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Apple tut sich mit den neuen iPads keinen Gefallen

Mit dem iPad Air 3 ist Apples Tablet-Angebot über ein gesundes Maß hinaus gewachsen.
Mit dem iPad Air 3 ist Apples Tablet-Angebot über ein gesundes Maß hinaus gewachsen.

Mit der Präsentation des neuen iPad Air (2019) und des iPad mini 5 ist Apples Tablet-Angebot ziemlich unübersichtlich geworden. Früher gab es nur das normale iPad und das iPad Pro und die Unterschiede waren klar. Jetzt ist eine Fülle an recht ähnlichen Modellen erhältlich – und mit dieser Strategie geht der Hersteller ein großes Risiko ein.

Es gibt also jetzt, nach vielen Jahren, ein iPad Air 3 und ein iPad mini 5. Der Vorgänger iPad Air 2 erschien im Oktober 2014 und das iPad mini 4 im September 2015. Anschließend wurde die iPad-Air-Serie eingestellt und durch das "normale" iPad für Menschen mit kleinem Geldbeutel und ohne Grafikdesigner-Ambitionen ersetzt. Für Letztere bietet Apple die iPad-Pro-Modelle an. Das iPad mini wurde derweil durch das iPhone XS Max überflüssig gemacht. Und dann kam alles ganz anders.

Warum bringt Apple alte Tablets wieder auf den Markt?

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Das iPad Air 3, das iPad 9.7 und das iPad mini 5 ergänzen die iPad-Pro-Modelle.

Das iPad mini 5 sieht genauso aus wie das iPad mini 4, als hätte es die letzten vier Jahre Fortschritt beim Design nie gegeben: Ein riesiger Displayrand, kein Face ID. Auf den ersten Blick ist es dasselbe Tablet. Derweil ähnelt das iPad Air 3 dem normalen iPad 9.7, auch hier sind die Bildschirmränder sehr dick für ein modernes Gerät.

Dank neuer Chips rechnen die iPad-Neuauflagen zwar schneller als ihre Vorgänger – allerdings bekommt das iPad 9.7 auch jedes Jahr einen kräftigeren Prozessor spendiert. Und sämtliche aktuellen Apple-Tablets unterstützen den Apple Pencil – wie einst nur das iPad Pro. So wird es immer schwerer, die iPads auseinanderzuhalten.

Gewiss haben sich viele eine Neuauflage des iPad mini gewünscht und auch ich finde es recht charmant, alleine schon wegen des Nostalgiefaktors. Allerdings ist das Mini-Tablet wohl mehr als ein Kuriosum, sondern es steht, vermute ich, für eine neue Strategie von Apple: Möglichst für jede erdenkliche Zielgruppe ein passendes Gerät anzubieten. Vielleicht möchte Apple unter anderem so die schwächelnden iPhone-Verkäufe ausgleichen. Diese Strategie ist für Apple untypisch – und sehr riskant.

Will Apple so sein wie die anderen?

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iPads sind vielleicht bald nichts Besonderes mehr – dann kann man sich ebenso gut ein Huawei-Tablet besorgen.

Andere machen es auch – obgleich vor allem bei Handys, da sich Tablets nicht mehr so gut verkaufen. Samsung bietet eine große Flut an Smartphones an, vom günstigsten Einsteiger-Gerät bis zum teuersten Luxus-Flaggschiff. Huawei hat mit Honor sogar ein Tochterunternehmen gegründet, das günstigere Handys anbietet, darunter Flaggschiffe. Xiaomi handhabt das mit den Poco- und Redmi-Marken ähnlich. Das Problem: Apple ist nicht wie die anderen. Oder war es jedenfalls nicht.

Die Kalifornier haben sich als qualitativ anspruchsvolle und preislich weiter oben angesiedelte Elektronikmarke etabliert. Möchte es Apple nun jedem Tablet-Interessenten Recht machen und bringt zahlreiche Geräte in verschiedenen Preisklassen heraus, dann untergräbt das Unternehmen damit die eigene Marke. Es kommt der Tag, da sagt niemand mehr, "Cool, ein iPad!", sondern nur noch "Ah, Du hast ein Tablet. Ist das von Huawei?"

Das iPad Air 3 verwässert Apples Lineup

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Das iPad Air 3 ist eine irritierende Kreuzung aus iPad Pro und iPad 9.7.

Während das iPad mini 5 als nostalgisches Kuriosum noch eine gewisse Daseinsberechtigung hat, war der Release des neuen iPad Air 3 ein echter Fehler. Die Vorzüge gegenüber dem iPad 9.7 muss man mit der Lupe suchen und die meisten Menschen, die an einem Mittelklasse-Tablet interessiert sind, werden sich diese Mühe lieber ersparen und das günstigere Gerät nehmen.

Nur das iPad Air unterstützt zwar das Smart Keyboard – aber, na und? Dann kauft man eben das iPad 9.7 und dazu eine Bluetooth-Tastatur. Das iPad Air ist schneller, aber diese Mehrleistung können in erster Linie Grafikdesigner gebrauchen, die eher zum iPad Pro greifen. Das iPad Air gibt es auch mit 256 GB Speicher statt "nur" mit 128 GB, aber, tut mir leid, wer braucht das? Wieder nur Zeichner und Grafikdesigner, die sich ein iPad Pro holen. Das Display des iPad Air 3 unterstützt den für Videobearbeitung relevanten P3-Farbraum. Das ist schön – für Leute, die im professionellen Einsatz Videos bearbeiten und sich ohnehin das für Profi-Aufgaben optimierte iPad Pro besorgen.

Fazit: Apple untergräbt sich selbst

Apple hat sich mit den beiden weiteren iPads keinen Gefallen getan. Vor allem das iPad Air 3 steht zwischen den Stühlen und richtet sich nicht eindeutig an eine große Zielgruppe, sondern allenfalls an eine kleine Nische. So kopiert Apple die Strategie von Android-Anbietern wie Samsung, Huawei und Xiaomi, den Markt mit einer Unzahl an Geräten zu fluten und zu hoffen, dass sie schon irgendwo hängen bleiben.

Das funktioniert zwar einigermaßen für die Android-Konkurrenten, aber eben nur, weil sie nicht den luxuriösen und exklusiven Anspruch der Kalifornier teilen. Apple hingegen ist traditionell etwas, das sich eben nicht jeder leisten kann oder will. Etwas Besonderes, etwas – vom Anspruch her – Besseres.

Das iPad 2 war noch kein Tablet von der Stange.

Tatsächlich habe ich mir selbst nie ein Produkt von Apple gekauft. Mir wurde vor ein paar Jahren für einige Monate ein iPad 2 ausgeliehen und als Technikjournalist bekam ich später einige Testgeräte in die Hand gedrückt. So habe ich Apple kennengelernt. Das geliehene iPad hatte sich damals wie etwas Besonderes angefühlt, mit der wertigen Metallverarbeitung und dem reibungslos funktionierenden iOS – Android war damals von allerlei Problemen geplagt.

Seitdem denke ich mir: Ja, Apple wäre schon irgendwie cool, aber es muss nicht unbedingt sein. Das ist Luxus und es gibt wichtigere Dinge, für die man Geld ausgeben kann. Oder wird es doch einmal etwas von Apple geben? Vielleicht bin ich eines Tages unvernünftig und gönne mir etwas?

Ähnlich werden Apple viele wahrnehmen. Und nun riskiert das Unternehmen, diesen Glanz zu verlieren. Bald kann sich einfach jeder ein iPad besorgen und es steht im Elektronikmarkt neben dem neuesten Huawei-Tablet. Ich glaube, dann werde ich es gar nicht mehr wollen.

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