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"Meditation so leicht wie Musikhören": Die Sonamedic-App im Test

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sonamedic app Bild: © Sonamedic 2020

Calm, Headspace, 7Mind und viele mehr: Möchtest Du eine Meditations-App herunterladen, gibt es eine Vielzahl von Angeboten. Das deutsche Start-up Sonamedic schickt eine eigene Anwendung zum Entspannen ins Rennen, die gleichnamige App will sich durch sogenannte binaurale Beats von der Konkurrenz abheben. Ich habe sie unter die Lupe genommen.

Für mich besonders interessant: Der Hersteller verspricht, dass seine Methode bei Meditations-Einsteigern schnell eine positive Wirkung entfaltet. Ein absoluter Neuling bin ich zwar nicht mehr, aber mir fällt es mitunter schwer, in die Meditation zu finden. Deshalb spricht es mich besonders an, wenn Sonamedic damit wirbt, dass mit der App Meditation "so leicht wie Musikhören" sei.

Meditations-App: Übersichtlich und harmonisch gestaltet

Der Aufbau der App ist übersichtlich, die Inhalte sind auf einem Dashboard organisiert. Hier gibt es eine kleine Einführung und die Bereiche "Entspannung", "Produktivität", "Stressabbau", "Gesundheit" und "Schlafförderung" mit je einer kostenlosen Meditation von rund zehn Minuten Dauer.

Das ist im Vergleich zu anderen Apps etwas mager. Meist ist bei der Konkurrenz ein einwöchiger Grundlagenkurs auch ohne Abo enthalten. Bei Abschluss eines Abos ist das Angebot der Sonamedic-App umfangreicher. Es gibt dann pro Bereich 14 bis 21 Meditationen, die thematisch in Playlisten wie "Inneres Gleichgewicht" und "Motivation" zusammengefasst sind.

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Die Sonamedic-App ist übersichtlich aufgebaut. Bild: © mahod84 / Adobe Stock / Sonamedic 2020

Die Meditationen und Klangreisen sind sehr harmonisch gestaltet. Sie kombinieren eine angenehme Erzählerstimme mit einer passenden musikalischen Untermalung, so wie ich es aus anderen Apps kenne. Der Besonderheit bei Sonamedic, dass für die Musik binaurale Beats zum Einsatz kommen, ist nicht auf Anhieb hörbar. Höchste Zeit, in Erfahrung zu bringen, was eigentlich dahintersteckt!

Der eingebildete Ton: Was sind binaurale Beats?

Binaurale Beats entstehen, wenn auf dem linken und rechten Ohr gleichzeitig Töne in leicht unterschiedlichen Tonhöhen abgespielt werden. Das klappt am besten über Kopfhörer. Um den Unterschied auszugleichen, bildet das Gehirn einen pulsierenden Ton, der einen Mittelwert aus den beiden Frequenzen bildet. Das sind die binauralen Beats.

Ein Beispiel: Auf der linken Seite wird ein Ton mit einer Frequenz von 440 Hertz abgespielt, rechts ein Ton mit 430 Hertz. Daraus erschafft das Gehirn einen Ton mit dem Mittelwert von 435 Hertz. Dieser "eingebildete Ton" ist jedoch eine akustische Täuschung und für niemand anderen hörbar. Ein binauraler Ton entsteht zudem nur, wenn der Unterschied zwischen den Tönen, die links und rechts abgespielt werden, nicht mehr als 30 Hertz beträgt.

Der deutsche Physiker und Meteorologe Heinrich Wilhelm Dove entdeckte die binauralen Beats bereits 1839. Verschiedene Studien belegen laut Sonamedic ihre positive Wirkung auf die Gesundheit.

Sonamedic nutzt die Beats als Klangtherapie, um die Gehirnwellen auf positive Weise zu stimulieren und damit Entspannung, Schlaf und Konzentration zu fördern. Zur Erzeugung der Beats setzt die App Sinustöne ein. Sie klingen für sich allein wie ein durchgängiges Piepen und sind damit nicht sehr entspannend. Aus diesem Grund sind die binauralen Beats in den Meditationen mit Naturgeräuschen und/oder musikalischen Kompositionen unterlegt.

Brummend zu Entspannung?

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Binaurale Beats sollen das Wohlbefinden steigern. Bild: © Sonamedic 2020

Das klingt vielversprechend. Also habe ich mir die Kopfhörer aufgesetzt und mir verschiedene Meditationen in der App angehört. Die ernüchternde Nachricht zu Beginn: Ich habe die binauralen Beats zunächst nicht wahrgenommen. Aber das soll man ja auch nicht. Musik, Naturgeräusche und Erzählerstimme überlagern den Ton. Da die Entwickler offenbar vorausgesehen haben, dass einige Nutzer den Ton dennoch hören möchten, haben sie vorgesorgt:

Du kannst bei jeder Meditation auswählen, ob Du sie normal mit Sprache und Musik, nur mit Musik oder nur mit Sprache abspielen möchtest. Nur mit Sprache bedeutet, Du hörst nur den Sprecher und die binauralen Beats. Ich musste mich etwas konzentrieren, bis ich den Ton hören konnte. Er ist sehr viel dezenter, als ich es erwartet hatte. Laut der Sonamedic-Macher nimmt jeder Mensch die binauralen Beats anders wahr: entweder gar nicht oder in Form eines Brummtons. Ich nehme eine Art Schwingung wahr, die mir nach einer Weile etwas unangenehm ist. Es ergibt also Sinn, die binauralen Beats in den geführten Meditationen mit Musik einzubetten.

Sonamedic-App: Besser als die Konkurrenz?

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Binaurale Beats sollen es möglich machen. Bild: © Sonamedic 2020

"Meditation – So leicht wie Musikhören" – das stellt die Meditations-App in Aussicht. Doch kann sie dieses Versprechen erfüllen? Das ist schwer zu beantworten. Die Meditation hat in meinem Fall weder besser noch schlechter geklappt als mit vergleichbaren Apps ohne binaurale Beats. Oder sagen wir es so: Ich habe zumindest bewusst keinen Unterschied wahrgenommen. Wie ich es aus meiner Erfahrung kenne, klappt die Meditation mal besser, mal schlechter, je nach Tagesform, äußeren Faktoren und was sonst reinspielen kann. Das ist eine sehr individuelle Sache. Möglicherweise entfalten die binauralen Beats auch erst ihre volle Wirkung, wenn man sie längere Zeit hört.

Fest steht, dass die Mischung aus Meditationen, Musik und Erzählstimmen bei Sonamedic sehr gelungen ist und beim Entspannen und Fokussieren helfen kann. Das Start-up aus dem Schwarzwald kann es qualitativ mühelos mit der Konkurrenz wie etwa der App Calm aus den USA aufnehmen. Beim Umfang gibt es Luft nach oben, doch der vorhandene Content ist solide und soll stetig erweitert werden.

Fazit: Einen Versuch wert

Ich finde den Ansatz der Sonamedic-Macher mit der Einbindung von binauralen Beats in Meditationen sehr gelungen. Alles, was zu mehr Entschleunigung und Entspannung beiträgt, ist gut. Bei mir hat die Anwendung ähnlich gut funktioniert wie herkömmliche Meditations-Apps. Es ist leider schwierig, die Wirkung der binauralen Beats zu bewerten. Auch wenn sie nicht enthalten wären, wäre ich von der App sehr angetan. Sie paart ein schönes, schlichtes Design mit gelungenen Meditationen. Wie bei der Konkurrenz lohnt sich die App jedoch erst richtig, wenn Du ein Abo abschließt.

Verfügbarkeit
Die Sonamedic-App gibt kostenlos für iOS im App-Store und für Android bei Google Play. Der volle Umfang der Anwendung ist nur über ein kostenpflichtiges Abo verfügbar. Es kostet 9,99 monatlich, 24,99 vierteljährlich oder 74,99 Euro im Jahr.
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