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Avast sammelt und verkauft im großen Stil Nutzerdaten

Die Antivirensoftware von Avast wurde jahrelang für eine riesige Datensammelaktion genutzt.

Die Antivirensoftware Avast sammelt offenbar seit Jahren im großen Stil Browserdaten ihrer Nutzer, die anschließend an Dritte verkauft werden. Unter den Käufern sind auch Tech-Größen wie Google und Microsoft.

Am lukrativen Geschäft rund um Nutzerdaten wollen anscheinend auch Anbieter von Sicherheitssoftware zunehmend mitverdienen. Dies haben zumindest die Redaktionen von Vice und PC Mag bei einer gemeinsamen Recherche in Bezug auf Avast aufgedeckt. Der Softwareanbieter sammelt und verkauft über seine Tochterfirma Jumpshot offenbar seit Jahren detaillierte Nutzerdaten.

"Jede Suche, jeder Klick jeder Kauf auf jeder Website"

Jumpshot durchforstet die Browserdaten der Avast-Nutzer und verspricht in einem Werbeslogan, "jede Suche, jeden Klick, jeden Kauf auf jeder Website" zu erfassen. Erfasst wurden ganz konkret Google-Suchen, Ortssuchen und zugehörige GPS-Koordinaten aus Google Maps, besuchte LinkedIn-Seiten, geschaute YouTube-Videos und sogar besuchte Porno-Seiten inklusive der dort verwendeten Suchbegriffe. Insgesamt soll das Unternehmen über Daten von 435 Millionen monatlich aktiven Nutzern gesammelt haben.

Verkauft werden diese Daten offenbar anonymisiert. Durch die Geräte-ID, die Avast allerdings durchführt, ließen sich theoretisch jedoch Rückschlüsse auf die Identität der Nutzer ziehen. Ob dies tatsächlich geschieht und ob diese Informationen mit dritten Parteien geteilt werden, konnte die Recherche nicht aufdecken.

Daten wurden über das Avast-Browser-Plugin gesammelt

Für die Erfassung der Daten nutzte Jumpshot offenbar jahrelang eine Browser-Erweiterung von Avast, die Nutzer eigentlich für den Schutz ihrer Webaktivitäten installiert haben. Auch das entsprechende Plugin des Schwesterproduktes AVG wurde zu diesem Zweck anscheinend eingesetzt. Durchgeführt wurde diese Form der Datensammelei bis mindestens Oktober 2019. Damals machte Adblock-Plus-Entwickler Wladimir Palant die Praxis öffentlich. Browser-Anbieter wie Google, Mozilla und Opera verbannten anschließend die Erweiterungen von ihren Plattformen.

Namhafte Firmen interessieren sich für die Daten 

Seither soll die Datensammlung über die Antivirensoftware von Avast selbst erfolgen. Seit Neuestem werden Nutzer dabei offenbar über ein Pop-up zur Einwilligung in die Datensammlung gebeten. Noch ist unklar, ob die Nutzer dabei darüber aufgeklärt werden, dass ihre Daten für den Verkauf an Dritte vorgesehen sind. Zu den bekanntesten Käufern von Datensätzen gehören laut den Recherchen neben McKinsey, Pepsi, Home Depot, Condé Nast und Yelp auch Google und Microsoft.

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