Super Mario bis Minecraft: Diese Games schrieben Geschichte

Es gibt wohl keine andere Kunstform, die sich so rasend schnell entwickelt hat wie das Videospiel. Aus grober Pixelgrafik und dudelndem Midi-Sound sind hollywoodreife Blockbuster geworden. Wir blicken zurück auf einige Meilensteine der Games-Geschichte.

Pong (1972)

Pong war zwar nicht das erste Videospiel der Welt – mit seinem simplen Spielprinzip eroberte es aber jede Spielhalle. Zwei Paddel, ein Ball und der charakteristische "Blip"-Sound beim Aufprallen. Es ist kaum zu glauben, dass dieses Prinzip vor mehr als vier Jahrzehnten so süchtig machte. Trotzdem gehört die ultra-simple virtuelle Variante von Ping Pong heute schon fast zum Weltkulturerbe. Mittlerweile sind unzählige Varianten auf so ziemlich allen erhältlichen Spielekisten erschienen. Der Meilenstein war auch wirtschaftlich ein voller Erfolg: Pong begründete den Erfolg des Spieleentwicklers Atari und steht mittlerweile im Museum of Modern Arts in New York.

Pac-Man (1980)

Ein japanischer Spiele-Designer sieht eine angeschnittene Pizza – und das Design einer Ikone der Popkultur war geboren. Der gelbe Allesfresser mit einer Vorliebe für Pillen und einer Abneigung gegen Geister entfachte in den 80ern ein wahres Fieber. Ganze Heerscharen von Kids führten Pac-Man wieder und wieder durch endlose Labyrinthe, immer auf der Jagd nach dem Highscore. Übrigens: Pac-Man sollte zunächst "Puc-Man" heißen – aber Hersteller Namco befürchtete, dass Rabauken das P im Namen mit einem F übermalen würden.

Super Mario Bros. (1985)

Im Arcade-Klassiker Donkey Kong hieß er schlicht "Jumpman". Heute ist Mario eine der berühmtesten Videospielfiguren der Welt. Ausgangspunkt für diese einmalige Karriere war der Meilenstein Super Mario Bros., der 1985 für Nintendos NES erschien. Das bunte Hüpf-Abenteuer gilt als eines der einflussreichsten Spiele aller Zeiten. Bis heute wird es von angehenden Spiele-Entwicklern studiert und analysiert. Allein die damals ungewohnt präzise Steuerung von Mario war nicht weniger als eine Revolution des Videospiels.

Myst (1993)

Wäre ein Spiel wie dieses heutzutage noch möglich? In Myst erkundet man langsam und in eigenem Tempo eine mysteriöse Insel – in Standbildern, ohne Actionsequenzen und meistens völlig allein. Was langweilig klingt, begründete Anfang der 90er einen wahren Kult und kann mit seiner fast schon meditativen Ruhe auch heute noch faszinieren. Nahezu alle heutigen Spiele, die auf eine nicht-lineare Geschichte setzen, verdanken Myst eine Menge. Und ganz nebenbei hat es das damals neue CD-Rom-Format erst populär für Spiele gemacht.

Tomb Raider (1996)

Sie ist klischeehaftes Sexsymbol und feministische Vorreiterin gleichermaßen: Lara Croft steht wie kein anderer Videospielcharakter für die taffe Powerfrau, die trotzdem gerne mit ihren Reizen spielt. 1996 trat sie in Tomb Raider erstmals auf und eroberte nicht nur die Männerwelt im Sturm. Darüber kann man fast vergessen, dass Lara mit ihrem Abenteuer das gesamte Genre des 3D-Action-Adventures entscheidend prägte.

GTA III (2001)

Games mit einer offenen, frei erkundbaren Spielwelt sind heutzutage nichts Besonderes mehr. 2001 aber stand Spielern vor Staunen der Mund offen, als sie GTA III zum ersten Mal in die PS2 legten: Als stummer Gangster konnte man tun, was auch immer man wollte – also auch für jede Menge Chaos und Anarchie sorgen. Seitdem steht die GTA-Reihe für technisch überragende, spielerisch innovative Verbrecher-Abenteuer fast ohne Regeln. Die Serie ist zugleich der ultimative Albtraum besorgter Medienpädagogen.

World of Warcraft (2004)

Sicher, es gab "Massively Multiplayer Online Role-Playing Games" schon vor Blizzards Megahit. Aber kein anderes Spiel hat ein ganzes Genre so gesellschaftsfähig gemacht. Avatar zusammenbasteln, einloggen und mit Millionen anderen Spielern die fantastische Welt Azeroth erkunden – für unzählige User ersetzt World of Warcraft noch immer jede andere soziale Aktivität. Auch wenn der Stern von WoW nach über zehn Jahren gesunken ist: Ein weltweites Phänomen dieser Größenordnung wird es in der Videospiel-Geschichte so schnell vermutlich nicht wieder geben.

Call of Duty 4: Modern Warfare (2007)

Für die eine Fraktion ist Call of Duty das Größte und Einflussreichste, was elektronische Unterhaltungsmedien jemals hervorgebracht haben. Für die anderen sind die brachialen Nonstop-Ballereien voll US-Hurra-Patriotismus der Niedergang einer Kunstform. Ob man nun Fan ist oder nicht, Fakt ist: Call of Duty ist eine gigantische Lizenz zum Gelddrucken und eine globale Marke im Wert von mehreren Milliarden Euro. Und: Shooter, die dem großen CoD-Bruder nicht nacheifern, kann man dieser Tage an einer Hand abzählen – irgendetwas muss also dran sein.

Minecraft (2011)

Dass da vorher noch keiner drauf gekommen ist: Virtuelles Lego – die Idee hinter Minecraft ist so genial einfach wie naheliegend. Alles in der Minecraft-Welt besteht aus Blöcken. Und damit ist der Fantasie keine Grenze mehr gesetzt. Es gibt fast nichts, was sich nicht bauen ließe. Im Internet gibt es haufenweise Videos von Fans, die in monatelanger Frickelarbeit die Enterprise nachbauen, gigantische Achterbahnen errichten oder gleich ganz Westeros aus Game of Thrones Steinchen für Steinchen nachbilden. Bekloppt? Vielleicht. Die Herstellerfirma Mojang war Microsoft aber atemberaubende 2,5 Milliarden Dollar wert. Die Geschichte von Minecraft ist also noch lange nicht vorbei.