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Apple-Mitarbeiter rechnen ab: Darum wurde Siri zu einem Desaster

Siri entwickelte sich vom Hoffnungsträger zu einem großen Problem für Apple.
Siri entwickelte sich vom Hoffnungsträger zu einem großen Problem für Apple. (©picture alliance / dpa Themendienst 2018)

Anfänglich als fortschrittliche Technologie gehandelt, hat sich Sprachassistent Siri mittlerweile zu einem echten Problem für Apple entwickelt. Vor allem interne Abstimmungsschwierigkeiten hätten dafür gesorgt, dass Siri den Anschluss an Alexa und Co. verloren habe, behaupten ehemalige Siri-Entwickler.

Die Seite The Information führte mehrere Interviews mit ehemaligen Angestellten des iPhone-Herstellers, meldet MacRumors. Darin ging es vor allem auch um die Frage, wie Siri den Anschluss an Alexa, Google Assistant und Co. verlieren konnte, obwohl Apple seine künstliche Intelligenz doch deutlich früher an den Start brachte als die großen Konkurrenten. Der erste gravierende Fehler von Apple sei etwa die Einführung von Siri auf dem iPhone 4s gewesen, als der Sprachassistent längst noch nicht reif für einen großen Rollout gewesen sei – worüber es Apple-intern kontroverse Debatten gegeben habe.

Entwickler stritten sich darüber, wie die perfekte Siri aussehen sollte

Zudem sei Siri von mehreren unterschiedlichen Teams entwickelt worden, die sich selbst völlig uneins darüber waren, wie die perfekte Siri aussehen sollte. Scott Forstall, der damalige Kopf hinter iOS, sollte die Entwicklung von Siri leiten, wurde aber durch andere große Projekte zu sehr eingespannt, etwa die Einführung von Apple Maps. Die Leitung übernehmen musste deswegen Richard Williamson, der ebenfalls am Projekt Apple Maps beteiligt war.

Siri sollte neue Features nur einmal im Jahr bekommen

Einige Siri-Entwickler seien mit den Entscheidungen von Williamson aber nicht einverstanden gewesen, etwa den Entschluss, Siri nur einmal im Jahr mit neuen Features zu versehen. In einem Statement gegenüber The Information wies Williamson die Behauptung als "völlig falsch" zurück, er sei gegen eine kontinuierliche Verbesserung des Sprachassistenten gewesen. Sowohl Forstall als auch Williamson wurden schließlich 2012 nach der verunglückten Einführung von Apple Maps in iOS 6 entlassen.

Selbst Siri-Entwickler hätten erst 2015 vom HomePod erfahren

 Erst 2015 hätten Siri-Entwicker vom Apple HomePod erfahren. fullscreen
Erst 2015 hätten Siri-Entwicker vom Apple HomePod erfahren. (©YouTube/TouchBenny 2018)

Apples berüchtigte Geheimniskrämerei soll ebenfalls dazu beigetragen haben, dass sich Siri nicht wie erhofft entwickelte. So hätten zwei Siri-Entwickler gegenüber The Information mitgeteilt, sie hätten vom Apple HomePod erst im Jahr 2015 erfahren – deutlich nach der Vorstellung des Amazon Echo im Herbst 2014. Apples ursprünglicher Plan sei es gewesen, den HomePod sogar ohne Siri in den Handel zu bringen. Siri sei auch der Grund dafür, dass Apples erster Smart Speaker unter seinen Möglichkeiten bleibe, und im Vergleich zu Amazon Alexa und Google Assistant deutlich eingeschränkter sei.

Kein vernünftiges Siri-Ökosystem für Drittentwickler

Ein noch viel größerer Fehler sei es jedoch, dass es bis heute für Siri kein eigenes Ökosystem für Drittanbieter-Entwickler gebe – was eigentlich ein Schlüsselelement der originalen Version von Siri hätte sein sollen. Erst 2016 rang sich Apple dazu durch, ein Sirikit für Entwickler bereitzustellen. Doch die Möglichkeiten für Drittanbieter sind nach wie vor äußerst beschränkt, lediglich 10 Aktivitäten könnten Programmierer über die Schnittstelle nutzen, etwa Zahlungen, Buchungen oder auch das Erstellen von To-do-Listen.

Apple: Siri ist der "populärste Sprachassistent" der Welt

Zahlreiche Entwickler von Sirikit hätten Apple bereits verlassen oder seien für andere Projekte abgezogen worden. Einige ehemalige Mitarbeiter merkten an, Apple habe sich zwar als Dienstleistungsunternehmen neu erfinden wollen, der Kern des Herstellers sei aber nach wie vor der Produktdesign. Apple betonte in einer Stellungnahme, Siri sei weltweit der "populärste Sprachassistant". Man hätte "signifikante Fortschritte" in puncto "Performance, Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit" erzielt.

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