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Flugshow: In "Icaros" verschmelzen Computerspiel und Fitnessgerät

Mit "Icaros" kann man wie "Superman" fliegen und wie "Aquaman" schwimmen. Ohne dafür das Haus zu verlassen.
Mit "Icaros" kann man wie "Superman" fliegen und wie "Aquaman" schwimmen. Ohne dafür das Haus zu verlassen.

Ein Gerät namens "Icaros" verschmilzt Computerspiel und Fitnessgerät – in dem man durch die Gegend fliegt. Und nebenbei Muskeln aufbaut, von denen man nicht mal wusste, dass man sie hat.

Von Christoph Borgans

Als ich zum ersten Mal darüber nachdenke, welche Muskeln ich eigentlich zum Fliegen brauche, bin ich der Sonne schon sehr nahe. Es ist wahnsinnig hoch. Ich steige trotzdem weiter, und obwohl ich weiß, dass das alles nur virtuell ist, werde ich leicht nervös. Dann erscheint ein Schriftzug: "Maximale Flughöhe". Ich bin etwas enttäuscht: Zur Sonne geht es also nicht. Aber immerhin: Abstürzen wie Ikarus, der Namensgeber, kann ich dann auch nicht.

Fitnessmaschine und VR-Computerspiel in einem

Ich bin in Saarbrücken und fliege. Das dortige Sportzentrum "Power-Out" hat als eines der ersten in Deutschland ein Gerät angeschafft, das "Icaros" heißt. Es ist zu gleichen Teilen Fitnessmaschine und VR-Computerspiel. Ich fliege in der virtuellen Welt, indem ich mich in der Echtwelt in einer Maschine hampelnd hin und her bewege. Mein Körper ist der Joystick.

Und der Unterarm-Plank die Grundposition – allerdings auf Knien, das ist weniger anstrengend, und das kann fast jeder. Das Gestell, auf das ich mich stütze, ist auf zwei Achsen gelagert, sodass ich nach vorn oder hinten und gleichzeitig zu den Seiten kippen kann, um meinen Flug zu steuern. "Die Grundposition kann jeder einnehmen, der gesund ist", sagt Johannes Scholl, Industriedesigner und einer der beiden Erfinder.

Komplettes Core-Workout in den virtuellen Alpen

Unter mir tauchen plötzlich die Alpen auf. Ich setze die Brille auf und sehe ein idyllisches Tal mit einem Fluss, auf dem ein Stehpaddler unterwegs ist. In der Luft große blaue Ringe. Ich drücke den Geschwindigkeitsregler in meiner Hand. Höhe und Richtung, das soll der Körper machen. Ich zappele hin und her. Und komme noch nicht mal in die Nähe der Ringe. Stattdessen gerate ich ins Trudeln, als ich versuche, nach links zu lenken. Wie kann das denn sein? Ich werfe mich im Gerät hin und her, aber ich habe die Kontrolle verloren. Der Stehpaddler ist nur noch fingernagelgroß.

Icaros fullscreen
Ein Flug über die Alpen wird mit "Icaros" zum Ganzkörpertraining.

Ich werfe meinen Körper nach vorn, indem ich meine Hüfte nach hinten schiebe, sodass ich in einem Winkel von über 30 Grad nach vorn stürze. Mein Gewicht stemme ich mit den Armen gegen die Handgriffe. Auch im Bauch spüre ich die Muskeln. Sturzflug. "Mit dem 'Icaros' kann man ein komplettes Core-Workout machen", hatte Scholl mir erklärt. Dabei trainiert man Körperstabilität und Koordination und die Muskulatur im Rumpf. Das Gerät gibt es auch für zu Hause.

Mit Walen schwimmen und die Bauchmuskeln trainieren

Nächste Runde: Ich bin unter Wasser und kurve um Felsen und Fische, als ich vor mir im trüben Wasser einen Schatten sehe. Ich erschrecke. Und zappele mich doch, durch Bauchmuskeleinsatz, näher heran. Ein riesiger Wal. Fasziniert folge ich ihm. Rechts, links, hoch, runter. Obwohl die Mechanik dieselbe ist: Tauchen kann ich besser als Fliegen. Vermutlich ist es nur Übung.

Und dann komme ich plötzlich nicht mehr von Fleck. Was mache ich denn jetzt falsch? Nichts. Die Drei-Minuten-Einheit ist um. So schnell? Ich starte sofort neu, "Icaros" macht süchtig. Schon bald habe ich genug Gefühl entwickelt und genieße das Fliegen. Obwohl ich noch immer sehr hüftsteif bin. Für den MultiplayerModus, den es auch gibt, muss ich vermutlich noch üben. Auch Wettkämpfe können dann stattfinden.

Für heute ist aber nach einer Stunde Schluss. Ich bin nämlich völlig fertig. Denn sobald man besser wird, wird das Fliegen schwerer – ähnlich wie bei einem Crosstrainer oder einem Laufband, das dann einfach automatisch in den Bergauf-Modus schaltet. Nur: So langweilig ist es eben nicht. Schließlich trifft man dort unterwegs nicht auf Wale.

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