Smart TV: Wie HbbTV den Fernseher ausspioniert

Viele Smart TVs nehmen es mit dem Datenschutz nicht so genau. Viele Smart TVs nehmen es mit dem Datenschutz nicht so genau. (© 2015 picture alliance / dpa Themendienst)

Heutzutage ist jeder Fernseher mit einer Netzwerk-Schnittstelle ausgestattet. Einmal mit dem Internet verbunden, wirst Du Dein eigener Programmdirektor. Allerdings empfangen die smarten TVs nicht nur Daten, sondern telefonieren gleichzeitig auch nach Hause.

Dass beim Surfen im Netz zahlreiche Gefahren und Fallstricke lauern, ist spätestens seit den Snowden-Leaks hinlänglich bekannt. Doch das auch Smart TVs unseren Alltag ausspionieren und Daten im großen Stil sammeln, ist vielen nicht bewusst. Einmal mit dem weltweiten Datennetz verbunden fließen so Informationen über Sehgewohnheiten und Vorlieben nicht nur an die Hersteller der Geräte. Auch die TV-Sender mischen beim Abfassen von Nutzerdaten kräftig mit. Zuletzt hatte das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht im Rahmen einer Überprüfung festgestellt, dass es einige Smart TVs mit dem Datenschutz nicht so ernst nehmen.

Smart TVs als Datenschleudern

So verfügen dem Bericht zufolge alle getesteten Geräte von 13 verschiedenen Herstellern über eindeutige Gerätekennung, wie Mac-Adresse, Seriennummer oder eine interne Identifikationsnummer über die sich das jeweilige Gerät beim Netzzugang eindeutig identifizieren lässt. Zwölf der getesteten Geräte starten gleich beim Einschalten die Kontaktaufnahme mit dem Hersteller, um etwa nach Updates zu suchen, das Gerät zu registrieren oder weitere Inhalte zu laden.

Beim regulären TV-Betrieb kommunizierten immerhin noch vier Geräte über eine verschlüsselte Datenleitung mit dem Hersteller. Fünf Modelle meldeten sich zu Hause, sobald eine Sendung aufgenommen wurde. Steckten die Tester einen USB-Stick in den Smart TV, meldeten vier Fernseher das beim Hersteller. Durch die Verschlüsselung waren die Forscher allerdings nicht in der Lage herauszufinden, welche Daten jeweils übertragen wurden. Bei sieben der dreizehn getesteten Geräte fehlte zudem jeglicher Hinweis auf die Datenschutzbestimmungen.

HbbTV: Auch die Sender lauschen mit

Nicht nur die Geräte-Hersteller haben ein offenes Ohr, wenn es um die Nutzung ihrer Smart TVs geht, auch die Fernsehanstalten interessieren sich brennend für das Sehverhalten ihrer Nutzer. Im Test des Landesamtes für Datenschutzaufsicht registrierten sieben von zehn Sendern, wann der Nutzer umschaltet. Sechs der getesteten Modelle schickten die elektronischen Programminformationen (EPG) unverschlüsselt durchs Netz. Möglich macht das der Hybrid broadcast broadband TV-Standard, kurz HbbTV. Der gern als Videotext 2.0 umschriebene Dienst verknüpft das klassische TV-Signal mit zusätzlichen Informationen aus dem Internet.

Am auffälligsten ist die relativ neue Funktion durch die automatischen Einblendungen in der Ecke unten rechts, meist verbunden mit der Aufforderung, einen bestimmten Knopf zu drücken. Mit einem Tastendruck auf der Fernbedienung startet das eigentliche HbbTV-Menü und bietet Programminfos, Zugriff auf Mediatheken und je nach Sendeanstalt unterschiedliche Informationen. Allerdings gelangen auf diesem Wege nicht nur Informationen auf die Mattscheibe, sondern zeitgleich auch Daten vom Zuschauer an den Sender. So erfahren die Fernsehsender, ähnlich wie beim Surfen im Netz, welches Programm gerade wie lange geschaut wird.

Samsung Smart TV
Viele Smart TVs kommunizieren ohne Wissen des Besitzers mit dem Hersteller. (© 2014 CC: Flickr/ Kārlis Dambrāns)

Anonymes Fernsehen war gestern

Der Haken an der Sache ist jedoch, dass der Zuschauer HbbTV noch nicht mal aktiv nutzen muss. Ein simpler Senderwechsel genügt und der Smart TV baut von selbst eine Verbindung mit der jeweiligen Sendeanstalt auf. Vorausgesetzt natürlich, der Fernseher ist auch mit dem Internet verbunden. Dabei werden in aller Regel die Gerätekennung und Standortdaten übermittelt. Oft prüft der Sender zudem in regelmäßigen Abständen, ob der Zuschauer noch auf dem Kanal ist.

Einige Sender nutzen die Technik außerdem, um personalisierte, auf die Region des Zuschauers abgestimmte Werbung einzublenden. Dabei sind in verschiedenen Tests vor allem die privaten Sendeanstalten durch eifrigen Datenaustausch aufgefallen. Dabei landen die Daten nicht nur beim Sender, sondern auch bei weiteren Netzwerken wie Google Analytics, Chartbeat oder Webtrekk. Um Nutzer zu identifizieren, landen kleine Datenpakete, sogenannte Cookies auf dem Gerät. Wie beim Surfen auf dem PC lässt sich so erkennen, wann der Zuschauer das Programm zuletzt eingeschaltet hat und was er zuletzt geschaut hat.

Smart TVs: Der Spion im Wohnzimmer

Doch Dank immer ausgefeilterer Techniken bleibt es schon lange nicht mehr beim reinen Nutzer-Tracking. Zuletzt schafften es die TV-Geräte von Samsung in die Schlagzeilen, nachdem in den Endbenutzer-Lizenzvereinbarungen (EULA) aktueller Modelle der Hinweis auftauchte, dass die im Rahmen der Spracherkennung aufgezeichneten Daten an den Hersteller übermittelt werden. Ist das in etlichen Modellen verbaute Mikrofon aktiviert, hört der Fernseher natürlich auch zu, wenn es nicht um ihn geht. Hier besteht die Gefahr, dass möglicherweise Gespräche auf den Servern der Hersteller und externen Dienstleistern landen, die niemanden etwas angehen.

Ein weiter Nachteil moderner Hochleistungsfernseher ist die Update-Problematik. Ein Problem, dass vielen Smartphone-Besitzern bekannt vorkommt. Während TV-Geräte früher etliche Jahre im Einsatz waren, bringen die Hersteller mittlerweile im Jahresrhythmus neue Geräte auf den Markt. Um Kosten zu sparen und Kaufanreize zu setzen, wird die alte Geräte-Generation vielleicht noch ein oder zwei Jahre mit frischen Updates versorgt und dann ist Schluss. Seitdem auch Fernseher sich aktiv im Netz bewegen ist das aber in Problem, denn später entdeckte Sicherheitslücken bleiben damit bestehen und bieten ein gefundenes Einfallstor für Hacker.

Samsung Smart TV
Die Smart TVs von Samsung übertragen Sprachaufzeichnungen an den Hersteller. (© 2015 CC: Flickr/Karlis Dambrans)

Smart TV-Sicherheit: Was tun?

Die einfachste und gleichzeitig effektivste Lösung wäre, dem Fernseher den Zugriff aufs Internet gleich ganz zu verwehren. Damit entfallen aber auch alle mit einem Smart TV verbunden Vorteile ins Wasser. Der Wegfall einiger Funktionen lässt sich mit einem externen Zuspieler einfach kompensieren. Google Chromecast beispielsweise bringt Musik, Bilder und Videos von Netflix, YouTube und Co. mit wenigen Handgriffen auf das vom Netz getrennte TV-Gerät. Ein weniger radikaler Schritt ist, HbbTV zu deaktivieren. Damit lassen sich zumindest die restlichen Datendienste weiterhin nutzen und die Nutzerverfolgung der TV-Sender umgehen.

Allerdings senden auch andere Smart TV-Funktionen, wie etwa Apps oder Dienste des Herstellers weiterhin Nutzerdaten. Manche Hersteller bieten darüber hinaus die Möglichkeit, angefallene Daten wie beispielsweise Cookies zu löschen oder die HbbTV-Dienste der Sender einzeln zu konfigurieren. Um zu verhindern, dass der Fernseher mitlauscht, hilft nur die Abschaltung der Spracherkennung. Dabei sollte aber keine falsche Hoffnung aufkommen: Wer verhindern will, dass Sprachaufnahmen in den Händen von Dritten landen, sollte um Siri, Google Now, Cortana und Co. ebenfalls einen Bogen machen.

Zusammenfassung

  1. Smart TVs bringen den von Smartphones und Tablets gewohnten Komfort beim Umgang mit diversen Medien ins Wohnzimmer
  2. Allerdings empfangen die mit dem Internet verbundenen Fernseher nicht nur Daten, sondern dienen Herstellern, Sendeanstalten und Werbenetzwerken als Quelle um Sehgewohnheiten und Vorlieben der Zuschauer auszuspionieren
  3. Dabei erweisen sich einige Geräte als wahre Datenschleudern, die es mit dem Datenschutz nicht so genau nehmen
  4. Dazu erfassen die Geräte, wann der Zuschauer was geschaut hat
  5. Ist die Spracherkennung aktiviert, fungiert das integrierte Mikrofon quasi als Wanze in den eigenen vier Wänden
  6. Trennt man den Fernseher vom Internet, lässt sich die Übertragung der Nutzerdaten verhindern, allerdings auf Kosten des Komforts
  7. Eine Alternative sind externe Zuspieler, bei denen sich kontrollieren lässt, welche Daten an Dritte übermittelt werden
  8. Einige TV-Geräte bieten die Möglichkeit, die verschiedenen Smart TV-Funktionen separat zu konfigurieren oder zu deaktivieren