Von wegen besinnlich! So geht Weihnachtsbeleuchtung 2.0

Rock statt Weihnachtslieder, ein Lichtermeer statt Kerzen: So abgefahren können Heimdekorationen zu Weihnachten sein.
Rock statt Weihnachtslieder, ein Lichtermeer statt Kerzen: So abgefahren können Heimdekorationen zu Weihnachten sein. (©can72/iStock/Thinkstock 2017)
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Weihnachten ist für die meisten von uns die Zeit der Einkehr und Besinnlichkeit. Es geht aber auch anders: Vor allem in den USA entbrennt jedes Jahr aufs Neue der Wettstreit, wer sein Haus mit der grellsten, lautesten und verrücktesten Dekoration schmückt – oder verschandelt.

Im Kalauer-Klassiker "Schöne Bescherung" aus dem Jahr 1989 gibt es die lustige Szene, in der Papa Griswold, gespielt von Chevy Chase, mit seinem absurd protzig beleuchteten Haus einen Stromausfall in der gesamten Nachbarschaft verursacht.

Klar: Die dargestellte Situation ist natürlich heillos übertrieben. Aber ein Körnchen Wahrheit steckt doch drin, denn vor allem die Amerikaner sind berüchtigt dafür, jedes Jahr zu Weihnachten regelrechte Materialschlachten zu veranstalten: Wer hat die grellere, lautere, teurere Deko am Eigenheim? Das Rennen um die Kitsch-Krone treibt bisweilen bizarre Blüten. Wir stellen ein paar der irrsten Weihnachtsdekorationen vor.

Weihnachtsdeko-Wahn: Deutschland spart lieber

Der Drang, sich gegenseitig zu überbieten, ist hierzulande nicht so extrem ausgeprägt. Schätzungen von Stromanbieter Lichtblick zufolge, verbrauchen die Deutschen im Jahr 2017 dennoch immerhin 660 Millionen Kilowattstunden für die Weihnachtsbeleuchtung – soviel wie der Jahresverbrauch einer Großstadt mit über 200.000 Einwohnern. Die Tendenz zum Stromsparen scheint sich hier nicht durchgesetzt zu haben.

Im Trend liegen jedoch eindeutig immer stärker energieeffiziente LED-Beleuchtungen sowie Fernbedienungen und Timer, mit denen man die Beleuchtungszeiten exakt regulieren kann. In den USA hält man sich mit solchen kleinlichen Erbsenzählereien nur ungern auf: Die Seite House Logic hat mal ein paar Rechenbeispiele von besonders krassen Stromverbrauchern zur Weihnachtszeit aufgestellt. Die Inbetriebnahme von einer Million Glühlampen über einen Zeitraum von einem Monat werde eine Familie in Delaware demnach unfassbare 82.320 US-Dollar kosten.

1. Imperiale Weihnachts-Lightshow mit Dubstep-Remix des Darth-Vader-Marschs

Familie Johnson aus San Antonio im US-Bundesstaat Texas hat sich nicht nur eine beeindruckende Lichter-Show ans Haus genagelt, sondern das grelle Spektakel auch mit einer Dubstep-Untermalung des imperialen Marschs aus "Star Wars" vertont. Die ganze Show dauert drei Minuten und ist vollgestopft mit optischen Effekt-Leckerbissen. Natürlich haben die Lichtzauberer auch eine eigene Homepage, auf der sie ihre jährlichen Projekte ausführlich vorstellen.

2. Lightshow bringt Bäume zum Strahlen

Auch die Familie Carter aus Austin, Minnesota bringt jährlich eine aufsehenerregende Lichtinstallation an ihrem Haus an. Besucher ihrer Nachbarschaft können zu den zwei Songs "Carol of the Bells" von Pentatonix und "Wonderful Christmas Time" von Demi Lovato eine Lichtshow erleben, die selbst die Bäume des Anwesens in allen Farben leuchten lässt. Die Carters wollen damit zur Weihnachtsfreude in ihrer Community beitragen, heißt es auf ihrer offiziellen WebsiteUnd einem guten Zweck dient sie auch noch: Jedes Jahr sind die Besucher dazu angehalten, an eine Hilfseinrichtung in Minnesota zu spenden. Zu sehen ist das Spektakel von Mitte November bis zum 31. Dezember. 

3. Konzertfeeling mit singendem Weihnachtsmann im Vorgarten

Da steht nicht nur jedem Kind vor Staunen der Mund offen: Ein findiger Bastler aus Sherman Oaks in Kalifornien hat in seinem Vorgarten die Weihnachtsbeleuchtung mit animierten, singenden Weihnachtsmännern und anderen Figuren kombiniert – das Resultat: eine Show mit Gänsehautfeeling, die sich auch gut am Broadway sehen lassen könnte. Alles, was zum Glück von Licht-Dramaturg Mike Ziemkowski fehlt, ist echter Schnee. Den kann der innovative Bastler nämlich leider nicht in die warmen Winter von Kalifornien zaubern.

4. Schulbus mit einer Million Weihnachtslichtern

In die Kategorie "Wieso nicht?" fällt diese Installation. Statt ein Haus hat der amerikanische Social-Media-Star Logan Paul mit seinen Kumpels einen Schulbus mit Weihnachtslichtern bestückt – und zwar ganzen 1.000.000 Lämpchen. Wem die jugendlichen Hipster doch etwas zu überdreht sind, spult bis zur Minute 8:13 vor, wenn der Bus in voller Pracht erstrahlt. Denn ganz im Ernst, beim Beobachten der Chaostruppe mit ihren unzähligen Slapstickeinlagen geht jede Besinnlichkeit flöten.

5. Hard Rock Christmas mit AC/DC

Wer es zu Weihnachten gerne ruhig und gemütlich hat, der hält sich jetzt besser die Ohren zu. Chris Callahan erfreut seine Nachbarschaft nicht nur mit festlicher Beleuchtung, sondern untermalt das Schauspiel mit dem AC/DC-Klassiker "Raining Blood". Das ist sicherlich auch eine augenzwinkernde Provokation – aber gar nicht mal so abstrus: Immerhin ist Brian Johnson, der Frontsänger der australischen Hard-Rock-Band, früher im Kirchenchor aufgetreten.

6. Der sexy Weihnachtsmann dreht auf

Überhaupt scheint bei den Fans von Weihnachtsbeleuchtungen festtagsfremde Musik hoch im Kurs zu stehen. Auch Electro- und Hip-Hop-Fans ist festlich zumute und ihnen wird anscheinend richtig warm ums musikalische Herz, wenn es um die Weihnachtsbeleuchtung geht. Ein LMFAO-Fan hat "Sexy and I Know It" in eine Lichtorgie gewidmet. Dazu hat der Bastler nach eigenen Angaben 125.000 Lichter und fast fünf Kilometer an Verlängerungskabel verbaut. Nach 700 Stunden Arbeitseinsatz ist diese Beleuchtung alles – nur nicht besinnlich.

7. Über 500.000 Lichter in Deutschland

So ganz können sich deutsche Weihnachtsfans der blinkenden Pracht aber doch nicht entziehen. Rolf Vogt aus Calle schmückt seit 18 Jahren sein Eigenheim, mittlerweile verbaut er unglaubliche 535.000 Lampen und damit etwa 20.000 mehr als noch 2016. Neu sind dieses Jahr laut Kreiszeitung unter anderem ein beleuchtetes Weihnachtsdorf sowie ein Rentierschlitten. Um die Stromkosten zu decken, veranstaltet die Familie direkt am Haus einen kleinen Weihnachtsmarkt. Lohn der Mühen: Dank seiner beeindruckenden Dekoration wohnt Rolf Vogt im größten privaten Weihnachtshaus Deutschlands, wenn nicht gar Europas.

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