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Warum Wetter-Apps so unterschiedlich sind: Unser großer Check

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Besser den Schirm mitnehmen auf den Spaziergang? Wetter-Apps beantworten Dir solche Fragen im Alltag. Bild: © TURN ON 2020

Wie wird das Wetter am Wochenende? Die Wetter-App auf dem Handy soll es verraten. Doch beim Gespräch mit Freunden oder Familie heißt es meist: "Meine App sagt was anderes." Wie kann das sein? Wir haben mal nachgeforscht, wie Wetter-Apps funktionieren – und fünf der beliebtesten miteinander verglichen.

Text: Vera Bauer; Mitarbeit: Christin Ehlers

Wie funktionieren Wetter-Apps?

Um zu verstehen, wie Wetter-Apps funktionieren, ist die Art der Datenerhebung besonders wichtig. Die meisten Apps erhalten ihre Werte über bestimmte Wettermodelle. Diese sind notwendig, um eine lokale Prognose für Deinen Standort zu berechnen. In den Modellen wird eine Art Netz über die Weltkarte gespannt. Je enger dessen Maschen, desto feiner können die Modelle das Wetter vorhersagen.

Zwei dieser Wettermodelle sind gängig: das GFS- und das ICON-Modell.

Das GFS-Modell, kurz für Global Forecast System, kommt hauptsächlich in den USA zum Einsatz. Die Daten erhebt der dortige National Weather Service (NWS) und stellt sie kostenfrei zur Verfügung. Kostenlose Wetter-Apps arbeiten daher oft mit diesen Daten. Hierbei handelt es sich um eine sogenannte numerische Wettervorhersage. Das bedeutet, dass die Datenerhebung rechnergestützt geschieht. Dazu wird die Landkarte in Raster unterteilt, um physikalische Werte wie Dichte, Luftdruck, Temperatur oder Windrichtung zu erfassen.

Im Gegensatz dazu steht das deutsche Wettermodell ICON – eine Abkürzung für "ikosaedrisch nicht-hydrostatisch". Es wurde vom Deutschen Wetterdienst (DWD) mitentwickelt. Das Modell unterteilt Europa in kleinere Raster von etwa sieben Kilometern. Für Deutschland sind es sogar nur zwei bis drei Kilometer pro Masche, so DWD-Pressesprecher Uwe Kirsche im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Damit ist ICON genauer als das amerikanische Wettermodell. Allerdings hat es einen Haken: Um die Daten zu nutzen, müssen App-Anbieter zahlen.

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Wetter macht Spaß! Unser App-Check war ziemlich lehrreich für mich. Bild: © TURN ON 2020

Welche Daten werden für eine gute Vorhersage benötigt?

Viele Anbieter von Wetter-Apps optimieren ihre Vorhersagen,  indem sie mehrere Datensätze zu verwenden. Eine gute Wettervorhersage kommt durch das Zusammenwirken verschiedener Komponenten zustande:

  • Präzise Computermodelle spannen ein engmaschiges Beobachtungsnetz auf.
  • Wettersatelliten liefern Werte wie die Temperatur und Feuchtigkeit der Atmosphäre sowie die Verteilung und Bewegung der Wolken.
  • Erfahrene Meteorologen lesen aus den verschiedenen Daten die Geschwindigkeit und Richtung des Windes ab.
  • Außerdem übermitteln mittlerweile zahlreiche Handelsschiffe, Bojen und Verkehrsflugzeuge meteorologische
    Daten an die Wetterdienste.

Seriös vorhersagen können die besseren Apps allgemeine Wetter-Entwicklungen drei bis fünf Tage vorher, heißt es in einem Artikel des Stern.

5 Wetter-Apps: Mein Check

Meteorologische Datenanalysen sind eine spannende Sache. Aber was bedeutet das ganz konkret? Welche Apps helfen uns in Alltag, Urlaub und Co. am meisten? Ich habe mir fünf der beliebtesten Wetter-Apps in Deutschland rund eine Woche lang genauer angeschaut – und beim Test unsere Erkenntnisse aus der obigen Funktionsanalyse der Apps mit einbezogen.

Folgende Wetter-Apps umfasst der Test:

  1. WarnWetter
  2. WetterOnline
  3. WeatherPro
  4. Wetter.de
  5. CarrotWeather

1. WarnWetter

Mit der WarnWetter-App kommt eine Anwendung direkt vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Die App arbeitet mit dem ICON-Modell, verspricht also eine hohe Genauigkeit für unsere westeuropäischen Gefilde. In erster Linie informiert sie dem Namen gemäß über Stürme, Gewitter, Hitzewellen und ähnliche Wetterphänomene. Aber die Karte zeigt – gegen Aufpreis – auch Prognosen für Temperatur, Niederschlag, Windgeschwindigkeit und Wolken an.

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Die WarnWetter-App befasst sich passend zum Namen vor allem mit Wetterwarnungen. Bild: © TURN ON 2020

Das Design dieser Wetter-App ist eher puristisch. Immerhin die Startseite kannst Du selbst einrichten. So lassen sich verschiedene Informationen als Kachel anzeigen, je nachdem, welche Daten für Dich wichtig sind. Auf einer Wetterwarn-Karte werden Unwetter und Stürme deutschlandweit dargestellt.

Warnlagen zu allen Bundesländern gibt es im Textformat, für verschiedene Standorte kannst Du Dir genauere Berichte ansehen. Wenn ein Unwetter naht, informiert die App auch als Push-Nachricht und es gibt obendrein Warnungen in einem schön aufbereiteten YouTube-Video zum Ansehen.

  • Name: WarnWetter
  • Herausgeber: Deutscher Wetterdienst
  • Wettermodell: ICON
  • Verfügbar füriOS und Android
  • Preis: Kostenlos (nur WarnWetter) / 1,99 Euro (weitere Wetterkarten)

Einschätzung: Eine genaue App für echte Hobby-Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst. Für mich eine super Wahl.

2. WetterOnline

WetterOnline ist eine beliebte Website für Wettervorhersagen – und auch als App verfügbar. Daten bezieht die Anwendung über das ICON-Modell, das gerade für Deutschland genaue Informationen liefert. In unserem Test haben die Vorhersagen entsprechend gut zu unseren Beobachtungen gepasst.

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WetterOnline hat einen simplen Aufbau und lieferte im Test zuverlässige Informationen. Bild: © TURN ON 2020

Beim Design der App hätten sich die Entwickler ebenso viel Mühe geben können. Sie ist zwar einfach aufgebaut, da alle Informationen über den Startbildschirm erreichbar sind, jedoch optisch nicht besonders ansprechend.

Ein Wetterradar zeigt eine Deutschlandkarte, auf der Du die Wolkenbewegungen nachvollziehen kannst. Dazu gibt es eine mehrtägige Vorhersage, Informationen zum Pollenflug und die aktuelle Wetterlage von in der Nähe gelegenen Seen. Die Premium-Version der App kostet monatlich 0,99 Euro. Dafür kannst Du die Startseite individualisieren und die Werbung der Gratis-Version entfällt.

  • Name: WetterOnline
  • Herausgeber: WetterOnline GmbH
  • Wettermodell: ICON
  • Verfügbar füriOS und Android
  • Preis: Kostenlos mit Werbung / 0,99 Euro monatlich (ohne Werbung, mit Optionen zur Individualisierung des Startbildschirms)

Einschätzung: Eine App für Wetterfrösche, denen Genauigkeit wichtiger ist als cooles App-Design.

3. WeatherPro

Die Wetter-App WeatherPro wird von dem weltweit agierenden Unternehmen Meteogroup aus England mitentwickelt. Die Meteogroup bekommt ihre Daten laut eigenen Angaben von staatlichen Wetterstationen wie den USA (Wettermodell GFS) oder dem Vereinigten Königreich (Wettermodell UKMO, kurz für United Kingdom Model), dem European Centre for Medium-Range Weather Forecasts (ECMWF) – aber auch von privaten Wetterstationen. Wer beispielsweise eine Netatmo-Wetterstation nutzt, kann die WeatherPro-App mit dieser verbinden und die Daten an die Meteogroup senden.

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Bei WeatherPro kannst Du Deine Netatmo-Wetterstation registrieren. Bild: © TURN ON 2020

Leider empfinde ich die Gestaltung der Anwendung als unübersichtlich und dadurch nicht sehr intuitiv. Es gibt ein Dashboard mit Wetterprognosen und Regenradar sowie einsehbare Wetterdaten zu Temperatur, Wind, Luftdruck und Regen. Eine Satellitenkarte zeigt, wie sich das Wetter entwickelt.

Die App bietet Warnungen vor extremen Unwettern und als Android-Nutzer kannst Du Dir ein Wetter-Widget auf Deinem Smartphone konfigurieren. Es gibt WeatherPro gratis und als Premium-Version, die monatlich 0,99 Euro kostet und dafür keine Werbung enthält.

  • Name: WeatherPro
  • Herausgeber: Meteogroup
  • Wettermodell: GFS u. a.
  • Verfügbar füriOS und Android
  • Preis: Kostenlos mit Werbung  (WeatherPro Lite) / 0,99 Euro monatlich ohne Werbung (WeatherPro Premium)

Einschätzung: Eine App für Globetrotter, die Daten aus der ganzen Welt erhält. Von der Bedienung aber nicht besonders intuitiv.

4. Wetter.de

Die Daten der App Wetter.de stammen von der Firma Meteomatics, die sich nach eigenen Angaben unter anderem auf die Wetteranalyse mittels Drohnen spezialisiert. Die App ist übersichtlich gestaltet – auf dem Startbildschirm ist direkt ein Livebild des aktuellen Wetters zu sehen. Eine Tagesübersicht gibt Auskunft über die wichtigsten Wetterparameter. Schön ist auch eine Deutschlandkarte, die den Verlauf des Regens anzeigt. Insgesamt hat mir das Design mit am meisten zugesagt.

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Die Darstellung des Wetters erfolgt auch per Livebild auf der Startseite. Bild: © TURN ON 2020

Für den Android-Startbildschirm stehen gleich sechs Widgets zur Auswahl. Eine Besonderheit der App sind die verschiedenen Profile, die der Nutzer anlegen kann. Über diese erfährst Du nicht nur, welche Pflanzenpollen gerade umherfliegen, sondern beispielsweise auch, ob aktuell gutes Grillwetter ist – nützliche Funktionen für Allergiker und Grillfans. Die App ist kostenlos erhältlich, erhält aber nicht abschaltbare Werbung.

  • Name: Wetter.de
  • Herausgeber: RTL interactive GmbH
  • Wettermodell: Meteomatics
  • Verfügbar füriOS und Android
  • Preis: Kostenlos

Einschätzung: Eine umfangreiche App für verschiedene Zielgruppen wie Pollen-Allergiker – kostenlos obendrein.

5. CarrotWeather

Normale Wetter-Darstellung kann ja jeder – das dürften sich die Entwickler von CarrotWeather gedacht haben. Dies ist die etwas andere Wetter-App in unserem Check. Sie präsentiert Dir das Wetter mit einer Prise schwarzem Humor und einem großen Löffel besonderer Features.

Die Daten für die Prognose des Wetters holt sich CarrotWeather von Dark Sky, einem amerikanischen Unternehmen, das zu Apple gehört und sich auf die Sammlung von Wetterdaten aus verschiedenen Quellen spezialisiert hat. Es werden professionelle und private Wetterstationen wie Netatmo genutzt. Laut eigenen Angaben nutzt Dark Sky sowohl das deutsche Wettermodell ICON als auch das amerikanische GFS – und viele weitere.

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CarrotWeather: Diese Wetter-App bringt eine Prise Humor mit.

Sämtliche Informationen zum Wetter findest Du auf der Startseite, zusätzliche Informationen sind in verschiedenen Grafiken dargestellt. Hier bekommst Du einen ersten Vorgeschmack von der Besonderheit der App. Im oberen Drittel stellen zum Beispiel kleine Figuren das aktuelle Wetter dar: Regnet es, tragen sie Schirme mit sich. Scheint die Sonne, springen und tanzen sie.

Die Darstellung der Wetter-Daten ist bei der App jedoch zweitrangig. Vielmehr steht bei CarrotWeather die Persönlichkeit der Anwendung im Vordergrund. Als Nutzer hast Du die Möglichkeit, fünf verschiedene Stufen auszuwählen, welche die Art des Humors festlegen. Je nach Stufe versorgt Dich die App mit derben Sprüchen oder harmlos lustigem Vokabular. Bei jedem App-Start begrüßt Dich die App mit einem neuen Spruch und Du kannst sogar eine politische Meinung einstellen, um verbal abgewatscht zu werden.

Die außergewöhnlichen Features machen sich auch im Preis bemerkbar: Mit 5,49 Euro ist die englischsprachige App die teuerste in unserem Test. Für weitere Features wie mehr Kartenschichten, ausführlichere Studendaten oder Karten für die Apple Watch bietet CarrotWeather drei unterschiedliche Abo-Modelle an, die monatlich zwischen 0,99 Euro und 8,49 Euro kosten oder aber im Jahr zwischen 4,99 Euro und 32,99 Euro.

  • Name: CarrotWeather
  • Herausgeber: Grailr LLC
  • Wettermodell: ICON, GFS u. a.
  • Verfügbar füriOS und Android
  • Preis: 5,49 Euro, optionale Abo-Modelle

Einschätzung: Superlustige und genaue Wetter-App – wenn auch nicht ganz günstig im Anschaffungspreis.

Welche App ist empfehlenswert?

Die eine beste Wetter-App gibt es nicht. Oft beziehen viele Apps ihre Daten aus ähnlichen Quellen, einige Anwendungen sind in der Darstellung bestimmter Parameter stärker als andere.

Mir persönlich haben die WarnWetter- und die Wetter.de-App am meisten zugesagt. WarnWetter kommt direkt vom Deutschen Wetterdienst, ist also sehr verlässlich, und kostet anders als einige andere Apps nur eine einmalige Gebühr, keine monatliche.

Bei Wetter.de haben mir vor allem Design und Aufbau gefallen. Die App macht auch ohne direkte Unterstützung des DWD gute Vorhersagen und ist zudem kostenlos. Die Werbeanzeigen kann ich dafür in Kauf nehmen.

Für die etwas andere Wettervorhersage sorgt CarrotWeather. Neben den genauen Vorhersagen steht vor allem der besondere Humor im Vordergrund. Zusammen mit den verschiedenen Abo-Modellen ist diese App aber auch mit Abstand die teuerste in unserem Test.

Die Apps WetterOnline und WeatherPro arbeiten keinesfalls schlecht, sie lagen mit ihren Voraussagen oft richtig. Jedoch sagt mir persönlich das App-Design jeweils nicht besonders zu. Letztlich ist die Wahl der App auch ein Stück weit Geschmacksache, was Dein ästhetisches Empfinden angeht.

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Ich nutze die Apps WarnWetter und Wetter.de – damit ich immer weiß, was da auf mich zukommt. Bild: © TURN ON 2020
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