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Bei Huawei nachgefragt: Wie sieht die Smartphone-Zukunft aus?

Wohin wird Huaweis Reise führen? Wohin die der anderen Smartphone-Hersteller?
Wohin wird Huaweis Reise führen? Wohin die der anderen Smartphone-Hersteller? (©picture alliance/dpa 2016)

Smartphones und Tablets sind heute alltägliche Begleiter mit vielfältigen Funktionen. Wie sieht ihre Zukunft aus? Der chinesische Hersteller Huawei hat sich ein wenig in die Karten schauen lassen, welche Faktoren für zukünftige Produktentwicklungen wichtig sind.

Fotografieren, im Internet surfen, soziale Kontakte pflegen, Musik hören, spielen, Bilder archivieren, navigieren, Bücher lesen, kommunizieren und – ach ja, auch das – telefonieren: Smartphones und Tablets bieten eine Funktionsvielfalt, die den legendären Communicator der Raumschiff Enterprise-Crew alt aussehen lässt. Die mobilen Alleskönner sind heute fester Bestandteil unserer digitalisierten Gesellschaft, was 1994 bei der Einführung des ersten "Smartphones" wohl kaum zu erwarten gewesen war. Das "Simon" von IBM bot damals gerade mal eine Stunde Telefonierzeit (Standby-Betrieb: 12 Stunden), eine 16-Mhz-CPU, 1 MB Speicherplatz und ein sehr kontrastarmes, monochromes, mit 160 x 293 Pixeln auflösendes Display – und das alles bei über 20 Zentimetern Länge und einem Gewicht von mehr als einem halben Kilogramm.

Ist die Marktentwicklung immer noch unvorhersehbar? Wie könnte sich beispielsweise in fünf Jahren die Smartphone- und Tablet-Welt darstellen? Eine entsprechende Anfrage bei mehreren Herstellern zur Trendeinschätzung blieb leider weitgehend ohne Antwort. Lediglich Huawei ließ sich etwas in die Karten gucken. Der chinesische Anbieter für Informationstechnologien und Telekommunikationslösungen beschäftigt weltweit über 170.000 Mitarbeiter. Seit 2001 ist er an 18 Standorten auch in Deutschland aktiv und gilt als größtes chinesisches Unternehmen im Land. Mit Nachdruck arbeiten die Asiaten daran, sich als Marke neben Platzhirschen wie Apple, Samsung, Sony oder HTC zu profilieren.

Bedeutung der Fotofunktion wächst weiter

"Ob die Geräte in einigen Jahren ganz anders aussehen als zu diesem Zeitpunkt, ist zweifelhaft", sagt Matthias Mittelviefhaus, Vice President Consumer Business Group bei der Huawei Technologies Deutschland GmbH. "Aber wer die Trends von morgen wissen möchte, muss sich an den Bedürfnissen der Kunden von heute orientieren." Für sein Unternehmen fange daher die Zukunft im Hier und Jetzt an und da gäbe es bereits einige Kriterien, die auch in Zukunft wichtig für die Produktentwicklung seien.

Ein Thema wird weiterhin Diversifikation sein, also die Entwicklung von Produkten mit unterschiedlichen Schwerpunkten für unterschiedliche Kundeninteressen. Ob Multimedia, Business-Einsatz oder Fotografieren, es wird auch künftig Spezialisten geben. Apropos Fotografieren: Laut Matthias Mittelviefhaus wird die Bedeutung dieser Funktion weiter wachsen und künftige Produktgenerationen prägen. Ein aktuelles Beispiel im Huawei-Portfolio für diesen Trend ist das Smartphone P9 mit einer Dual-Kamera, die in Zusammenarbeit mit dem renommierten deutschen Kamerahersteller Leica entwickelt wurde.

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"In Zusammenarbeit mit Leica" prangt auf der Produktseite des Huawei P9. (©TURN ON 2016)

510 Gramm Gewicht, Abmessungen von 20 x 6,4 x 3,6 Zentimetern – das klobige Türstopper-Design von "Simon" ist natürlich längst überholt. Aber nach Einschätzung von Matthias Mittelviefhaus werden die Grundzüge aktueller Designs auch bei zukünftigen Geräten zu finden sein. Elegante Formensprache, flache Bauweise, weitgehend nahtlos verarbeitete Gehäuse mit angenehmer Haptik und eher dezente Farben sind relevante Eckpunkte; für Mobilgeräte sind ebenso ein möglichst geringes Gewicht und lange Akkulaufzeiten wichtig. Für die Größe gilt zukünftig wie heute: Das Display gibt das Format vor und muss hierbei – gerade bei Smartphones – ein Gleichgewicht zwischen gewünschter Funktionalität und gutem "Packmaß" finden. Heutige XXL-Geräte der 6-Zoll-Klasse wie das Huawei Mate 8, Sony Xperia Z Ultra oder Nokia Lumia 1520 dürften da bereits eine Grenze markieren.

Smartphone-Displays mit 11K-Auflösung

In technischer Hinsicht ist eine Prognose noch schwieriger als beim Design abzugeben. Die Entwicklung ist einfach zu schnell. Immer kleinere und leistungsfähigere Komponenten lassen Prozessorgeschwindigkeiten und Speicherkapazitäten stetig ansteigen, die Display-Auflösung wird immer größer. LED- und AMOLED-Bildschirme erreichen bereits Werte bis zu 4K (3840 x 2160 Pixel). Eine Unternehmensgruppe um den Hersteller Samsung möchte schon 2018 einen Display-Prototypen mit 11K-Auflösung (11264 x 6336 Pixel) für 3D-Effekte ohne Brille vorstellen.

Bleibt ein letzter wichtiger Bereich: die Bedienung. Smartphones und Tablets sind mit den gängigen Betriebssystemen Android, iOS und Windows relativ einfach zu bedienen, doch die Anforderungen werden mit zunehmender Vielfalt und Komplexität der Systeme, Funktionen und Apps steigen. Damit dürften künftig intuitive Bedienungen an Bedeutung gewinnen. Gestensteuerung ist bereits etabliert. Im Kommen sind drucksensitive Displays mit zusätzlichen Steuerungsmöglichkeiten oder Schaltelemente, die per Fingerabdruck aktiviert werden.

Anklopfen für ein Selfie

Produkte der chinesischen Marke Huawei bieten zudem eine "Knuckle Sense"-Steuerung. Durch das Klopfen mit einem oder mehreren Fingerknöcheln auf das Display werden Funktionen wie Screencast, Selfie-Fotos, Anrufannahme und Ähnliches aktiviert. Eine weitere Spezialität von Huawei ist die Bedienoberfläche Emotion UI als benutzerfreundliche Ergänzung des Android-Betriebssystems. Sie soll das Anpassen der Geräte an individuelle Bedürfnisse erleichtern und wird in weiterentwickelter Form auch bei kommenden Gerätegenerationen eingesetzt.

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Huaweis "Knuckle Sense"-Bedienung bietet neue Möglichkeiten. (©Facebook/Huawei Mobile 2016)

Fazit

Es sieht nicht so aus, als würde bei Smartphones und Tablets in den nächsten Jahren ein revolutionärer Umbruch stattfinden. Angesagt ist eher eine sanfte Evolution, bei der bestehende Kriterien stetig weiterentwickelt werden. Was der Huawei-Manager als Produktrichtlinie für die Zukunft definiert, dürfte ebenfalls für die meisten seiner Mitbewerber gelten: "[...] der Kunde sagt, was er wünscht und wir versuchen, es bestmöglich umzusetzen."

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