Beatbox made by Smudo: So richtig oldschool

Smudo war schon in jungen Jahren ein Technik-Fan.
Smudo war schon in jungen Jahren ein Technik-Fan. (©picture alliance/rtn - radio tele nord 2018)

Die nächste amerikanische Metropole lag knapp 6.000 Kilometer entfernt, und Rap war noch ein kleines Pflänzchen. Zum Glück hatte Smudo in den 80ern einen Lötkolben und ein paar Platinen zum Selbstausdrucken.

"Früher druckten Computerzeitschriften Bilder von Leiterbahnen ab. Wenn man die kopierte und anstelle des Papiers eine Folie auflegte, die man dann wiederum auf einer Platine anbrachte und das in der Sonne belichtete, konnte man seine eigenen Platinen herstellen. Man musste sie eben selbst ätzen. Im Säurebad verschwand der Lack rund um die Belichtung.

Es war die Zeit direkt nach der Datasette, wir sind also in den tiefen 80ern. Eine Platine konnte jedenfalls drei EPROMS abspielen – und EPROMS mit Beats aus amerikanischen Rhythmusmaschinen konnte man wiederum bei speziellen Chip-Versendern bestellen. Sequenzer-Technologie wurde ja erst später erfunden. Und eine eigene Rhythmusmaschine konnten wir uns nicht leisten. Die waren damals einfach zu neu und damit zu teuer für uns. Also blieb uns gar nichts anderes übrig, als sie selbst zu bauen. Ich habe damals mit Andy auf einem Rechner von Texas Instruments Spiele programmiert. Technikinteresse und Nerdtum waren also ausreichend vorhanden.

Die erste eigene Beatbox von Smudo und Andy

Wir haben dann mit einem CBM 620 herumhantiert. Ein eher öder Bürocomputer von Commodore. Der hatte aber User Ports und war daher für uns super zum Basteln, Löten und Ausprobieren. Da hat Andy die selbst geätzten Platinen eingesetzt. Man konnte die schnell und langsam abspielen und auch im Sound ein wenig, ganz wenig, variieren. Das war unsere erste eigene Beatbox. Wir haben sie Bronx Box genannt, weil wir das Amerikanischsein natürlich total cool fanden.

Ich komme ja aus Stuttgart. Das war US-Besatzungszone, und da waren eben überall Clubs, wo die GIs hingingen. Da bin ich zum ersten Mal mit der DJ-Kultur in Berührung gekommen. Die haben gescratcht und gemixt, Songs, die mir völlig fremd waren. Gerappt wurde auch, aber das waren mehr gebellte Befehle als echter Sprechgesang. "Move ya" und so was. Aber mir gefiel der ganze Style, Basecap, Goldkette. Ich wollte auch so sein und, natürlich, Mädchen beeindrucken.

Von Ray Charles ...

Zusammen mit den Platten meines Vaters hat sich daraus aber dann mein Musikgeschmack entwickelt. Der hatte nämlich richtig gute Soulplatten, direkt aus den USA mitgebracht: Ray Charles, The Temptations, Sly & the Family Stone. Die haben wir nass abgespielt. Das hat man gemacht, damit die Platte nicht kratzt. Dazu hat man sie während des Abspielens mit einer Spiritusmischung bestrichen. Das war ein hervorragender Sound. Problem war aber, dass man die Platte nie wieder trocken abspielen konnte, weil sie dann umso mehr knisterte. Nass abgespielte Platten brachten mir jedenfalls den Soul nahe.

... zu Grandmaster Flash

Und dann hörte ich Grandmaster Flash. Das war zu der Zeit, als der DJ noch der Star war und der Rapper sich gerade emanzipierte. Es war die Verbindung zwischen den nass abgespielten Platten und den GIs. Und unser Elektronik-Bastel-Interesse trieb uns an, solche Musik zu machen. Es hat dann letztlich ja auch gut funktioniert."

Info
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