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Grüne Welle: Forscher entwickeln "denkende" Fußgängerampeln

Wollen noch viele Menschen die Straße überqueren, verlängert die "denkende Ampel" die Grünphase einfach.
Wollen noch viele Menschen die Straße überqueren, verlängert die "denkende Ampel" die Grünphase einfach.

Manchmal ist es wie verhext: Es steht keine Menschenseele an der Straße, doch die Fußgängerampel springt auf Grün. Oder es wartet noch ein Menschenstrom darauf, die Straße zu überqueren. Doch zu schnell schaltet das Lichtsignal auf Rot. Eine innovative Fußgängerampel soll die Grünphasen clever managen.

Österreichische Wissenschaftler haben "denkende Fußgängerampeln" entwickelt, die ohne den üblichen Knopfdruck erkennen, wenn Menschen die Straßen überqueren wollen – und automatisch auf Grün umschalten. Die smarten Fußgängerampeln sollen bald testweise im Wiener Stadtgebiet zum Einsatz kommen, wie die Entwickler von der TU Graz in einer Pressemitteilung ankündigen.

Kamera und Algorithmus machen den Weg frei

Die Forscher der Technischen Universität Graz haben im Auftrag der Stadt Wien drei Jahre lang an dem neuen Ampelsystem getüftelt, dass Druckampeln langfristig ersetzen soll. Das Herzstück ist eine Kamera, die an der Ampel montiert ist. Sie erkennt alle Personen in einem Bereich von acht mal fünf Metern. Da die Bilddaten nur lokal analysiert werden, soll es keine Probleme hinsichtlich des Datenschutzes geben.

Die Informationen werden an einen Ampel-Controller weitergeleitet, der entscheidet, wann die Anzeige auf Grün umschaltet. Der Controller kommt auch beim üblichen Drucktastersystem zum Einsatz. Doch laut Horst Possegger vom Institut für Maschinelles Sehen und Darstellen an der TU Graz erkennt das neue System bis zu vier Sekunden, bevor Fußgänger üblicherweise den Ampelknopf drücken, dass jemand die Straße überqueren will. 

Vorteile für Fußgänger und Autofahrer

Das Kamerasystem soll dafür sorgen, dass sowohl Fußgänger als auch Autofahrer flüssiger durch den Verkehr gelangen. Posseger veranschaulicht das an zwei Beispielen: "Bei größeren Personengruppen kann die Grünphase automatisch verlängert werden, da diese mehr Zeit benötigen, um die Straße zu queren. Und wenn Personen den Wartebereich vorzeitig verlassen, wird das an die Ampel gemeldet. Diese leitet folglich keine Grünphase ein, und es kommt zu keinen unnötigen Wartezeiten für den motorisierten Verkehr." Bis Ende 2020 sollen die kamerabasierten Ampelsysteme an ausgewählten Standorten im Wiener Stadtgebiet installiert werden.

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