitore oder Fernseher aber nicht mehr vor große Herausforderungen stellt.

Nachzieheffekt

Kritischer sind hingegen besonders schnelle Bildfolgen, etwa bei rasanten Action- oder Sportszenen. Kommt es hier zu Verzögerungen, stört der sogenannte Nachzieheffekt die Freude am Bild. Vor allem bei kontrastreichen Wiedergaben sticht er besonders störend ins Auge. Beispielsweise bei Fußballübertragungen, wenn der (weiße) Ball auf dem (dunklen) Spielfeld einen Schweif hinter sich herzieht. Aber auch bei Games tritt der störende Effekt auf, wobei das Problem hier auf besonders flotte First-Person-Shooter beschränkt bleibt. Um das Problem genauer zu verstehen, gilt es einen kurzen Blick auf die Funktionsweise aktueller LCD-Bildschirme (LCDs) zu werfen.

Fernseher
Ein Nachzieheffekt kann das Fernsehvergnügen deutlich schmälern. (© 2015 CC: Flickr/Maurizio Pesce)

Hintergrund: Funktionsweise von LCDs

Egal ob Fernseher oder Monitor, abgesehen von extrem teuren OLED-TVs setzen die im Handel erhältlichen Modelle bei der Bildschirmtechnologie auf die sogenannte LCD-Technik (Liquid Crystal Display), was sich mit Flüssigkristallanzeige übersetzen lässt. Neben einer Reihe an Filtern besteht sie aus einer Hintergrundbeleuchtung und Flüssigkristallzellen. Dabei dienen die im Rücken des Geräts verbauten LEDs als Lichtquelle, während die davor angeordneten Flüssigkristalle das Licht filtern. Durch die Änderungen der an den Flüssigkeitskristallen anliegenden Spannung wird die Ausrichtung der Kristalle verändert und damit die Lichtdurchlässigkeit gesteuert.

Dabei reicht die Spannweite von kein Licht durchlassen (schwarzer Pixel) bis Licht vollständig durchlassen (weißer Pixel). Aufgrund der Trägheit der Flüssigkeitskristalle lässt sich der Wechsel aber nicht in Echtzeit vollziehen, daher gibt die Reaktions- oder Schaltzeit an, wie viele Millisekunden die Kristalle für einen Wechsel benötigen.

Reaktionszeit: Wieviel Millisekunden sind perfekt?

Grundsätzlich gilt, je schneller das Display deines Monitors oder Fernseher arbeitet, umso besser. Allerdings lassen sich verlässliche Aussagen über die Reaktionszeit nur schwer treffen. Das hat verschiedene Ursachen. Zum einen gibt es keine einheitlichen Vorgaben, sodass sich die Angaben der Hersteller nicht exakt miteinander vergleichen lassen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Hersteller in ihren Datenblätter meist nur Angaben zum Wechsel von Grau zu einem anderen Grau (grau-zu-grau-Zeit) enthalten.

Aussagekräftiger sind aber die Zeiten für den komplexeren und damit zeitaufwendigeren Schwarz-Weiß Wechsel (schwarz-weiß-Zeit), der in aller Regel nur in Tests durch unabhängig Dritte erhoben wird. Zudem nimmt jeder Mensch Verzögerungen unterschiedlich wahr. Während dem einen minimale Schliereneffekte gar nicht auffallen, empfindet sie ein anderer bereits als störend. Um hier absolut sicherzugehen, dass das gewünschte Gerät den persönlichen Anforderungen entspricht, hilft nur die persönliche in Augenscheinnahme.

Fernseher
Die Reaktionszeiten eines Fernsehers können vom Menschen unterschiedlich wahrgenommen werden. (© 2014 CC: Flickr/Kārlis Dambrāns)

Kein Happy-End?

In den letzten Jahren hat die Display-Technik einige Fortschritte gemacht. Schlierenbildung wegen zu träger Pixel ist bei aktuellen TV-Geräten eigentlich kein Problem mehr. Fast alle Hersteller setzen mittlerweile auf Displays mit schnellen Schaltzeiten und Bildwiederholraten von 100 Hertz und mehr, sodass Nachzieheffekte den Filmeabend oder die nächste Fußball-WM nicht mehr verhageln. Auch bei PC-Monitoren tritt das Problem nur in wenigen Ausnahmefällen auf. Für Alltagssituationen, wie surfen oder Texte schreiben, galten früher Reaktionszeiten von bis zu 25 Millisekunden als unbedenklich. Heutige Monitore liegen mit Reaktionszeiten von 10 Millisekunden und weniger aber deutlich darunter.

Das ist für Spieler beim Monitorkauf wichtig

Besondere Anforderungen an Monitore stellen aber immer noch Spieler. Allerdings ist die Frage nach schnellen Reaktionszeiten nur für die Liebhaber von besonders schnellen First-Person-Shootern relevant. In Titeln wie "Anno" oder "Die Sims" ändert sich das Spiele-Geschehen zu langsam, als das es zu Problemen bei der Darstellung kommen könnte. Hardcore-Zocker von rasanten Action-Titeln greifen bevorzugt zu Monitoren mit einem sogenannten TN-Panel. Die liefern aufgrund ihrer Bauweise immer noch die flottesten Flüssigkeitskristalle, wobei Schaltzeiten von unter einer Millisekunde möglich sind.

Aber auch hier gilt: Die subjektive Wahrnehmung ist entscheidend. Selbst ambitionierte Zocker sollten daher mit bis zu 6 Millisekunden problemlos leben können. Wer auf ein besonders stabiles Bild Wert legt, sollte hingegen einen Blick auf Monitore mit 144 oder 120 Hertz-Technik werfen, ein entsprechend potenter Gaming-PC vorausgesetzt.

Curved-Fernseher von Samsung
Aktuelle TV-Geräte bieten fast allesamt sehr gute Reaktionszeiten. (© 2014 CC: Flickr/Maurizio Pesce)

Darauf sollten Gamer beim Fernseh-Kauf achten

Soll der ungetrübte Spielspaß auch auf dem großen TV-Gerät im Wohnzimmer stattfinden, sind die Reaktionszeiten der Flüssigkeitskristalle weniger das Problem. Aufgrund der in Fernsehern verbauten Bildverbesserungsroutinen erhöht sich die Zeit, die das Gerät braucht, um das eingehende Signal letztlich auf den Bildschirm zu bringen. Die Verzögerung wird als Input-Lag bezeichnet. Wird diese Zeitspanne zu groß, wirkt sich das negativ auf die Steuerung aus und trübt den Spielspaß.

Viele Fernseher bieten daher einen zuschaltbaren Spielemodus (Game-Modus), der die Signalverarbeitung auf ein Minimum beschränkt, um das Bild mit möglichst geringer Verzögerung auf die Mattscheibe zu bringen. Ob ein bestimmtes TV-Gerät wirklich Gaming-tauglich ist, ist aufgrund fehlender Standards und unterschiedlicher Verfahren zur Ermittlung des Input-Lags pauschal nicht beantwortbar. Wenn Du wissen willst, ob Dein Wunsch-Gerät fit für "Call of Duty", "Battlefield" und Co. ist, hilft nur ausprobieren oder das Netz nach Erfahrungsberichten zu dem jeweiligen Modell zu durchforsten.

Zusammenfassung

  1. Die Reaktionszeit beschreibt die Zeit, die die Bildpunkte eines Displays brauchen, um eine andere Farbe anzuzeigen
  2. Die Angabe der Reaktionszeit erfolgt in Millisekunden
  3. Je niedriger der Wert, desto besser
  4. Sind die Bildpunkte zu träge, die Reaktionszeit des Displays also zu hoch, stören Schliereneffekte den Bildeindruck
  5. Für die Standardanwendungen sind die aktuellen Monitore mittlerweile schnell genug und auch die TV-Geräte zeigen selbst rasante Bildwechsel mittlerweile nahezu störungsfrei an
  6. Größere Bedeutung hat die Reaktionszeit noch für Gamer, die bevorzugt zu rasanten Action-Titeln greifen
  7. Ambitionierte Spieler sollten beim Monitor-Kauf drauf achten, dass die Reaktionszeit des gewünschten Modells 6 Millisekunden nicht übersteigt
  8. Hardcore-Zocker orientieren sich an Monitoren, die Reaktionszeiten von zwei oder besser einer Millisekunde versprechen
  9. Soll der Fernseher den Monitor beim Zocken ablösen, ist weniger die Reaktionszeit, sondern eher der Input-Lag des Geräts das Problem
  10. Um Verzögerungen bei der Darstellung zu reduzieren, bieten viele TV-Geräte einen speziellen Spielemodus