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Apple Pay und Google Pay sind da: Jetzt gibt es keine Ausreden mehr!

Dienste wie Google Pay könnten Bargeld bald überflüssig machen.
Dienste wie Google Pay könnten Bargeld bald überflüssig machen.

Mit dem Start von Apple Pay ist das Thema Mobile Payment endgültig in Deutschland angekommen. Gemeinsam mit Google Pay und dem Bezahldienst der Sparkassen sind damit die Weichen für einen Durchbruch gestellt. 2019 wird zeigen, ob die Technik hierzulande eine Chance hat.

Fast jeder, der sich dafür interessiert, hat es in den vergangenen Monaten und Jahren einmal gehört: Deutschland ist ein schwieriger Markt für Mobile Payment. Die Deutschen, so der allgemeine Tenor, lieben ihr Bargeld und bezahlen am liebsten mit Münzen und Scheinen. Dort, wo sie doch mal Plastikkarten nutzen, sind es in der Regel keine Kreditkarten von Visa und Co., sondern die Girocards der Sparkassen und Volksbanken.

Plötzlich kommt Bewegung in die Sache

Trotz dieser wenig einladenden Ausgangslage startete im Sommer dieses Jahres überraschend Google Pay in Deutschland. Der Bezahldienst lässt sich seither theoretisch auf allen Android-Smartphones mit NFC-Schnittstelle nutzen – vorausgesetzt natürlich, man besitzt eine Kreditkarte von einer teilnehmenden Bank. Seit Oktober lassen sich sogar PayPal-Konten mit Google Pay verknüpfen, sodass der Kreis derer, die den Dienst nutzen können, nochmal deutlich größer geworden ist.

Doch nicht nur das: Zwischenzeitlich haben auch die Sparkassen einen eigenen mobilen Bezahldienst für Smartphones an den Start gebracht, den theoretisch Millionen von Sparkassenkunden nutzen können. Richtig rund wird die Sache allerdings mit dem nun erfolgten Deutschlandstart von Apple Pay, denn ab sofort können auch iPhone-Besitzer das mobile Bezahlen ausprobieren.

Mobile Payment könnte vor dem Durchbruch stehen ...

Was man also schon mal festhalten kann, ist, dass sich in Bezug auf Mobile Payment in Deutschland in den letzten sechs Monaten mehr getan hat, als in all den Jahren zuvor. Mit Apple Pay und Google Pay sind die größten internationalen Player am Start und Sparkassen sowie Volksbanken bieten einem großen Teil ihrer Kunden mittlerweile ebenfalls vergleichbare Bezahlsysteme an.

Sogar der Einzelhandel hat zum großen Teil die Zeichen der Zeit erkannt. Viele große Handelsketten wie SATURN, Aldi und Rewe haben ihre Kassen schon mit NFC-Lesegeräten ausgestattet, andere sind entweder auf dem Weg dahin oder haben eine Umrüstung zumindest geplant. Mittlerweile sollen bundesweit etwa 820.000 Kassenterminals für das Zahlen mit dem Smartphone umgerüstet sein, was einem Anteil von über 75 Prozent entspricht. Kleinere Geschäfte, die bislang noch keine Veranlassung dazu sahen, könnten über kurz oder lang überlegen, kontaktloses Bezahlen ebenfalls anzubieten.

Ich selbst nutze Google Pay und den Smartwatch-Bezahldienst Garmin Pay seit der Launch-Phase im Sommer und kann bestätigen, dass der Handel zwar langsam, aber doch merklich auf die neuen Anbieter reagiert. Sogar der kleine U-Bahn-Kiosk in der Nähe meiner Wohnung bietet neuerdings die Möglichkeit zur NFC-Zahlung. Für meinen Alltag bedeutet das tatsächlich, dass ich immer weniger Bargeld bei mir trage und mir damit den einen oder anderen Gang zum Bankautomaten sparen kann.

... wenn die Kunden mitspielen

Doch während die infrastrukturellen Voraussetzungen für das Zahlen mit dem Smartphone gerade geschaffen werden, bleibt der Kunde die große Unbekannte in dieser Gleichung. Denn die Vorbehalte der meisten Deutschen gegen das Zahlen ohne Bargeld sind nach wie vor sehr groß, wie ich auch selbst immer wieder in Gesprächen feststellen muss. Wenn dann auch noch Konzerne wie Apple oder Google ins Spiel kommen, die vielen Menschen ohnehin schon unheimlich genug erscheinen, wächst die Skepsis noch zusätzlich an.

Ein Problem ergibt sich dabei allein schon aus der Tatsache, dass die Deutschen generell eher Kreditkarten-Muffel sind. Wenn überhaupt, dann nutzen die meisten die Girocards der deutschen Banken, die zwar in der Praxis am Kassenterminal genauso funktionieren wie eine Visa- oder Mastercard, mit Apple Pay oder Google Pay jedoch nicht kompatibel sind.

Selbst wenn man also annimmt, dass zahlreiche User auch hierzulande grundsätzlich ein Interesse an Mobile Payment haben, dürfte es bei vielen Menschen an der fehlenden Kreditkarte scheitern – eine nicht zu unterschätzende Einstiegshürde.

PayPal könnte in die Bresche springen

Allerdings gibt es auch in Deutschland schon seit längerem einen digitalen Bezahldienst, der zumindest bei der jüngeren Zielgruppe sehr beliebt ist: PayPal. Wie eingangs erwähnt, lassen sich seit Oktober auch vorhandene PayPal-Konten mit Google Pay verknüpfen, sodass viele User den mobilen Bezahldienst darüber nutzen können. Zumindest in meinem Umfeld kenne ich kaum jemanden, der nicht über ein PayPal-Konto verfügt. Viele meiner Freunde und Bekannten nutzen den Zahlungsdienstleister sogar regelmäßig.

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PayPal könnte die Brücke zwischen deutschen Bankkunden und Google bzw. Apple schlagen.

PayPal hat meiner Meinung nach also durchaus das Potenzial, der fehlende Baustein zwischen den deutschen Bankkunden und den mobilen Bezahldiensten der US-Technologiekonzerne zu werden. Umso ärgerlich ist natürlich, dass Apple Pay den Dienst zum Launch nicht unterstützt. Ob und wann sich das ändert? Unbekannt!

2019 wird das Jahr der Wahrheit für Mobile Payment

Die Ausgangslage dafür, dass sich Mobile Payment in Deutschland endlich durchsetzen könnte, ist also gar nicht so schlecht. Nie zuvor gab es so viele Player auf dem Markt und so viele Möglichkeiten, die Dienste zu nutzen. Die immer noch bestehenden Hürden ließen sich dabei sicherlich recht schnell beseitigen, sollte das Mobile Bezahlen wirklich an Fahrt gewinnen.

2019 wird somit unweigerlich zum Jahr der Wahrheit für Mobile Payment in Deutschland. Sollten die Kunden trotz wachsender Angebote und steigender medialer Aufmerksamkeit im nächsten Jahr nicht auf das Thema einsteigen,  muss man wohl von einem Fehlstart sprechen.

Ich selbst bin dabei trotz allem guter Dinge. Mich konnte die Technik nämlich im Alltag schon überzeugen und ich bin mir sicher, dass es zumindest in der jüngeren Generation einige User gibt, für die das Thema Mobile Payment trotz aller Unkenrufe interessant sein könnte.

Und wenn nicht? Dann bleiben Apple Pay und Co. eben dauerhaft Nischenangebote für eine kleine Zielgruppe. Das ist zwar sicherlich nicht das, was die Konzerne aus dem Silicon Valley im Sinn haben, aber wäre eben auch ganz allein deren Problem. Für uns als Kunden bedeutet das Aufkommen von Mobile Payment zunächst mal nichts anderes, als eine weitere Option zum Bezahlen in Ladengeschäften – und mehr Optionen sind eigentlich immer besser als weniger.

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