Smart Home: Wo liegt der Nutzen, was sind die Risiken?

Philips hue lässt sich per App steuern - und über zentrale Gateways auch per Internet. Philips hue lässt sich per App steuern - und über zentrale Gateways auch per Internet. (© 2015 Philips)

Der Markt für Smart Home-Produkte explodiert. Mittlerweile gibt es Tausende von Geräten wie Heizkörper-Thermostate, Bewegungs- und Rauchmelder oder Internet-Kameras zu kaufen, mit denen man seine heimischen vier Wände steuern und überwachen kann. Worin aber liegt der tatsächliche Nutzen der Technologie? Und gibt es auch Risiken?

Kurz gesagt gibt es drei Stichworte, warum Smart Home heutzutage hochspannend ist:

1. Energieeinsparung
2. Komfort
3. Sicherheit

Welcher dieser drei Punkte der Wichtigste ist, muss jeder für sich entscheiden. Die Erfahrung zeigt aber: Wer einmal mit dem Thema Smart Home angefangen hat, kommt davon nicht mehr los. Das beweist auch die Statistik: Laut einer Umfrage nutzen jetzt schon über zehn Millionen Menschen in Deutschland die intelligente Technik fürs Zuhause.

Energie sparen leicht gemacht

Mit eQ3 Max! kann der Nutzer von unterwegs die Zimmertemperatur regulieren.
Mit eQ3 Max! kann der Nutzer von unterwegs die Zimmertemperatur regulieren. (© 2015 eQ3 Max!)

Für Anfänger in Sachen Smart Home ist sicher erst einmal die Möglichkeit Heizenergie zu sparen ein wichtiger Grund, sich mit entsprechenden Systemen zu beschäftigen. Du kannst beispielsweise die Heizung in Haus oder Wohnung aus der Entfernung ein- oder ausschalten, falls Du es man es beim Gehen vergessen haben solltest. Steht die Wohnung tagsüber leer, lassen sich die Heizkörper so programmieren, dass sie nicht den ganzen Tag "volle Pulle" laufen. Und wenn Du am Wochenende zu Hause bist, kann man das natürlich auch ins System einprogrammieren.

Für die Ferien oder während des Urlaubs lassen sich für etliche Systeme Profile erstellen, die einfach per Mausklick aktiviert werden. Derzeit können sich daher auch 42 Prozent der Deutschen vorstellen, programmierbare Thermostate anzuschaffen. Eines der populärsten und auch preisgünstigsten Systeme, das man derzeit kaufen kann, ist das eQ3 Max!. Damit können laut Hersteller bis zu 30 Prozent Heizkosten gespart werden.

Bequemlichkeit ist Trumpf

Der steuerbare Zwischenstecker von Fibaro zeigt per LED-Licht den Stromverbrauch an.
Der steuerbare Zwischenstecker von Fibaro zeigt per LED-Licht den Stromverbrauch an. (© 2015 Youtube/Fibaro)

Neben der schon erwähnten Heizungssteuerung per App und Web, mit der die Wohnung schön mollig warm wird, bevor man nach Haus kommt, lassen sich per intelligenter Stromleitung und smarter Glühlampe ("Smart Bulb") auf die Tageszeit und sogar den jeweiligen Bewohner abgestimmte Lichtstimmungen programmieren und abrufen. Da lässt sich die Wohnung fürs romantische Rendezvous ebenso per Mausklick ins richtige Licht rücken wie für die Party oder den Fernsehabend.

Die passenden Geräte werden ebenfalls dementsprechend automatisch an- und abgeschaltet, was neben dem Komfort auch der Sicherheit dient. Denn wenn Du das Haus verlässt, genügt ein Klick, um alles auszuschalten. Vorbei sind die bohrenden Gedanken, ob der Herd still vor sich hinglüht, während man im Büro schwitzt. Der Anbieter Digitalstrom hat hier eine eine ebenso leicht nachzurüstende wie konfigurierbare Lösung parat. Oder aber man greift bei den schicken und steuerbaren Zwischensteckern von Fibaro zu. Eine weitere sehr stylishe Licht-Lösung, die sich auch mit einigen Steuereinheiten verträgt, ist das Philips hue-System.

Sicherheit im Mittelpunkt

Für viele Smart-Home-Nutzer ist der Sicherheitsgedanke der wichtigste Aspekt: Durch wechselnd und zufällig geschaltetes Licht lässt sich die Anwesenheit der Bewohner simulieren – und Einbrecher werden abgeschreckt. Diebe lassen ich auch durch die entsprechende Steuerung von Rollladen verscheuchen, und wenn sich doch mal ein Gauner nicht abschrecken lässt, warnen Bewegungsmelder frühzeitig. Die Hausbewohner bekommen eine Warnung aufs Handy, können per installierter Kamera einen Blick ins Haus werfen und gegebenenfalls die Polizei alarmieren.

Mit Hilfe von Funk-Rauchmeldern lassen sich Brände sehr frühzeitig entdecken und Gegenmaßnahmen einleiten. Darüber hinaus gibt es auch Wassermelder und andere Sensoren, die verschiedene Umweltdaten wie Temperatur oder Feuchtigkeit messen. In der Steuerzentrale des Systems wird dann entschieden, ob und welche Maßnahmen beim Erreichen bestimmter Werte gestartet werden. Sehr stark auf diesem Sektor vertreten ist beispielsweise die Telekom, die ein Sicherheitspaket anbietet.

Das ist "das Internet der Dinge"

Ziemlich cool: Haushaltsgeräte der Firma Miele lassen sich per Tablet steuern.
Ziemlich cool: Haushaltsgeräte der Firma Miele lassen sich per Tablet steuern. (© 2015 Miele)

Mittlerweile ein geflügeltes Wort im Zusammenhang mit Smart Home ist "das Internet der Dinge". Viele Geräte im Haushalt wie etwa Fernseher oder Blu-ray-Player werden schon jetzt mit dem Netzwerk verbunden. Nach und nach sollen aber auch andere Haushaltsgeräte wie Kühlschränke oder Waschmaschinen dazukommen. Nahezu jedes technische Gerät und jede Steckdose könnten über eine eigene Internet-Adresse verfügen und wäre somit auch übers Web steuerbar. Der smarte Kühlschrank, der einem die Einkaufsliste schreibt und meldet, wenn die Milch abgelaufen ist, ist keine Zukunftsmusik mehr. Etliche renommierte Hersteller von Haushalts-Großgeräten arbeiten derzeit daran, ihre Geräte netzwerkfähig zu machen - so etwa Miele oder Samsung.

Was sind die Risiken von Smart Home?

Wie bei jeder neuen Technologie gibt es bei Smart Home auch Risiken. Da wäre zunächst das Problem, dass sich viele Geräte nicht untereinander verstehen, weil die Hersteller bislang kein einheitliches Übertragungsprotokoll nutzen. Bei Paketlösungen ist der Kunde natürlich auf der sicheren Seite. Sobald man aber anfängt zu mischen, kann es kompliziert werden. Abhilfe schaffen hier zentrale Steuereinheiten, die mehrere Funk-Sprachen verstehen. Anbieter sind beispielsweise Qivicon von der Telekom oder aber auch das pfiffige homee.

Stichwort Funk: Gibt es eigentlich eine zusätzliche Elektrosmog-Belastung durch Smart Home? Ehrlich gesagt ja, aber diese ist sehr gering. Die verwendeten Funk-Protokolle senden in der Regel auf Frequenzen, die nur sehr begrenzt genutzt werden können. Das schränkt die Strahlenbelastung ein. Und durch die aufs Haus eingeschränkte Reichweite ist die Sendeleistung der Geräte in der Regel ziemlich schwach. Schwächer jedenfalls als die Leistung vieler Schnurlostelefone und viel schwächer als die von Mobiltelefonen.

Das bislang noch größte Risiko ist der Datenschutz – aber auch in diesem Bereich haben die Hersteller in den letzten Monaten deutlich dazugelernt. Früher gab es zahlreiche Berichte, dass sich Hacker einen Spaß gemacht und die web-gesteuerte  Heizung eines Hause aus der Ferne hochgefahren haben – mitten im Hochsommer wohlgemerkt. Der Fehler: Die per Funk übermittelten Steuersignale waren ebenso wie die Kommunikation der Geräte übers Netzwerk unverschlüsselt. Mittlerweile haben aber alle renommierten Hersteller diese Datenübertragungen verschlüsselt.

Beim Kauf solltest Du aber dennoch danach fragen und die Verschlüsselung zum Teil der Entscheidung machen. Die beste Verschlüsselung hilft übrigens nicht, wenn der Nutzer bei der Installation der Komponenten unsichere Passwörter vergibt.