Wahr oder falsch? Die zehn größten Technik-Mythen

Etliche Technik-Mythen ranken sich um die Raumfahrt. Nicht alle sind wahr. Etliche Technik-Mythen ranken sich um die Raumfahrt. Nicht alle sind wahr. (© 2015 Nasa)

Handys, die Tankstellen explodieren lassen oder das Teflon als Erfindung für die Raumfahrt: Um die Technik ranken sich viele Geschichten, die man immer wieder hört. Aber welche sind wahr? Und welche davon frei erfunden? 

Wir gehen den zehn größten Technik-Mythen auf den Grund und klären auf, was man glauben und weitererzählen kann - und was besser nicht. Übrigens: Wer sich mit diesen Geschichten auskennt und erklären kann, was richtig und falsch ist, dem geht auf langweiligen Partys nie der Gesprächsstoff aus.

1. Elektronische Geräte lassen Flugzeuge abstürzen

Smartphones in Flugzeugen: Die Gefahr von Störungen ist gering.
Smartphones in Flugzeugen: Die Gefahr von Störungen ist gering. (© 2015 picture alliance / AP Photo)

Die Sicherheits-Warnungen sind streng, die Flugbegleiterinnen unerbittlich und andere ängstliche Fluggäste werden zu Denunzianten: Wer bei Start oder Landung ein elektronisches Gerät an Bord eines Passagier-Fliegers betreiben will, bekommt Ärger – und zwar so richtig. Gelegentlich kommt sogar der Hinweis vom Piloten: "Wir im Cockpit bekommen ein Signal, falls ein Handy nicht ausgeschaltet ist." Das stimmt nun zwar in keinem Fall, es ist unter Umständen allenfalls möglich, dass man Handysignale in schlecht abgeschirmten Lautsprechern hört. Aber eine Ortung des Handys mit Reihe und Sitzplatz geht nicht.

Die vom Handy ausgehenden Signale können unter sehr ungünstigen Umständen das Instrumenten-Landesystem (ILS) und das GPS eines sehr alten Passagierflugzeugs stören – das haben Untersuchungen bewiesen. Aber die neueren Düsenjets haben ohnehin schon viel Elektronik an Bord, die auch gegeneinander sehr gut gegen Störsignale abgeschirmt sein muss. Zudem gibt es rings um Flughäfen überall Mobilfunkmasten mit Sendern. Diese starken Strahlungen stören die Bordelektronik auch nicht. Aber: Das Verbot gilt weiterhin, und Versuche durch die Fluggesellschaften, es zu lockern, sind bislang größtenteils im Sand verlaufen.

2. Spionagesatelliten können Gesichter und Nummerschilder erkennen

Spionagesatelliten können momentan noch keine Gesichter oder Nummernschilder erkennen.
Spionagesatelliten können momentan noch keine Gesichter oder Nummernschilder erkennen. (© 2015 Nasa)

In Hollywoodfilmen geht das immer: In einer Geheimdienstzentrale von NSA oder CIA zoomt man per Satelliten-Kamera so dicht ran, dass man Gesichter oder Nummernschilder deutlich erkennen kann. Die Geheimdienste fänden es sicher super, wenn das ginge – aber hier hat der Film die Realität eindeutig überholt. Die besten Kameras in Spionagesatelliten haben eine Auflösung von zehn Zentimetern. Das bedeutet, man kann Objekte auf der Erdoberfläche erkennen, die mindestens zehn Zentimeter groß sind oder einen Abstand von zehn Zentimetern haben. Klar ist: Für Nummernschilder und Gesichter reicht das nicht, Personen lassen sich recht gut ausmachen, aber kaum alleine durch das Bild identifizieren.

3. Fotokopierer speichern alle Kopien

Früher hätte die Antwort auf diese Behauptung klar "nein" gelautet. Kopierer funktionierten vor der Computerisierung wie eine Sofortbildkamera, bei der es pro geknipstem Bild auch nur einen Abzug gibt. Heutzutage sieht das anders aus. Besonders große Kopierer sind oft auch Drucker mit angeschlossenem Computer, der die Druckdaten vorbereitet. In Firmen ist das mittlerweile Standardausstattung. Es ist durchaus üblich, dass nicht nur Druck- sondern auch Kopierdaten auf der Festplatte eines angeschlossenen Computers landen – und dort auch bleiben, bis jemand diese Daten löscht. Oder sie sich neugierig anschaut. Kollegen können somit nicht nur sehen, was zuletzt gedruckt wurde, und diesen Druckvorgang unbemerkt wiederholen, sondern unter Umständen auch Kopien aus dem Speicher ausgraben. Experten schaffen das auch dann noch, wenn die Daten gelöscht wurden. Sensible Schriftstücke sollte man also besser nicht im Büro drucken oder kopieren.

4. Handys lösen an der Tankstelle Feuer aus

Mit der wachsenden Verbreitung von Handys um die Jahrtausendwende kam plötzlich der Verdacht auf, dass Brände an Tankstellen mit den mobilen Telefonen etwas zu tun haben könnten. Beim Tanken entsteht ein unter Umständen sehr leicht entflammbares und auch explosives Gemisch aus Treibstoff und Luft – das kann tatsächlich sehr gefährlich sein. Unter ganz bestimmten Bedingungen könnte es nun sein, dass beim Telefonieren oder beim sonstigen Benutzen eines Handys ein kleiner Funke entsteht, der dieses Gemisch entzündet. Untersuchungen der Mineralölindustrie deuten aber vielmehr darauf hin, dass die Brände durch statische Elektrizität entstanden sind. So können beispielsweise bestimmte Textilien Aufladungen verursachen. Kommt der Träger eines solchen Kleidungsstücks dann "voll geladen" mit dem Auto in Berührung, springt der Funke über. Und wenn dann eine Benzinwolke in der Nähe ist, kann daraus auch ein flammendes Inferno werden.

5. Wasser in der Mikrowelle kann explodieren

Vorsicht Mikrowelle: Wasser kann unter Umständen explodieren.
Vorsicht Mikrowelle: Wasser kann unter Umständen explodieren. (© 2015 picture-alliance / Helga Lade Fotoagentur GmbH)

In den USA soll es schon vor etwa 15 Jahren häufig zu schweren Verbrennungen durch Wasser gekommen sein, das in der Mikrowelle erhitzt wurde und dann "explodierte", als die Tasse aus dem Gerät genommen wurde. Ein junger Mann soll sich so schwer im Gesicht verletzt haben. Kann das sein? Klare Antwort: Ja – aber nur unter ganz bestimmten Bedingungen. Wenn man eine sehr saubere Tasse und klares Wasser in der Mikrowelle erhitzen will, kann es zu einem sogenannten Siedeverzug kommen. Die Mikrowellen-Strahlung heizt das Wasser auf, aber es bilden sich keine Dampfbläschen, wie beim Sieden und Kochen üblich. Nimmt man eine solche Tasse aus der Mikrowelle, kann sich die gespeicherte Energie plötzlich entladen und zu einer Art Explosion führen. Das ist zwar sehr unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Wer sich schützen will, lässt ein kleines nichtmetallisches Objekt in der Tasse - wie zum Beispiel einen Zahnstocher. Dann kocht das Wasser auf jeden Fall.

6. Der Tacho zeigt die Geschwindigkeit genauer an als das Navi

Das Navi zeigt die Geschwindigkeit genauer an als der Tacho.
Das Navi zeigt die Geschwindigkeit genauer an als der Tacho. (© 2015 TomTom)

Wer ein Navi hat, dem ist vielleicht auch schon aufgefallen, dass die dort angezeigte Geschwindigkeit sich von dem auf dem Tacho angezeigten Tempo recht stark unterscheidet. Da gesetzlich festgelegt ist, was der Tacho anzeigt, müsste der doch genauer sein? Das ist ein Irrtum, denn es ist vom Gesetzgeber in der Straßenverkehrszulassungsordnung geregelt, dass ein Tacho niemals zu wenig, gerne aber ein höheres Tempo anzeigen darf. Erlaubt ist eine Abweichung von zehn Prozent plus vier Stundenkilometer. Bei Tempo 100 dürften also maximal 114 angezeigt werden.

Derartigen Vorschriften sind die Hersteller von Navis nicht unterworfen. Deren Geräte ermitteln die Geschwindigkeit entweder herkömmlich per interner Berechnung oder aber indem sie die Satellitensignale speziell auswerten. Beide Methoden sind sehr genau und weichen um höchstens einen Stundenkilometer vom tatsächlichen Wert ab. Man muss nur eine gewisse Verzögerung bedenken, die bei der Übertragung entstehen kann. Wenn man geblitzt wird, kann man sich natürlich nicht aufs Navi berufen, das deutlich weniger Geschwindigkeit angezeigt hat – auch wenn der Wert meistens stimmt.

7. Die Teflon-Pfanne wurde wegen der Raumfahrt erfunden

Die Teflon-Pfanne wurde nicht für die Raumfahrt erfunden - was viele glauben.
Die Teflon-Pfanne wurde nicht für die Raumfahrt erfunden - was viele glauben. (© 2015 picture alliance / AP Photo)

Einer der beliebtesten Technik-Mythen: Teflon wurde angeblich für Astronauten erfunden. Ein ähnliches Gerücht hält sich hartnäckig auch in Sachen Kugelschreiber, wo ein besonderes Modell angeblich ebenfalls für die Apollo-Astronauten entwickelt wurde. Um es deutlich zu sagen: Beides stimmt absolut nicht. Schon 1938, also lange vor dem ersten Raumflug, entdeckte der US-Chemiker Roy Plunkett das Anti-Klebe-Mittel. Und 1954 dann kam die Ehefrau eines französischen Chemikers auf die Idee, Pfannen und Töpfe zu beschichten, nachdem ihr Mann seine Angelschnur damit eingerieben hatte, um diese schneller entwirren zu können.

Teflon ist ein Material, mit dem beispielsweise Pfannen beschichtet werden – es wird aber auch für Dichtungen und Lager verwendet. In entsprechend bearbeiteten Küchengeräten bleibt nichts mehr hängen. Der Kugelschreiber hingegen wurde bereits in den 30er Jahren unter anderem in Deutschland erfunden und ab 1944 in Serie gefertigt. Da man damit aber nicht in der Schwerelosigkeit schreiben konnte, wurde eine Kugelschreibermine erfunden, bei der die Tinte unter Gasdruck steht.

8. Je mehr Megapixel, desto besser die Kamera

Canon EOS 5DS und 5DS R
Die Canon EOS 5DS ist die hochauflösendste digitale Spiegelreflexkamera aller Zeiten. (© 2015 Canon)

Kamera- und Smartphone-Hersteller liefern sich einen erbitterten Wettbewerb um die Pixelkrone. Derzeit hat etwa das Nokia Lumia 1020 mit 41 Megapixeln die Nase vorn - aber da ist bestimmt noch nicht Schluss. Dabei kommt es für die Bildqualität auf die Pixelzahl hingegen kaum noch an. Mit schon sieben Megapixeln hat man ausreichend Bildinformationen, dass sich davon Poster ohne Qualitätsverlust anfertigen lassen. Eine höhere Pixelzahl auf einem zu kleinen lichtempfindlichen Chip führt dagegen häufig zu störendem Bildrauschen und anderen unerwünschten Effekten. Für die Bildqualität ist meistens die Qualität der verwendeten Linsen viel entscheidender.

9. Mobiltelefon: Mehr Balken, bessere Sprachqualität

"Wie viele Balken hast Du?" Diese oft etwas bange Frage nach der Empfangsqualität eines Handys hat weniger Bedeutung, als die meisten Handybesitzer glauben. Denn die Balken zeigen erstmal nur die Signalstärke an, mit der das Handy mit dem nächsten Mobilfunkmast verbunden ist. Ist das Signal sehr, sehr schwach, hat das natürlich Folgen für die Qualität. Aber weitaus mehr Auswirkungen hat die Anzahl der mobilen Telefone, die mit dem Mast verbunden sind. Und das zeigen die Balken eben nicht an. "Hängen" zu viele Geräte an einem Mast, bricht der Service zusammen - trotz vieler Balken auf dem Display.

10. Schnellere Prozessoren erhöhen das Computertempo

Mehr PC-Tempo durch schnelleren Prozessor? Das ist heutzutage ein Märchen.
Mehr PC-Tempo durch schnelleren Prozessor? Das ist heutzutage ein Märchen. (© 2015 Flickr/Jeff Wilcox)

Früher war die Sache klar: Je mehr Megahertz ein Prozessor hatte, desto schneller konnte der damit ausgerüstete Computer rechnen. Und heute? Das Prozessortempo hat nicht mehr die zentrale Bedeutung, zumal modernere Prozessoren für gleiche Aufgaben mehr Taktzyklen verwenden - wodurch der Takt eben auch höher sein muss. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die Aufgabe auch schneller abgewickelt wird. Aus diesem Grund ist ein Vergleich zwischen unterschiedlichen Prozessoren hinsichtlich der Taktfrequenz auch schwierig. Wer heutzutage seinen Computer schneller machen möchte, sollte besser sein Geld in eine leistungsfähige Grafikkarte oder eine Solid State Disk (SSD) stecken - das bringt beides deutlich mehr Tempogewinn als ein neuer Rechenkern.