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Wie der Nike Adapt BB zum Sneaker meiner Teenager-Träume wurde

Mit dem Nike Adapt BB hat der Schuhhersteller ein altes Versprechen eingelöst. Der schnittige Basketball-Sneaker ist selbstschnürend, smart und ein hochpreisiges Lifestyle-Objekt. Warum Nike in dem Schuh aber mehr als nur Mode-Schnickschnack sieht und warum die Entwicklung des vollautomatischen Adapt ganze 30 Jahre gedauert hat, liest Du hier.

"Power-Laschen, nicht schlecht!" Als Michael J. Fox 1989 im Kino-Spektakel "Zurück in die Zukunft 2" die grau-weißen Nike Air Mag anzog, die sich vollautomatisch schnürten, war ich völlig fasziniert. Bei vielen anderen Teenagern blieben wohl eher das mystische Hoverboard oder der sagenhafte Pizza-Ofen aus dem Film in Erinnerung – als halber "Sneakerhead", also Aficionado cooler Turnschuhe, gingen mir die Basketballschuhe für Jahrzehnte aber nicht aus dem Kopf. Nun, 30 Jahre später, habe ich tatsächlich das marktreife Äquivalent dieser Treter an den Füßen, den Nike Adapt BB.

Futuristisch aber noch tragbar: Der Nike Adapt BB. fullscreen
Futuristisch aber noch tragbar: Der Nike Adapt BB.
Der smarte Schuh ist als Basketballschuh für die Halle gedacht. fullscreen
Der smarte Schuh ist als Basketballschuh für die Halle gedacht.
Futuristisch aber noch tragbar: Der Nike Adapt BB.
Der smarte Schuh ist als Basketballschuh für die Halle gedacht.

"Basketballspieler foltern ihre Füße, Tag für Tag"

Aber neben bunten Lichtern und Science-Fiction-Hokuspokus soll die selbstschnürende Technologie auch einen Sinn erfüllen: "Die Füße der meisten Athleten, die wir beobachten, sind ruiniert", so Nike-Chefdesigner Tinker Hatfield. Professionelle Basketballspieler zum Beispiel sollen ihre Senkel ihm zufolge eigentlich immer lockern, wenn sie nicht gerade auf dem Spielfeld sind. Aber das tun sie nicht – "also foltern sie ihre Füße Tag für Tag, das ist äußerst ungesund." Dieses Performance-Problem wollte Nike durch Design bewältigen.

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Verschluss über leuchtende Knöpfe oder die App: Die Nike Adapt BB.

Denn auch dem US-Schuhhersteller blieb die Idee eines selbstschnürenden Sneakers jahrzehntelang im Kopf. 1988 hatten Regisseur Robert Zemeckis und sein Team Hatfield und Mark Parker von Nike gebeten, futuristische Schuhe für "Zurück in die Zukunft 2" zu entwerfen. Mittlerweile ist Tinker Hatfield, Schöpfer der Air Jordans und des Air Max 1, Chef-Designer bei Nike, Mark Parker ist CEO des Konzerns.

Mehr als ein Gag: Tinker Hatfield und seine Zukunfts-Vision

Damals fragten die beiden sich, welche Innovationen im fernen Jahr 2015 wohl ihren Weg an die Füße von Sportlern und hippen Kids finden würden. Wie Hatfield im Interview mit Wired berichtet, entschlossen sich die Designer, den Auftrag nicht als Gag zu sehen, sondern "als wenn jemand mich gebeten hätte, Schuhe mit verbesserter Performance neu zu erfinden, und mir 30 Jahre gegeben hätte, um die entsprechende Technologie zu entwickeln."

Seine Idee: "Was wäre, wenn der Schuh tatsächlich 'zum Leben erwacht', wenn man ihn anzieht? Er würde die Form des Fußes annehmen und beginnen zu leuchten. Wäre es nicht toll, wenn Schuhe das könnten?" Das Ergebnis trug Filmfigur Marty McFly dann im fiktiven Jahr 2015 am Fuß. Tinker Hatfield erschuf nicht nur den Sneaker, er zeichnete sogar das Storyboard der gesamten Szene in "Zurück in die Zukunft 2" vor, in der Marty den Schuh anzieht und sich instinktiv zum Schnüren herunter bückt, bevor der Air Mag aufleuchtet und sich von selbst seinem Fuß anpasst.

Nike wollte den Schuh aber auch abseits von Hollywood verwirklichen. Die größte technologische Hürde, vor der das Team dabei stand, war die Stromversorgung. Beim Filmdreh 1989 wurden die Lichter des Air Mag von einem dicken Batterie-Pack versorgt, die Schnürsenkel wurden von der Special-Effect-Crew per Kabelzug gespannt. Noch 2007 musste ein Prototyp ständig von der Steckdose versorgt werden, damit der Verschluss funktionierte. Erst viele Jahre später wurde unter der Leitung von Ingenieurin Tiffany Beers der Nike HyperAdapt 1.0 realisiert. Ein funktionierender Selbstschnürer – zum exklusiven Preis von etwa 700 Euro.

Von der Replik zum Straßenschuh: Ein steiniger Weg

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Der Nike Adapt BB ist für 350 Euro exklusiv über Nike erhältlich – aber bereits ausverkauft.

In der Zwischenzeit, genauer gesagt im Jahr 2011, hatte Nike ein Replika-Modell des "Zurück in die Zukunft 2"-Schuhs veröffentlicht – ohne Lichter und ohne Schnür-Technologie. Die limitierte Edition wurde zugunsten der Michael J. Fox Stiftung für Parkinson-Forschung teuer versteigert. Aber sie feuerte die Gerüchte über ein funktionierendes Modell weiter an, die durch ein entsprechendes Patent von 2008 entstanden waren.

Während des NBA All Star Wochenendes Anfang 2014 verkündete Tinker Hatfield dann vor der Presse überraschend, dass Nike 2015 wirklich einen selbstschürenden Sneaker veröffentlichen würde – in dem Jahr, in dem der Film spielte! Leider hatte der Chef-Designer sich vorher nicht mit Beers und ihrem Team abgesprochen. Daraufhin schloss sie sich mit ihren Ingenieuren in ein Labor bei Nike ein und arbeitete rastlos an dem Projekt. Das Resultat: 2015 wurde ein voll funktionierender Schuh präsentiert, von dem 2016 nur 89 Paar (in Anlehnung an das Release-Jahr des Kinofilms) versteigert wurden.

Ende 2016 erschien der Nike HyperAdapt 1.0, der Vorgänger des Adapt BB. Der nun veröffentlichte neue Schuh ist deutlich leichter und smarter als das erste Modell. Und auch etwas weniger futuristisch im Design, was ihn noch tragbarer erscheinen lässt. Per Smartphone-App lassen sich Schnürung und Beleuchtung der Knöpfe verstellen – und Firmware-Updates installieren. Das klingt zwar seltsam, ist ersten Meldungen zufolge aber durchaus mal nötig.

Futuristischer Style, nostalgische Erinnerungen

Da ist er nun also, der Schuh meiner Teenager-Träume. Das Paar Nike Adapt BB, das man mir leihweise zur Verfügung stellte, trug sich sehr bequem. Der surrende Ton beim Verschluss der Sneaker ist gewöhnungsbedürftig, aber er klingt fast wie im Film. Aufgeladen werden die Schuhe auf einer mitgelieferten Plattform kabellos per Qi-Technologie. Auch das Design der zugehörigen App hat mich überzeugt. Ich hatte zwar beim Bluetooth-Pairing mit dem iPhone ein paar Startschwierigkeiten, aber dann funktionierte alles zufriedenstellend.

Aber ich bin kein Basketball-Spieler, mir gefallen die Adapt BB in erster Linie als Innovations-Produkt und Design-Beispiel. Ob Entwicklungen dieser Art auf dem Schuhmarkt wirklich Sinn ergeben, kann eher ein Orthopäde beurteilen als ich. Und klar, 350 Euro sind sehr viel Geld für ein Paar Turnschuhe. Wer sich aber als "Sneakerhead" oder "Zurück in die Zukunft"-Fan nach den selbstschnürenden Schuhen die Finger leckt, dem kann ich berichten: Sie sind der Hammer.

Timeline

  • 1989 – Die Nike Air Mag werden in "Zurück in die Zukunft 2" erstmals gezeigt
  • 2008 – Nike reicht das Patent 8.046.937 für automatische Schnürung ein
  • 2011 – Nicht funktionstüchtige Repliken der Film-Schuhe werden zu Gunsten der Michael J. Fox Stiftung versteigert
  • 2015 – Michael J. Fox präsentiert funktionierende Nike Air Mag im TV
  • 2016 – 89 Paar des Schuhs werden zu Gunsten der Michael J. Fox Stiftung versteigert
  • 2016 – Ende des Jahres erscheint der Nike HyperAdapt 1.0 zum Preis von etwa 700 Euro
  • 2019 – Der Nike Adapt BB erscheint (und ist augenblicklich ausverkauft)

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